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Samstagnachmittagsvermissung, 26,5 Jahre später

24. März 2018

Da räumt man eben die Wäsche aus der Maschine, da fährt einem ein Queen-Song ein und schlägt gleich um in den schmerzlichen Wunsch, dass Freddie Mercury doch nie aufgehört hätte zu singen, welcher seinerseits spätestens bei diesem Lied in Tränen übergeht. Ach, Freddie, wie lang hättest du mit den Medikamenten von heute noch leben können…

Edit: Stunden später höre ich immer noch Queen und bin verliebter denn je in diese Stimme. Was ein Verlust, noch immer…

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Von #unibrennt bis #omasgegenrechts – was hat sich geändert?

19. Januar 2018

Gestern war ich zu Gast im Studio von Ö1, um vor dem Hintergrund  der jüngsten Demonstration in der Sendung Punkt eins mit Xaver Forthuber und dem Staatswissenschafter Martin Dolezal zu diskutieren über Protest! Österreich auf der Straße. Medienwissenschaftlich habe ich mich zuletzt in den Jahren 2009-2012 mit der hiesigen Protestkultur auseinandergesetzt (u.a. hier, hier, hier oder hier). Die Einladung war für mich ein willkommener Anlass, um darüber zudenken, was sich seither geändert hat im Umgang mit sozialen Medien in der hiesigen Protestkultur.

Was hat sich von 2009 bis 2018 in diesem Feld geändert? Funktionieren die jüngeren Proteste und Demonstrationen in Österreich ähnlich wie #unibrennt? Gibt es Bruchlinien oder Weiterentwicklungen? Und warum stelle ich diese Fragen ausgerechnet jetzt?

Von Medien und Mobilisierungen

Grundsätzlich gilt: Jede Protest- oder Mobilisierungs-Generation benutzt ihren je ganz eigenen Mix an Medienformen. In einer sich stets wandelnden Medienkultur ist das wenig überraschend. Dem jeweils jüngsten Medium wird dabei oft eine besondere Wirkmacht zugeschrieben. Zum Beispiel Fernsehen: 1960 wurde in den USA die Live-Politdebatte als neues TV-Format eingeführt – John F. Kennedys überlegene Bildschirm-Performance gilt mit als Grund für seinen Sieg über den weniger telegenen Richard Nixon. In vergleichbarer Weise fiel Barack Obamas Wahlkampf 2008 zusammen mit dem Durchbruch von Social Media als alle Sphären durchdringendes Kommunikationsmedium und wird als beispiellose Social-Media-Kampagne erinnert.

Medien und Mobilisierung in Österreich

Auch in Österreich hat sich in der Vergangenheit eine solche Verknüpfung von Mobilisierungserfolg und Medieninnovation beobachten lassen: Der Twitter-Hashtag #unibrennt wurde symbolisch für die in Wien begonnenen Studierendenproteste in den Jahren 2009/10, als in so noch nicht da gewesener Weise Web 2.0 und Social Media zur Protestorganisation eingesetzt wurden.

Die Wiederkehr der Großdemos (?)

Der große Anlass, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, ist natürlich die Wiederkehr der Großdemonstrationen in Österreich, als die das vergangene Wochenende womöglich gewertet werden kann: 20.000 (krone.at) bis 70.000 (Veranstalter) Menschen protestierten in Wien gegen die türkis-blaue Regierung. Damit ist diese Demonstration zu groß, um sie als Randgruppenmanifestation kleinzureden aufzufassen, und ihr Anliegen breit genug, um auf ebenso breite Sympathien zu stoßen.

Denn um Protest gegen Einschnitte im Sozialsystem und gegen Schwächung von Gewerkschaften und Arbeiterkammer ging es den Veranstaltern. Eben das hatte diese Demo #gegenschwarzblau mit anderen wie #unibrennt oder auch #occupywallstreet gemeinsam: Soziale Gerechtigkeit und breiter Zugang zu Bildung sind Anliegen, die bei jedem positive Resonanz erzeugen sollten, dem ein humanistisches Weltbild etwas bedeutet.

Der Protest und seine Erforschung

Martin Dolezal von der Uni Wien (bald IHS) leitet ein laufendes Forschungsprojekt zur österreichischen Protestarena im 21. Jahrhundert, das sich explizit Formen der „unkonventionellen Partizipation“ widmen will. Diese wird begriffen als Gegensatz zur konventionellen, d.h. staatlich kontrollierten Partizipation, wie sie beispielsweise Wahlen darstellen. Denn, so Dolezal:

„Politischer Protest – das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung – ist ein relevanter Aspekt der Demokratie. Doch leider erfährt diese Art der unkonventionellen Partizipation nicht immer die entsprechende wissenschaftliche Würdigung“.

Aus medienwissenschaftlicher Perspektive beschäftige ich mich weniger mit den Protestierenden, als mit den Medien, die sie verwenden und Produzieren. Die mediale Organisation und Ästhetik von vernetzten Protesten sowie der Diskurs über diese Medien sind mein Gegenstand. Zu Dolezals Einschätzung würde ich entsprechend in McLuhanscher Diktion ergänzen wollen:

The (new) medium is the message!

Oder auch: Wenn politische Proteste sich gesellschaftlich wirksame Medieninnovationen zunutze machen, können sie zusätzlich profitieren von der Aufmerksamkeit, die der Medieninnovation selbst gerade zuteil wird.

Barack Obamas Wahlkampf war u.a. auch deswegen so elektrisierend, weil er es erlaubte, eine Medieninnovation erstmals in dieser Form in Aktion zu beobachten. Ihr erinnert euch an die Yes We Can-Videos, die Polit- und Popkultur ebenso zusammenbrachten, wie sie dann beim Teilen im Facebook-Stream aufeinander trafen? Gänsehaut.


Die wissenschaftliche Auseinandersetzung folgte auf dem Fuße: Wie ein kurzer Check bei Google Scholar zeigt, sind mit dem Stichwort „Obama Campaign“ vor allem solche Artikel verknüpft, die sich zugleich auch der Medieninnovation Social Media widmen. Das ist wenig überraschend: Die Wissenschaft der Mediengesellschaft würdigt gesellschaftliche Mobilisierung vor allem dann, wenn diese mediatisiert erfolgt.

Besonders hervorzuheben an #unibrennt ist, dass man auch die wissenschaftliche Würdigung gleich selbst mit anstieß. Der Band Uni brennt. Grundsätzliches – Kritisches – Atmosphärisches wurde von den Master- und Doktoratstudierenden Stefan Heissenberger, Viola Mark, Susanne Schramm, Peter Sniesko und Rahel Sophia Süß selbst herausgegeben (Turia + Kant 2010). Gemeinsam mit Viola und Max Kossatz trug ich damals einen Beitrag zur Verwendung von Web und Social Media bei.

#unibrennt als Medieninnovation

Wie sah es aber aus mit der Wahrnehmungvon #unibrennt außerhalb der Wissenschaft? War man auch hier elektrisiert? Auf alle Fälle auf Seiten der Beteiligten. Die Frage, wer bei einem vernetzten Protest aller beteiligt ist, ist freilich nicht trivial.

Die Vorstellung von Protest ist für viele mit dem Konzept der 1968er verbunden: Protest ist es dann, wenn es auf der Straße (bzw. im physischen Raum) statt findet. Über Social Media entfaltet sich allerdings eine Dynamik der Anteilnahme in Schichten, die für #unibrennt zum Beispiel wie folgt beschrieben werden könnte:

  • Plenum im Audimax: Teilhabe vor Ort.
  • Livestream des Plenums: visuell-auditive Teilhabe
  • Tweets über #unibrennt: Teilhabe durch Lesen UND durch Kommentieren

Selbst wenn diejenigen, die zuschauen, lesen und kommentieren sich selbst nicht als Protestierende identifizieren:  Teilhabe ist in erkennbar anderer Form möglich als bei der Lektüre eines Zeitungsartikels oder eines TV-Berichts.

Der #unibrennt-Livestream wurde zeitweise von über 3000 Personen gleichzeitig geschaut und verzeichnete anfangs über 140.000 Zugriffe in vier Tagen. Live, in Echtzeit, authentisch statt gescripted, in dieser Form experimentell – alles Aspekte, die elektrisierten. Indem die Protestierenden selbst für ihre mediale Übertragung sorgten, boten sie Zuschauenden die Möglichkeit, ein Bild zu machen – statt sich allein auf die etablierten Medien verlassen zu müssen. Und das war aus einem bestimmten Grund sehr wichtig.

#unibrennt und der Alte-Medien-Reflex

Wo immer sich Medieninnovationen zeigen, ist auch die kulturpessimistische Reaktion nicht weit. Neue Medien stehen immer im Verdacht, die Sinne zu überfordern, kritische Distanz zu eliminieren und Auseinandersetzung zu unterbinden. Das galt für den Roman am Ende des 18. Jahrhunderts ebenso wie für den  Film am Ende des 19. oder das Fernsehen in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Was die eine, gerade entstehende Mediengeneration als elektrisierend empfindet, ist für die vorige ein Angriff auf die Sinne. Und das provoziert Abwehrhaltungen.

Typisch für diesen Diskurs empfahl damals etwa Michael Fleischhacker den Protestierenden „Logik statt Twitter„. Im Audimax der Uni Wien ortete er entsprechend eine „Mischung aus Flashmob-Party und Voodoo-Ideologie“. Ebenso diskurstypisch führte er ein etwas älteres gegenüber dem neuen Medium ins Felde. „Vielleicht wäre es schlauer, per SMS eine Logikvorlesung zu organisieren, als Uraltparolen zu twittern.“

Man könnte hier eine Regel postulieren. Das jeweils ältere Medium erscheint immer als das der Vernunft zuträglichere. So, wie heute manche Eltern am traditionellen Fernsehen  loben, dass es eben immer nur zu einer bestimmten Uhrzeit das Sandmännchen abspiele. Aus dem Kinderseelenfresser der 1970er ist auf einmal ein gutmütiger Ritualgeber geworden.

Und wie sieht es im Jahr 2018 aus? Elektrisieren oder provozieren die neuen Medien immer noch?

Die Medieninnovation ist Alltag geworden

Im Großen und Ganzen hat sich Gewöhnung eingestellt. Es ist zum Beispiel keine eigene Meldung mehr wert, wenn sich ein Politiker auf Twitter begibt. Gerade im Jahr 2009 meldeten sich auch die erste Welle bereits aus der traditionellen Mediensphäre bekannter Personen auf Twitter an.

Armin Wolf und Euke Frank (Februar 2009). Martin Thür und Martin Blumenau (März 2009). Corinna Milborn und Hanno Settele (April 2009). Ingrid Thurnher (September 2009). Und während Robert Misik sich schon Mai 2008 anmeldete, gab Michael Fleischhacker erst im September 2013 nach.

Wie zuvor #unibrennt nutzte auch die Großdemonstration #gegenschwarzblau soziale Medien zur Organisation und Kommunikation – nun aber ganz selbstverständlich und ohne Irritation durch das Medium selbst.

Livestreams? Sind längst Alltag und auch mobil geworden. WienTV.org übertrug live von der Mariahilfestraße und wurde allein 26.000 mal aufgerufen. Auch traditionelle Medien, soweit diese Einordnung für einzelne Sparten noch stimmt, posten zeitnah Video-Berichte, etwa derStandard auf YouTube (knapp 12.000 Views).

Und natürlich posteten die Protestierenden vor Ort immer wieder Eindrücke des Geschehens, in Text, Bild und Echtzeit-Video. Wittert hier jemand Flashmob-Party, Voodoo gar? Keine Spur. Auch die Bedenken, ob man überhaupt gefilmt werden will, scheinen geringer geworden zu sein.

Protest plus Medienkompetenz

Und damit hat sich also doch einiges verändert. Nicht im Sinne einer weiteren, disruptiven Innovation, sondern mit Blick auf den Umgang der TeilnehmerInnen mit den nicht mehr ganz so neuen Medien. Man ist medienkompetenter, man ist sich der Mediatisierung bewusster geworden – und ebenso ihres Potenzials.

Etwa hat sich das Bewusstsein erhöht, dass man selbst Berichterstattung leistet und leisten will. Ein Beispiel: User @overratedsamuel postet ein Bild von seinem Lieblingsschild, versehen mit einem Herzchen-Sticker.

Etwas später reicht er dasselbe Bild noch einmal nach, diesmal ohne Herzchen und mit dem Kommentar: „Hier nochmal ohne Sticker, falls das Bild jemand verwenden will.“ In der Tat hat sich in der Zwischenzeit ein eigenes Berichterstattungsgenre entwickelt. Best of Demoschilder, besonders beliebt im Social Web. 21 Schilder, die sich nur Hamburger ausdenken können, sammelte man etwa bei Buzzfeed,.Ähnliche Zusammenstellungen ergänzten auch die Berichterstattung konventioneller(er) Medien. In eine solche Sammlung mit dem eigenen Foto (oder Schild) hineinzukommen, könnte mittlerweile ein (Neben-)Ziel geworden sein.

Eine crossmediale, globale Medien/Protestkultur

Im englischsprachigen Raum ist dieses Genre bereits etablierter. Fotostrecken mit Titel wie „The Best Protest Signs From the Women’s March on Washington“ waren im Januar 2017 auf zahlreichen Media Outlets zu sehen. Und das von Tabloid bis Intellectual: Etwa auf Glamour.com, Slate, Independent, USA Today und natürlich Buzzfeed und Co. Dabei ist es eine Genre auf zwei Ebenen: ein Protestgenre ebenso wie ein Genre der Berichterstattung.

Wessen Ästhetiken verbreiten sich hier global, die der Bürgerrechtsbewegung oder die der Medienkultur? Scharf von einander zu trennen sind diese nicht mehr. Überhaupt ist bemerkenswert, dass erfolgreiche Tweets und Plakate einiges gemeinsam haben – kurz, knackig, nicht mehr als zwei Botschaften pro Stück.

Plakative Protestformate sind entsprechend auch außerhalb von Demonstrationen schon länger zu beobachten gewesen. Nahezu klassische Beispiele sind die Protest-Selfies der Occupy-Wallstreet-Bewegung. Der direkte Blick in die Kamera und die handschriftliche Notiz sind die typischen Authentifizierungsstrategien dieses Protestformats.

We are the 99%

Die Aufmerksamkeit, die einem dieser Beiträge zukommt, steht dabei in Zusammenhang mit den übrigen. Vor allem als Massenphänomen werden sie wahrgenommen – und je mehr witzige Plakate, um so eher bekommt eine Demonstration eine Fotostrecke.

Aufmerksamkeit dank Medienkompetenz

Was braucht ein Protest also, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Eine der Anrufer gestern, Herr Bruni, wies darauf hin, dass traditionelle Medien erst dann berichten würden, wenn es zu Gewalteskalationen bei Demonstrationen käme. Der schwarze Block (ein monolithischer Name für etwas, das sich personell immer anders zusammensetzt), der einerseits den Ruf hat, alle Protestierenden pauschal als linke Bombenleger zu diskreditieren, garantiert andererseits Aufmerksamkeit?

Eine Untergruppe bei #gegenschwarzblau lässt sich hier als Gegenbeispiel, geradezu als Antithese beschreiben. Denn in den letzten beiden Monaten haben sich in Österreich die „Omas gegen Rechts“ formiert. Die Omas organisieren sich auf Facebook (Mediengeneration sind nicht zwingend Alterseinteilungen) und verteilen heißbegehrte Buttons. Bei Demonstrationen werden sie besonders gern fotografiert und bekamen eine eigene Fotostrecke bei Vice. Sie tragen den Pussyhats ähnliche Hauben, aber in ‚omahaft‘. Sie sind eine Omabewegung, aber mit Opas, denn schließlich geht die Lage alle an.

What’s not to like about the Omas? Wenig, wie Twitter-Userin @GertrudeFriese kompakt zusammenfasste.

Ein anderes Detail berichtete @matahari_etc, denn die Omas und der schwarze Block scheinen sich gut zu ergänzen:

Vom Einüben zur Professionalität

Das scheint mir also die bemerkenswerteste Verschiebung zu sein. Während zu Zeiten von #unibrennt  noch das Einüben des individuellen wie gemeinschaftlichen wie gesellschaftlichen Umgangs mit den neuen Medien im Vordergrund stand, sind viele nun Medienprofis im Alltag geworden.

Die Amateur-Debatte, die schon vor zehn Jahren mit altväterlichem Mief daher kam, hat sich erledigt. Social Media-UserInnen sind keine Amateure, aus denen vielleicht einmal JournalistInnen werden. Vielmehr sind die medienkompetente KommunikationsmanagerInnen für ihren Alltag und ihre politischen Anliegen geworden – in their own right.

Das heißt natürlich nicht, dass jeder und jede Facebook-userIn automatisch ein solcher Profi des Alltags ist. Für Protestbewegungen, ihre Organisation und insbesondere ihre Wahrnehmung von außen spielen diese KommunikationsmanagerInnen jedoch eine ganz besondere Rolle – und wie die Omas gegen Rechts zeigen, sind es bei weitem  nicht nur die Digital natives, die hier tragende Rollen spielen.

 

Warum eigentlich Schulen?

8. Januar 2018

Schüler sind gestresster denn je – sicher nicht nur dank mit Kursen vollgestopfter Kalender. In a nutshell, was soll Schule leisten und warum leisten sich Gesellschaften überhaupt Schulen? Hierzu ein kleines Fundstück aus „1000 Jahre Schule“ (S. 9).

Würde man weitere Spuren in der Geschichte verfolgen, dann käme man wahrscheinlich zu dem Ergebnis, daß immer dann Einrichtungen zur Vermittlung bestimmter Kenntnisse und Fähigkeiten geschaffen worden sind, wenn es der heranwachsenden Generation nicht mehr gelang, im Alltag all das wie von selbst zu lernen, was sie für ihr Leben brauchte oder was die Erwachsenen von ihr erwarteten.

Eine bemerkenswerte Herausforderung für die sogenannte digitale Gesellschaft, die selbst nur schwer sagen kann, was sie in fünf Jahren braucht und in der manche Jüngeren kompetenter im Umgang sind mit Medien, vor denen die erwachsenen Generationen Angst haben.

Never Fail Cooking

17. April 2017

Das ist eine Idee – vielleicht mag wer mitmachen. Ich bin kein Foodie und werde nie eine sein, bin aber immer auf der Suche nach Rezepten, die im Alltag gelingen.

Rezeptideen für Never Fail Cooking

Was soll’s sein: Schnelle Gerichte, die euch immer gelingen und euch immer schmecken.

Wie: Bitte auf einer bis zwei DINA4-Seite und als *.txt oder *.PDF downloadbar ins Netz
stellen.

Hashtag: Bitte Link vertwittern und taggen mit #NFcooking

Regeln: Keine außer: Herumnölen an anderen Rezepten ist verboten, konstruktive Variantenentwicklung („Ich hab‘ noch dies und das gemacht“) erlaubt. Wer nicht will, dass sein oder ihr Rezept variiert wird: dann bitte nicht mit #NFcooking taggen.

Mein erster Beitrag dazu: Meiner Mama ihre Kartoffelrösti (PDF)

 

 

(WordPress.com unterstützt kein *.text, zum Kopieren ist hier unformatierter Text):

Aus der Reihe: Never Fail Cooking! (Was ist das? Siehe ganz unten)
Immer gelingende Kartoffelrösti
Von @digiom ihrer Mama
Man nehme:
Kartoffeln nach Belieben, geht auch mit mehligen. Für eine große Pfanne Rösti nehme ich etwa zwei bis drei (zwei sehr große, drei mittelgroße) Kartoffeln. Das reicht für eine Person als Hauptspeise, für zwei als Beilage.
Zum Würzen: Salz, Pfeffer.
Zum Braten: Nach Belieben (ich schwöre auf eine Butter/Öl-Mischung)

So geht’s:
Butter/Öl (oder was man eben hat) in die Pfanne. Bei Butter kurz anschalten, bis Butter verlaufen, dann aber wieder ausschalten. Butter/Öl in der Pfanne verteilen (z.B. mit Pinsel).
Kartoffeln grob raspeln. Da gibt es zwei Wege:
ENTWEDER: Weil es mir eine Schüssel erspart (und sich keine Flüssigkeit absetzt, s.u), reibe ich die Kartoffeln oft direkt in die Pfanne und verteile sie so, dass überall etwa eine 0,5 bis 1 cm dicke Kartoffelraspelschicht liegt. In dem Fall muss man bedenken, dass man Salz und Pfeffer schon währenddessen dazwischen streuen sollte.
ODER: Kartoffeln in eine Schüssel raspeln – bei großen Mengen setzt sich dann schnell unter Kartoffelwasser ab, das man versuchen kann, wieder unterzurühren. Man kann es auch abgießen, muss dann nur beim Braten bissi besser aufpassen, dass nix anbrennt. Salzen, pfeffern umrühren, in der Pfanne verteilen (wie oben: so, dass überall etwa eine 0,5 bis 1 cm dicke Kartoffelraspelschicht liegt).
Deckel drauf! Den Deckel nach Möglichkeit nicht lüpfen (sonst entweicht der Wasserdampf, der mithelfen soll, die rohen Kartoffeln schnell zu garen). Glasdeckel wäre super.
Herd einschalten – nicht zu heiß! Mein Ceran-Herd geht bis Stufe 9, ich drehe kurz auf 9 auf und drehe dann zurück auf 5.
Von einer Seite her OHNE AUCH NUR EINMAL ZU BEWEGEN anbraten. Das dauert bei mir etwa 7 bis 10 Minuten und fängt dann auch schon gut an zu duften. Durch meinen Glasdeckel sehe ich dann, dass es an den Rändern schon braun wird.
Jetzt wenden, nach Möglichkeit im ganzen Stück und von der anderen Seite garen. Auch hier max. 7-10, ich brate die zweite Seite eher kürzer.

DAZU: Gehört für mich kalter Apfelbrei! Mag nicht jeder – probiert mal aus, was dazu passt und gebt gern Bescheid.

Never Fail Cooking!
Was soll’s sein: Schnelle Gerichte, die euch immer gelingen und euch immer schmecken.
Wie: Bitte auf einer bis zwei DINA4-Seite und als *.txt oder *.PDF downloadbar ins Netz stellen.
Hashtag: Bitte Link vertwittern und taggen mit #NFcooking
Regeln: Keine außer: Herumnölen an anderen Rezepten ist verboten, konstruktive Variantenentwicklung („Ich hab‘ noch dies und das gemacht“) erlaubt. Wer nicht will, dass sein oder ihr Rezept variiert wird: dann bitte nicht mit #NFcooking taggen.

Alle Jahre wieder: Fade Sex-Sells Weihnachtsmotive (heute: Müllermilch)

11. November 2015

„Moment, wir brauchen noch ein Weihnachtsmotiv für unseren Kunden, Müllermilch!“

„Wie wäre es mit ein paar halbnackerten Frauen, so in sexy Pin-up-Pose? Verführerisch und, haha, süß wie Müllermilch?“

„Klingt gut!“

„Und für Schoko nehmen wir eine rassige Schwarze, für Vanille eine Blondine, oder?“

„Große Klasse, geritzt!“

So oder so ähnlich muss das abgelaufen sein im Sommer bei irgendeiner Agentur, die für Müllermilch arbeitet. Das Ergebnis ist so voraussehbar, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat  – da will man sich nicht mal mehr zu echter Empörung aufraffen. Schaut selbst:

Details findet man hier. Als Mama mit Erziehungsauftrag habe ich mich zumindest dazu aufgerafft, auch noch ein Mail an Müller zu schreiben – siehe unten. Fader Sexismus ist aber eh Tradition bei Müller, siehe auch die Videobeispiele darunter. Und da süße Milchgetränke nun eh nicht wirklich gesund sind, ist der Verzicht auch kein großer Verlust. Baba, Müllermilch!


Hallo und Grüß Gott,
war das wirklich notwendig, die Weihnachtsedition der Müllermilch-Flaschen
mit halbnackerten Damen zu schmücken? Das alte Schema „Vernasch dieses
Produkt, so wie dich diese Frau einlädt, sie zu vernaschen“ ist doch
wirklich schon so abgedroschen, dass man gar nicht mehr weiß, aus welchem
vergangenen Jahrzehnt, ja Jahrhundert, das nun wieder herausgekrochen ist.
Meinen Kindern werde ich das nicht kaufen, nicht, weil ich sie vor nackter
Haut schützen will, sondern weil weder [für] meine Tochter noch mein[en]
Sohn Frauen mit konsumierbaren Produkten gleichgesetzt werden sollen. Wie
würden Sie die Frage meiner 5-Jährigen beantworten: „Mama, warum hat die
Frau so wenig an?“? Dass Schoko natürlich von einer dunkelhäutigen,
Vanille von einer hellhäutigen geschmückt wird, ist dann nur das
deprimierende Sahnehäubchen auf diesem einfallslosen Sujet. Solange diese
Motive zu sehen sind, kaufe ich jedenfalls keine Müllermilch. Besten Gruß,
Jana Herwig


Videos via @matthiasotto. Und, nein, reverse sexism ist nicht einfallsreich.

Ich bin dann mal grün

18. September 2015

Durchsage für all diejenigen, die Proporze oder Parteibücher beachten müssen: Ich bin dann jetzt grün, offiziell* und in der Bezirksgruppe in Ottakring angedockt.

Das kommt jetzt natürlich nicht überraschend oder doch überraschend, nach dem Grüne-Vorwahlen-Vorspiel vor fünf Jahren (bei dem ich mir nicht sicher bin, ob sich so etwas noch einmal anzetteln würde – anderes Thema).

Warum ich mir nun endlich einen Ruck gegeben habe – die pessimistische Antwort: Ich habe vor der kommenden Wahl gewaltige Angst und wenn es dann zu einem nochmaligen Rechtsruck kommt, dann will ich wenigsten ein bisschen was dafür getan haben, dass es da nicht ganz so scheppert. Die optimistische Antwort: Ich möchte etwas dafür tun, dass wieder ein paar Gute in die Stadtregierun kommen. Bei „Gute“ liegt ja die als Beschimpfung gemeinte Bezeichnung „Gutmensch“ nicht weit. „Gut“ mit Blick auf Grün betrifft für mich vor allem die Vertrauensfrage: Das ist die einzige politische Gruppierung, bei der ich keine Angst habe, dass sie im falschen Moment faule Kompromisse macht – und das ist notwendiger denn je.

Wie fühlt es sich an, für die Grünen auf der Straße zu stehen? Nun gut, wir hatten nicht nur Broschüren, sondern auch Knabberzeug in der Hand, und wo es was umsonst gibt, greifen die Leute zu. So kann man seine Hefterl dann sicher unters Volk bringen.

Und man bekommt auch Rückmeldungen: Manche Leute lächeln, wenn sie deine grüne Montur erkennen, vielleicht ein Signal, dass man auf derselben „Seite“ steht – und das erleichtert mich. Eine Schülerin bittet, bevor sie in die Bahn springt, um ein extra Hefterl – womöglich debattieren sie die Wahl heute in der Schule und sie braucht Wahlkampfmaterial. Ein etwa 16-Jähriger fragt mich, wieso man die Grünen wählen soll. Ich antworte ihm: „Damit das Öffi-Ticket bleibt – das kostet in anderen Großstädten 800, 1000 Euro.“ (Ja, ich hatte mich auf die Frage vorbereitet und mir eine Antwort ausgesucht, zu der man nicht Nein sagen kann;).

Andere signalisieren dir schon mit der Körperhaltung, dass sie nichts wollen oder gar nichts von dir in deiner grünen Kluft haben wollen – gut, weiter lächeln, weitergehen lassen. Eine ältere Dame mit Rollator schnaubt „Die Grünen sicher nicht!“, ein älterer Herr grantelt irgendwas mutmaßlich Unfreundliches mit „Grüne“ über die Schulter, ich reagiere gar nicht, lasse mir aber auch mein Lächeln nicht nehmen.

In der Früh um sieben nehmen die Leute eher etwas an, das sind die Eiligen und die, die in ihre Büros eilen oder ihre Kinder zur Schule bringen. Gegen acht Uhr kommen die Leute mit mehr Zeit, interessanterweise werden die Leute unfreundlicher und ich bin froh, dass ich das nicht den ganzen Tag machen muss. Nach anderthalb Stunden ist das grüne Lastenrad leer geräumt – anderthalb Stunden kann man sich sein Lächeln und seinen Antrieb gut bewahren, ohne dass es einen innerlich anficht.

Nur das mit dem Onlinewahlkampf funktioniert bei mir noch nicht so gut:) Mein doppelter Versuch, ein Bild zu posten, brachte nur schwarze Rechtecke hervor, mein Lächeln fürs Foto ist auch eher gescheitert und den Hashtag für den Wahlkampf habe ich nur geraten:)

*) heißt: offizielle Post vom Vorstand habe ich noch nicht bekommen, aber Tweets aus dem Vorstand habe ich bekommen und die Bezirksgruppe Ottakring hat mich kontaktiert, und ich nehme an, das machen die nicht, wenn dem Antrag auf Mitgliedschaft nicht stattgegeben wurde.

Was es heißt, wenn wir uns „diese Bilder“ nicht anschauen wollen

4. September 2015

Auf Twitter tobt ein Bilderstreit. Die einen sind überzeugt, dass Bilder von der sogenannten Flüchtlingskrise (welch Verharmlosung!) helfen können, Menschen aufzurütteln und vielleicht etwas in der Welt zu verändern. Die anderen sind überzeugt, dass mit den Bildern ethische Grenzen überschritten werden und die Würde im Tod angetastet wird.

Beides sind, scheint mir, Oberflächenargumente, die herangezogen werden, weil sie eine innerliche Distanz ermöglichen: Wir können so unsere eigene Angerührtheit hinter politischen oder medienethischen Positionen verbergen. Gerade Bilder von Kindern in Not, Bilder von toten Kindern führen uns die Unsinnigkeit des Kriegs, die himmelschreiende Ungerechtigkeit vor Augen und das, was nicht sein darf, ist schwer auszuhalten. Alles, was wir hoffen, über das menschliche Miteinander annehmen zu dürfen, gerät ins Wanken. (Es soll Leute geben, die von den Bildern nicht angerührt werden oder deren Angerührtheit dann in menschenfeindliche Kommentare umschlägt, was eine besonders widerwärtige und nicht entschuldbare Art ist, Distanz zu schaffen. Diese interessieren mich hier jedoch nicht).

Nicht jeder mag die Bilder sehen. Manche werden gar zornig, wenn sie ihnen in die Timeline getwittert werden, wo sie doch schon bekundet hatten, dass sie sie nicht sehen wollten. Manche (oder auch dieselben) führen ins Feld, dass es nur an ihrer persönlichen Beschaffenheit läge: Sie höchstselbst könnten mit diesen Bildern nicht umgehen, sie könnten sie nicht abschütteln, sie würden sie im Traum verfolgen, weil eben sie so sensibel sind – m.E. eine weitere Oberflächenargumentation, um den Versuch, die innere Distanz durch ein Bilderverbot zu gewinnen, vor sich zu rechtfertigen (Stichwort: Blackboxing der Wirklichkeit). Aber wer ist mehr, wer ist weniger sensibel? Diese Bilder rühren alle an.

Wie wäre es, wenn man in der Situation derjenigen wäre, die wir auf den Bildern sehen? Könnten wir damit umgehen? Können wir es abschütteln? Würden wir im Traum verfolgt? Könnten wir argumentieren, schimpfen, muten, blocken und so unsere Unversehrtheit verteidigen? Nein, wir würden mit unserer Ohnmächtigkeit konfrontiert. „My children slipped through my hands“, wie der Vater von Aylan Kurdi, dem kleinen toten Buben am Strand bei Bodrum berichtete. Wenn wir es denn überlebten, würden wir wohl immer wieder vom Trauma eingeholt werden. Man hätte uns die äußere Freiheit und die innere Freiheit genommen.

Das heißt es also, wenn wir uns „diese Bilder“ nicht anschauen wollen: Es zeigt uns zuallererst, dass wir hier das Recht auf unsere Freiheit geltend machen können. Unser Verständnis vom Anspruch auf unsere Unversehrtheit geht mitunter soweit, dass wir wütend werden auf die, die uns diese Bilder vors Auge twittern. Die uns so den Nachtschlaf rauben. Die uns Angst um unsere eigenen Kinder bereiten.

Alle haben das Recht auf Unversehrtheit, ein Recht darauf, nicht täglich Angst um ihre Kinder zu haben, auf einen sicheren Schlaf in der Nacht, auf innere und äußere Freiheit.

Das Ausmaß, in dem uns hier diese Bilder beeinträchtigen ist so lächerlich im Vergleich zu dem, was gerade in Ungarn, Serbien, Syrien etc. an Freiheiten verbrannt wird, dass es mir zur Zeit absurd vorkommt, die Sorge von uns Satten um die mögliche Beeinträchtigung der eigenen Befindlichkeit durch das Anschauen von Bildern der Not und sinnlosen Vernichtung von Leben vorrangig zu berücksichtigen (das übrigens ist keine carte blanche für jegliche Art der Verwendung von Bildern, Kontextualisierung ist immer notwendig). Wozu auch immer die Bilder letztlich gut sein werden – vielleicht lässt sich hier gar kein Zweck konstruieren.

Michel Reimon postete neulich auf ausdrücklichen Wunsch eines syrischen Vaters die Bilder von dessen getöteten Kindern:

„Gib die Fotos den Zeitungen.“ Er will, dass die Welt seine Kinder sieht.
Soll man Tote zeigen? „Es kommt auf den Kontext und die Absicht an“, habe ich vor ein paar Tagen geschrieben. Meine Absicht ist, eine Ahnung davon zu vermitteln, welche Tragödien die Menschen auf unseren Bahnhöfen hinter sich haben. Said will, dass der Tod seiner Kinder irgendeinen Sinn ergibt – natürlich geht das nicht, natürlich ist das hoffnungslos. Natürlich ergibt das keinen Sinn.

Meine Empfehlung für die, die die Bilder nicht sehen wollen: Geht eine Weile zu WhatsApp und Konsorten, benutzt SMS, iMessages, Hangouts und definiert dort eure Kommunikationsbedürfnisse mit Gleichgesinnten. Die offene Verteilungsinfrastruktur von Twitter wird gerade für wichtigere Dinge benötigt.

Nachtrag: Vielleicht geht es nicht um Sinn oder Zweck. Vielleicht geht es um das Anerkennen, dass es hier um Menschen geht, nicht um unangenehme Sachlagen. Dazu eine Beobachtung vom Geruchtekellner:

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