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Alle patriarchalen Jahre wieder: Fade sexistische Weihnachtsmotive (heute: Müllermilch)

11. November 2015

“Moment, wir brauchen noch ein Weihnachtsmotiv für unseren Kunden, Müllermilch!”

“Wie wäre es mit ein paar halbnackerten Frauen, so in sexy Pin-up-Pose? Verführerisch und, haha, süß wie Müllermilch?”

“Klingt gut!”

“Und für Schoko nehmen wir eine rassige Schwarze, für Vanille eine Blondine, oder?”

“Große Klasse, geritzt!”

So oder so ähnlich muss das abgelaufen sein im Sommer bei irgendeiner Agentur, die für Müllermilch arbeitet. Das Ergebnis ist so einfallslos und dumpfbackig, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat  – da will man sich nicht mal mehr zu echter Empörung aufraffen. Schaut selbst:

Details findet man hier. Als Mama mit Erziehungsauftrag habe ich mich zumindest dazu aufgerafft, auch noch ein Mail an Müller zu schreiben – siehe unten. Fader Sexismus ist aber eh Tradition bei Müller, siehe auch die Videobeispiele darunter. Und da süße Milchgetränke nun eh nicht wirklich gesund sind, ist der Verzicht auch kein großer Verlust. Baba, Müllermilch!


Hallo und Grüß Gott,
war das wirklich notwendig, die Weihnachtsedition der Müllermilch-Flaschen
mit halbnackerten Damen zu schmücken? Das alte Schema “Vernasch dieses
Produkt, so wie dich diese Frau einlädt, sie zu vernaschen” ist doch
wirklich schon so abgedroschen, dass man gar nicht mehr weiß, aus welchem
vergangenen Jahrzehnt, ja Jahrhundert, das nun wieder herausgekrochen ist.
Meinen Kindern werde ich das nicht kaufen, nicht, weil ich sie vor nackter
Haut schützen will, sondern weil weder [für] meine Tochter noch mein[en]
Sohn Frauen mit konsumierbaren Produkten gleichgesetzt werden sollen. Wie
würden Sie die Frage meiner 5-Jährigen beantworten: “Mama, warum hat die
Frau so wenig an?”? Dass Schoko natürlich von einer dunkelhäutigen,
Vanille von einer hellhäutigen geschmückt wird, ist dann nur das
deprimierende Sahnehäubchen auf diesem einfallslosen Sujet. Solange diese
Motive zu sehen sind, kaufe ich jedenfalls keine Müllermilch. Besten Gruß,
Jana Herwig


Videos via @matthiasotto. Und, nein, reverse sexism ist nicht einfallsreich.

Ich bin dann mal grün

18. September 2015

Durchsage für all diejenigen, die Proporze oder Parteibücher beachten müssen: Ich bin dann jetzt grün, offiziell* und in der Bezirksgruppe in Ottakring angedockt.

Das kommt jetzt natürlich nicht überraschend oder doch überraschend, nach dem Grüne-Vorwahlen-Vorspiel vor fünf Jahren (bei dem ich mir nicht sicher bin, ob sich so etwas noch einmal anzetteln würde – anderes Thema).

Warum ich mir nun endlich einen Ruck gegeben habe – die pessimistische Antwort: Ich habe vor der kommenden Wahl gewaltige Angst und wenn es dann zu einem nochmaligen Rechtsruck kommt, dann will ich wenigsten ein bisschen was dafür getan haben, dass es da nicht ganz so scheppert. Die optimistische Antwort: Ich möchte etwas dafür tun, dass wieder ein paar Gute in die Stadtregierun kommen. Bei “Gute” liegt ja die als Beschimpfung gemeinte Bezeichnung “Gutmensch” nicht weit. “Gut” mit Blick auf Grün betrifft für mich vor allem die Vertrauensfrage: Das ist die einzige politische Gruppierung, bei der ich keine Angst habe, dass sie im falschen Moment faule Kompromisse macht – und das ist notwendiger denn je.

Wie fühlt es sich an, für die Grünen auf der Straße zu stehen? Nun gut, wir hatten nicht nur Broschüren, sondern auch Knabberzeug in der Hand, und wo es was umsonst gibt, greifen die Leute zu. So kann man seine Hefterl dann sicher unters Volk bringen.

Und man bekommt auch Rückmeldungen: Manche Leute lächeln, wenn sie deine grüne Montur erkennen, vielleicht ein Signal, dass man auf derselben “Seite” steht – und das erleichtert mich. Eine Schülerin bittet, bevor sie in die Bahn springt, um ein extra Hefterl – womöglich debattieren sie die Wahl heute in der Schule und sie braucht Wahlkampfmaterial. Ein etwa 16-Jähriger fragt mich, wieso man die Grünen wählen soll. Ich antworte ihm: “Damit das Öffi-Ticket bleibt – das kostet in anderen Großstädten 800, 1000 Euro.” (Ja, ich hatte mich auf die Frage vorbereitet und mir eine Antwort ausgesucht, zu der man nicht Nein sagen kann;).

Andere signalisieren dir schon mit der Körperhaltung, dass sie nichts wollen oder gar nichts von dir in deiner grünen Kluft haben wollen – gut, weiter lächeln, weitergehen lassen. Eine ältere Dame mit Rollator schnaubt “Die Grünen sicher nicht!”, ein älterer Herr grantelt irgendwas mutmaßlich Unfreundliches mit “Grüne” über die Schulter, ich reagiere gar nicht, lasse mir aber auch mein Lächeln nicht nehmen.

In der Früh um sieben nehmen die Leute eher etwas an, das sind die Eiligen und die, die in ihre Büros eilen oder ihre Kinder zur Schule bringen. Gegen acht Uhr kommen die Leute mit mehr Zeit, interessanterweise werden die Leute unfreundlicher und ich bin froh, dass ich das nicht den ganzen Tag machen muss. Nach anderthalb Stunden ist das grüne Lastenrad leer geräumt – anderthalb Stunden kann man sich sein Lächeln und seinen Antrieb gut bewahren, ohne dass es einen innerlich anficht.

Nur das mit dem Onlinewahlkampf funktioniert bei mir noch nicht so gut:) Mein doppelter Versuch, ein Bild zu posten, brachte nur schwarze Rechtecke hervor, mein Lächeln fürs Foto ist auch eher gescheitert und den Hashtag für den Wahlkampf habe ich nur geraten:)

*) heißt: offizielle Post vom Vorstand habe ich noch nicht bekommen, aber Tweets aus dem Vorstand habe ich bekommen und die Bezirksgruppe Ottakring hat mich kontaktiert, und ich nehme an, das machen die nicht, wenn dem Antrag auf Mitgliedschaft nicht stattgegeben wurde.

Was es heißt, wenn wir uns “diese Bilder” nicht anschauen wollen

4. September 2015

Auf Twitter tobt ein Bilderstreit. Die einen sind überzeugt, dass Bilder von der sogenannten Flüchtlingskrise (welch Verharmlosung!) helfen können, Menschen aufzurütteln und vielleicht etwas in der Welt zu verändern. Die anderen sind überzeugt, dass mit den Bildern ethische Grenzen überschritten werden und die Würde im Tod angetastet wird.

Beides sind, scheint mir, Oberflächenargumente, die herangezogen werden, weil sie eine innerliche Distanz ermöglichen: Wir können so unsere eigene Angerührtheit hinter politischen oder medienethischen Positionen verbergen. Gerade Bilder von Kindern in Not, Bilder von toten Kindern führen uns die Unsinnigkeit des Kriegs, die himmelschreiende Ungerechtigkeit vor Augen und das, was nicht sein darf, ist schwer auszuhalten. Alles, was wir hoffen, über das menschliche Miteinander annehmen zu dürfen, gerät ins Wanken. (Es soll Leute geben, die von den Bildern nicht angerührt werden oder deren Angerührtheit dann in menschenfeindliche Kommentare umschlägt, was eine besonders widerwärtige und nicht entschuldbare Art ist, Distanz zu schaffen. Diese interessieren mich hier jedoch nicht).

Nicht jeder mag die Bilder sehen. Manche werden gar zornig, wenn sie ihnen in die Timeline getwittert werden, wo sie doch schon bekundet hatten, dass sie sie nicht sehen wollten. Manche (oder auch dieselben) führen ins Feld, dass es nur an ihrer persönlichen Beschaffenheit läge: Sie höchstselbst könnten mit diesen Bildern nicht umgehen, sie könnten sie nicht abschütteln, sie würden sie im Traum verfolgen, weil eben sie so sensibel sind – m.E. eine weitere Oberflächenargumentation, um den Versuch, die innere Distanz durch ein Bilderverbot zu gewinnen, vor sich zu rechtfertigen (Stichwort: Blackboxing der Wirklichkeit). Aber wer ist mehr, wer ist weniger sensibel? Diese Bilder rühren alle an.

Wie wäre es, wenn man in der Situation derjenigen wäre, die wir auf den Bildern sehen? Könnten wir damit umgehen? Können wir es abschütteln? Würden wir im Traum verfolgt? Könnten wir argumentieren, schimpfen, muten, blocken und so unsere Unversehrtheit verteidigen? Nein, wir würden mit unserer Ohnmächtigkeit konfrontiert. “My children slipped through my hands”, wie der Vater von Aylan Kurdi, dem kleinen toten Buben am Strand bei Bodrum berichtete. Wenn wir es denn überlebten, würden wir wohl immer wieder vom Trauma eingeholt werden. Man hätte uns die äußere Freiheit und die innere Freiheit genommen.

Das heißt es also, wenn wir uns “diese Bilder” nicht anschauen wollen: Es zeigt uns zuallererst, dass wir hier das Recht auf unsere Freiheit geltend machen können. Unser Verständnis vom Anspruch auf unsere Unversehrtheit geht mitunter soweit, dass wir wütend werden auf die, die uns diese Bilder vors Auge twittern. Die uns so den Nachtschlaf rauben. Die uns Angst um unsere eigenen Kinder bereiten.

Alle haben das Recht auf Unversehrtheit, ein Recht darauf, nicht täglich Angst um ihre Kinder zu haben, auf einen sicheren Schlaf in der Nacht, auf innere und äußere Freiheit.

Das Ausmaß, in dem uns hier diese Bilder beeinträchtigen ist so lächerlich im Vergleich zu dem, was gerade in Ungarn, Serbien, Syrien etc. an Freiheiten verbrannt wird, dass es mir zur Zeit absurd vorkommt, die Sorge von uns Satten um die mögliche Beeinträchtigung der eigenen Befindlichkeit durch das Anschauen von Bildern der Not und sinnlosen Vernichtung von Leben vorrangig zu berücksichtigen (das übrigens ist keine carte blanche für jegliche Art der Verwendung von Bildern, Kontextualisierung ist immer notwendig). Wozu auch immer die Bilder letztlich gut sein werden – vielleicht lässt sich hier gar kein Zweck konstruieren.

Michel Reimon postete neulich auf ausdrücklichen Wunsch eines syrischen Vaters die Bilder von dessen getöteten Kindern:

“Gib die Fotos den Zeitungen.” Er will, dass die Welt seine Kinder sieht.
Soll man Tote zeigen? “Es kommt auf den Kontext und die Absicht an”, habe ich vor ein paar Tagen geschrieben. Meine Absicht ist, eine Ahnung davon zu vermitteln, welche Tragödien die Menschen auf unseren Bahnhöfen hinter sich haben. Said will, dass der Tod seiner Kinder irgendeinen Sinn ergibt – natürlich geht das nicht, natürlich ist das hoffnungslos. Natürlich ergibt das keinen Sinn.

Meine Empfehlung für die, die die Bilder nicht sehen wollen: Geht eine Weile zu WhatsApp und Konsorten, benutzt SMS, iMessages, Hangouts und definiert dort eure Kommunikationsbedürfnisse mit Gleichgesinnten. Die offene Verteilungsinfrastruktur von Twitter wird gerade für wichtigere Dinge benötigt.

Nachtrag: Vielleicht geht es nicht um Sinn oder Zweck. Vielleicht geht es um das Anerkennen, dass es hier um Menschen geht, nicht um unangenehme Sachlagen. Dazu eine Beobachtung vom Geruchtekellner:

Meine Menstruationstasse und ich – ein Bericht

6. August 2015

Es genügt ja oft schon, das M-Wort zu verwenden, um in seinem Social Media-Umfeld Salven von *lalalalala*, mimimi und tmi!-Botschaften[1] zu kassieren. Wenn man das M-Wort dann auch noch mit einem Trinkgeschirr (Tasse!) verknüpft, kann man diese Reaktionen noch einmal steigern.

Auf diese Empfindlichkeiten kann ich jetzt allerdings keine Rücksicht nehmen, denn ich habe sie, die MENSTRUATIONSTASSE, endgültig für mich entdeckt und weil es mindestens eine geneigte Leserin gibt, die sich für diesen Bericht interessiert, muss er jetzt auch geschrieben werden.

Eine Menstruationstasse ist genau das, was der Name suggeriert: ein Gefäß, mit dem das Menstruationsblut aufgefangen wird, und zwar innerhalb des Körpers. Damit das geht, werden Menstruationstassen aus weichem, medizinischen Kunststoff hergestellt, so dass man sie falten und in die Vagina einführen kann. Damit sie dort bleiben und ihren Zweck erfüllen können, dürfen sie wiederum nicht zu weich sein und sollten möglichst genau in den jeweiligen Körper hineinpassen.

Wie kommt man nun zu einer Menstruationstasse? In meinem Fall war es ganz einfach: Ich ging in die Drogerie und kaufte eine. Zufällig habe ich letzte Woche beim drogeriemarkt (genau, klein geschrieben) ums Eck Menstruationstassen im Damenhygieneregal entdeckt und in einem Anflug von Neugierde eine gekauft. Kostenpunkt: 16 €, zwei Größen (M und L) waren vorrätig und glücklicherweise habe ich genau die richtige für mich erwischt. Folgende Seite gibt Auskunft über die verschiedenen Größen verschiedener Anbieter.

Und so sieht sie aus, Marke Me Luna, Größe L (nach vaginalen Geburten geeignet – aber keine Sorge, meine Hände sind sehr klein). Wenn man genau hinschaut, sieht man unter dem Rand ein kleines Loch. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich noch eines – diese sollen verhindern, dass sich die Tasse im Körper festsaugt.

Menstrual Cup, CC-BY: Jana Herwig

Wem sie trotzdem noch groß vorkommt: so sieht sie zusammengefaltet aus:

Menstrual Cup, CC-BY: Jana Herwig

Wie verwendet man das Teil aber? Hände waschen, zusammenfalten – es gibt verschiedene Arten von Faltungen – einführen und loslassen, dann ploppt sie von selbst langsam wieder auf und legt sich dabei um den Gebärmutterhals. Daher ist der tatsächliche Umfang kaum zu spüren – die Tasse hat zwar einen größeren Durchmesser als selbst die dicksten Tampons, doch ist sie auch nicht massiv wie diese, sondern schmiegt sich zwischen Scheidenwand und Gebärmutterhals (in meinem Fall jedenfalls ist das jedenfalls so – sie sucht sich dort ganz von selbst ihren Platz, ein maximal tiefgreifendes Justieren war bislang nicht nötig). Ist sie erst mal drin, hat man die nächsten Stunden Ruhe vor den Tagen.

Und das hält wirklich dicht? Ja, das hält tatsächlich dicht! Ich habe etwa anderthalb Tage gebraucht, um die Tasse richtig zu verwenden – was richtig ist, merkt man daran, dass es passt und nichts daneben geht. Der Körperkontakt beim Einsetzen ist schon etwas intensiver, was es am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig macht. Sobald man den Bogen aber einmal raus hat, sitzt und passt es schnell wieder.

Wann muss man dann das nächste Mal aufs Klo? Hinzukommt, dass man sie nicht sehr häufig entleeren muss. In meinem Fall – nach zwei vaginalen Geburten – musste ich schon längst die stärkste Tampongröße verwenden und am ersten Tag ist der Fluss bei mir so stark, dass ich – ja, schon wieder tmi! – mitunter zwei Tampons auf einmal verwendet habe, da sich das Blut sonst woanders seinen Weg gebahnt hätte. An einem solchen starken Flusstag war die Tasse (meine hat ein Volumen von 34 ml) nach zwei Stunden knapp halbvoll – ich hätte sie also noch länger drin lassen können, war aber beim ersten Verwenden auch noch zu neugierig, um so lange zu warten. Wie lange die Tasse vorhält hat man ziemlich schnell raus – an einem weniger starken Tag genügte es zu meiner Überraschung, sie morgens einzusetzen und abends rauszunehmen. Einen Vergleich zum Fassungsvolumen von Tampons vs. Menstruationstassen findet man hier (via omnimodafactura).

Ist das Entleeren nicht sehr messy? Auch das ist reine Übungssache – wenn man die Tasse am Klo sitzend entfernt, kann schon mal nicht mehr viel daneben gehen. Anschließend kann man sie reinigen, indem man sie einfach mit Wasser abspült. Das hat mir anfangs noch Sorgen gemacht – wie würde ich die Tasse etwa auf einem öffentlich Klo ausspülen, ohne den Unmut meiner Klomitbenutzerinnen zu erregen? Aber da man die Tasse wirklich nicht allzu oft leeren muss, fällt auch die Reinigung nicht allzu oft an.

Und wo bewahrt man so eine Menstruationstasse auf? Während den Tagen hat man die Tasse eh dauernd in Verwendung – was sehr praktisch ist, weil man nie wieder mit Tampons oder Binden in der hohlen Hand aufs Klo marschieren muss. Die verschiedenen Tamponvorräte, die ich in allen möglichen Taschen, Rucksäcken, Büros etc- angelegt habe, kann ich jetzt also auflösen. Was man braucht, hat man eh schon dabei. Nachts trage ich die Tasse auch ohne Probleme. Wenn die Tage vorbei sind, wäscht man sie gründlich, kocht sie 2 bis 3 Minuten aus – medizinische Kunststoffe sind zum Auskochen geeignet – und verwahrt sie dann im Beutelchen, das die Hersteller jeweils mitliefern. Sonne mögen Kunststoffe nicht so, da können sie porös werden.

Spürt man da wirklich nichts? Ich kann nur von mir berichten – und ich spüre da in der Tat gar nichts, sogar weniger noch als bei Tampons. Auch im Schwimmbad habe ich die Tasse schon getragen und da ist sie der absolute Knaller – es gibt ja wenig, was so widerwärtig ist wie ein Tampon, der sich im Becken voll Wasser gesogen hat. Mit der Tasse muss man auch nicht mehr darauf achten, dass man die Tamponbändchen – etwa vor dem Saunagang – ordnungsgemäß ins Körperinnere gefaltet hat, denn die Tasse hat kein Bändchen. Stattdessen hat sie – je nach Typ oder Marke – einen kurzen Stiel oder einen Ring, die gerade so im Körper verschwinden, aber immer in Reichweite bleiben. Tatsächlich habe ich sie jetzt auch schon über die Tage hinaus getragen, denn auch allfälliger, den Tagen folgender Ausfluss wird so problemlos aufgefangen.

Und ist das nicht grausig, sein eigenes Blut zu sehen? Das kann ich nun nicht pauschal beantworten. Für mich selbst stelle ich fest, dass ich es ausgesprochen interessant finde, das Blut zu sehen und zum Beispiel auch festzustellen, wie sich Menge, Farbe und Konsistenz über die Tage ändern. Ich möchte sogar vermuten, dass sich mit einer Menstruationstasse erweiterte diagnostische Möglichkeiten bieten – wenn man denn wüsste, wofür welche Konsistenz, Farbe, etc gerade steht. Insofern hoffe ich, dass sich bald ein paar aufstrebende GynäkologInnen dem Gegenstand der Menstruationstasse widmen und eruieren, wie sie in der Gesundheitsvorsorge verwendet werden kann.

Wenn du die Tasse den ganzen Tag drin lässt: Ist das nicht gefährlich? Tampons – das haben wir alle mal in der Packungsbeilage gelesen – dürfen nicht allzu lang im Körper bleiben. Unter ungünstigen Umständen kann es geschehen, dass sich in den Tampons selbst Bakterien vermehren, was im schlimmsten Fall zum Toxic Shock Syndrom (TSS) und zum Tod führen kann. Erst vor kurzem ist auf Vice der Bericht eines an TSS fast verstorbenen Models erschienen, bei dem man nur dankbar sein kann, dass man bislang verschont wurde. Die Betroffene kam im Fall zwar mit dem Leben davon, verlor aber ein Bein. Nach Auskunft von menstruationstasse.net ist weltweit noch von keinem Fall von TSS bei Menstruationstassen berichtet worden – man verweist aber auch darauf, dass TSS selten ist und die Zahl von Frauen, die Tassen verwenden noch so gering ist, dass schwer aufs Generelle geschlossen werden kann. Davon abgesehen: Dass ein gerolltes Watte- und Kunststoffbäuschchen besseren Nährboden für die Vermehrung von Bakterien darstellt als ein Container, der das Blut in seinem Inneren sammelt, erscheint mir naiv erst einmal plausibel.

Du empfiehlst also die Menstruationstasse? Nach meiner bisherigen, erst einzyklischen trizyklischen, aber unmittelbar begeisterten Erfahrung: Ja, unbedingt! Das allerbeste habe ich noch gar nicht erwähnt: Da ich mittlerweile zu großen Tampongrößen greifen musste, ergab es sich gegen Ende der Tage zwangsläufig, dass der Tampon beim Rausziehen noch recht trocken war (kleiner half nicht viel, weil dann mitunter etwas vorbei lief). Und nun gibt es wirklich wenig, was so unangenehm ist wie das Herausziehen eines großen, trockenen Tampons – genau genommen fühlt man sich dabei, als würde sich jeden Moment das Innere der Scheidenwand umstülpen und mit nach außen gezogen werden. Genau dieses Problem hat man bei der Menstruationstasse überhaupt nicht – feuchtes Gummi flutscht einfach immer. Auch grundsätzlich fühlt sich das Vaginalklima mit Tasse gleich viel besser an als mit Tampons. Also Daumen hoch!

Wer sich noch weiter über verschiedene Anbieter und Größen informieren will, dem empfehle ich z.B. die schon genannte Seite menstruationstasse.net. Man kann die Tassen auch im Internet bestellen, etwa direkt bei den einzelnen Herstellern (z.B. Ruby Cup, Lunette, MeLuna, DivaCup, Ladycup) oder auch über die Website erdbeerwoche. Mich haben die spezifischen Shops, die meistens auch wiederverwendbare Textilmonatshygiene vertreiben, bislang eher abgeschreckt – ich verwende die Tasse nun nicht, um ein alternatives Statement abzugeben und ehrlicherweise noch nicht mal, um Müll zu sparen, sondern weil sie praktischer, angenehmer, aufschlussreicher für mich ist. Hätte ich sie nicht gerade in einer Mainstream-Drogerie entdeckt und wäre in der Stimmung gewesen, sie auszuprobieren, hätte ich wohl immer noch keine. Und das wäre echt doof. Insofern: Vielen Dank der glücklichen Gelegenheit!

Wer noch (Link-)Tipps hat, bitte diese gerne in den Kommentaren hinterlassen. Die beiden Bilder oben sind CC-BY und können gerne bei Namensnennung (Jana Herwig) verwendet werden.

[1] tmi = too much information – ein häufig vorgebrachter, verkürzter Einwand von internetaffinen Mitmenschen, dass sie jetzt gar nicht so genau wissen wollten, was man über seine Körperfunktionen zu sagen hat. Aber wie thegrumpygirl erst anmerkte:

Wofür ich diese Woche dankbar bin (Friday Fives)

21. November 2014

Auf dem Blog von Frau Buntraum gibt es eine wöchentliche Kolumne, die Friday Fives: Fünf Dinge, die in dieser Woche gut waren. Eigentlich schleppe ich mich derzeit so von Tag zu Tag und von Woche zu Woche. Gerade in so zähen Zeiten sind mir solche kurze Innehalt- und Dankbarkeitsexerzitien hilfreich, deshalb heute auch von mir meine Friday Fives:

  1. Der Besuch meiner Mutter: Wie bei vielen erwachsenen Menschen und vielleicht gerade Frauen ist das Verhältnis zu meiner Mutter nicht immer entspannt. Trotzdem kommt sie 700 Kilometer gefahren um uns zu helfen, wenn wir sie brauchen (und das tun wir, gerade in dieser zähen Zeit). Danke dafür, liebe Mama, und danke, dass es dich gibt.
  2. Eine blöde Viruskrankheit: Das ist eigentlich das Letzte, das ich gerade brauchen kann. Und trotzdem war sie ein guter Reminder, dass man nicht immer den letzten Saft aus sich rauspressen kann. Und natürlich kann eine Krankheit auch insofern hilfreich sein, als sie einen zwingt, sich mal flach zu legen, wo man selbst versucht mit letzten Ressourcen weiter zu machen.
  3. Wie die Kinder miteinander spielen: Wird man als erziehungsberechtigter Mensch krank, ist man ja immer noch erziehungsberechtigt und -verpflichtet. Die Kinder, die in verschiedene Gruppen in Kindergarten/-krippe gehen, haben aber zum Glück eine solche Freude daran, nach dem Kindergarten miteinander zu spielen, dass das Betreuen nur halb so anstrengend ist. Da sind wir wirklich gesegnet.
  4. Wie die Kinder miteinander streiten: Vor ein paar Monaten fing es an, dass die Kinder sich so miteinander stritten: “Maaaama, der J hat mir x ge-x-t!” (der Kleine fand non-verbale Wege, das auszudrücken). Wir haben versucht, nach Möglichkeit an sie zurückzugeben: “Was sagt denn J dazu?” – “Nix.” – “Sag es ihm, damit er es auch versteht.” Und so weiter, in Varianten, bis zu “Sprich bitte direkt mit J/M, er/sie ist derjenige, der das wissen muss.” Und nach und nach begann es zu funktionieren. Zum Geburtstag bekam J ein Zirkuszelt, in dem sie nun immer sitzen, und nun klang es gestern daraus: “Aaaaaua! J, das hat mir weh getan! … (mutmaßliche Versöhnungsszene)…. Willst du eine Babykatze sein? Dann bin ich auch eine Babykatze.”
  5. Dass der Mann gestern früher nach Hause kam: Trotz Agenturjob, wo meistens eher draufgelegt werden muss – ab und zu geschehen Wunder und er ist um halb sechs schon da. Das hat meinen dröhnenden Kopfschmerzen gestern sehr gut getan. Und den Kindern noch viel mehr.

Zirkuspanda

Zu Frau Buntraums heutigen Friday Fives.

“Kind, komm, Zähnekuscheln!”

15. Juli 2014

Babys, Kleinkinder und Zähneputzen – ein so mühsames Thema. Die zahnärztlichen Empfehlungen sind bekannt: „Spätestens sobald der erste Zahn durchgebrochen ist, sollten Sie mit dem Zähneputzen beginnen.“

Unsere beiden Kinder bekamen recht früh, mit 5 bzw. 6 Monaten, die ersten Zähne und insofern stand diese leidige Aufgabe gefühlt viel zu früh im Raum. Die anfänglichen Taktiken und Instrumente sind sicher allen Eltern bekannt: ablenken, überlisten, lustige Zahnbürsten besorgen, Fingerlinge, elektrische Zahnbürsten, Frotteeläppchen – und am Ende steht dann oft nichts als ein verzweifeltes „Augen zu und durch“. Nähert sich die Zahnputzzeit, verkrampfen Eltern wie Kind und Mama und Papa schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu („Du bist dran!“)

Bei #Kind1 half schließlich das Aufklärungsprogramm: Mit etwa anderthalb Jahren konnte man ihr die Wirkung von Kariesbakterien erklären, illustriert mit schauerlichen Bildern von zerfressenen Kinderzähnen auf dem Smartphone („Die Kariesbakterien fressen den Zucker von den Zähnen und machen dann Gacki im Mund, das zerfrisst die Zähne!“). Bald hatte sie einen höheren Aufklärungsstand in Sachen Mundhygiene als durchschnittliche Eltern der 1970er und wollte oft auch erst Zähneputzen, nachdem sie noch einmal die faulen Zähne auf dem „Hellefon“ anschauen durfte. Wenn das nicht wirkte, fing ich imaginäre Kariesbakterien ein, die angeblich gerade aus ihrem Mund gehüpft waren und durfte dann endlich ihre Zähnchen schrubben.

Zähneputzen funktionierte so, aber wirklich lustig war es nicht.

Das wollten wir ändern. Zu diesem Zeitpunkt war #Kind2 schon unterwegs und wir versuchten, die Zahnputzzeit zu etwas zu machen, auf das man sich wirklich freut – eine ganz persönliche, exklusive, unhektische Zeit miteinander. Wir fingen an, beim Zähneputzen Lieder zu singen, Lieblingslieder oder Lieder, die sie sich aussuchte, und versuchten geduldig zu warten, wenn #Kind1 noch nicht bereit war. Meistens saßen wir dabei auf einem kleinen Ikea-Hocker und das Kind auf dem großen Hocker vor uns. Langsam wurde Zähneputzen lustiger – wir verkrampften nicht mehr vorher und allmählich konnten wir uns alle besser darauf einlassen. Nicht immer war die Begeisterung über das Zähneputzen groß, aber früher oder später kamen wir ans Ziel (noch immer unser Ziel, nicht ihr Ziel).

Dann kam #Kind2.

#Kind2 hasste Zähneputzen aus tiefster Seele und sämtliche Ablenkungsspiele scheiterten. Es war schlimmer als je zuvor. Im Prinzip wussten wir auch jetzt, dass es besser werden würde, wenn er es als etwas Angenehmes erleben könnte, aber soweit kamen wir nie. Mittlerweile sangen wir mit #Kind1 nicht mehr Lieder, sondern Dreiklänge auf „Ha ha ha ha ha ha ha“ beim Putzen der Backenzähne und „Hi hi hi hi hi hi hi“ bei den Schneidezähnen und äußeren Zähnen – manchmal öffnete auch #Kind2 kurz lachend den Mund um in unser „Haha“ einzustimmen, aber sobald die Zahnbürste kam, war er entsetzt, beleidigt und gar nicht mehr bereit, irgendwie mitzumachen.

Zähneputzen war eine dräuende Krake der Angst am Morgen und Abend eines jeden Tages.

Wie sollten wir also zum ersten positiven Zahnputzerlebnis kommen, von dem aus #Kind2 dann würde erfahren können, dass das gar nicht so schlimm und vielleicht sogar schön sein könnte?

Die Antwort war klar: Es musste einfach wirklich schön werden. Und wir hatten einen Joker: #Kind1.

Ab jetzt hieß es nicht mehr „#Kind1, Zähneputzen!“, sondern „#Kind1, Zähnekuscheln!“ Wir putzten nicht mehr im Bad auf dem Hocker, sondern auf Sofa oder Bett, mit #Kind1 auf unserem Schoß und in unseren Arm gekuschelt. Exklusivzeit, körperlich erfahrbar. Wir sangen wie immer Dreiklänge dabei und nach Möglichkeit schaute #Kind2 dabei zu (was natürlich nicht immer klappte, da es gleich zweimal Kindeskooperation erforderte).

Allmählich wurde #Kind2 interessierter. Es gab vereinzelte erste Male, bei denen er den Mund selbst öffnete und sich auch einen einzelnen Zahn für eine Sekunde freiwillig putzen ließ. Sich nicht sofort versuchte, wieder aus unseren Armen zu winden. Und dann wieder war Zähneputzen für mehrere Tage nichts als eine Qual und ein blanker Affront gegen seinen Willen.

Wir blieben dran.

Allmählich lösten sich die Verspannungen. Aus einer Sekunde wurden zwei. Es blieb nicht beim einmaligen Mundöffnen. Und endlich, endlich gab es erste, vereinzelte weitgehend stressfreie Zahnputzsessions.

Seit zwei Tagen nun sieht es aus, als hätten wir den endgültigen Durchbruch geschafft: Zweimal Putzen an einem Tag mit vollster Kooperation! Und heute morgen schließlich, als ich gerade #Kind1 zum Zähnekuscheln im Arm hatte, stand #Kind2 schon vor mir, sperrte den Mund auf und konnte es nicht erwarten, auch dran zu kommen. „Ha ha ha ha ha ha ha!“ So schön:)

In diesem Sinne: Dranbleiben. Mundhygienische Aufklärung ist super, aber noch besser ist es, wenn Zähneputzen selbst eine schöne Erfahrung ist. Zähnekuscheln eben, nicht Zähneputzen!

[EDIT] Resümee nach einem Jahr später: Das große Kind liebt, liebt, liebt Zähnekuscheln und ist ernsthaft beleidigt, wenn sie nicht als erste drankommt. Das kleinere Kind, nun ja, schwankt nach wie vor zwischen Kooperation und Ablehnen. Also yay und seufz zugleich.

Multiplizieren leicht gemacht

23. Juni 2014

Wie man “ohne” rechen und nur durch das Zählen von sich überkreuzenden Strichen (ist Zählen rechnen) multiplizieren kann, habe ich gerade nach Anleitung dieses Tweets gelernt.

Japanes visual multiplication

Faszinierend! Bei zweistelligen Zahlen braucht man jeweils zwei Strichgruppen, bei einsteilligen nur eine usw, Gezählt werden die Überkreuzungen oben links, mittig und unten rechts (bzw. in entsprechender Logik je nach Anordnung). Hier gibt es eine ausformulierte Anleitung.

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