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Ich bin dann mal grün

18. September 2015

Durchsage für all diejenigen, die Proporze oder Parteibücher beachten müssen: Ich bin dann jetzt grün, offiziell* und in der Bezirksgruppe in Ottakring angedockt.

Das kommt jetzt natürlich nicht überraschend oder doch überraschend, nach dem Grüne-Vorwahlen-Vorspiel vor fünf Jahren (bei dem ich mir nicht sicher bin, ob sich so etwas noch einmal anzetteln würde – anderes Thema).

Warum ich mir nun endlich einen Ruck gegeben habe – die pessimistische Antwort: Ich habe vor der kommenden Wahl gewaltige Angst und wenn es dann zu einem nochmaligen Rechtsruck kommt, dann will ich wenigsten ein bisschen was dafür getan haben, dass es da nicht ganz so scheppert. Die optimistische Antwort: Ich möchte etwas dafür tun, dass wieder ein paar Gute in die Stadtregierun kommen. Bei „Gute“ liegt ja die als Beschimpfung gemeinte Bezeichnung „Gutmensch“ nicht weit. „Gut“ mit Blick auf Grün betrifft für mich vor allem die Vertrauensfrage: Das ist die einzige politische Gruppierung, bei der ich keine Angst habe, dass sie im falschen Moment faule Kompromisse macht – und das ist notwendiger denn je.

Wie fühlt es sich an, für die Grünen auf der Straße zu stehen? Nun gut, wir hatten nicht nur Broschüren, sondern auch Knabberzeug in der Hand, und wo es was umsonst gibt, greifen die Leute zu. So kann man seine Hefterl dann sicher unters Volk bringen.

Und man bekommt auch Rückmeldungen: Manche Leute lächeln, wenn sie deine grüne Montur erkennen, vielleicht ein Signal, dass man auf derselben „Seite“ steht – und das erleichtert mich. Eine Schülerin bittet, bevor sie in die Bahn springt, um ein extra Hefterl – womöglich debattieren sie die Wahl heute in der Schule und sie braucht Wahlkampfmaterial. Ein etwa 16-Jähriger fragt mich, wieso man die Grünen wählen soll. Ich antworte ihm: „Damit das Öffi-Ticket bleibt – das kostet in anderen Großstädten 800, 1000 Euro.“ (Ja, ich hatte mich auf die Frage vorbereitet und mir eine Antwort ausgesucht, zu der man nicht Nein sagen kann;).

Andere signalisieren dir schon mit der Körperhaltung, dass sie nichts wollen oder gar nichts von dir in deiner grünen Kluft haben wollen – gut, weiter lächeln, weitergehen lassen. Eine ältere Dame mit Rollator schnaubt „Die Grünen sicher nicht!“, ein älterer Herr grantelt irgendwas mutmaßlich Unfreundliches mit „Grüne“ über die Schulter, ich reagiere gar nicht, lasse mir aber auch mein Lächeln nicht nehmen.

In der Früh um sieben nehmen die Leute eher etwas an, das sind die Eiligen und die, die in ihre Büros eilen oder ihre Kinder zur Schule bringen. Gegen acht Uhr kommen die Leute mit mehr Zeit, interessanterweise werden die Leute unfreundlicher und ich bin froh, dass ich das nicht den ganzen Tag machen muss. Nach anderthalb Stunden ist das grüne Lastenrad leer geräumt – anderthalb Stunden kann man sich sein Lächeln und seinen Antrieb gut bewahren, ohne dass es einen innerlich anficht.

Nur das mit dem Onlinewahlkampf funktioniert bei mir noch nicht so gut:) Mein doppelter Versuch, ein Bild zu posten, brachte nur schwarze Rechtecke hervor, mein Lächeln fürs Foto ist auch eher gescheitert und den Hashtag für den Wahlkampf habe ich nur geraten:)

*) heißt: offizielle Post vom Vorstand habe ich noch nicht bekommen, aber Tweets aus dem Vorstand habe ich bekommen und die Bezirksgruppe Ottakring hat mich kontaktiert, und ich nehme an, das machen die nicht, wenn dem Antrag auf Mitgliedschaft nicht stattgegeben wurde.

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