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Der Fußball, die FIFA Weltmeisterschaft, der Videobeweis – und was das alles mit Biometrie und Baudrillard zu tun hat

28. Juni 2010
Völler Rijkaard - Offside.com

Zunächst zum Unvermeidlichen: Der Videobeweis wird kommen. Mit steigender Kapazität von Bewegtbildtechnologien, breiterer Verfügbarkeit der unmittelbaren Wiederabspielmöglichkeit, zunehmender Zerlegbarkeit einer Szene auf dem Feld in ihre geometrischen Elemente, kurz: mit dem Fortschreiten der Möglichkeit zur Delegierung der Wahrnehmung an Technologie wird man sich dem Videobeweis auch im Fussball irgendwann nicht mehr widersetzen können.

Eben so wenig, wie der Eintritt der Biometrie in das Reise- und Meldewesen verhindert werden konnte, und genau so wenig, wie genetische Test- und Ermittlungsverfahren, kaum breiter verfügbar, aus dem Repertoire der angewandten Selbst- oder Fremderfassungtechnologien (z.B. beim Aufkommen eines Verdachts an einer Vaterschaft) herausgehalten werden können.

Soviel kann man festhalten: Wann und wo immer sich die technischen Möglichkeiten ergaben, die Phänomene der Welt oder ihre Ursachen in einer der menschlichen Wahrnehmung überlegenen Form zu beschreiben, sie in Daten zu verwandeln und weiter zu verarbeiten, dann wurden auch Rufe laut, diese Daten anzuwenden. Zur Erfassung. Zur Ermittlung. Zur Beweisführung. Weil sich etwas ermitteln lässt, muss auch ermittelt werden – Technik muss, weil sie kann. Aber darf sie oder sollte sie?

Letztlich ist es derselbe Geist, der uns z.B. die Vorratsdatenspeicherung beschert – weil Daten generiert werden können, sollen sie auch genutzt werden -, der auch die Autorität der Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten der einer Kameraaufzeichnung und -auswertung unterwerfen wird.

Die Fehlentscheidungen, von denen es heuer bei der Fußballweltmeisterschaft mehr als genug gab (das Abseitstor des Argentiniers Tevez gegen Mexiko zum 1:0 (Endstand 3:1), das nicht gegebene zweite Tor der Engländer gegen Deutschland (welche die drei Löwen 4:1 besiegten), die falsch gesehene Abseitsstellung der USA, welche dieser das 3:2 gegen Slowenien abspenstig machte, u.v.m.) machen die Position der Befürworter des Videobeweises um so stärker.

Schließlich hat man es ja genau gesehen, nicht nur einmal, sondern nochmal und nochmal und nochmal, bei Bedarf unterstützt durch CGI-Nachbearbeitung: So ist es gewesen. Anders darf es nicht sein, „wir haben es ja alle mit unseren eigenen Augen gesehen, wir haben gesehen, was die Schiedsrichter übersahen.“ Moment – das Analysesystem hat etwas registriert, und ihr habt beschlossen, dieses zu einem Mitspieler zu machen.

Der Videobeweis wäre nur der erste Schritt – über kurz oder lang werden die Feldereignisse in nahezu Echtzeit als Computersimulation zur Verfügung stehen, und zwar nicht nur die neuralgischen Punkte im Spielverlauf, sondern die gesamte Partie wird durchberechnet werden können, die Schiedsrichter am Feld werden nur noch Befehlsentscheidungen aus der Analysezentrale übermitteln.

Dann können sich alle diejenigen, die heute meinen, diesen Sport durch den Videobeweis endich zu einem ‚gerechten‘ Sport zu machen, dazu gratulieren, ihn endlich ruiniert zu haben: Denn es geht beim Fußball nicht vornehmlich darum, ein Set von Regeln möglichst akkurat zu exekutieren – im Gegenteil, der Schweiß, die Anstrengung, die Freude über den Sieg gehören ebenso dazu wie die Wut über die Fehlentscheidung, die Benachteiligung oder die insgeheime Erleichterung, einmal von einer Fehlentscheidung profitiert zu haben.

Aus all diesen Komponenten ist die emotionale Textur des Fussballs erschaffen. Weil der menschliche Makel mitspielt – unter den Spielern wie unter dern Schiedrichtern – kann ein Ereignis wie die FIFA Weltmeisterschaft erst zum beherrschenden Ereignis der globalen Gefühlslandschaft des Sports werden.

Das historische Wembley-Tor, die Hand Gottes (Maradonas), der Platzverweis für Rudi Völler, nachdem Rijkaard (grrrrr) ihn angespuckt hatte – so ungerecht sie waren, so prägend sind sie für unsere kollektive Erinnerung.

Jean Baudrillard erzählt in „Die Ilusion und die Virtualität“ (Bern: Benteli 1994) jene Fabel von A. Clark über die Namen Gottes nach:

Es ist die Geschichte von Mönchen im Tibet, die sich seit jeher der Aufgabe der Niederschrift der 99 Milliarden Namen Gottes gewidmet haben, deren überdrüssig werden und sich an IBM wenden, deren Experte die Aufgabe in wenigen Monaten erledigt. Sozusagen wird die Abrechnung der Welt durch die Einwirkung des Virtuellen beschleunigt und erfüllt. Leider bedeutet es aber auch das Verschwinden der Welt „in Echtzeit“ , denn damit ist die Welt vollendet, und das Versprechen ihres Endes erfüllt. So sehen die überraschten Techniker, die an die Prophetie nicht geglaubt haben, einen Stern nach dem anderen am Firmament erlöschen. (S. 13)

Ganz so einfach macht sich Baudrillard die Angelegenheit aber nicht und fügt folgende Ergänzung hinzu, in der sich auf einmal ein Hoffnungsschimmer auftut: der menschliche Makel.

Das perfekte Verbrechen wäre gewesen, eine perfekte Welt zu erschaffen und sich dann aus dieser zurück zu ziehen. Es gelingt aber nicht. Wir hinterlassen immer Spuren, Viren, Keime, Unfälle, Auswüchse, Abfall – Zeichen der Unvollkommenheit, die gleichsam die Signatur des Menschen sind, im Herzen einer künstlichen Welt. (S. 15)

Zurück zum Videobeweis: Wenn dieser überhaupt jemals eingeführt werden soll, ohne den Sport (den Sport! nicht ein System von Regeln oder Technologien) zu ruinieren, dann muss eine Verbindung aus Technologie und menschlicher Entscheidung angestrebt werden – vielleicht wie im Fall der NFL, bei der die Trainer zweimal pro Spiel eine Coach’s Challenge und Klärung durch Videobeweis (Instant Replay) anfordern dürfen.

Alles andere wäre Verrat an der Geschichte, an unserer Erinnerung und letztlich an der Seele des Fußballs.

Bildquelle: The Offside.com

30 Kommentare leave one →
  1. 28. Juni 2010 10:16 am

    Ich sehe das weitgehend so wie Du – und Du zeigst die Richtung in die es gehen könnte ohnehin am Ende vor: stark eingeschränkter Gebrauch vom Videobeweis, vielleicht auch nur für ganz bestimmte Dinge, die den Spielfluss nicht stören, wie zB die Frage ob ein Ball nun über der Torlinie war oder nicht. Ich denke, man kann die Diskrepanz zwischen dem, was ein Milliardenpublikum vor dem Schirm „weiss“ und dem was man am Spielfeld „wissen darf“ auch ein wenig zu weit treiben. Das gestern war so ein Fall, in dem es niemand weh getan hätte, wenn ein Superschiri vor dem Video nach 3 Minuten, in denen weitergespielt wurde, am Platz verkünden hätte lassen, dass es 2:2 steht.

    Aber in vielen anderen Fragen bin ich eher skeptisch. Ich bringe das Beispiel „Abseits – ja oder nein“: das „Abseits“ wurde eigentlich geschaffen, um den langen Pass zum alleinstehenden, in der Nähe des gegnerischen Tors platzierten Spieler zu unterbinden. Die Regel soll helfen, ein Tor Schritt für Schritt „herausspielen“ zu müssen. Darauf kommts an, alles andere ist nebensächlich. Es kommt daher insbesondere überhaupt nicht darauf an, ob ausserhalb der Schwelle menschlicher Wahrnehmungskraft zwei Spieler nun auf gleicher Höhe waren oder ganz knapp eben doch nicht. Wenn man sich das überlegt schrumpft die Frage auf eine Frage der „Messgenauigkeit“ und „Fehlertoleranz“ zusammen. Und ich würde argumentieren, dass ein „klares“ Abseits (der Fall, für den die Regel gemacht wurde) auch zu 99% gesehen werden wird (eine Tautologie!). In den „unklaren“ Fällen wird es zu „Fehlern“ kommen, die wir aber nur als solche bezeichnen können, wenn wir eine über typisch menschlichen Fähigkeiten liegende Messgenauigkeit anwenden. Diese kann aber potentiell auch wirklich „nerven“, denn die Spieler, die versuchen müssen, ein regelkonformes Tor zu erzielen, können auch nur mit menschlicher Messgenauigkeit einschätzen ob ein Mitspieler im Abseits steht oder nicht… und würden dann regelmässig von einer VIdeo- oder gar nanometergenauen Chipmessung des Schiedsrichters „korrigiert“ und „zurückgepfiffen“ werden. „Gleiche Höhe“ gäbs dann wohl nur noch im extremsten Ausnahmefall… das ist unlustig und hat mit dem eigentlichen Zweck der Regel nichts zu tun.

  2. 28. Juni 2010 10:28 am

    Schön argumentiert – genau darum geht es mir, dass nämlich die Frage des ‚Fehlers‘ erst durch diese über dem Menschlichen liegende Messgenauigkeit zusatnde kommt. Und genaugenommen fängt das Problem also mit der Kameraaufzeichnung und der Möglichkeit zum Wiederanschauen (auch, wenn es noch nicht die Beweisführungskraft des ‚Videobeweises‘ hat) an. Ohne diese hätten es die einen so und die anderen so gesehen, und da keine nachträgliche Entscheidbarkeit gegeben wäre, wäre man eben bei der Wahrheit des Spiels – und zum Beispiel dem eigentlichen Anliegen der Abseitsregel – geblieben.

  3. 28. Juni 2010 10:54 am

    Stimmt, wobei man in der Debatte schnell auf verlorenem Posten ist, wenn man so argumentiert – dass das Übel erst durch die Möglichkeit des Wiederanschauens entsteht. Denn dann heisst es, die Zeiten ändern sich eben. Mein wesentliches Argument ist, dass die Spieler am Platz nur mit menschlicher Messgenauigkeit versuchen können, Regeln einzuhalten. Die Regeleinhaltung darf daher auch nur mit menschlicher Messgenauigkeit geprüft werden. Die drei Unabhängigen am Platz sind eine gute Möglichkeit, eine „menschliche Messgenauigkeit“ anzuwenden.

  4. 28. Juni 2010 11:16 am

    Aus der Perspektive von Ästhetik und Wahrnehmung _ist_ die Möglichkeit des Wiederanschauens das Problem:) Nicht, ‚weil die Zeiten sich eben ändern‘ (so würde ich das nicht formulieren), sondern weil eben die Frage der sich verändernden Wahrnehmung vor dem Horizont der Mediengeschichte hier relevant wird. Für mich geht dennoch beides zusammen: Um dem Sport gerecht zu werden, muss man menschliche Messgenauigkeit – gerade auch im Angesicht sich verändernder medialer Vermittlung der Wahrnehmung – anwenden.

    Aber ok: dass die Fussballverbände sich weniger für Mediengeschichte und medienwissenschaftliche Perspektiven interessieren, ist in der Tat erwartbar.

  5. 28. Juni 2010 12:32 pm

    ähm, geht’s noch metaphysischer? die „seele“ des fussball? wodurch erschliesst sich die denn? womöglich nur direkt am fussballplatz oder eh nur denen, die selber spielen, und die übertragung durch massenmedien sowie die damit verbundenen gewinne sind an sich schon ein „verrat“ am spiel.😉

  6. 28. Juni 2010 1:43 pm

    nicht metaphysisch – erdig!

  7. 28. Juni 2010 3:00 pm

    Der Videobeweis bei der NFL funktioniert deshalb, weil de Sport eine komplett andere Raumzeitstruktur als Fußball hat. Football ist fragmentiertes Stop-&-Go, per definition, und noch dazu metrisierbar; da sind Spielunterbrechungen und genaues Nachmessen deutlich nachvollziehbarer als bei Fußball, der durch Zeitfluss und zwei kontinuierlich andauernde Spielzüge pro Spiel definiert ist.

    Aber ganz abgesehen davon, sollte man beim Verweis auf die faktische Kraft der Kamera nicht übers Ziel hinausschießen: Gerade gestern hat bei uns im Raum jeder mit freiem Auge das Tevez-Abseits gesehen, lange bevor eine Zeitlupe kam. Solche Fälle gibt’s halt auch, es ist nicht so, dass wir alle nur hilflos vor den Gnadengelüsten der CGI-TechnikerInnen sitzen, manchmal sehen wir die Wirklichkeit acuh ohne Hilf der Maschinen.🙂

    Aber bezüglich der Tendenz und der Relevanz der Tendenz stimme ich natürlich zu.

  8. 28. Juni 2010 3:07 pm

    fußball lebt vom drama; von fehlentscheidungen und der damit verbundenen unfairness, quasi. wie im echten leben halt, nur, dass alle es mitkriegen und du nicht alleine gelassen wirst mit „dem schicksal“, sondern sämtliche fans sich gemeinsam drin laben können, im schmerz. das ist doch schön!

    trotzdem klingt „Das Bloemfontein-Tor“ bei weitem nicht so schick wie „Wembley-Tor“.

  9. 28. Juni 2010 3:11 pm

    Und bei allen Plädoyers gehört etwas übers Ziel hinausschießen immer etwas dazu:) Gestutzt, gekürzt und verwässert wird bei denen, die Entscheidungsgewalt haben, dann von selbst.

    Bin auch keine besondere Freundin des Stop & Go – bin mir auch nicht sicher, ob die NFL-Lösung direkt übertragbar ist. Man müsste das Beste aus beiden Welten zusammenführen können. Nicht sinnvoll wär’s sowieso, wenn sich jede Regionalliga dann auch ein Videoanalysesystem zulegen müsste.

    Was Fälle wie das Tevez-Tor angeht: Klar, hier geht’s nicht allein um das Vermögen der Kamera, sondern überhaupt die Rücknehmbarkeit von Schiri-Entscheidungen. Noch ein anderer Aspekt kommt dann wohl dazu: Ob sich bei einer Rücknehmbarkeit dann noch ärger als bisher manche Spieler wie Zecken an den Schiri heften um ihn zu überstimmen. Das wäre auch nervig und würde die Trenserei im Fußball (zu der manche Spieler neigen) wohl noch verstärken.

  10. 28. Juni 2010 3:12 pm

    @dnlplus wenn man’s echt Afrikaans ausspricht, hat’s was: ‚Blumm-fonn-‚tejn!

  11. Chris permalink
    28. Juni 2010 7:14 pm

    Ich bin strikt gegen einen Videobeweis, schon allein wegen der allesumfassenden Kontrolle undRationalität, es würde in meinen Augen den Fußball langweilig, emotionslos und uninterssant machen. Man denke nur einmal an das Paradebeispiel des Wembley Tores. Wäre Deutschland bei diesem Spiel sang und Klanglos Untergegangen niemand hätte sich auch nur fünf Jahre später darum geschert, so wurde es unsterblich und blieb allen Fans in Erinnerung.

  12. 29. Juni 2010 8:04 am

    Mir stellt es immer die Haare auf bei solchen Vorschlaghammer-Metaphern wie „Bist du für den Videobeweis, bist du für die Vorratsdatensicherung“. Das finde ich genauso sinnlos wie „Bist du gegen die Kulturflatrate, bist du gegen die Künstler“ oder „Bist du für Arigona, bist du gegen den Staat“. Solche Aussagen polarisieren nur und verschleiern bzw. versperren damit den Blick auf eine sinnvolle Lösung.

    Aber abseits der Metapher mit der Vorratsdatenspeicherung manifestieren sich gerade beim Fußball zwei sehr eigenartige Widersprüche:

    „Bist du gegen den Videobeweis, bist du gegen den fairen Sport“ vs. „Bist du für den Videobeweis, bist du gegen den emotionalen Sport“.

    Irgendwie eigenartig, oder?

    Dabei ist es doch recht einfach: Es geht nicht um den Videobeweis, es geht doch darum, einen Sport, der sich in den letzten 100 Jahren massiv verändert hat (Geschwindigkeit, Materialien, etc.) und der auch in der Präsentation massiv verändert wurde (ich find ja die Superzeitlupen und die an Seilen hängende Kamera Super!) an diese Veränderungen anzupassen. Denn momentan sind die Schiedsrichter einfach arme Schweine, sie haben nicht die Möglichkeiten und nicht die Tools, um hier fair agieren zu können.

    Hier gibt es aber viele Methoden, das zu ändern, so finde ich die Idee eines zweiten Schiedsrichter auf dem Spielfeld nicht schlecht, auch die schon angesprochene Einspruchsmöglichkeit der Trainer finde ich gut (wobei hier, ähnlich der NFL, auch eine „Bestrafung“ bei gescheitertem Einspruch, gegeben sein sollte), oder Torrichter, oder Chip im ball wie beim Tennis, oder endlich Profi-Schiedsrichter und keine Amateure, oder, oder, oder. Der Videobeweis ist da nur eine Möglichkeit. Und: Natürlich muss die Emotionalität erhalten bleiben!

    Wobei auch gesagt werden muss: Weil ja immer Argumentiert wird, der Videobeweis zerstört den Spielfluss. Wenn man die Zeit zusammenrechnet, die z.B. durch die Diskussionen nach dem Abseitstor der Argentinier vergangen ist, behaupte ich mal: Ein Videobeweis wäre wesentlich schneller „erledigt“ gewesen, das dauert in so einem Fall nicht mal eine Minute.

    Aber wie gesagt, es geht nicht um den Videobeweis, es geht darum, den Schiedsrichtern die Möglichkeit zu geben, wieder ein faires Spiel zu leiten, ansonsten wird der Fußball erstens in einigen Ländern (USA) nie erfolgreich werden und zweitens massiv Aufmerksamkeit verlieren, da zu beliebig in der Entscheidungsfindung.

    Und das wollen wir alle nicht, oder?

  13. 29. Juni 2010 10:37 am

    Mal abgesehen davon, dass es bei einem solchen Kommentar natürlich darum geht, Tendenzen aufzuzeigen und dabei auch zu überzeichnen:

    Es geht hier um bestimmte medienkulturelle Tendenzen und die Tatsache, dass das Generieren von Daten immer zu Begehrlichkeiten zu führen scheint, diese auch zu nutzen – und dass man nicht zurück treten kann in eine datenlose Welt ist auch klar.

    Was ich bitte _nicht_ gesagt habe ist sowas wie „Wer für den Videobeweis ist, ist auch für die Vorratsdatenspeicherung“.

    Aber was ich sage ist, dass das alles zum allgemeinen Prozess der Verdatung der Welt und ihrer Phänomene gehört und zum Delegieren der Wahrnehmung an diese.

    Und auch wenn es die datenlose Welt nicht mehr gibt, darf man sich diese sehr wohl wünschen und sich der Unterschiede bewusst werden.

  14. 29. Juni 2010 10:53 am

    Wenn man wirklich ehrlich sein will, ist das die einzige Art!
    Es soll ja keine kompletgte Ablöse sein, nur einer Unterstützung. Wer sich einer Verbesserung zu stolz ist, der sollte sich einen Job suchen, in dem er keine Verantwortung (außer für sich vll.) trägt!!

    Schreibe übrigens auch einen WM-bezogenen Blog mit Spielergebnisse, Strategien und Taktiken etc. Würd mich freuen wenn Du mal vorbei schaust.

    lg,

    Jenny

  15. 29. Juni 2010 11:29 am

    mit „datenlos“ meinst du dann wohl wieder „erdig“?

  16. 29. Juni 2010 11:33 am

    @Michaela Meiner Ansicht nach gibt der Duktus des Kommentars genügend Hinweise darauf, dass ‚Seele‘ hier nicht in metaphysischer, sondern alltagssprachlicher Weise verwendet wird. Bier, Bier, Bier, ist die Seele vom Klavier.

  17. 29. Juni 2010 2:49 pm

    @jana Natürlich war auch meine Antwort überzeichnet, eh kloar!

    Natürlich kann man sich eine datenlose Welt wünschen, nur wird es die nie geben. Sehr passend finde ich dazu die Antwort von Reinhold Messner auf die Frage, warum er auf die Berge steigt: „Weil sie da sind“. Deswegen ist es eher sinnvoll den Umgang damit zu lernen, man kann die Zeit nicht zurückdrehen (zum Glück!).

    Dazu noch eine andere Super-Vorschlaghammer-Metapher zu Fußball und Videobeweis (natürlich überzeichnet!):
    Welche Werte vermitteln wir unseren Kindern wenn wir ihnen sagen, dass die Entscheidungen eines zufällig bestimmten „Entscheiders“ (=Schiedsrichter) nicht hinterfragt oder angezweifelt werden dürfen, sondern bedingungslos befolgt werden müssen?

    Und, um dem noch die Überzeichnerkrone aufzusetzen🙂 Wo bleibt da die „vierte Macht“, die Medien?

    Die FIFA hat ja als Reaktion auf die Sonntagsspiele beschlossen, dass in den Stadien bald keine Zeitlupenwiederholungen mehr gezeigt werden dürfen. D.h. doch nichts anderes als Zensur, oder?

    Sind das die Werte die wir weitergeben wollen?

    Hab ich jetzt die Büchse der Pandora geöffnet?🙂

  18. 29. Juni 2010 2:53 pm

    Genau, das sag ich ja, es gibt keinen Weg zurück in die datenlose Welt, und Analogien haben einen Wert in der Perspektiveneröffnung, aber nicht als Argumente.

    Danke für den Hinweis aufs Verbot der Zeitlupenwiederolungen! Wusste ich nicht! Frage mich, was man damit erreichen will – wird eh nur dazu führen, dass Leute AUSSERHALB des Studios die Tore alsbald hochladen werden und Leute IN den Stadions diese auf ihren Smartphones ansehen werden.

    Die Büchse muss geöffnet werden – sie ist schließlich da.

  19. 29. Juni 2010 4:43 pm

    Die Büchse wurde heute schon auf anderer Ebene geöffnet, siehe hier.

  20. 29. Juni 2010 4:57 pm

    Sehe auch kein echtes Argument gegen eine Torlinientechnologie. Beim Abseits bleibe ich bei meiner Frage, warum man nicht anerkennen kann, dass ein „Abseits“, das man mit freiem Auge nicht als solches erkennen kann, eben nicht als solches gegeben wird, eben weil es nicht klar genug war. MaW: alles was man mit freiem Auge nicht als klares Abseits erkennen kann, ist eben „gleiche Höhe“, genauer gemessen wird nicht. Ich finde: „fair enough“ – und kommt dem Sinn und Zweck der Abseitsregel entgegen.

  21. 29. Juni 2010 6:15 pm

    >Beim Abseits bleibe ich bei meiner Frage, warum man nicht anerkennen kann,
    >dass ein „Abseits“, das man mit freiem Auge nicht als solches erkennen kann,
    >eben nicht als solches gegeben wird, eben weil es nicht klar genug war.
    Ok, hab’s jetzt besser verstanden. Für die Definition des Abseits – weil es das Abseits etwas rauslöst aus Geometrie und reinbringt ins Spiel – erscheint mir das sinnvoll.

  22. 5. Juli 2010 11:21 am

    Das ist doch eh schon alles absehbar gewesen. Ich meine, da schicken wir Menschen zum Mond, Mitarbeiter werden mit der Kamera überwacht….da könnten wir doch auch so ein doofes Tor bzw die Torlinie überwachen. Das wäre doch ein Klax, die Installation…..und es würde weniger Streitigkeiten geben…. ganz einfach alles. Man fragt sich eh nur noch warum das so lange dauert?

  23. 6. Juli 2010 2:50 pm

    Es wird schon seit Jahren über solche Implementierungen gesprochen, aber passiert ist bis dato noch gar nichts. Es wird Zeit, damit solche Fehlentscheidungen vermieden werden können! Super, „die elektronische Überwachung im Fußballtor“.

  24. 7. Juli 2010 1:15 pm

    Naja, lange hat es gedauert. Ich hoffe, dass sie die Videoüberwachung schnell umsetzen, damit solche Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden können. Es machen sich schon viele über div. Fehlenstscheidungen lustig.

  25. Thomas Schandl permalink
    8. Juli 2010 11:46 pm

    Den Videobeweis gab es übrigens schon mal:

    „[…] dass die Sperre gegen Zidane die erste durch Videoanalyse entschiedene Sperre in der Geschichte der WM war, da der Schiedsrichter erst nach einem Blick auf die aufgenommene Aktion seine Entscheidung fällte“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Zin%C3%A9dine_Zidane

    Ich würd mir wünschen, dass die Schiedsrichter einfach die bestehende Regel zum Abseits korrekt anwenden und tatsächlich im Zweifel für den Angreifer entscheiden.

    In dem Zusammenhang finde ich es immer wieder besonders verwunderlich, wenn wie z.B. beim zweiten holländischen Tor gegen Uruguay der Kommentator meint der Spielter war im Abseits nur weil auf TV Standbilder zu sehen ist, dass sein Fuß ca. 10cm zu weit vorn ist.

  26. 9. Juli 2010 11:36 am

    Ja, bin letzten Samstag auch wieder auf Zizou gestoßen. Ich steh übrigens total auf den Bet at Home Spot: http://www.youtube.com/watch?v=XdliyrHp_wE

  27. Elisabeth permalink
    15. Juli 2010 8:07 am

    Der Ohnmacht vor dem TV erliegen wir laut B. ohnehin, sehen wir uns eigenständig und selbst die Fb-Übertragungen an, bleibt uns aber nach wie vor überlassen, ob wir die Entscheidung für richtig befinden oder nicht. Gibt also auch in punkto WM-Übertragung noch Hoffnung im Medien- und Infoüberfluß, hehe

  28. Christian permalink
    21. Juli 2010 10:17 am

    Wie viele Umentscheidungen würden sich wohl daraus ergeben ….?! Vielleicht sollte man auch gleich etwas Derrida in die Kommentation würzen ^^

  29. 21. Juli 2010 11:02 am

    Ganz schön viel Proneggs kommentieren hier in letzter Zeit – ist das noch Zufall oder schon Spam:)? Die LInks nehme ich dann mal etwas raus.

  30. 12. Dezember 2013 10:31 pm

    Der Videobeweis ist schon längst überfällig!!!
    Im Fechtsport gibt es den Videobeweis – man hat 2 Versuche ihn anzufordern, sollte man Recht bekommen behält man seine Versuche, entscheidet der Schiedsrichter dagegen, hat man halt einen Versuch weniger. Im Fußball würde ich das Privileg des Verlangens dem Kapitän übertragen.

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