Einladung zur Buchpräsentation: “Vor Google”
Liebe Mitnerdinnen und -nerds, vor einiger Zeit fand in der Wienbibliothek das Symposium “Vor Google” statt, nun wird das Buch präsentiert – ich darf mit einer kleinen Redespende beitragen und freue mich, euch dort auch zu sehen. Achtung: Eintritt frei ab 18:30 bei freier Platzwahl, jedoch ist Zahl der Plätze beschränkt!
BUCHPRÄSENTATION UND PODIUMSDISKUSSION
Vor Google. Eine Mediengeschichte der Suchmaschine im analogen Zeitalter
9. April 2013, 19.00 Uhr
Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus
Eingang Lichtenfelsgasse 2
Stiege 6 (Lift), 1. Stock, 1010 Wien
Programm
Begrüßung
Sylvia Mattl-Wurm, Direktorin Wienbibliothek
Thomas Hübel, Generalsekretär IWK
Vorstellung des Buchs sowie Präsentation von »Alt-Wiener Suchmaschinen«
Anton Tantner, Mitherausgeber
Podiumsdiskussion
Aus der Perspektive ihrer aktuellen Forschungen nehmen Jana Herwig, Astrid Mager und Stefan Zahlmann zu dem Sammelband Stellung.
Moderation
Alfred Pfoser
Anschließend Brot & Wein
Büchertisch Literaturbuffet Lhotzky
Ein Alltag ohne digitale Suchmaschinen ist heute nur noch schwer vorstellbar. Dabei lassen sich zahlreiche Einrichtungen, Personen und Techniken ausmachen, die lange vor Google und Co ähnliche Funktionen übernommen haben – Staatshandbücher und Diener etwa, aber auch Bibliothekskataloge, Fragebögen oder Zeitungskomptoire.
Welche strukturellen Ähnlichkeiten gibt es zwischen diesen früheren und den heutigen Suchmaschinen? Welche Utopien knüpften sich an die Suchmaschinen des analogen Zeitalters? Welche Formen von Kontrolle ermöglichten sie? Das vorgestellte Buch widmet sich diesen und weiteren Fragen und liefert damit nicht nur neue Erkenntnisse über die Medien der Vergangenheit, sondern vertieft auch die Analysen der gegenwärtigen medialen Lage.
Life’s a carousel
In diesem Sinne euch allen hier Vorbeischauenden ein herrliches Jahr 2013 – mit Glück, Zufriedenheit, Erfolg, Gesundheit und zumindest einem Millimeter mehr Nähe an euren geheimen Wünschen, die ihr vielleicht noch gar nicht kennt! May happiness find you – enjoy!

Jetzt für den Nationalrat: Grüne Vorwahlen Reloaded!
Die Idee von Vorwahlen, um KandidatInnen zu finden, die auch von der WählerInnenschaft getragen werden, beginnt sich in Europa nur zaghaft durchzusetzen. Immerhin, wir verfolgen brav die US-Primaries und die letztjährigen Ereignisse, als Vorwahlen in Frankreich bei den Sozialisten eingeführt wurden (und u.a. gepriesen wurden als ““ein beeindruckend gelungenes Experiment der Öffnung und der innerparteilichen Demokratie und ein weiteres Element dieser Repolitisierung. 2,7 Millionen Bürgerinnen und Bürger haben sich an der ersten Runde der Abstimmung beteiligt”").
Hierzulande hatten wir weiland 2009 den zaghaften Versuch der Grünen Vorwahlen in Wien, welche allerdings wählerInneninitiiert waren und daher, wie ich heute denke, wohl zum Scheitern verurteilt waren. Can’t beat the system with the system.(*)
Wie auch immer… ein bisschen was ist ja doch kleben geblieben von den Grünen Vorwahlen, für mich (und die übrigen, zugelassenen UnterstützerInnen) zumindest die technische Möglichkeit, sich als solche an der Listenwahl zu beteiligen. 2009 ging es um die Landesliste, diesmal geht es um die wesentlich kürzere Landesliste für die Nationalratswahl 2013.
Am 21.10. ab 9:30 beginnt die nächste Landesversammlung, die Liste der Kandidatinnen, kann man hier: http://wien.gruene.at/listenwahl studieren – etwa vier bis fünf von dieser Liste haben, sollten die Grünen bei der Nationalratswahl nicht dramatisch einbrechen, wohl eine Chance auch in den Nationalrat einzuziehen. Wer könnte das sein?
Plätze eins und zwei sind wohl einigermaßen klar: Eva Glawischnig, als Bundessprecherin und Klubobfrau, sowie Albert Steinhauser, Justizsprecher, der jüngst die wichtige, wichtige, wichtige Verfassungsklage gegen die Vorratsdatenspeicherung federführend bei den Grünen und gemeinsam mit dem AK Vorrat angetrieben hat.
Immer zu beachten bei den Grünen: Es gilt das Paritätsprinzip, d.h. auf einen Frauenplatz folgt ein Männerplatz usw. Korrektur (danke, Wolfgang Spreicer, der kommentiert
“Auf Frauenplatz muss mMn nicht unbedingt Männerplatz folgen, prinzipiell nur umgekehrt. ” Und eine Ergänzung (Danke, Christian Wagner): “genaugenommen können Männer nur um Platz antreten wenn ein Mann auf diesen Platz den Frauenanteil nicht unter 50% bringen würde (ausg Platz 1), d.h. Frau, Frau, Mann, Mann wäre zB. möglich.”
Platz 3 könnte also ausgemacht werden zwischen Alev Korun (Außenpolitik, Integration, Migration, NR-Mitglied) und Daniela Musiol (Sprecherin für Familien-, Demokratiepolitik und Verfassung), wenn man nur berücksichtigt, wer bereits im NR ist.
Platz 4 würde dann entsprechend ausgemacht unter Wolfgang Zinggl (Kultur- und Minderheitensprecher) und Karl Öllinger (Sozial- und SeniorInnensprecher), beide im Nationalrat, aber auch Marco Schreuder (Bundesrat), Martin Margulies (Wiener Landtag) sowie Volker Plass (Grüne Wirtschaft) und Alexander Spritzendorfer (Stv. Bezirksvorsteher Josefstadt) sind am Start um diesen Platz.
Weitere KandidatInnen um Platz 5 (Frauenplatz) wären Momo Kreutz (Stv. Bezirksvorsteherin Alsergrund) und Birgit Meinhard-Schiebl (Grüne SeniorInnen) oder Terezija Stoisits (Volksanwältin – für weitere KandidatInnen siehe: http://wien.gruene.at/listenwahl)
Spätestens Platz 6 ist dann wieder ein Kampfmandat, das nur bei sehr gutem Abschneiden der Grünen bei der Wahl vergeben werden wird.
Und womöglich können so zwei oder drei UnterstützerInnenstimmen am 21.10 für die Plätze vier und fünf entscheidend sein. Meine Mobilität ist gerade ziemlich eingeschränkt, aber klar ist auch: Eine UnterstützerInnenstimme bei der Landesversammlung hat viel, viel mehr Gewicht als eine Stimme bei der Nationalratswahl (in meinem Fall ist nur noch rauszukriegen, ob ich als Piefke bei einer NR-Liste mitwählen darf – Piefkestimmen zählen schließlich gar nichts bei der NR-Wahl -> Gerd Valchars meint: “Staatsangehörigkeit ist für interne Listenwahl unerheblich, es zählt einzig parteiinterner Status”). Insofern: Liebe, ehemalige, ko-frustrierte VorwählerInnen, wenn ihr es irgendwie einrichten könnt, dann kommt mit mir am Sonntag zur Landesversammlung der Grünen! Palease!
Hier nochmal die Eckdaten:
Die Listenwahl der Wiener Grünen zur Nationalratswahl 2013
Bei der 68. Landesversammlung der Wiener Grünen wählen alle Mitglieder und UnterstützerInnen die Wiener Liste für die Nationalratswahl 2013.
SO 21.Oktober 2012, 9:30h STUDIO 44, Rennweg 44, 1030 Wien
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(*): Mit den Erfahrungen von 2009 würde ich extern angestoßene Grüne Vorwahlen übrigens nicht wieder mit initiieren, u.a. weil viele der darin provozierten Dichotomien (etwa die von den flyerverteilenden Basiswapplern und den ihre, und nur die, Transparenz propagierenden Webnerds, inkl. ihrer jeweiligen Organisationskultur, die sich wechselweise über einander erhaben fühlen) sicher am Puls der Zeit waren bzw. sind (und jede Organisation betreffen, zumal die Parteien). Für die Wiener Grünen hat es aber wenig getan, etliche VorwählerInnen konnten sich dadurch einen Prominenzboost, zumindest für ihre Blogs, erarbeiten, aber die Bereitschaft (und die Kritik gilt für mich selbst), parteipolitisch aktiv zu werden war begrenzt. Was ok ist, Vorwahlen heißt ja, dass die WählerInnenschaft in die Parteiprozesse einbezogen wird – das kann aber nur funktionieren, wenn die Parteiorganisation dafür bereit ist. Und was das Sendungsbewusstsein bezüglich offener Kollaborations- und Diskussionsstrukturen einiger von ‘uns’ VorwählerInnen betrifft: Das Thema wäre auch ohne uns externe VorwählerInnen früher oder später bei den Wiener Grünen aufgeschlagen, da bin ich ganz sicher. Spätestens durch den Piratenschock (der nun wohl allerdings nicht volle Breitseite entwickeln wird, da Team Stronach in Österreich wohl geeigneter ist, ProtestwählerInnenstimmen sich einzuverleiben).
Gerne hätte ich zu dieser Veranstaltung und ihrem provokanten Titel ein längeres Blogpost verfasst – meine Position in aller Kürze findet sich unten – allerdings fällt dieses aus Gründen weg. Ich werde mit einem Impulsreferat hierzu beitragen und ich teile die These, dass das Social Web-Geplauder männlich ist, nicht:
APA E-Business-Community:
Ladies Night: Warum das Geplauder im Social Web männlich ist.Wer hat Facebook, Twitter & Co. erfunden? Richtig, Männer. Aber Frauen haben die Oberhand, sollte man meinen, schließlich waren PR und Marketing – eigentlich Kommunikationsangelegenheiten generell – eh und je weibliche Domänen. Weit gefehlt: Nur 5 der Top-30 Twitterati in Österreich sind Frauen.
Was ist passiert? Ist weibliches Networking nicht mehr gefragt? Wie kommt es, dass sich Männer inzwischen auch schon bei den virtuellen Dialogen in den Vordergrund drängen? Lassen sich Frauen so leicht unterbuttern? Wo ist die Social-Media-Kompetenz im Unternehmen wirklich angesiedelt? Und wie hebt man diese Potenziale? Schließlich verändern sich dadurch unsere Kommunikation, der Umgang mit Wissen und die tägliche Entscheidungsfindung im Privat- wie Berufsleben.
Datum: Donnerstag, 23. August 2012
Ort: Haus der Musik, Seilerstätte 30, 1010 Wien
Happy Hour: ab 18:30 Uhr
Podiumsdiskussion: 19:30 – 21:00 Uhr, Vortragssaal, Dachgeschoß
Zur Anmeldung
Meine Position in alle kürzer sei an dieser Stelle mitgereicht – ich hoffe, wir sehen uns dann (ob Ladies Night heißt, dass nur Frauen kommen sollen/dürfen?)!
Rund um Studien zum Einfluss von Social Media UserInnen auf die gesellschaftlichen Diskurse wird immer wieder die geringe Repräsentation von Frauen gerade unter den ‘Top-Influencern’ beklagt. Wahlweise werden die Ursachen dafür einem latenten Sexismus zugeschoben (‘Frauen werden in Social Media-Konversationen übergangen’) oder den Frauen selbst (‘Frauen schreiben nur über Katzen und Kinder, nicht über Politisches’). Im schlimmsten Fall werden äußere Repräsentationsfragen auf einen bloßen Biologismus reduziert (‘Männer/Frauen sind eben so’), zuwenig Beachtung findet jedoch die Frage, wie Kategorien des Politischen überhaupt modelliert werden; von dem Verständnis, dass das Persönliche das Politische sei, wie es die Frauenbewegungen der 60er und 70er formulierten, ist sichtlich wenig übrig geblieben. Statt das Netzwerken wahlweise als männliche oder weibliche Eigenschaft zu reklamieren, gibt der Impulsvortrag einen kurzen Einblick in den Konversationsalltag einer geschützt – und das heißt: für Twitter-Rankings und Social Media-Studien uneinsehbar twitternden – Twittermom, die von ihren 40 ‘Followern’ mehr profitiert als von den über 3000 auf ihrem öffentlichen Account.
Über die Freiheitsgrade von Riten
In der dem Kölner Beschneidungsverbot folgenden Debatte ist der Stellenwert von Traditionen, Bräuchen, Riten bislang unterbeleuchtet geblieben. Zwar gibt es von hochoffizieller Seite Absichtsbekundungen, Brauchtum schon ob des Brauchtums zu schützen, nämlich von der deutschen Bundesregierung selbst, deren Sprecher Seibert besorgt darüber ist, “dass die Ausübung dieser alten, uralten religiösen Bräuche sich derzeit nicht in einer Situation des Rechtsfriedens befindet”, eben welchen “wiederherzustellen” er für “zeitlich dringend geboten” hält). Eine Diskussion des Verhältnisses von Brauchtum und Rechtslage und überhaupt eine Klärung, was ein Ritus überhaupt ist und was er leistet (oder verhindert), scheint man sich dabei sparen zu können.
(Auf die vielfältigen Aspekte der Beschneidungsdebatte gehe ich hier nicht ein, verweise jedoch auf die folgenden beiden, umfangreichen Artikel:
- Humanistischer Pressedienst, “Scharfe Klingen, stumpfe Logik“, 4.7.2012
- Süddeutsche.de, “Brachiale Aufklärung“, 6.7.2012)
Darum, dass Riten nicht gleich Riten sind und der Grad ihrer Freiheit (im Sinne von: kann man oder muss man an ihnen partizipieren) auch etwas über die zugrunde liegende Gesellschaftsvision geht, soll es in aller möglichen Kürze in meinem Beitrag gehen.
Zwischen Ritualen und ritualähnlichen Praktiken hat der Kulturanthropologe Victor Turner 1982 in seinem letzten Buch unterschieden, wobei die einen verpflichtend sind (und insbesondere das sie durchlaufende Subjekt ihren transformierenden Kräften unterwerfen – etwa in Übergangsritualen vom Kind zu Mann/Frau), die anderen optional. Rituale (bzw. sogenannte liminale Übergangsriten) und ritualähnliche (bzw. liminoide) Praktiken können gerade in komplexen, modernen Gesellschaften nebeneinander existieren. Turner diskutiert dies im Folgenden anhand von Beispielen:
Optation pervades the liminoid phenomenon, obligation the liminal. One is all play and choice, an entertainment, the other is a matter of deep seriousness, even dread, it is demanding, compulsory, [...] (S. 43). [...] But for most people the liminoid is still felt to be freer than the liminal, a matter of choice, not obligation. The liminoid is more like a commodity-indeed, often is a commodity, which one selects and pays for-than the liminal, which elicits loyalty and is bound up with one’s membership or desired membership in some highly corporate group. One works at the liminal, one plays with the liminoid. There may be much moral pressure to go to church or synagogue, whereas one queues up at the box office to see a play by Beckett, a show of Mort Sahl’s, a Super-bowl Game, a symphony concert, or an art exhibition. (Turner 1982, S. 55)
In post-industriellen Gesellschaften wird das Liminale durch Individualismus und Rationalismus zurückgedrängt bzw. in andere, liminale Phänomene (und insbesondere auch Medienpraktiken) überführt – dabei darf man nicht annehmen, dass heutige Subjekte ein Ritual, wo es noch stattfindet, in ähnlicher Weise mit Fleisch und Blut durchleben, wie dies etwa in (von den Rhythmen der Natur dominierten) Agrargesellschaften der Fall war. Tatsächlich kann man an etwa einem Abendmahl teilnehmen, ohne dies explizit als Hingabe des Leibes Christi zu verstehen – für den Medienwissenschaftler Nick Couldry ist es die geregelte Form des Rituals, die dies ermöglicht:
Far from every ritual therefore expressing a hidden essence which the performers explicitly believe, rituals by their repetitive form reproduce categories and patterns of thought in a way that bypasses explicit belief. On the contrary, if made explicit, many of the ideas apparently expressed by these rituals might be rejected or at least called into question; it is their ritualised form that enables them to be successfully reproduced without being exposed to questions about their content. (Couldry 2003, S. 23)
In der Formalisierung bewahrt sich gewissermaßen das Inhalt des Rituals, welche außerhalb dieser Formalisierung in Frage gestellt würde. Aus meiner Sicht (Disclaimer: ich bin Mitglied der evangelischen Kirche A.B. ohne Absichten, diese zu verlassen) bleibt die Glaubenspraxis in einer säkularen, aufgeklärten Welt (und in keiner anderen möchte ich leben) nur dadurch möglich: Dass bestimmte Inhalte an ihre ritualisierte Form gebunden bleiben und außerhalb ihre Plausibilität verlieren (etwa: Das Erzählen der Schöpfungsgeschichte hat m.E. nichts im Biologieunterricht verloren bzw. wäre dort selbstredend ein Witz – jedenfalls in Europa).
Aus der Kirche kann man ein- und austreten und es gehört m.E. zur Verantwortung einer Familie untereinander, hier eben keinen moralischen Druck aufzubauen* – es geht um die Frage, wie frei das Individuum in der Gesellschaft sein soll, die wir uns wünschen und immer wieder auch darum, wie frei oder unfrei wir in unserer Glaubenspraxis sein wollen.
Wo ein Beschneidungsritual im Spektrum liminal-liminoid bzw. verpflichtend-optional angesiedelt ist, ist klar – mit der körperlichen Markierung wird dem Subjekt auch die Möglichkeit genommen, sich frei gegen etwas zu entscheiden, was bereits von anderen entschieden wurde (zur Un/Möglichkeit der Reversibilität von Komplikationen oder Traumata ist hier noch gar nichts gesagt).
Traditionen, Bräuche und Riten sind eben _nicht_ in ihrer “alten, uralten” Form als solche zu bewahren – hier sind die Glaubensgemeinschaften in der Verantwortung, ihre Riten anzupassen, um dem Individuum die Freiheit (und die Möglichkeit des Spiels mit dem Liminalen) zu gewährleisten. Darum bemühen sich in der jüdischen Glaubensgemeinschaft etwa die Jews against Circumcision.
Umgekehrt sind m.E. jene für die Rechtsschaffung und Rechtsauslegung Verantwortlichen in der Pflicht, sich nicht an Traditionalisten oder Fundamentalisten auszurichten – es sollen auch keineswegs alle männlichen Juden beschnitten sein -, sondern an der Freiheit des Subjekts (das nicht erst mit 18 beginnt, eines zu sei).
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*: Mir ist klar: für viele, und womöglich insbesondere Katholiken mit ihrer institutionalisierten Beichtpraxis, sieht das ganz anders aus – insofern bin ich dankbar für meinen familiären Hintergrund aus Aus- und WiedereintreterInnen sowie Konvertiten, freilich nur in Richtung kath. -> ev. (einer davon brachte es 1960 mit seinem Übertritt sogar in den SPIEGEL).
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Couldry, Nick, Media rituals : a critical approach, London: Routledge 2003.
Turner, Victor, From Ritual to Theatre: The Human Seriousness of Play, New York: Performing Arts Journal Publications 1982.
Wir alle kennen das: Irgendeine der größeren oder kleineren Webplattformen ändert ihr Layout – sicherlich mit den besten Absichten, verteilen sie doch damit oft nicht nur den Zugriff auf Funktionalitäten neu, sondern führen neue Funktionalitäten ein und modifizieren alte- und die UserInnen laufen Sturm: Nichts ist dort, wo es angeblich “hingehört”, und wenn uns vorher egal war, dass die Profilbilder bevorzugt rechteckig waren, dann hassen wir es aber jetzt ganz sicher, dass die Darstellung für quadratische Bilder optimiert ist.
Bryce Roberts hat dies vor einer Weile auf seinem Blog beschrieben (Everybody Hates Every Redesign Ever), auf Facebook führt das regelmäßig zum Kuriosum der “Change back the layout or we’ll leave!”-Gruppen.
(Besonders rührend die Hoffnung dieser Anti-Seite mit mit 707-Likes: “”Like” this page if you hate the new Facebook layout and want it to change back to the older version! If we get 1,000,000 they will change it!”. Es lag sicher nur an den fehlenden 999 293 Likes, dass die neue Timeline nicht zurückgenommen wurde…)
Was ist aber so widerwärtig an Layout-Änderungen? Was ist so schlimm daran, einmal ein bisschen herumsuchen zu müssen nach den alten neuen Funktionen – schließlich setzen wir uns dadurch doch auch wieder mit der Seite auseinander? (Es soll Plattformbetreiber geben, die dies tatsächlich für einen Mehrwert halten).
Gepolstert mit ein paar Zeilen Richard-Sennett-Lektüre ist die Antwort einfach: Was wir hier erfahren, ist eine Form des “Deskilling” – unsere erworbenen Fähigkeiten werden uns genommen. Hierin besteht auch ein – mit der sich ausweitenden Netzkompetenz der allgemeinen Bevölkerung immer dünner werdende – relevanter Vorsprung der Social Media-Redakteure und Managerinnen: Wissen, wo man was auf dieser verflixten Facebookseite ändert, und zwar schnell! Am Ball bleiben, wo das neue bit.ly die Statistiken jetzt versteckt hat. Den Überblick behalten, wo man die Fav- und Retweetstatistiken für die Inhouse-Präsi der Social Media-Strategie schnell herbekommt.
Der Haken an der Sache ist dabei weniger die Layout-Änderung selbst (und deren womögliche Abruptheit, das Fehlen von kontextsensitiven Tipps nach der Umstellung, das Nicht-Einbeziehen von UserInnen in den Prozess), als die Dimensionen der Fähigkeiten, die überhaupt erworbenen wurden:
Übergeordnete oder weiterführende Kenntnisse oder Prinzipien lassen sich vom Wissen um den je rechten Ort im jeweiligen Layout nämlich kaum ableiten. Obendrein werden diese Fähigkeiten so hermetisch-isoliert erworben, dass der Wissensvorsprung der professionellen Social Media-Content-SchrubberInnen zwar eine Weile vorhält.
Versucht man sich jedoch mit anderen darüber auszutauschen (“Wo finde ich nochmal…?”) hilft oft nur der Screenshot weiter und wenn sich auch bei neuen Plattformen (zumindest hier in Wien) spontane Selbsthilfegruppen treffen (Lena Doppel weiß mehr, führt wenig um das mühselige Sich-selbst-Wieder-Zurecht-Finden-Lernen herum (direkt in’s Innere seines persönlichen Social Media-Imperiums will man andere ja auch nicht einblicken lassen).
Das war nicht zu allen Zeiten des Webs immer so. Wir mögen die bunten Webseiten des frühen Webs gehasst haben (oder uns zumindest heute dafür schämen), zumindest war viel von dem, was man lernte, auch auf andere Szenarien übertragbar.
Wie skaliert man den Vertikalabstand von Bildern? Wie erzwinge ich, dass ein Link gleich in einem neuen Fenster geöffnet wird? Durch welche Tags erziele ich einen bloßen Zeilen-, wie einen richtigen Paragraphenumbruch? Während man an der eigenen Homepage bastelte (die hoffentlich eine Sammlung animierter Gifs hatte!), erweiterte man seine Fähigkeiten über verschiedene Kontexte.
Nur selten verlor eine Fähigkeit – wie im Falle des Wissens um Funktionsorte im Layout – ihre Gültigkeit (dass das Blink-Tag kein Standard mehr ist, kann man verschmerzen).
Fähigkeiten waren miteinander vernetzt, man kopierte Lösungen aus dem Quellcode oder den Tutorien anderer und lernte beim Anpassen auch etwas Grundlegendes über HTML-Spezifikationen. Self-HTML war Gott.
Demgegenüber erscheint die Organisation von Aufgaben und Fähigkeiten im Social Media-Zeitalter fordistisch im Sinne der folgenden Darstellung Richard Sennets (aus einem Interview mit den Architectural Papers):
Let’s talk a little about Fordism first. It is not just a division of labour into very small parts. It is the defeat of the notion of lateral practice which is the fact that when you are doing one thing, you learn from something that is adjacent to it. Fordism is a deskilling of the worker in a sense that the worker is never having any kind of exploratory experience at working with materials, and that is the reason why it is oppressive for workers. In terms of craftsmanship [i.e. Handwerk], the way people develop skills is not just by becoming better at doing one thing, but by expanding a number of techniques they are able to do, and by speaking together about these techniques.
Natürlich stellt uns die digitale Welt kein physisches Material im Sinne von Holz, Stein, Fleisch zur Verfügung – Material bei Sennett bedeutet jedoch immer auch einen Pol der Auseinandersetzung und des Sich-Aussetzens, eine Auseinandersetzung, wie sie z.B. auch mit dem Code anderer stattfinden kann. In Das Handwerk (englisch: The craftsmann, liegt mir aktuell nur auf deutsch vor) stellt Sennett den Linux-Programmiere in eine handwerkliche Tradition, da hier die für ihn für das Handwerk unabdingliche Verbindung vom Lösen von Problemen und dem Finden neuer Probleme gegeben ist:
Wenn Programmierer im Linux-Netzwerk einen Fehler beheben, eröffnen sich ihnen häufig neue Möglichkeiten für die Anwendungen der Software. Das Programm entwickelt sich ständig weiter, es ist kein fertiges, fixes Objekt. Bei Linux besteht ein nahezu zeitgleiches Verhältnis zwischen dem Lösen und dem Finden von Problemen.” (Das Handwerk, Berlin 2009, S. 40).
Auch Social Media-Plattformen entwickeln sich immer weiter – aber die UserInnen haben daran keinen Anteil, sie sind ausgeschlossen von dem Zirkel aus dem Lösen und Finden von Problemen.
In der Frühphase einer Plattform ist dies oft noch anders: In der beta-Phase ist Rückmeldung einer begrenzten Zahl von UserInnen sogar ausgesprochen wichtig, damit die Plattform als Ganze evolviert. Hier erweitern UserInnen und EntwicklerInnen parallel und gemeinsam ihr Wissen – bis in der Mainstreamphase UserInnenfeedback nur noch zum Support-Problem wird (und die Kontakt-Möglichkeiten sind dann bekanntlich gut versteckt).
Eine Plattform gut als UserIn beherrschen zu können (etwas als Social Media-RedakteurIn), heißt dann nur noch mit dem abgeschlossenen Produkt zu arbeiten, aber nicht an dem Produkt mit zu arbeiten. Und mit dem nächsten Redesign wird einem dieses dann auch noch weggenommen und einfach ein anderes in die Hand gedrückt. Deskilling, das auch mal sauer machen kann.
P.S.: Apropos Layoutänderungen: Mein WordPress-Stylesheet-Abo ist abgelaufen und seitdem erscheint hier alles in Serifenschrift. Meine Stylesheet-Änderungen sind nämlich mit dem ABlauf auch weggeschossen worden. Ein Hinweis darauf, dass man nur auf dem selbst gehosteten Blog eine wirkliche Webbastlerin sein kann…
P.P.S.: Social Media-RedakteurInnen, die nicht wissen, wie man einen Link direkt im Quelltext setzt (ich wette, die gibt es), begeben sich direkt hier hin.
Heute Nacht – die Nacht vor dem IPO – habe ich von Mark Zuckerberg geträumt: Er war ein Hai, der User fraß. Facebook war eine hellblau gestrichene Schule unter Wasser, und wer kein Hai war, musste ab und zu auftauchen – und wurde so zum identifizierbaren Ziel für Hai Zuckerberg.
Die meiste Zeit hatte Mark Menschengestalt, verriet sich aber dadurch, dass er am Schulbuffet ausschließlich kleingeschnittene Sardellen aß und dies auch von seinem Umfeld verlangte. Wer keine Sardellen aß, machte sich verdächtig, ging drauf.
Kurz bevor Mark ‘The Shark’ Zuckerberg zuschlug, kurz bevor er sich also in einen gefräßigen Hai verwandelte, wurde er unsichtbar, so dass niemand seine Missetaten mit den eigenen Augen bezeugen konnte. Aber ich schwöre, es waren User, die er fraß…
