Fastfood im südlichen Afrika (betrifft: Nando’s Diktatoren-Spot)
Dean Blumbergs großartiger Spot Last Director Standing, in dem er einem einsamen Robert Mugabe ein 6-Pack-Meal der Grillhuhnkette Nando’s (quasi der Wienerwald Südafrikas) servieren und Erinnerungen an seine verstorbenen Diktatorskollegen Muammar Gaddafi, Mao Tse-tung, Saddam Hussein, P.W. Botha und Idi Amin (in Titanic-Pose auf dem Panzer!) Revue passieren lässt, wurde mittlerweile zurückgezogen (Nando’s Franchisenehmer in Zimbabwe hatten zwar nichts damit zu tun, doch ist Präsidentenbeleidigung dort strafbar). Solange er online ist, sollte man den Spot unbedingt ansehen (ein paar Screenshots sind weiter unten im Artikel), für einen Moment möchte ich die Aufmerksamkeit aber auf das angebotene 6-Pack-Meal richten.
Die Beobachtung: Drei halbe Grillhühner, sechs Semmeln, zwei Schalen Pommes frites und zwei Tetra-Paks Saft – eine Kombination, die man in der nördlichen Hemisphäre kaum finden wird, schon, weil man die sensible Aufgabe des Teilens von Fastfood nie den KundInnen zumuten würde. Es müsste schon ein Hühnerteil, ein Saftpaket und ein Pommeshäufchen für jeden sein. Brot – abgesehen von den den Burger konstituierenden Hamburgerbrötchen – dürfte als Beilage auch kaum vorkommen. Schon gar nicht der ganze Laib (toastartiges) Brot, den man manchmal bei Nando’s als Sonderangebot dazubekommen kann. Warum? Weil mit anderen gemeinsam satt werden in der nördlichen Hemisphäre nur noch eine nebengeordnete Bedeutung von Essen ist? Weil Brot (es sei denn, es handelt sich um Bobo-Brot als Überflussprodukt gilt?
175 Rand entsprechen derzeit übrigens in etwa 16 Euro 20 Cent, also 2 Euro 70 pro Person. Und in UK gibt es Nando’s mittlerweile auch.
Anonymous im Fernsehen
Damit die Links nicht untergehen: Am Montag (28.11.11) gab es im ORF2 Kulturmontag einen Beitrag zu Anonymous und Occupy, zu dem u.a. ich und Peter Purgathofer (in der Reihenfolge des Erscheinens) Wort gespendet haben.
Beschreibung via ORF.at:
PROTEST-BEWEGUNG: OCCUPY UND ANONYMOUS Wer steckt hinter der Maske und wird jetzt die Welt gerettet? Der kultur.montag richtet zur Klärung beitragende, wichtige Fragen an Experten.
Die Anonymous Expertin Jana Herwig, verfolgt das Phänomen seit Beginn. Wer ist Anonymous? Was wollen sie? Wofür steht diese Maske, die bereits ins popkulturelle Gedächtnis eingegangen ist? Peter Purgathofer erörtert die Proteste im öffentlichen Raum und spricht über die Zusammenhänge zwischen WikiLeaks, der Occupy Bewegung und der Anonymous Bewegung?
Was wollen die Occupy ProtestantInnen überhaupt?
Und wie muss man mit den antisemitistischen Ausfällen dieser Bewegung umgehen? Was bedeutet heute Besetzung des öffentlichen Raums. Wird doch öffentlicher Raum immer mehr privatisiert. Nicht umsonst ging die Occupy Bewegung von dem Kanadischen Underground Magazin Adbusters aus, deren Betreiber immer wieder mit Plakatübermalungen und Umcodierungen von Markennamen im öffentlichen Raum für Aufsehen gesorgt haben.Wieviel „radical chic“ ist aber auch bei Occupy? ProtestantInnen tauchen in Modeblogs auf, Hollywoodstars und auch Obama schmücken sich mit Sympathiebekundungen.
TV-Beitrag: Constanze Griessler, Franziska Mayr-Keber
Am 6. November lief ein Anonymous-Beitrag auf Yourope (arte) mit einem etwas anderen übergeordneten Fokus: Crowdsourcing. Unter anderem wurde jemand vom österreichischen Verfassungsschutz befragt, ich schließe mich als Nachrednerin an. Das Video kann man (noch) auf den Seiten von arte anschauen: Anonymous bekämpfen mit Crowdsourcing die Mächtigen.
Wer sich weitergehend beschäftigen will mit Anonymous, 4chan und AnonAustria, der möge die folgenden Artikel herunterladen:
Herwig, Jana, "Von 4chan zu Anonymous und AnonAustria: Von der kollektiven Identität zum global-lokalen aktivistischen Kollektiv", in: Brigitte Kossek/Markus Peschl (Hg.), digital turn (Sammelband zur Ringvorlesung), Wien: Vienna University Press, in Vorbereitung.
• Download Manuskript (26.9.2011), PDF, ca. 220 KB
—, "The Archive as the Repertoire. Mediated and Embodied Practice on Imageboard 4chan.org", in: Günther Friesinger/Thomas Ballhausen (eds.): Mind and Matter. Paraflows 10 Symposium, conference proceedings, to appear in print in 2011.
• Download manuscript, PDF, 205 KB
—, "’Post your desktop!’" – Analyse eines Sonderfalls der Verhandlung von Nähe und Identität im Web", in: Media and Proximity / Medialität der Nähe, Tagungsband, Siegen, Graduiertenschule Locating Media, erscheint 2011
• Download Manuskript, PDF, 246 KB
—, "Fluktuierende Kollektive, lebendiges Archiv: Semiologische Praktiken im Imageboard 4chan", in: Christine Ehardt/Daniela Pillgrab/Marina Rauchenbacher/Barbara Alge (Hg.): Inzenierung von „Weiblichkeit“. Zur Konstruktion von Körperbildern in der Kunst, Wien: Loecker 2011 (im Erscheinen).
• Download Manuskript, PDF, 220 KB
Von 4chan zu Anonymous und @AnonAustria (plus PDF-Download)
Eigentlich ist dieser Artikel noch im Lektorat, weshalb ich die folgende, mit Tippfehlern behaftete Version vom 26. September noch nicht online stellen wollte. Da ich aber die schmale Hoffnung hege, dass er denen zur Aufklärung gereichen könnte, die aufgrund fataler Unkenntnis das Tragen einer Guy-Fawkes-Maske als Hinweis auf Verwicklung in potenziell cyberkriminelle Aktivitäten werten, stelle ich ihn hier mit online:
Herwig, Jana, „Von 4chan zu Anonymous und AnonAustria: Von der kollektiven Identität zum global-lokalen aktivistischen Kollektiv“, erscheint 2012 in: Brigitte Kossek/Markus Peschl (Hg.), digital turn (Sammelband zur Ringvorlesung des CTL), Wien: Vienna University Press, in Vorbereitung.
Download (PDF, ca. 220 KB).
(Der erste Abschnitt situiert den Beitrag im Rahmen der Ringvorlesung, wer sich vor allem für Anonymous interessiert, steige bitte bei 2. ein)
Wer die Geschehnisse um AnonAustria und Anonymous in den letzten Tagen verfolgt hat (z.B. hier, hier oder hier), der wird womöglich den Eindruck haben, dass dort Handhaben konstruiert wurden (Verhetzung, Einvernahme von Personen, die einen öffentlichen (!) IRC-Chat nutzen), die kaum nachvollziebhar sind.
Mit Erschrecken lese ich entsprechend die Vermutungen, dass es am kommenden Samstag – einem von @AnonAustria initierten Aktionstag gegen die Vorratsdatenspeicherung – womöglich zu Einvernahmen oder Festnahmen kommen wird, wenn Personen im physischen Raum mit einer Guy-Fawkes-Maske auftreten.
Die Konspiration, die da konstruiert werden soll, besteht dann in der öffentlichen (!) Bekanntgabe eines Treffpunkt auf paperstorm.rockt.es, den jeder einsehen kann, der oder die das Eingeben von URLs oder anklicken von Links beherrscht. Termin Wien: „26. November 13:30 Uhr – Treffpunkt: vorm Stephansdom – Ansprechpartner im IRC: AnonVienna“.
Glaubt man bei der Exekutive wirklich, dass die Personen, die sich zu angekündigter Uhrzeit beim Steffl einfinden werden, identisch sind mit denen, die in die Webdatenbanken der GIS eingedrungen sind, oder dass es da überhaupt Verbindungen gibt die aus mehr bestehen als dem Aufrufen von Websites und dem Lesen von Informationen? Sollen Akte des sich Informierens selbst kriminalisiert werden (und darf man hoffen, dass diese Regelung dann auch bald auf Angebote wie ‘SOS ÖSterreich’ oder die Alpen-Donau-Seite angewandt werden wird)?
Besonders im Magen liegt mir die damit angedeutete, absurde Kriminalisierung eines popkulturellen Symbols (die Guy-Fawkes-Maske), welche ich im letzten Abschnitt des Artikels („Von 4chan zu Anonymous und @AnonAustria„) diskutiert habe – freilich hätte ich nicht damit gerechnet, dass solches so schnell passieren wird. Zitat:
Dass es wenig wahrscheinlich ist, dass alle Personen, die an einer Operation mitwirken, auch an allen anderen beteiligt waren, liegt auf der Hand. Der österreichische Fall zeigt zudem, dass selbst im lokalen Kontext keine Homogenität der TeilnehmerInnen angenommen werden kann. Was im Rahmen dieses Beitrags bisher nicht behandelt wurde und kaum behandelt werden kann, ist die rechtliche Dimension der Teilnahme an Anonymous-Operationen. Da es bereits zu Verhaftungen von ‚Anons’, u.a. in den Niederlanden, Großbritannien, der Türkei und den USA gekommen ist, wird die Frage, ob hacktivistische Aktionen Aussicht darauf haben, in Analogie zu Straßenblockaden gedeutet zu werden, auch gerichtlich verhandelt werden. Als die damals 19-jährige US-Amerikanerin Mercedes Haefer im Juli 2011 wegen ihrer möglichen Beteiligung an Operation Payback verhaftet wurde, sollen FBI-Beamte Medienberichten zufolge auch nach einer Guy-Fawkes-Maske gesucht haben (vgl. Glance 2011). Sollte das Anlegen der Maske von Anonymous künftig bereits als Kriminalitätsindiz gewertet werden, so kann angenommen werden, dass Anonymität generell in Gefahr ist, und mit ihr etliche, liminoide Räume jenseits der hierarchischen Struktur des Alltags.
Anonymous ist nicht AnonAustria. Das eine ist ein Protestlabel, das typischerweise für Werte wie Meinungs- und Informationsfreiheit eingesetzt wird, das andere ist eine lokale Anwendung dieses Labels, woraus jedoch nicht folgt, dass alle Personen in Österreich, die an Anonymous interessiert sind, auch zum engeren Kern der Personen hinter dem Twitter-Account AnonAustria gehören. Eine Maske ist ein Symbol, in diesem Fall für eine bestimmte aktivistische bis netzpolitische Haltung, deren Ernsthaftigkeit vermutlich häufig nicht die eines Che-Guevara-T-Shirts übersteigt – sie kann auf keinen Fall als Indiz gewertet werden für wahrscheinliche Handlungen einer Person. Die Anonymous-IRC-Chats sind per se öffentlich – ob man den Weg dorthin findet, ist eine Frage der medienkulturellen und medientechnischen Kompetenz. Wiederum kann diese Kompetenz aber genauso wie die Maske nicht als Indiz für irgendeine Art Täterschaft gewertet werden. Ein Wunsch an die Exekutive: Solltet ihr Söhne oder Töchter mit ‘Computerhobby’ haben, lasst euch von denen erklären, wie ein IRC-Chat funktioniert, und was das bedeutet, wenn man einen vhost dazwischen schaltet, und wir wahrscheinlich es ist, dass die Personen, die sich dort treffen, auch auf anderem Weg miteinander verbunden sind. Bitte. Danke.
Gigapanning, oder: So nah wolltet ihr mir nie kommen (oder: schau mir in die Nüstern, etc.)

Und auf einmal weiß man nicht mehr, wer wem auf die Pelle rückt – der Fotograf der Fotografierten oder die Fotografierte den BetrachterInnen. Was hier oben zu sehen ist, ist ein kleiner Ausschnitt aus einem Gigapan, das der US-amerikanische Künstler/Forscher Rich Gibson heute von mir im Museumsquartier angefertigt hat: bis zu 500 Megapixel-Fotografie, online gestellt unter gigapan.org, wo man tief hineinzoomen kann in Fell, Haut, Skylines, Landschaften und so die Landschaftsqualitäten auch in den Fältelungen der Haut entdecken kann.
Das Geheimnis des von Carnegie Mellon, NASA u.a. entwickelten Gigapan-Systems liegt in der Kombination aus Kamera und einem für pans ((Kamera-)Schwenk) optimierten Stativ: Statt einem werden viele einzelne Bilder gemacht, die anschließend in verblüffender Geschwindigkeit zusammengeheftet werden. Gigapanning ist dennoch Handarbeit – wer in meine Porträts (1, 2) hineinzoomt, wird sehen, dass einzelne Platten nicht scharf sind (mein sich begeistert in die Reflektorhülle vergrabendes Kleinkind mahnte zu Eile und hat meine Stillhalteversuche unterminiert;-) – zum Vergleich hier auch noch das Portät von Günther Friesinger, aus ca. 70 Einzelteilen zusammengesetzt – das geht wirklich tief rein).
Wer sich für Rich Gibsons Arbeit interessiert, sich fotografieren lassen möchte (es kostet den Aufwand, sich bei ihm zu melden und zum MQ zu kommen), der findet ihn hier (am 24.11. ab 9:30 Uhr den ganzen Tag; danach vorher nachfrage, ob es da ist, und schließlich noch bis zum 8. Dezember hier in Wien):
Rich Gibson auf Facebook
Richs Arbeiten bei Gigapan.org
Richs Website
Nominierungsrede für VÖZ und Co. #wolo11
Gestern wurde im Figurentheater Lilarum der Wolfgang-Lorenz-Gedenkpreis für internetfreie Minuten 2011 vergeben – ich durfte in der Jury sein und in dieser Funktion die Nominierungsrede für den Verband österreichischer Zeitungen (VÖZ) und Co verfassen. Aufgrund neoliberaler Selbstausbeutungszwänge konnte ich jedoch vor Ort nicht zugegen sein – vielen Dank an Karola Riegler für das Übernehmen der Nominierungsansprache! Unten ist der Volltext zu finden. Erhalten haben den Preis @AnonAustria für „ihren selbstherrlichen Kampf, bei dem sie sich als Robin Hoods der entmachteten Internetbevölkerung aufspielen, tatsächlich aber Datenrüpel sind und Grundsätze der Hackerethik missachten.“
Nominierung von VÖZ, ORF und Konsorten
Zusammenfassung:
Nominierung aller im VÖZ repräsentierten Medienunternehmen sowie gleichberechtigt aller dort nicht repräsentierten Medienunternehmen wie den ORF, insofern sie Strategien zur Flucht aus den geltenden Kollektivverträgen anwenden sowie grenzkriminelle Kreativität bei der Ersinnung möglicherweise geltender (anderer) Kollektivverträge an den Tag legen, im Sinne einer Würdigung ihrer Scheinheiligkeit beim Nachplaudern der ‘Online First’-Prämisse bei gleichzeitiger Verweigerung leistungsgerechter Bezahlung der eben im Onlinedienst tätigen MitarbeiterInnen. Buh!
Zunächst ein Landschaftsbild: Wer sich in den vergangenen Jahren auf die allfälligen Treffen der Medien- und Medienwirtschaftsbranche wagte, konnte sicher sein, früher oder später das Schlagwort „Online First“ zu vernehmen.
„Online First“, das heißt, Nachrichten nicht zurückzuhalten, bis sie auf ein entgeltlich abzugebendes Stück Papier gedruckt werden, sondern sie dann, wenn sie am heißesten sind, unter das Internet-Volk zu jubeln, in der Hoffnung oder Annahme, sich solchermaßen als die Marke zu etablieren, an die man sich wendet, wenn man wissen möchte, was denn nun los oder sogar faul ist, in der Welt, in Italien, im Sport, und so weiter.
Das Internet kennt keine begrenzten Öffnungszeiten und keine Wochenendausgaben, und wenn an einem Samstagnachmittag der Busch brennt, der Reaktor kocht oder Krawalle ausbrechen, dann hat jedes Nachrichtenmedium seine Stärke zu beweisen, und zwar zuallererst im Web, online.
Freilich war das nicht immer so. Irgendwann einmal in grauer Vorzeit, also ca. 1996, fand man auf den Webseiten der Printmedien (bzw. auf deren Internetpräsenzen, wie es damals hieß), nicht viel mehr als die kopierten Printmeldungen (von der Möglichkeit, als Leser oder LeserIn auf diese Meldungen zu reagieren, zu kommentieren, diese weiterzuleiten, zu liken und zu retweeten, wie wir das heute im schönen bunten Social Web tun, einmal ganz zu schweigen)
Aus dieser grauen Vorzeit stammt das Bild des Onlineredakteurs oder der Onlineredakteurin, die sich vorgestellt werden als nicht viel mehr als ein Automat, der Text kopiert, Bilder zurecht schneidet, Kanäle mit Daten bestückt. Auch heute ist dieses dumpfe Stereotyp höchstlebendig, beißt es sich etwa fest an der Praxis der kaum editierten Übernahme von Agenturmeldungen, welche man besonders häufig online vermutet – allerdings geht dieses Stereotyp den Technologien des Digitalen selbst auf den Leim, da der Beweis, das solches auch in Print stattfindet, aufgrund des Fehlens von Suchmaschinen, die die Stapel Zeitungen am Klo durchforsten, noch immer nicht in auch nur ansatzweise ähnlicher Effizienz erbracht werden kann.
Was der Allgemeinheit dieses Stereotyp, das ist bzw. war auf Arbeitgeberseite das Phantasma der Content Engine, wie es Horst Pirker, der im letzten Jahr abgelöste Präsident des Verbands der österreichischen Zeitungen, sich ersann: Die Multimedia Content Engine war zu verstehen als Datenbank, die sich mit den Bausteinen füllt, aus welchen Nachrichten angeblich gemacht sind und werden von dieser Engine in die verschiedenen Kanäle Print, Online, Mobile oder sogar TV injiziert. Was flexibel und right on time daher kommt, kann in der praktischen Umsetzung auch als feuchter Traum der Arbeitgeber gelten, wenn nämlich die BefüllerInnen der Engine vom letztlichen Produkt getrennt werden, in eigenes gegründete artifizielle Tochterunternehmen ausgegliedert und damit nicht mehr gemäß Zeitungskollektiv-Vertrag entlohnt werden müssen. Dienstvertragliche Regelungen, mit denen sie auch die Rechte an ihren Erzeugnissen entäußern, tun ein übriges.
Dieser feuchte Traum der Content Engine ist spätestens seit einem im Vergleich endenden arbeitsgerichtlichen Verfahren um die „Die Presse Content Engine GmbH & Co KG“ ausgeträumt, die Tendenz ist aber weiterhin ungebrochen: Die Branche setzt auf freier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, lagert Bereiche in eigene Unternehmen aus, um so die Kollektivverträge derTages- und Wochenzeitungen zu umgehen – Eugen Russ vom Vorarlberger Medienhaus gab 2010 etwa an, das von 350 Mitarbeitern und MitarbeiterInnen nur etwa zehn bis 15 nach Zeitungskollektivertrag bezahlt werden. Stattdessen kommen branchenweit die Kollektivverträge für Webung- und Marktkommunikation, für IT oder Gewerbe zum Einsatz.
Aber man verhandelt ja bereits um neue Kollektivverträge, solche, die der Annäherung von Print und Online auch gehaltlich nachfolgen, und zwar seit September 2009, seit über zwei Jahren. Erst im Juli war zu erfahren, dass Ende 2011 neues zu erfahren sei, zumindest der Vertreter des VÖZ, Hermann Petz, wollte sich bis auf weiteres nicht äußern.
Diese Nominierung ist also ein Aufruf an alle Beteiligten, und insbesondere die Mitglieder und Beteiligten des VÖZ, endlich Bewegung in ihre betönerne Haltung zu bringen. Vom Elend der Lage der Onliner in Unternehmen, die _nicht_ dem VÖZ angehören, wollen wir hier gar nicht erst anfangen – freilich hoffen wir, dass eine Bewegung der einen Betonschädeln auch eine Bewegung der anderen zur Folge haben wird.
Occupy London und der rote Faden. Fast live.
Während meines Urlaubs in England habe ich mir einen Tag vom frei nehmen frei genommen und habe am 25. Oktober 2011 die St. Paul’s Cathedral in London besucht. Nach Occupy Wall Street in New York City kam es am 15. Oktober 2011 während eines internationalen Solidaritäts- und Protesttags zu Kundgebungen und Occupy-Aktionen auf der ganzen Welt. Seit diesem Tag ist auch ein Teil des Geländes rund um die St. Paul’s Cathedral besetzt. Ganz in der Nähe ist die London Stock Exchange (LSX). Aufgrund des Andrangs schloss St. Paul’s Cathedral das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg ihre Pforten.
Die Protestierenden von OLSX arbeiteten mit St. Paul’s sehr nahe zusammen, um sich gemeinsam gegenseitig nicht im Wege zu stehen. Occupy LSX hat es sofort verstanden, dass ein Konflikt mit der Kirche ihrer Sache nicht dienen würde. Der Dekan der Kathedrale, Graeme Knowles, war von Anfang an Freund von Occupy LSX und legte im Zuge von internen Diskussion sein Amt nieder, da er auf keinen Fall für eine gewaltsame Räumung des Geländes verantwortlich sein wollte. Diese Räumung ist bis heute nicht passiert.
„What are your demands?“. Mit dieser Frage werden die Occupants ständig konfrontiert. Und niemand kann sie richtig beantworten, und das ist auch normal, geschweige denn ein Manko. Denn es handelt sich um Menschen, die nur wissen, dass das System, so wie’s jetzt läuft, falsch läuft. Es liegt nicht an diesen Menschen auf der Straße oder im Wohnzimmer (wie zB. du, jetzt), ein politisches 12-Punkte-Programms parat zu haben und diese Punkte theatralisch einzufordern. Die vermeintliche Unfähigkeit, die Frage zu den Forderungen zu beantworten wird freilich von reaktionären und rechten Medien als aufgelegter Beweis benutzt, dass es sich bei den Demonstranten ja nur um planlose Spinner handelt.
Ich habe nicht vor, hier große Reden zu schwingen, ich möchte lediglich einige Fotos und Eindrücke zu Occupy LSX bringen, doch sobald ich mich mit dem Thema der 99% auseinandersetze, gelange ich vom Hundersten ins Tausendste. Wer meint, dass Occupy Aktionen nichts bringen, liegt falsch. Ohne Occupy würde Fareed Zakaria im Global Public Square auf CNN nicht über die die Gehaltsschere zwischen den einem und den neunundneunzig Prozent berichten. Read it. Ganz aktuell, 5. November.
Das ist nur 1 (ein) Beispiel für den durchaus positiven Einfluss von Occupy auf Medien und den öffentlichen Diskurs. Obwohl Occupy Wall Street eine lange Zeit in den US-Medien ignoriert wurde (in Europa war dies nie der Fall), kommt nun auch in den Staaten Bewegung in die Berichterstattung. Die Themen, die von unten angesprochen werden, werden nun auch oben angesprochen. Ein riesiger Erfolg von Occupy, schon jetzt.
Was mir bei meinem Kurzbesuch bei OLSX aufgefallen ist, dass bei der Organisation das exakte Modell von Unibrennt in Wien im Winter 2009 angewandt wird. Es gibt Arbeitsgruppen, jede/r kann mitmachen und mitreden, Infopoints, Passanten kommen mit Essens- und Sachspenden vorbei.
Bei Unibrennt ging es um Bildung, weshalb Unibrennt nicht die gleiche, breite Aufmerksamkeit erlangte, wie Occupy es heute erreicht. Es lief auch einiges anderes falsch, wurde zum egoistischen Profilierungskindergarten, doch Occupy scheint das von Anfang an ein wenig reflektierter, vorsichtiger, weniger (Hoch-)schülerhaft zu gestalten. Die Unzufriedenheit mit dem kapitalistischen System war jedoch auch bei Unibrennt präsent. Es ist ein roter Faden, der sich seit den vergangenen Jahren durch alle Protestmovements zieht. Dazu muss man weder Kommunist noch Anarcho noch Studi sein, um so zu denken.
Auch wenn sich Occupy London irgendwann auflösen wird und verpufft, die Themen bleiben. Und bleiben auch angesprochen. Das weiß auch Ed Miliband wenn er von „irresponsible, predatory capitalism“ redet. Auch wenn Miliband populistisch handelt und darauf kalkuliert, die Protestbewegung für sich gewinnen zu können; auch wenn er es als Oppostionspolitiker derzeit leicht hat, sich kämpferisch zu geben, es ist ein Zeichen dafür, dass Occupy wirklich ernst genommen wird. Zweifelsohne hat Miliband mitgekriegt, dass die öffentliche Meinung weitgehend hinter den Protesten steht. Dieses Protestpotential gilt es nun für sich zu gewinnen. Ich gebe zu, dass mir Finanz- und Systemkritik von liberalen Mainstreampolitikern lieber ist, als von einem HC oder noch schlimmerem.
Anyway. It’s all good. Weiter so. This is how Occupy London looked on 25 October 2011.

Dame älteren Semesters, die schon länger auf diesem Platz saß, bis sich eine Gruppe junger MusikerInnen dahinter gesellt haben, um ein spontanes Konzert zu geben.

The Bankers. Es kommen viele Touristen und Neugierige vorbei, und dieser Satz bleibt allen hängen. Ich habe ihn Straßen weiter in einer Gruppe spanischer Touristen wieder gehört. Sie diskutierten darüber.
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Können Sie mit dem Romanlesen jederzeit aufhören?
Mit einiger Verspätung setze ich mich nun auch mit der PINTA-Studie zur Prävalenz von Internetabhängigkeit auseinander. Wann immer vor den ‘neuen Medien’ (welche historisch immer andere waren) gewarnt wird, beginne ich zunächst einmal damit, die Argumente auf ihre Austauschbarkeit zu überprüfen. Wie wäre es z.B. mit einer Prüfung der Romanabhängigkeit, der Lesesucht, welche im 18. Jahrhundert so gefürchtet wurde? Ähnlich, wie Daniel Kehlmann in Ruhm die Pathologie des internetkranken Bloggers vorzuführen glaubte, tat dies Karl Philipp Moritz im Anton Reiser (1785-1790). Ein Auszug (Kapitel 36):
Das Lesen war ihm nun einmal so zum Bedürfnis geworden, wie es den Morgenländern das Opium sein mag, wodurch sie ihre Sinne in eine angenehme Betäubung bringen. – Wenn es ihm an einem Buche fehlte, so hätte er seinen Rock gegen den Kittel eines Bettlers vertauscht, um nur eins zu bekommen. – Diese Begierde wußte der Antiquarius wohl zu nutzen, der ihm nach und nach alle seine Bücher ablockte und sie oft in seiner Gegenwart sechsmal so teuer wieder verkaufte, als er sie ihm abgekauft hatte.
Der Antiquarius, der Pusher… zur Titelfrage: Stellen Sie sich vor, Sie liegen gemütlich auf dem Sofa oder was immer Ihre Leseecke ist, der Roman, den Sie begonnen haben zu lesen, geht gerade ins Finale, Sie sind gewissermaßen im Tunnel. Auf einmal klingelt das Telefon. „Können Sie mit dem Romanlesen jederzeit aufhören,“ fragt sie eine nüchteren Stimme, „oder glauben Sie nur, dass Sie das könnten?“ Werden Sie gereizt, wenn Sie so in Ihrer Lektüre gestört werden?
Wenden wir uns hiermit also der CNUS, der Compulsive Novel Use Scale, zu und der Beantwortung der folgenden Fragen:
1. Wie häufig finden Sie es schwierig, einen Roman zur Seite zu legen, wenn Sie gerade einen lesen?
2. Wie häufig lesen Sie noch ein weiteres Kapitel, obwohl Sie eigentlich aufhören wollten?
3. Wie häufig sagen Ihnen andere Menschen, z.B. Ihr Partner, Kinder, Eltern oder Freunde, dass Sie sich weniger in Ihren Roman vergraben sollen?
4. Wie häufig lesen Sie lieber einen Roman anstatt statt Zeit mit anderen zu verbringen, z.B. mit Ihrem Partner, Kindern, Eltern, Freunden?
5. Wie häufig schlafen Sie zu wenig weil sie ein Buch nicht zur Seite legen wollen?
6. Wie häufig denken Sie an die Geschehnisse des Romans, den sie aktuell lesen, wenn Sie ihn gerade nicht lesen können?
7. Wie oft freuen Sie sich bereits auf Ihre nächste Lesesitzung?
8. Wie häufig denken Sie darüber nach, dass Sie weniger Zeit mit dem Lesen von Romanen verbringen sollten?
9. Wie häufig haben Sie erfolglos versucht, weniger Zeit mit dem Lesen von Romanen zu verbringen?
10. Wie häufig erledigen Sie Ihre Aufgaben zu Hause hastig, damit Sie sich möglichst bald wieder Ihrem Buch widmen können?
11. Wie häufig vernachlässigen Sie Ihre Alltagsverpflichtungen (Arbeit, Schule, Familienleben), weil Sie lieber weiterlesen wollen?
12. Wie häufig lesen Sie einen Roman, wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen?
13. Wie häufig lesen Sie einen Roman, um Ihren Sorgen zu entkommen oder um sich von einer negativen Stimmung zu entlasten?
14. Wie häufig fühlen Sie sich unruhig, frustriert oder gereizt, wenn Sie keinen Roman zur Hand haben?
Hätte es im 18. Jahrhundert bereits Drogenbeauftragte begeben, so hätten diese sicherlich eine Romansuchtstudie in Auftrag gegeben, galt doch das Lesen „als Unterhaltung und Zeitvertreib“ als
[...] eines der verführerischsten Vergnügen, welches den, der es einmal gekostet hat, so sehr fesselt und anzieht, daß er sich nicht wieder losmachen kann. Tagelang sizt der Leselustige auf der Stelle, und betrachtet jedes ernsthaftere Geschäft, das ihn von seinem Buche abruft, als eine Störung in seinem Vergnügen, die er so lange zu entfernen sucht, als es möglich ist. Und reißt er sich ja einmal los, um dringende Geschäfte zu verrichten: so thut er sie doch nicht mit Attachement, Lust und Ernst, sondern seine Gedanken sind immer abwesend, und nach halbgethaner Arbeit eilt er wie ein Heißhungriger wieder an seinen Lesetisch, um seine gespannte Neugier zu befriedigen, die jedoch nie gesättigt wird, sondern wenn eine Kost verschlungen ist, sich schnell nach einer andern umsieht, sie auch wieder zu sich nimmt, um eine dritte zu erhaschen. Dies ist freylich der Fall nicht bey einer ernsthaften Lektüre, welche Nachdenken erfodert, mehr Meditation als Geschichte enthält, und die man zugleich in Blut und Saft zu verwandeln und zu seinem Geisteseigenthum zu machen sucht. Aber gerade darum ist es dem grosen Haufen in der Lesewelt nicht zu thun, sondern dieser sucht nur Unterhaltung und Zerstreuung, und greift blos nach Büchern, die für diesen Zweck geschrieben sind.
(Johann Rudolph Gottlieb Beyer, Ueber das Bücherlesen, in so fern es zum Luxus unserer Zeiten gehört. Vorgelesen in der churfürstl. mainz. Academie nützlicher Wissenschaften zu Erfurt am 2ten Febr. 1795, Gedruckt zu Erfurt 1796. [PDF])
Tja. Aber die CNUS ist natürlich fiktiv, die Compulsive Internet User Scale dagegen kann in der PINTA-Studie auf Seite 8 nachgelesen werden)
Die Perle der Mashups
Ich bin wie von den Socken: Kann man sich eine schönere Begegnung von deutscher Industrial-Tanzkunst und niederländischen Polkaklängen vorstellen? Das eine deckt das andere auf, und obwohl keines allein zu ertragen wäre, verleiht es einem im Duett soviel Schwung, das man gerne bis zum Ende schaut. Besonders gelungen: Einstieg und Ausstieg. Chapeau!
For those of you readers who think they DON’T know Crispin Glover, think again: Back to the Future? The dad of Michael J. Fox’s character, George McFly? Since then, Glover has been playing typically smaller, but, owed to his excentric performance, memorable parts in films such as Rivers’ Edge or, more recently, Charlie’s Angels or Alice in Wonderland. But the reason why Glover is a case apart in Hollywood is less in his acting career than in the uses to which he puts the money he makes in mainstream or – as he prefers to call them – corporately funded and distributed films.
Glover chose to not appear in the sequels to „Back to the Future“. Instead, he sued the producers (including Steven Spielberg) when they used previously shot footage of him without paying him for the performance, and won. „Because of Glover’s lawsuit,“, according to Wikipedia, „there are now clauses in The Screen Actors Guild (TV/Film performer labor union) collective bargaining agreements to the effect that producers and actors are not able to do such things.“
In 2005, he debuted as a director with the surrealistic Film „What is it?“, in which most parts were played by people with Down syndrome. Glover’s films are fully self-funded, and you won’t find a digital copy of them available anywhere, be it legally or illegaly: If you want to catch a Crispin Glover movie, you’ll have to wait until he comes to your town with his films, books and Crispin Hellion Glover’s Big Slide Show. His second directing work, „It’s fine! EVERYTHING IS FINE.“, was recently presented at the Viennese Slashfilm Festival, starring Steven C. Stewart, described on Wikipedia as a man „born with a severe case of cerebral palsy [who] had been confined to a nursing home for about ten years. The second film is a fantastical psycho-sexual re-telling of life from Stewart’s point of view.“ His films are not about people with disabilities, Glover insists, but about film making and taboo in contemporary culture.
Austrian film scholar and film critic Alexandra Seibel led the following interview with Glover via email prior to meeting him in Vienna. Luckily, the web is not confined by the space restrictions of traditional media, so here is the full interview.
Seibel: Mr. Glover, you have a house in Los Angeles, and you also have a chateau in Prague where you spend a lot of your time and where you keep your films. Prague is probably a rather unusual place for a Hollywood actor to take residence. What is it that attracts you particularly to Prague and Eastern Europe?
Glover: My great grandparents were German, Swedish, English and Czech. I visited all those four countries that I heritage from over the years. The place I felt like I looked like the people most was in Czech.
I always intended to at some point in my life purchase property in Europe. I was looking to buy property in the US to utilise for building sets and continue making my own films on my own property. I was speaking with a film producer I was working on a screenplay with in Prague who mentioned that he knew a Czech realtor that specialised in Czech chateaus that were going for a very good price. As soon as he mentioned this I knew it was something I would do. I came out and saw three chateaus that were for sale. The one I own fit all the practical needs for setting up my own place to build sets, plus it has fascinating historical and aesthetic qualities. I did not really realise until I was analysing all the details as I prepared to make an offer on the property that property taxes in the Czech Republic happen to be much lower than in the US and much of Europe, which is also a very helpful thing for me.
Seibel: Do you enjoy being away from Hollywood, and, if so, why?
Glover: There are certainly cultural and architectural aspects to Europe that I enjoy. I don’t really know many people here so I can tend to get isolated. I have been here a lot in the past six years because I have been converting the former horse stables of the chateau into a shooting stage and refurbishing the chateau so I can continue my productions here. This is the main reason I have been spending much time here. It is of course good to have my second home here as I continue to expand touring in Europe as well.
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Am 29. und 30. Oktober fand das erste