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Mein Beitrag zur Klarnamendiskussion

16. Juli 2011

Ich war grad im Urlaub und in der Zwischenzeit hat in der halben Blogosphäre jeder und jede einen Beitrag zur Diskussion um Klarnamen geschrieben (Auslöser: Google sperrt nun Profile ohne Klarnamen, siehe z.B. hier). Hier also auch mein Beitrag, kurz und knapp:

Privatsphäreentscheidungen ebenso wie Fragen der Selbstpräsentation sind grundsätzlich persönliche Entscheidungen. Niemand kann oder darf für jemanden anderen entscheiden, wie dieser als Person im Netz auftritt – das schließt Pseudonymentscheidungen ein.

Damit könnte man die Diskussion dann eigentlich auch schon abschließen – jedenfalls, was die Frage betrifft, wie wir ‚einfachen Leute im Netz‘ (und nicht etwa die Entscheider bei Google, Facebook, etc.) das Ganze beurteilen.

Natürlich kann man das weiterhin doof finden, wenn Leute z.B. auf Facebook unter Fantasievor- oder -nachnamen auftreten – da Selbstpräsentation mittlerweile ein Bestandteil des Lebensstils ist, ist das aber auch nicht mehr oder weniger relevant und bindend als das Schick- oder Dooffinden von z.B. Leggings. Schick oder Dooffinden heißt freilich nicht, dass nur die einen oder die anderen Recht haben, oder die einen den anderen sagen dürften, ob sie Leggings tragen dürfen oder nicht – hier geht es nur um eine Differenzierung der Lebensstile.

Das gegenseitige Zerfleischen von BloggerInnen und anderen Social Media-PubliziererInnen rund um die Klarnamendiskussion verschleiert das eigentliche Problem: dass ‚wir‘ nämlich weiterhin alle auf Plattformen wie Google+ und Facebook (nicht vergessen: auch dort sind nur Klarnamen erlaubt) unterwegs sind – sowohl die, die pro Pseudonym argumentieren als auch die, die, so könnte man nun unterstellen, die Klarnamenideologie von Facebook, Google+ et al. internalisiert haben.

P.S. Wie wär’s mal mit einem Tag auf Diaspora?

11 Kommentare leave one →
  1. 16. Juli 2011 9:48 am

    Kurz und bündig auf den Punkt gebracht. Der anstrengende Lobo („immer im Gespräch bleiben“) hat auf G+ auf die Diskussion geführt, wobei er in seiner Erklärung noch einen Schritt weiter geht und meint, dass Soziale Netzwerke „die digitale Öffentlichkeit“ darstellen und dort „nicht nur die Regeln des Unternehmens, sondern auch die des Anstands und der Gesellschaft“ gelten müsse. Aha. Scheinbar ist er naiv oder tut wenigstens so („immer im Gespräch bleiben“). Die sozialen Plattformen, egal wie sie heißen, sind Privatbesitz. Punkt. Wer mit deren Regeln und Vorgaben und AGBs nicht einverstanden ist, darf gerne eine Klage gegen die Leutchen anstrengen. Viel Spaß.

    Begonnen hat das Problem eigentlich schon vor einigen Jahren, als ein Gesetz verabschiedet wurde, dass Blogs und Webseiten verpflichtete ein Impressum zu führen. Damit war es nicht mehr möglich, kontroverse Themen öffentlich zu diskutieren, ohne sich als reale Person in die Schusslinie zu begeben. Damals hatten viele diese Offenlegung begrüßt. Klar, war es doch der wichtige Schritt in Richtung Kommerzialisierung (Abmahnungsfluten waren nun möglich – wenig ausgelastete Rechtsanwälte freuten sich diebisch (sic!)) und „Glattbügelung“ des Webs.

    In Zeiten der anonymen Hackerangriffe wird natürlich weiter Öl ins Feuer gegossen. Ich schätze, alsbald wird es nicht mehr einfach sein, legal anonym im Web zu surfen – das Establishment wird alles daran setzen. Period! Man sehe sich nur an, wie sie im Falle von „Urheberrechtsverletzungen“ und überhaupt mit dem Thema Copyright umgeht. Man könnte meinen, da hätten einige Schaum vor dem Mund.

  2. 16. Juli 2011 9:51 am

    Ach, vergessen: ja, DIASPORA* bietet vielleicht eine mögliche Alternative zu den „Privat-Partys“ von G+ und Facebook, da jeder seine eigene „Party“ ausrufen kann. Seltsam, dass es scheinbar so schwierig ist, Fördergelder für diese Unternehmung aufzustellen, weil es ja im Sinne des aufgeklärten Bürgertums sein müsste, dass es ein unabhängiges, dezentrales Netzwerk gibt. Aber hier läuft es ähnlich ab, wie in Realitas. Auch dort werden öffentliche, nicht kommerzielle Plätze immer seltener und wir akzeptieren das. Ein Einkaufszentrum ist ein gutes Beispiel. Man könnte meinen, es wäre öffentlicher Raum. Haha. Dort gelten natürlich andere Spielregel. Ja, man sollte als skeptischer Bürger ein genaues Auge auf die kommenden Vorgänge haben.

  3. 16. Juli 2011 9:58 am

    Der Vergleich zwischen Einkaufszentrum/Shopping Mall und corporate-owned Social Media-Plattformen ist, finde ich, ganz äußerst hilfreich. Durch Konsum (Identity-Shopping) meint man, seine Persönlichkeit auszudrücken, agiert aber nur im vorgegebenen Rahmen der verfügbaren Angebote und verwechselt diesen Raum auch noch mit einem öffentlichen Raum. Yes, nice!

  4. 16. Juli 2011 10:14 am

    Die ganze Aufregung und Diskussion ist super Werbung für DIASPORA. Eigentlich können wir es uns nicht anders wünschen! Mehr davon und die Leute begreifen endlich wie wichtig ein freies, dezentrales Netzwerk wirklich ist! Alle reden immer von den Freiheiten im Netz, rennen aber wie die Lämmer von einem kommerziellen Anbieter zum Nächsten. Bisher war der Lernerfolg bei vielen, trotz schlauer Worte, leider gering.

  5. Martin Morus permalink
    16. Juli 2011 10:18 am

    ad digiom: die position ist intuitiv eingängig, aber der leggingsvergleich hinkt. wenn ich eine private party veranstalte und einen dresscode vorgebe, kann ich leute mit leggings a) nicht schick finden UND b) nicht reinlassen.
    natürlich bin ich dennoch für das recht auf anonymität im netz, inkl. pseudonymen etc. aber die müsste man anders argumentieren. nicht über das ‚an sich‘ geltende recht, mit einem pseudoynm zu surfen, wenn man es so will und für richtig hält – weil dann google auf sein ‚an sich‘ geltendes recht pocht, in seinem bereich zu tun, was es für richtig hält (sofern es nicht unmoralisch ist); sondern auf der avantgarde-image-schiene: dass google hier hinterherhinkt, im netz etablierte niveaus unterläuft, die aura der holzklasse hat etc.

  6. Christian Arthaber permalink
    16. Juli 2011 10:20 am

    Das Recht auf Wahl der Mittel der Selbstpräsentation ist wohl vom Recht gegenüber Dritten, eine entsprechende Plattform zur Verfügung zu stellen, zu unterscheiden. Oder anders: Dass Google+ und Facebook Klarnamen fordern, ist, solange sie nicht generell die Wahl der Selbstpräsentation einschränken, in Ordnung. Und letzteres tun sie nicht, sie bieten lediglich keine Plattform dafür an.

    Gänzlich unabhängig davon ist die Frage nach der Möglichkeit der offenen Diskussion potentiell kontroverser Themata. Zum einen sei diesbezüglich auf die (ur)alten RealName-Usenet Diskussionen verwiesen, zum anderen sei festgehalten, dass G+ und FB durch die Forderung nach Klarnamen kontroverse, gesellschaftlich gegebenenfalls sogar geächtete Diskussionen nicht generell hindern, sondern lediglich auf diesen genannten Plattformen. Soweit Ausweichmöglichkeiten bestehen – und dass tun sie -, sehe ich hier keinen gravierenden Verstoß gegen tatsächliche, vermeintliche oder gewünschte Personlichkeitsrechte.

    (Allfällige Fehler bitte überlesen. Mobiltelefon und so.)

  7. Gorgon permalink
    16. Juli 2011 10:43 am

    Brauchen wir ein staatliches Facebook? Ohne diese subjektiven Privatinteressen? (Dafür natürlich mit „öffentlichen“ Subjektivinteressen.) Oder bekommt es die „Zivilgesellschaft“ (mehr Mythos als Praxis?) selbst auf die Reihe?

  8. Walter Gröbchen permalink
    16. Juli 2011 11:23 am

    Klarnamen? So ein Quatsch. Demnächst mit Ausweiskontrolle? Ich plädiere seit jeher für Gelassenheit: http://groebchen.wordpress.com/2007/10/17/offentliche-widerrede/

  9. 16. Juli 2011 11:51 am

    Wer die Ressourcen zur Verfügung stellt, bestimmt die Spielregeln. Das gilt für Verbindungen, Hardware, Software, Netzwerke, … Die Wahl des diesbezüglichen Eco-Systems steht aber noch immer jedem frei.

  10. 18. Juli 2011 1:35 pm

    @martin ja, der vergleich hinkt, er taugt eigentlich nur was, wenn es darum geht, wie menschen das verhalten anderer menschen bewerten. es bleibt das Problem der ressourcenungleichverteilung zwischen plattforminhabern, die die regeln des Spiels bestimmen, den userInnen, die – permanently beta oder not – diese regeln im großen und ganzen schlucken müssen.

    @christian & @klement ganz so einfach ist es nicht, dass man ja woanders hingehen könnte oder einfach ein anderes ecosystem wöhlen könnte, wenn es einem nicht taugt. z.b. ist Diaspora dann eine lausige Ausweichmöglichkeit, wenn dort kaum jemand ist anderes ist, mit dem ich kommunizieren könnte. facebook sitzt auf den userkreierten kontaktnetzwerken und das ist sein eigentliches kapital. mit seiner penetranten uservorschlagsweise und überhaupt dem andocken an bestehende googleaccounts (inkl. nutzen der bestehenden emailadressbücher) setzt g+ aus gutem Grund genau dort an.

    @gorgon der Staat ist sicher der letzte, den wir hier involviert sehen wollen.

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  1. Google+ und die ewige Namensdiskussion | ivy.at

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