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Kurze Notiz zu den Süchten

16. Juni 2011

In der letzten Presse am Sonntag illustrierte ein Interview mit Barbara Frischmuth recht hübsch, wie das landläufig so gehalten wird mit den guten und schlechten Süchten. Die Schlagzeile „Das Schreiben ist eine Sucht!“ ist natürlich nicht umschreibbar in „Barbara Frischmuth ist suchtkrank!“, denn das als aktiv schaffend konzipierte, bürgerliche Individuum (z.B. der oder die SchriftstellerIn) wird durch seine Sucht bzw. Leidenschaft und Drang zur Erkenntnis geadelt.

<ironie>Anders als die schreibenden Massen im Internetz, die quasseln ja nur und reflektieren sicher nicht ihre Welt. Außerdem sind sie eben Massen, keine Individuen.</ironie>

Zitatauszug aus dem Interview (Transkript des Bildes):
TITEL: Das Schreiben ist eine Sucht!
PRESSE: Ist das Schreiben für Sie im Grundgefühl ein Laster oder eine Berufung?
Frischmuth: Das Schreiben ist eine Sucht für mich! Es ist der ständige Versuch, für sich selbst die Welt zu übersetzen.

5 Kommentare leave one →
  1. 16. Juni 2011 9:31 am

    Ich würde es auch mal so sagen: So lange der Schriftsteller mit seinem kreativen Tun gutes Geld verdient (oder gefördert wird), ist seine Sucht gesund. Ansonsten ist es manisch und ungesund.

  2. 16. Juni 2011 11:03 am

    Das meinst du jetzt hier als Verweis auf den Diskurs, nicht als deine Ansicht oder? Als Diskursverweis stimme ich zu. Ebenso: Das verkannte Genie muss zwingend irgendwann als Genie erkannt werden, im Alter oder posthum. Ein Genie, das nicht erkannt wird, ist keines (bzw. im Fall des Schriftstellers: ist manisch oder ungesund). Und das, obwhl die Rede vom verkannten Genie genau das behauptet.

  3. Meinungsmacher permalink
    22. Juni 2011 7:02 pm

    Es stimmt schon, dass die breite Masse nur „quasselt“. Doch was ist daran falsch, mitteilungsbedürftig zu sein und darauf zu hoffen, dass andere es lesen und im günstigsten Fall genauso sehen?
    Ein Schriftsteller muss schreiben, so heißt es. Und ob nun ein genialer Geist dies tut, oder nur einer, der von sich behauptet gut zu sein, ist meines Erachtens zweitrangig.
    Am Ende sind eh nur diejenigen erfolgreich, die sich den Titel „Autor“ erkaufen konnten, oder durch Vitamin B dazu gekommen sind.

    Darüber hinaus möchte ich noch andeuten, dass das schreiben von Geschichten immer auch befreiend wirkt. Vor allem dann, wenn der eigene Roman fertiggestellt ist. Ein tolles Gefühl. Vor allem, wenn man damit eine konkrete Aussage bewirkt. Dahingehend kann ich diese Aussage der Frau durchaus unterstreichen.🙂

  4. 22. Juni 2011 8:07 pm

    @Meinungsmache Nie wollte ich ausschließen, dass das Schreiben von Geschichten nicht befreiend wird. Es hing um den Hinweis, dass diese Art Befreiung der ‚Masse‘ (die es nicht gibt, die nur konstruiert wird als Gegenbegriff zum bürgerlichen Individuum) abgesprochen wird, ebenso wie deren ‚Süchte‘ immer pathologisiert werden.

  5. Meinungsmacher permalink
    23. Juni 2011 2:22 pm

    Ah ja, so ist das also gemeint. Dann habe ich da etwas grundlegend falsch verstanden.🙂
    Tut mir leid.

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