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Medien/Wissenschaft im Web (Woche 38/2010)

26. September 2010

In dieser Woche war meine Wahrnehmung veranstaltungsfokussiert, dank einem Tag Mediencamp, drei Tagen Medientagen, einem Tag Symposium Digitales Managen und zwei von mir wegen temporärer Erschöpfung der Aufnahmefähigkeit ausgeschlagenen Veranstaltungen, nämlich dem FashionCamp Vienna und der F.R.O.G. – Future and Reality of Gaming. Und zwei bis drei Veranstaltungstipps sind auch diese Woche MWW zu finden – inhaltlich geht es um das Spiel mit der Angst, das die ‚Warner‘ Precht und Schirrmacher treiben, um eine Shahrukh Khan-Konferenz und einen Abend mit Geert Lovink in Wien, Verdaten und Klassifizieren, Unterhaltung durch Fernsehserien und Jean-Luc Godard im Snippet der Woche.
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Angst und Irrationalität: Precht und Schirrmacher

Wenn man von einer Veranstaltung zur nächsten rennt, leidet die Zeit, die man sich sonst zum Reflektieren nehmen würde. Längst reflektieren wollen hatte ich z.B. die Keynote von Richard David Precht (dank an A1 Telekom für die Gelegenheit, Precht vorher im Pressegespräch zu treffen), wobei mich weniger mit dessen Thesen auseinandersetzen wollen würde, als mit der Art und Weise, wie sie Wissen über neue Medien zu konstruieren vorgibt, und das, ohne sich wirklich mit konkreten Medienszenarien auseinanderzusetzen. Auf dem publizistischen Sektor ist Precht nur einer von vielen Gewinnlern der Angst vor Veränderungen, Frank Schirrmacher, der am zweiten Tag sprach, ist ein anderer.

Daran, dass sich jemand NICHT auseinandersetzt mit dem Medium in seinen Konkretionen, über das er vorgibt zu sprechen, erkennt man u.a. am Verwenden von Begriffen wie „die Medien“, „das Fernsehen“ oder – derzeit en vogue – „das Internet“. Im alltagssprachlichen Gebrauch ist das völlig adäquat, da man damit den Kontext bezeichnet, auf den man sich bezieht – will man aber Aussagen machen über kulturelle oder gesellschaftliche Veränderungen im Zusammenhang mit Medientechnik ist dies schlicht nicht ausreichend. Precht spricht „vom Internet“, geht dabei so vor, dass er Behauptungen, die eigentlich Schlussfolgerungen sein sollten, an den Anfang stellt (etwa, dass das Internet den Verlust historischer Zusammenhänge mit sich bringe) um dann punktuell vermeintliche Belege dafür heranzuziehen (etwa, dass die stets eintrudelnden Botschaften schuld daran wären, dass wir nur noch im Jetzt leben würden), während andere Aspekte, die mit der Behauptung nicht vereinbar wären- wie das Archivierungspotenzial digitaler Medien – ausgeblendet, bestenfalls nachgereicht werden ohne, als stünden sie in keinem Zusammenhang.

Nicht nur konkrete Medienszenarien, sondern auch deren Geschichtlichkeit wird ignoriert – Schirrmacher geht da im übrigen ähnlich vor, allerdings hat er sich statt auf ein ‚Feindmedium‘ auf die flexiblere Differenz ‚Mensch/Maschine‘ eingeschossen und führt entsprechend fortwährend Computer und Menschen, Denken und Algorithmen gegeneinander ins Feld. Das geht soweit, dass er den eigentlich diametral entgegengesetzten Predigern der technologischen Singularität, denen zufolge Maschinen sich irgendwann selbst verbessern, reproduzieren und so selbst evoluieren können, sogar implizit zustimmt, wenn er etwa fragt:

“[I]st jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo Menschen ihren Führungsanspruch gegenüber den Computern anmelden sollten?” (Payback, S. 80).

Führungsanspruch der Computer? Je nun. Die Führung übernehmen Millionen ProgrammiererInnen tagtäglich, und die Nicht-ProgrammiererInnen profitieren von der Unterstützung durch Rechenarbeit, die ihnen dadurch zugänglich wird. Die reale Existenz von ProgrammiererInnen und der Historizität des Entstehens dieser Kulturtechnik wird zugunsten des Fantasmas des ahistorisch selbst waltendenden Codes, algorithms gone on a rampage, ignoriert.

Apropos ‚Feindmedium‘: Sowohl Precht als auch Schirrmacher versichern in Gesprächen gerne, dass sie ja ’nichts gegen das Internet‘ haben (Precht) oder outen sich als bekennende Apple-Fanboys (Schirrmacher). Nicht nur ist das völlig irrelevant, es ist auch irreführend – denn es geht nicht im geringsten darum, ob man ‚für‘ oder ‚gegen‘ eine Medientechnologie ist. Allerdings unterstellen beiden ihren KritikerInnen eben genau dieses, dass diese eben aussschließlich ‚dafür‘ seien, und obendrein blind für die Veränderungen, die da stattfinden. Ich erinnere mich daran, wie Schirrmacher im Club2 etwas in der Art anmerkte, dass es doch traurig oder tragisch wäre, wenn BloggerInnen aufgrund von Suchmaschinenalgorithmen zur Marke zu werden würden. „Du Heuchler, zieh am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!“ (Matthäus, 7,5). Denn (nicht erst) mit seinen Thesen ist Schirrmacher längst zur Marke geworden, und sicher nicht dank eines algorithmenfreien Papierapparats – und das Verb „schirrmachern“ ist zumindest seit der letzten Woche in den österreichischen Geek-Canon eingegangen (1) (2) (3).

Es gibt einen anzunehmenden Grund für den Nachhall der Thesen von Precht und Schirrmacher: All denen, die sich verunsichert fühlen, die befürchten, nicht den Anschluss zu finden, die nicht verstehen, wie gesellschaftliche Sichtbarkeit in vernetzten Szenarien geregelt wird oder die dort einen Statusverlust befürchten, die können sich in ihren Ängsten bestätigt fühlen. Ja, sagen Precht und Schirrmacher, das Internet und der Computer, die stehen nicht für die Werte, die wir wollen. Eure Angst ist berechtigt. Abhilfe wird dadurch nicht geschaffen – wohl aber ein Knüppelchen geworfen zwischen die Techno-Beine der Euphoriker und Singularitätsprediger am anderen Ende. Zu irgendwas sind die Angstsprediger also doch gut – schade nur, dass sie so viele Nebelbomben werfen, dass eine vernünftige Auseinandersetzung mit dem Gegenstand oft unmöglich ist.

P.S. Auf Horizont.tv kann man die Keynotes von Precht, Schirrmacher, und (hier gar nicht besprochen!) Jeff Jarvis nachhören – leider gibt es keinen Deeplink zu den einzelnen Videos, ich hoffe, man wird sie auch später noch gut finden können.
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Veranstaltung: Konferenz „Shah Rukh Khan und das globale Bollywood“

Es ist wieder Zeit für indisches Glückskino! Mit Tanz am Eröffungstag und einem gewaltigen Aufgebot von 45 Vortragenden, die an drei Tagen ihren Forschungsstand präsentieren, findet in der kommenden Woche eine am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Uni Wien von Elke Mader initiierte Konferenz rund um Shahrukh Khan, SRK, den Mann, der die schönsten Leinwandtränen weint, statt. Das Ziel gibt sich die Konferenz wie folgt vor:

The conference will focus on the significance of Shah Rukh Khan for the new dynamics of global Bollywood. It wants to bring together research, scholars and representatives from the Film Industry that are dedicated to various aspects of his work, his star power, and his embodiment of values, attitudes or emotions. These topics are also connected with general questions about stardom as a way to make meaning in a media centred world. Moreover, Shah Rukh Khan will be discussed as a mode of representation of a postcolonial and globalized India. SRK has the reputation of holding the largest audience in the contemporary world of cinema comprising people from diverse places and cultural backgrounds. Thus, the conference will put strong emphasis on studies of reception, audiences and fandom. A particular point of interest in this context is the prevailing role of Shah Rukh Khan for new Bollywood audiences in several European countries.

Eine kleine Auswahl der zu erwartenden Vorträge:

  • Unthinking SRK and Global Bollywood: from Film Studies to Rasa Theory to New Media Assemblages – Rajinder Dudrah (University of Manchester)
  • Hyperlinked: Shah Rukh Khan in the affective spaces of Russian online fandom – Sudha Rajagopalan (Utrecht University)
  • Dancing Bollywood: Peruvian Youngsters and Shah Rukh Khan – Petra Hirzer (University of Vienna)
  • „And I Love Hinduism Also“. Shah Rukh Khan: A Muslim Voice for Interreligious Peace in India – Adelheid Herrmann-Pfandt (University of Marburg)
  • Intermediality and Bollywood Stardom – Amy Villarejo (Cornell University)

Und noch ein hübsches Detail aus den FAQ der Konferenz, das gleich den Ausgangspunkt liefern könnte für eine Reflexion der Unterschiede von Hollywood- und Bollywood-Stardom sowie des Verhältnisses von ForscherInnen und ‚regulären Fans‘ zum Gegenstand:

Will Shah Rukh Khan attend the opening of the conference?
Unfortunately Mr. Khan cannot attend the conference. SRK is shooting with a large cast and crew for his forthcoming film Ra.One and regrets that it is impossible to reschedule this commitment.

Internationale Konferenz: „Shah Rukh Khan and Global Bollywood“
Donnerstag, 30. September 2010 bis Samstag, 2. Oktober 2010
Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universitätsstraße 7, 1010 Wien
Eröffnungsveranstaltung: Donnerstag, 30. September 2010, 14 bis 17 Uhr
Museum für Völkerkunde, Neue Burg, 1010 Wien
Zum Vorbericht in der Zeitung der Universität Wien
Die Konferenzgebühr inkl. Verpflegung beträgt € 80 (reduziert: € 40, siehe auch FAQ).
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Blogempfehlung: Verdaten. Klassifizieren. Archivieren

Vor ein paar Wochen bin ich erstmals auf den Blog des gleichnamigen Forschungsprojekts „Verdaten. Klassifizieren. Archivieren. Identifizierungstechniken zwischen Praxis und Vision“ – zunächst enttäuscht darüber, dass es da ein spannendes Projekt gibt, ich drei Jahre lang nichts mitbekommen davon und dieses dann endet. Irrtum: Es fängt gerade erst richtig an und der Blog geht lediglich zurück bis 2008, weil auch die Workshops, die zur Entwicklung des Projekts führten, darin dokumentiert sind (z.B. August 2008: „Identifizierung von Personen aus kulturwissenschaftlicher Perspektive„). Drei Teilbereiche hat das Projekt:

  • Standardisierung & Professionalisierung – Frühmoderne Identifizierung 1780–1850 (Stephan Gruber)
  • Technisierung und Implementierung – Daktyloskopie als Überwachungsphantasie seit 1900 (Daniel Meßner, siehe auch meszner.com
  • Algorithmische Identifizierung: Wie Maschinen sehen und identifizieren lernen (Christoph Musik)

Schon einmal eine terminliche Vorempfehlung ist die die Buchpräsentation von „Ermitteln, Fahnden und Strafen. Kriminalitätshistorische Studien vom 16. bis zum 19. Jahrhundert“ herausgegeben von Andrea Griesebner und Georg Tschannett, am Mittwoch, den 20. Oktober 2010 um 20 Uhr im Seminarraum 1 des Instituts für Geschichte der Universität Wien.
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Umfrage (Bitte mitmachen): Unterhaltungserleben bei Fernsehserien

C.H. Häussler, Studentin der Kommunikationswissenschaft der TU Dresden möchte herausfinden, was das Gefühl, gut unterhalten zu werden, im Fall von TV-Serien ausmacht – hier die Beschreibung des Unterfangens via serienjunkies.de:

Eine der Grundannahmen in Medienwissenschaft und Medienbusiness gleichermaßen lautet, dass Zuschauer sich dann Filmen und Fernsehserien zuwenden, wenn sie durch diese Angebote unterhalten werden. Eines der Kennzeichen heutiger Qualitätsserien aus US-Produktion besteht jedoch gerade darin, dass sie oft Themen behandeln, die so vergnüglich gar nicht sind. Wie geht das zusammen?

Weiterlesen (und ggfls. mitmachen!)
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Veranstaltung: Ich 2.0

Geert Lovink, Medienwissenschafter und prägender Netztheoretiker vor allem für die erste Phase von Internet- und Webkultur kommt auf Einladung von A1 nach Wien, um zu diskutieren, und zwar am 29. September 2010, ab 18:30 Uhr (Einlass, Programm ab 19 Uhr), Ort: ORF KulturCafe des RadioKulturhaus, Argentinierstrasse 30a – 1040 Wien.

Wann ist man „jemand“ im Web? Ist die digitale Identität eine andere als im realen Leben? Gibt es einen Unterschied zwischen Online- und Offline-Identität? Und in welcher Wechselwirkung stehen diese zueinander – heute und in Zukunft? Welchen Wert hat eine Identität im Web? Wie viel Sicherheit brauchen wir, wie viele Schutzmaßnahmen treffen wir? Geert Lovnik, Keynote Speaker der ersten Veranstaltung, meint, dass unsere Identität in Zukunft noch mehr gespalten sein wird. Der niederländisch-australische Medienwissenschaftler und Netzaktivist selbst löschte 2010 seinen Facebook Account im Rahmen des „Quit Facebook Day“. […]
Mögliche Fragenstellungen:

  • Welche Daten können online tatsächlich jederzeit über uns gefunden werden?
  • Welcher Schaden kann uns dadurch entstehen?
  • Inwieweit können wir beeinflussen, was über uns auffindbar ist oder liegt das jenseits unseres Einflusses?
  • Sind peinliche Fotos wirklich so schlimm oder wo begeben wir uns in Gefahr, Opfer handfester Cyber-Kriminalität zu werden?
  • Inwieweit kann man Teil einer Entwicklung sein – immer vorne mit dabei – und gleichzeitig sich nicht in Gefahr begeben?
  • Wenn Datenschutz wie wir ihn kennen ein Ablaufdatum hat – welche Auswirkungen hätte diese gesellschaftliche Entwicklung?

Mehr auf der Website der Veranstaltung: www.twentytwenty.at
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Snippet der Woche:
Diesmal von Jean-Luc Godard, einem Großmeister des Autorenkinos, cinéma des auteurs, mit einem interessanten Statement zum Schutz der Rechte von Autoren. Godard unterstützte soeben den Franzosen James Climent bei seinem Zug vor den europäischen Gerichtshof, nachdem dieser in Frankreich auf höchster gerichtlicher Instanz zu € 20,000 Strafe aufgrund der Verletzung von Copyright durch Download verurteilt worden war. Zitat aus dem Bericht in der New York Times:

Mr. Godard has yet to comment publicly on Mr. Climent’s case, but he laid out the rationale for his opposition to French copyright rules in a recent interview with the cultural magazine Les Inrockuptibles, in which he declared, “There is no such thing as intellectual property.”

Copyright really isn’t feasible,” Mr. Godard said. “An author has no rights. I have no rights. I have only duties.

Mr. Godard could not be reached, but an associate, who insisted on anonymity because the director had not authorized him to speak, confirmed the donation. Mr. Godard, the associate said, wanted to make a “symbolic” gesture to draw attention to what he described as Mr. Climent’s plight.

In addition to the money, Mr. Climent said he had received a handwritten note that included a picture of a model sailboat and the valediction, “Surcouf, Jean-Luc Godard” — referring to Robert Surcouf, a maritime pirate of the French Revolutionary era.

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Bild der Woche:
Diesmal eine Werbung aus der österreichischen Tageszeitung Der Standard, für die österreichische Tageszeitung Der Standard. Gefunden via Max Kossatz, der es m.E. auf den Punkt bringt: „Erschreckend einfache Werbung um zu zeigen wo die Politik versagt.“

6 Kommentare leave one →
  1. 26. September 2010 7:27 pm

    @Precht und @Schirrmacher – es gibt bessere Ansätze als diese, zweifellos. Nur sollte man es sich mit den Argumenten nicht zu leicht machen – denn abzustreiten, dass wir in einer Zeit einer gewaltigen Transformation leben, wird niemand, der darüber nachdenkt. Die Frage bleibt, um die es geht, ist nicht, ob wir uns verändern, die Frage ist, wohin die Veränderung geht. Darüber sollte man reden. Jeden Tag aufs Neue!

    Meine Empfehlung dazu: The Shallows von Nicholas Carr, das wichtigste Buch der letzten Jahre. Ein Grundlegung der neue Zeit … http://almblitz.twoday.net/stories/8364707/

  2. 26. September 2010 7:59 pm

    @Wolfgang Damit nimmst du die Position von Schirrmacher und Precht auf, dass angeblich diejenigen, die ihnen nicht zustimmen, abstreiten würden, dass Transformationen im Gange wären.

    Das Gegenteil ist der Fall.

    Freilich lassen sich Wandlungen der Medienkultur nicht erst seit ‚dem Internet‘, sondern mindestens bis zur Entwicklung der Schrift zurückverfolgen, der allseits bekannte Klassiker hierzu ist Platons Phaidros (http://de.wikipedia.org/wiki/Phaidros), und selbst die Argumente sind kongruent. Dazu ist viel geforscht und geschrieben worden – eine medienwissenschaftliche Forschung, die von Precht, Schirrmacher und auch Carr, der sich in diese Reihe problemlos einreihen lässt, praktisch ignoriert wird. Für EinsteigerInnen: Albert Kümmel/Hedwig Pompe/Leander Scholz/Eckhard Schumacher: Die Rhetorik des Neuen. Mediendiskurse zwischen Buchdruck, Zeitung, Film, Radio und Hypertext, in: Jürgen Fohrmann/Erhard Schüttpelz (Hg.): Die Kommunikation der Medien, Tübingen: Niemeyer 2004, S. 195-228.

    Gemeinsam ist allen dreien, dass sie die Antwort auf einmal in der Hirnforschung suchen – sie sind zwar allesamt keine Hirnforscher und der ganz große Haken der seit einiger Zeit populären „Was das Internet unserem Hirn antut“-Forschung ist, dass es keine Vergleichswerte gibt, etwa zur Wirkung der Schallplatte, des Buchdrucks oder der Schrift. – was dieser Forschung interessanterweise aber zugute kommt, da sie auf den Anschein aufbauen kann, dass noch nie etwas in die Organisation des Hirns (angebrachter wäre es wohl, von den Sinnen zu sprechen) eingegriffen hätte. Wenn dem so wäre, wären wir aus der Höhle wohl nie herausgekommen.

    Im übrigen: You are not your brain, auch wenn die Rhetorik von Schirrmacherprechtcarr, so sehr darauf beharrt.

  3. 27. September 2010 9:32 am

    Zuerstmal Dank für den Hinweis. Ich hab gar nicht mitbekommen, dass Precht sich auch bei den Medientagen geäußert hat.

    Zum Inhalt: Vielleicht hab ich heute meinen kritischen Tag, aber diese 36 min Rede von Precht ist ein einziges Geschwafel. Was der Mann kann, ist sich zu verkaufen. Punkt. Er skizziert angeblich wirkmächtige Ideen, die er dann immer kritisiert – das Problem: Die skizzierten Ideen vertritt niemand. Beispiel „Medien seien für die Moral zuständig.“ Oder „Demokratie sei, dass jeder seine Meinung sagen darf“. Oder „Internet bedeute per se mehr Demokratie“.

    Es ist keine Kunst, Ideen zu dekonstruieren, die niemand ernsthaft vertritt. Das ist nur ein rhetorischer Kunstgriff.

    Der Rest seiner Rede ist wie immer bei Precht: Telegenes Geschwafel. Was hat er nochmal studiert? Theaterwissenschaft oder Germanistik. Bei dieser Expertise hätte er mE bleiben sollen. Oder von mir aus weiterhin populärwissenschaftliche Bücher mit dem Aufkleber „Achtung, philosophisch“ schreiben. Aber als schwerdenkender Philosoph oder gesellschaftliches Gewissen aufzutreten… das hätte er bleiben lassen.

    Sorry, hab wohl heute meinen kritischen Tag.

  4. 27. September 2010 10:18 am

    @Dyrnberg: Du sprichst mir aus Hirn und Seele.

    Wobei bei den Auftritten von Precht etwas Paradoxes passiert – es hat die Ideen, die er vorgibt, auseinander zu nehmen, zwar niemand (im Sinne einer identifizierbaren Meinung, Stimme oder Autorität) vertreten, aber sie werden bestätigt von denen, die ihm zuhören. Auch im Medientage-Twitterkommentar wurden seine Ausführungen mehrheitlich als spannend und erhellend wahrgenommen.

    Es läuft m.E. in etwa so: Precht nimmt auseinander (ich weigere mich, ihm die Fähigkeit der Dekonstruktion zuzusprechen), was zwar niemand gesagt hat – was diejenigen, die sich von den Veränderungen bedroht fühlen, aber glauben, dass gesagt würde, auch wenn es in der Form dann eigentlich erst Precht et al. unterstellen.

    (Manche) Populärwissenschaft ist populistisch. Sag den Leuten, was sie hören wollen.

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