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Altes Neues: Google Art Project

4. April 2012

Vorneweg: Museen im Web sind nichts Neues, weder die rein virtuellen, noch die, die die Kollektion eines Hauses am besten ‚der ganzen Welt‘ zugänglich machen wollen. Wenn Google’s mit seinem jüngsten Kind – Google Art Project – also ankündigt, „Kultur ins Internet zu bringen und so einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen,“ dann ist das gemessen am Alter des Webs zunächst mal ein altes Unterfangen.

Wer sich in der Vergangenheit allerdings schon mal auf im Ansatz vergleichbaren Museumsseiten herumgetrieben hat, dem dürfte die Qual bekannt sein: Je älter das virtuelle bzw. Online-Museum, umso kleiner und pixeliger die Bilder, umso unerträglicher die Navigation – nur im virtuellen Museum, möchte man meinen, lebt die Image Map – Bild, über das man mit der Maus fahren muss, um die verlinkten ‚Hot Spots‘ zu finden – bis heute weiter (zum selbst überprüfen: Lin Hsin Hsin’s Virtuelles Museum, den Arbeiten der Künstlerin selbst gewidmet, oder Nicolas Piochs Web Museum Paris, beide seit 1994 online). Meistens sind und waren solche Projekte jedoch LiebhaberInnen-Projekte, die nur in Selbstausbeutung vorangetrieben werden konnten, oder entsprangen einem derart institutionalisierten Umfeld, bei dem eine Affinität zum Web und seiner Ästhetik kaum vorausgesetzt werden konnte (siehe etwa das ambitionierte, in seiner textlastigen Darstellung aber wenig einladende museum-digital.de). Wenn ein Unternehmen wie Google mit dem ihm eigenen Know-How und Technologie-Reservoir ein Projekt wie die Präsentation von Kunst im Web sich vornimmt, dann darf man annehmen, dass Ressourcen und Ästhetik nicht zu den Sorgenkindern gehören werden. Zum Glück!

Die Frage, ob damit eine Konkurrenz für den Museumsbesuch geschaffen wird, darf wohl gleich ad acta gelegt werden – zwar bemühte der (kaufmännische) Direktor des KHM, Paul Frey, auch gestern bei der Eröffnung die bekannte Ortsmetapher, in dem er auf die vielen Museen verwies, die er heute schon besucht habe (nämlich via Google Art Project), aber um einen Museumsbesuch handelt es sich beim Aufruf einer Seite sicher nicht. Wohl aber um ein exzellentes Mittel, um auf die Sammlung eines Museums aufmerksam zu machen, einen Besuch vor- oder nachzubereiten, oder auch um einen Eindruck von Kunstwerken zu erhalten, die man kaum zu Gesicht bekommen kann, weil sie die meiste Zeit im Depot verweilen. Und natürlich auch um ein Mittel, um Dinge mit einem Kunstwerk anzustellen, die einem im physischen Raum nie zugestanden würden.

Noch offen ist für mich die Frage, welche neuen Rezeptionsformen durch Google Art Project (und Kommendes, Vergleichbares) angestoßen werden oder noch entwickelt werden könnten: zoomen, Screenshots anfertigen (wie den obigen), filtern, sammeln,… eventuell sogar transformieren und weiterbearbeiten? Würde sich GAP etwa der Mashup-Kultur öffnen? Die Menge der Projektpartner und Inhalte – 141 Museen bzw. Sammlungen in 40 Ländern mit derzeit über 30.000 digitalen Exponaten – ist jedenfalls beeindruckend. Kurioserweise ist es die Suche, die einen noch etwas trägen Eindruck macht, und ob die Default-Sortierung der Künstler nach Vor- statt Nachnamen eine dauerhafte Browsing-Lösung ist, bleibt auch noch abzuwarten. Ein herrlicher Zeitkiller ist GAP schon jetzt – sobald der erste reale Testfall eintritt, bei dem ich ein gesuchtes Kunstwerk mit der in Sekunden Ergebnisse produzierenden Google Image Search nicht gleich finde, aber bei GAP fündig werde, schreibe ich wieder darüber.

5 Kommentare leave one →
  1. 4. April 2012 11:34 pm

    zum letzten Absatz: Ich glaube, GAP öffnet sich automatisch der Mashup-Kultur, weil alle dort zu findenden Kunstwerke sowieso schon rechtefrei sind.

  2. 4. April 2012 11:37 pm

    Ah, sind sie alle? Das war mir entgangen (war kurz abwesend). Danke!

  3. 5. April 2012 1:22 pm

    Schröder hat noch ordentlich das Urheberrecht kritisiert, weil deswegen kein Picasso oder Warhol dabei ist (70 Jahre nach Tod und so)

    Und ich weiß nicht, warum ich mit diesem Account gepostet habe, den ich mal für einen Blog-Workshop in einer steirischen Hauptschule angelegt habe. Aber irgendwie trotzdem schön.

  4. 5. April 2012 3:36 pm

    Hackbusanger:) Dachte an DaddyD.

  5. MikMade permalink
    14. Mai 2012 7:52 pm

    Ich bin begeistert von GAP und hoffe dass es schnell noch umfangreicher wird.! Wo hat man schon die Möglichkeit so nahe an die Bilder zu kommen. in Museen habe ich mir oft schon gewünscht einzelne Bilder immer wieder und ausgiebiger betrachten zu können. Meist fühle ich mich nach einer Stunde in einem Museum abgefüllt und nicht mehr wirklich aufnahmebereit!
    Bei GAP hocke ich schon am PC und kann mir schnell noch aus anderen Quellen Informationen aus dem Internet holen, wenn mich was zusätzlich noch interessiert, einfach super!
    Über die, meiner Meinung nach, schlechte Benutzerführung der Website bin ich mehr als erstaunt?! Und so was von Google? Das ginge sicher besser!
    Nur als Beispiel: Das Anlegen einer eigenen Sammlung -Galerie- ist einfach, aber wie löscht man da wieder ein Bild raus, das habe ich bis jetzt noch nicht herausgefunden und auch keine Anleitung dazu?
    Auch bei anderen Googleprodukten fällt mir auf, dass man was anfängt es aber nicht gut weiter betreut und anscheinend nicht beobachtet ob eine Webseite auch wirklich funktioniert!

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