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Lovink, Facebook, Zerfall: Rückblick #future2020

30. September 2010

Gestern fand im Radiokulturhaus der erste Event der #future2020-Reihe statt – wie der Titel andeutet, geht es dabei um den Versuch den Rahmen der mittelfristigen Zukunft der mediatisierten Gesellschaft abzustecken. Als Keynote-Speaker war Geert Lovink anwesend und referierte über die vier Phasen der Identitätsgestaltung im Netz – es wurde eine Diskussion mit erfreulich breiter Beteiligung der Anwesenden, im Vorfeld war ich dennoch bereits besonders neugierung auf Lovinks Beitrag.

Wie Ritchie Pettauer (gestern leider verhindert und auf dem Podium neben Ingrid Brodnig vertreten von Georg Russegger) in seinem Blogparaden-Beitrag geschrieben hatte: „Geert hat näm­lich auch schon begon­nen zu schirr­ma­chern und sich in alter Netzaktivisten-Tradition am 31. Mai 2010 frei­wil­lig das Facebook-Leben genom­men.“ Schon bevor es das Verb ’schirrmachern‘ überhaupt gab – und bei aller Dankbarkeit für den von Lovink geprägten Begriff der taktischen Medien (siehe Interview und Bio) – bin ich immer wieder etwas irritiert über einen gewissen sprachlichen Duktus in Lovinks Arbeiten gestolpert, der m.E. eher einer voreingenommenen als einer kritischen Auseinandersetzung dienlich ist, z.B. wie in folgendem Beispiel aus Zero Comments (2007):

Bislang sind Blogs im Wesentlichen unter antagonistischen Gesichtspunkten diskutiert worden, im Sinne einer Gegenstimme zur herrschenden Nachrichtenindustrie. Die Wirklichkeit sieht jedoch widersprüchlicher aus. Die führende Blog-Kultur – diejenigen, die die Technologie mitentwickelten und um diese Anwendungen ihre „Early Adopter“-Communities bildeten – ist ein Gewirr aufgebrachter, verwirrter, zynischer und engagierter Stimmen. Der Identitätszirkus, der sich „Blogosphäre“ nennt, ist nicht gerade der Ort, an dem progressive Typen den Ton angeben. Es ist ein Zeichen der Zeit, dass die Mehrheit der Blogger konservativ ist, was schon in den Reaktionen auf 9/11 und die US-geführten Invasionen in Afghanistan und den Irak zu bemerken war. Sieht man von ihrer Befähigungsrhetorik und ihrem Demokratisierungspotenzial einmal ab, [wie könnte man das tun und dann zu einem angemessenen Urteil geraten? JH], so ist die Blogkultur nicht per Definition progressiv und lässt sich auch nicht als ‚Anti-Establishment‘ ausgeben. (S. 34; Fettsetzung JH)

Dazu gäbe es jetzt einiges zu sagen – begonnen erstens damit, dass hier (und auch zu Recht) ein bestimmter Diskurs über Blogs kritisiert wird, man diesen Diskurs jedoch nicht 1:1 mit der Praxis gleichsetzen kann, und zweitens, dass selbst ein anderer Diskurstyp aufgemacht wird, der BloggerInnenstimmen als klassisch hysterisch (aufgebracht, verwirrt, zynisch, engagiert) konzipiert.

So geht es mir häufig mit Lovink: In einigen Punkten möchte ich zustimmen, ich störe mich zugleich an der Haltung, die dem Forschungsgegenstand (immerhin: nicht nur Techniken und Systeme, sondern auch Personen und Subjektpositionen) gegenüber eingenommen wird. Ähnlich geht es mir auch bei Ramón Reicherts Forschung zur Selbstführung im Web 2.0, welche von Lovink gestern explizit empfohlen wurde – da ist etliches Brauchbares drin, gerade um das widersprüchliche Verhältnis von Ermächtigung und Selbstoptimierung des Subjekts zu beschreiben, die Dienlichkeit von Diskursivierungen der UserInnen wie z.B. im folgenden Beispiel ist mir jedoch nicht plausibel:

Die Website http://www.fanfiction.net bietet allein im Bereich Games Fanliteratur zu 300 Computerspielen: Dynasty Warriors, Final Fantasy, Quake, Warcraft und zahlreiche andere Spiele, deren klingende Namen die obsessiven Fans in Euphorie versetzen.
(S. 195, Fettsetzung JH; siehe meine Rezension von Amateure im Netz; Disclaimer: Ramón ist mittlerweile einer meiner KollegInnen, war dies jedoch nicht zum Zeitpunkt, als ich die Rezension verfasste, denn natürlich werden im institutsseigenen Journal nicht die Publikationen des Instituts rezensiert).

Zurück zu #future2020 – meine Befürchtungen, dass Lovinks Keynote eine Schirrmacherei auf höherem intellektuellen Niveau werden wurde, wurden erfreulicherweise überhaupt nicht bestätigt. Den Identitätsbegriff verwende er übrigens selbst kaum, sagte er, und wenn würde er ihn eher technisch verstehen (falls das bedeutet: Identitäten als etwas technisch Konzipierbares zu verstehen, das z.B. bei der Registrierung angelegt und modelliert wird, stimme ich dem völlig zu), und ebenso nicht von Authentizität – auch da bin ganz auf dieser Linie, da Authentizität m.E. im besten Fall eine Zuschreibung vor dem ideologischen Anspruch darstellen kann, dass jemand immer kohärent auftritt. M.a.W: Wir halten jemandens Kommunikation dann für authentisch, wenn er oder sie sich so benimmt, wie wir das bereits erwarten. Da Subjekte letztlich aber nicht auf ein bestimmtes ‚So-Sein‘ reduziert werden können, bleibt es bei diesem Eindruck – selbst, wenn wir damit unser Selbstbild regulieren.

Obendrein zeigte Lovink trotz eigenem Ausstieg Verständnis dafür, dass Personen sich NICHT abmelden von Facebook und sprach von einer Notwendigkeit, dabei zu sein, gerade für junge Leute in dieser wirtschaftlich, schwierigen Zeit – spätestens hier war meine Skepsis besänftigt und vorurteilsfreies Zuhören wieder möglich:) Dass Facebook einmal verschwinden wird, glaube ich sowieso, wenn auch eher aus dem ökonomischen Grund, dass ich bezweifle, dass Facebook in der Lage sein wird, eine Infrastruktur für eine Weltbevölkerung dauerhaft zu finanzieren (andere sehen das anders, z.B. mit Verweis auf Google).

Was aber m.E. bleiben wird – Lovink meinte gestern, es würde gar nichts übrig bleiben – sind die Kompetenzen und Kulturtechniken, die ‚wir‘ dort erlernt haben, um z.B. zu kooperieren und uns miteinander zu vernutzen vernetzen. Da hoffe ich, wie wohl viele, auf dezentrale Technologien, die dann ermöglichen diese selbstbestimmter einzusetzen.

Zu den vier Phasen der Identitätsgestaltung, die Lovink vorschlug (beim Übergang von der dritten zur vierten bin ich mir nicht ganz sicher, ob diesen richtig erfasst habe)

  1. Phase der liquiden Identität im Netz (80er, frühe 90er): Theoretisch formuliert von Sherry Turkle (The Second Self, Life on the Screen), praktisch vorzufinden in Bulletin Boards, MUDs, MOOs, Chats – losgelöst von den Zwängen der (materiellen) Welt kann Idenität beliebig gestaltet werden.
  2. Trustphase (Mitte/Ende der 90er): Trust und Community hängen eng zusammen – das Vertrauen wird generiert aus der Geschlossenheit der Communities, welche nach wie vor ohne den Real Name Zwang der späteren Plattformen auskommen; zugleich ist Trust auch schon vor dem Hintergrund von eCommerce und der Sicherheit von Transaktionen zu verstehen. Diese Phase endet mit der Dotcom-Krise.
  3. Web 2.0 Phase: Hier beginnt das Ende der Ära anonymer, fluider Identitäten, die Entwicklungsrichtung nimmt allmählich Kurs auf plattformübergreifende geschlossene Identitäten. Bemerkenswert darin sei, dass sich hier eine Übereinkunft zwischen eCommerce-AnbieterInnen und UserInnen entwickelt, dass Anonymität gefährlich sei. Ergänzung meinerseits: So findet man das m.E. auch im Dogma des Online-Reputation-Managements bestätigt, dass man seine Repräsentation im Netz nicht durch Enthaltsamkeit, sondern durch Etablierung eines möglichst kohärenten Selbst unter Kontrolle bekommen könne. Ich erinnere hier auch an das satirische Gegenmodell und Askese-Credo des Österreichen Internetrats, das vielen lange gar nicht als Satire vorkam – kein Wunder, die Verbreitung des Selbstzensurcredos wurde letzte Woche beim Symposium Digitales Managen wortwörtlich von Bernhard Heinzlmaier bestätigt, der forderte, dass die Zensure im eigenen Kopf beginnen müsse – gänzlich satirefrei.

    Ad: „Weiche Kultur der Pseudonymität“: Bei diesem schönen Schlagwort bin ich mir nicht sicher, ob es zu 3. oder 4. gehörte – wer weiß es?

  4. Geschlossene Identitäten: Dies wird nun erreicht auf Plattformen wie Facebook, die eine Real Name Policy haben und anonyme Profile, wo sie auffallen, explizit löschen. Facebook – das schließlich umsetzte, was mit OpenID angedacht war – wird zum Ausweis, zur Identität im Web (meine Anmerkung: Selbst die immer hack- und störungsanfälligen Online-Voting-Verfahren funktionieren nun, wenn sie auf den Facebook-Graphen zugreifen, um die abgegebenen, legitimen Stimmen zu zählen).

Auf Zentralisierung folge immer Fragmentierung, u.a. deswegen müsse Facebook zerfallen, argumentierte Lovink gestern – erste Beispiele und Anwendungen für dezentrale Netzwerke sind bereits zu verzeichnen (z.B. Diaspora, StatusNet, FOAF).

Für mich zu betonen ist der Umstand, dass fluide Identitäten auch heute noch vereinzelt möglich sind – dort wo etwa keine Real Name Policy herrscht, wo vielleicht noch nicht einmal User-Profile angelegt werden können. In meinen eigenen Untersuchungen habe ich versucht, hier nicht allein medienspezifisch zu argumentieren, sondern mich an sozialanthropologische Konzeptionen anonymer, ahierarchischer Gemeinschaften anzulehnen, insbesondere Victor Turners Modelle von Liminalität und Communitas, und diese auf soziale Plattformen im Web umzulegen (englisches Konferenzpaper: „Liminality and Communitas in Social Media: The case of Twitter“; deutsche Publikation, demnächst erscheinend: „Die 140-Zeichen-Frage: Microblogging, Twitter und die liminoide Verhandlung des Sozialen im Web 2.0„).

Das erscheint mir u.a. deswegen sinnvoll, weil die bloße Rückführung auf eine ‚Vermassung‘ im Web (im Gegensatz zu einer Avantgardekultur der 80er/90er) mich nicht überzeugt – Formen von Communitas dagegen sind und waren immer zeitlich begrenzt, früher oder später erfolgt die Rückführung in die Strukturen und Hierarchien der Gesellschaft (welche allerdings wahrscheinlicher wird, wenn mehr UserInnen im Web agieren, da die Strukturen, in die sie ansonsten eingebunden sind, sich dann schneller wieder einschreiben).

Soweit mein hysterisches Blogpost – blogged out for this week:) Und was die Selbstführung der BloggerInnen angeht: Ja, es ist für mich inder Tat eine Motivation, Gedanken nicht nur zu verfassen, sondern auch im Web veröffentlichen zu können, ab und an kleine, mehr oder minder kohärente Texte zu produzieren, die ich – da bin ich mir sicher – nie zu Ende schreiben würde, wenn es nur für mein Notizbuch wäre. Das ist und bleibt für mich der produktivste Aspekt des Bloggens für mich selbst (ich würde jetzt gerne sagen: Ich tu es nur für das super hilfreiche Feedback, aber, das muss ich ehrlicherweise einräumen, stimmt in meinem Fall nicht; und so lange Blogposts wie dieses liest eh fast niemand :o). Natürlich ist das eine Selbstführungsmaßnahme – so regele ich meine Produktivität. Das ist so, und für mich eben ungemein produktiv – wer darin die Unterminierung der Souveränität des Subjekts sehen will, der gibt vermutlich nur nicht zu, welche Produktivitätsregelkreise oder sie selbst nutzt.

14 Kommentare leave one →
  1. 30. September 2010 1:18 pm

    Ich finde dein blogpost gar nicht hysterisch😉 sondern sehr wahr und sehr gut durchdacht. danke für die zusammenfassung!
    lg

  2. 30. September 2010 1:26 pm

    @Anita Ma, du kannst schnell lesen:) Was Profis können, können nur Profis… apropos lesen und der angeblichen Unfähigkeit lange Texte zu erfassen: Was definitiv stimmt ist, dass ich früher mehr lange Texte gelesen, regelrecht gefressen habe… andererseits habe ich früher auch nie soviel mit Menschen face to face diskutiert. Zusammenhang oder Willkür?

  3. 30. September 2010 1:31 pm

    Wolltest Du schreiben, dass wir uns miteinander „vernutzen“ oder war das ein Freud’scher?

  4. 30. September 2010 1:33 pm

    Freudscher! Danke für den Hinweis:)

  5. 30. September 2010 2:26 pm

    many thanx, wär gern hingegangen… war leider nicht…

  6. werwolf permalink
    30. September 2010 2:30 pm

    konnte ja selber nicht beim twentytwenty dabei sein, hab aber zumindest zur blog parade beitragen dürfen. anyway, was ich eigentlich sagen wollte: was mich an theoretikern vom schlag lovinks immer wieder irritiert, ist ihre annahme, dass ein gewisser status in der mehrheit rigid ist. oder besser gesagt argumentieren sie so, als ob sie dies annehmen würden. ganz besonders eben bemerkbar in der diskussion über „identität 2.0“ – ich will ja gar nicht der feststellung, dass „platformübergreifende geschlossene identitäten“ zur zeit bevorzugt werden, aber die annahme, dass das so sein müsste, weil es die aktuelle dynamik des internets und world wide web so „vorschreibt“ (das sagt lovink so nicht, aber meine ich aus seinen argumenten herauslesen zu können – reine interpretation meinerseits) macht mich wild. was ist mit identitätsprojektion? interaktive aspekte? die psychologie des „echten namens“ und der durchaus gebotenen möglichkeiten (auch bei facebook) diesen zu umgehen? was ist mit umfeldabbildung? mir scheint, dass diese aspekte nicht zur genüge einfliessen in diese diskussion.
    andererseits bin ich kein experte.🙂

  7. 30. September 2010 3:39 pm

    @werwolf dem möchte ich mich anschließen.

  8. 30. September 2010 4:03 pm

    „Vernutzen“ ist echt ein netter Verschreiber😉
    Jaja, bin korrekturles-geeicht, da entwicklet man eine gewisse Lesegeschwindigkeit.
    Das mit den langen Texten stimmt aber. Ich kann halt bei mir nicht ganz unterscheiden ob das eine Berufskrankheit ist oder eine Entwicklung die auch mit meinen veränderten Lesegewohnheiten zu tun hat. Ich lese jedenfalls viel mehr „kurz mal rein“ in ganz viele Geschichten als früher, und bina uch schneller wieder weg wenn es mich nicht interessiert. Aber WENN es mich interessiert lese ich online auch sehr gern sehr lange Texte.

  9. 30. September 2010 4:49 pm

    Wenn ich mich kurz einschalten darf: Dieses geringer werdende Lektüre-Sitzfleisch, selbst bei Texten, denen ich ein heuristisches Wohlwollen und Interesse entgegen bringe, beobachte auch ich bei mir selbst. Ich les mal kurz rein, verschaff mir einen Überblick (und staune gleichzeitig über die ganzen Twitteranten, die einem das Gefühl vermitteln, sie würden in der Stunde drei solcher Textwüsten wirklich lesen, wirklich erfassen und wirklich verarbeiten.) Bei mir bleibt das oft so ein Oberflächen-Wischi-Waschi.

    Man kann dann aber eben nicht genau sagen, woran es liegt: Vielleicht weil ich älter werde. Vielleicht weil man im Beruf ohnehin genug Info verarbeiten muss. Oder weil wirklich die Informationsfülle zunimmt. (Ich kann mir schon vorstellen, dass ich in einem Tiroler Berbauerndorf 1655 nach jeder Seite Text gelechzt hätte – wenn ich denn damals lesen gekonnt hätte). Und in ganz dunklen Sekunden denke ich mir: Vielleicht treffen die ganzen Pessimisten doch einen Punkt; vielleicht ist unser Hirn nicht für diese Art der Dauer-Informationsfüllen-Beschallung ausgelegt. Aber dann beruhige ich mich wieder: Ich bin einfach nur faul.😉

  10. 30. September 2010 5:18 pm

    @Dyrnberg Ergänzend zum Punkt „Vielleicht weil ich älter werde. Vielleicht weil man im Beruf ohnehin genug Info verarbeiten muss – auch in der Wissenschaft wird ja von Jahr zu Jahr mehr publiziert (mit dem steigenden Druck auf WissenschafterInnen, lange Publikationslisten zu produzieren), also Informationsfülle aller Orten. Und dass die Twitterati alles was sie twittern auch ganz gelesen haben, das bezweifle ich:)

  11. 4. Oktober 2010 2:00 pm

    hello,

    in gewissen teilen lässt sich der hysterie und der beschreibung des bloggerseins schon zu stimmen, es ist auch schon aufgefallen – dass sich die netzgemeinde mit sich selbst und den tools am liebsten beschäftigt und gerne auf die klassischen medien im netzt verlinkt. …aber mal ehrlich – so wichtig ist diese feststellung auch nicht und hat lediglich mit der selbstkritik innerhalb dieser szene zu tun. aber auch dann ist es nicht schlimm, versuchen wir oder ihr😉 doch nur die möglichkeiten und auswirkungen dessen was wir internet/web 2.0 etc. zu diskutieren, meinungen und wissen zu bilden. welches mal mehr oder weniger wissenschafltich basiert passiert.
    aber auch dann – ich finde es okay, denn jetzt nach zwei 1/2 jahren nutzung, vielen accounts (mehr passiv als aktiv) kommt bei mir der aha-effekt und rückblickend verstehe (denke ich😉, was es mit diesem kommunikationsraum und auch mit den identitäten hier auf sich haben könnte und deshalb sind auch lange texte gut – nicht für jeden und nicht immer. aber hin und wieder wie dieser hier für mich persönlich und Dann schreibe ich einen Kommentar. Warum? Schlichtweg Austausch, Lernen (miteinander) und Verstehen -> kollektive Intelligenz … es ist das ist auch mit fehlern, irrtümern, hysterie, aufgebracht, zynisch sein …verbunden

    die beschriebenen phasen der identitätsbildung finde ich einleuchtend und ist mir selbst auch so begegnet. denke aber selbst – dass identität von kommunikationskontext und – ziel abhängig ist und es für uns quasie verschiedene szenarien gibt. z.B. digital ist nicht komplett real und die verbindung zwischen offline/online oder online als ergänzendes kommunikationstool eingesetzt bringt den größten effekt -> z.b. selbstmarketing, reputation.. aber für einen selbst kann anonym und nur digital auch sehr sinnbringend sein… eben ähnlich wie wir uns identität im analogen gestalten beruf/privat …gelebtes doppelleben im schlimmsten falle eben – twofaces😉.

    zum schluss noch: danke für den beitrag und den vielen anregungen.

  12. 4. Oktober 2010 2:51 pm

    Gern geschehen:)

    Ad hysterisch – es gilt da, denke ich, wesentlich zu unterscheiden, ob man bei einem einzelnen BLogpost feststellt, dass es ‚aufgeregt, verwirrt‘ etc ist (natürlich gibt es diese – ebenso wie es Glossen und Kommentare im Jounalismus gibt) oder die Blogosphäre bzw. BloggerInnen als ganzes (niemand würde von Glossen und Kommentaren auf den Journalismus als ganzes schließen).

    Ich gebe zu, dass ich Probleme damit habe wenn jemand BloggerInnen beschreibt und dabei Beschreibungskategorien verwendet, die aus einer Bestandsaufnahme pathologischer Symptome stammen (die obendrein veraltet sind -> Hysterie).

    Das wird m.E. auch nicht dadurch gerechtfertigt, dass die (imaginierte) Netzgemeinde (ich finde diesen Begriff immer sehr lustig – dahinter schwelt ein bisschen die Vorstellung, dass es sich um einen konsensuellen Kult handele, zumindest um eine homogene Masse) sich gerne mit sich selbst beschäftigt.

    Auch JournalistInnen beschäftigen sich gerne mit Journalismusfragen, AktivistInnen mit Aktivismusfragen, SchriftstellerInenn schreiben besonders gerne übers Schreiben, etc. pp. – wie kommt man dann bei BloggerInnen zu dem Schluss, dass dies so angemessen beschrieben werden kann? Mir riecht das nach Voreingenommenheit gegenüber dem ‚Pöbel‘, der doch bitte wieder wie gehabt lieber den ExpertInnen zuhören soll, statt ständig selbst ‚das Maul aufzureißen‘.

    Jeder darf sich äußern, ob wissenschaftlich basiert oder nicht, ob aufgeregt oder nicht – gerade die Vernetzung und Verlinkung und die Diskussion drum herum ist ja das wichtige Gegensgewicht dazu. Es zählt in diesem Sinne nicht das einzelne Blogposts (die nun aber sicherlich nicht alle ausschließlic aufgeregt, verwirrt, etc. sind), sondern das Geflecht an Interaktionen und Kommunikationen, in denen es entsteht.

    An ‚Doppelleben‘ glaube ich übrigens auch nicht, ganz sicher nicht entlang der Real/Virtuell-Grenze – schon deswegen nicht, weil UserInnen dann ja selbst auf veschiedenen Plattformen unterschiedlich agieren, und man umgekehrt auch feststellen kann, dass wir (ganz alter Hut, Goffmann et al.) auch im Real Life unterschiedlichste Rollen spielen.

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