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Medien/Wissenschaft im Web (Woche 33/2010)

22. August 2010

Introducing: Die erste Ausgabe meines wöchentlichen Sammelsuriums „Medien/Wissenschaft im Web“ – wie bei meiner ganzen Bloggerei geht es auch hier vor allem darum, für mich die Informationen und Ideen zu sortieren und einzuordnen, die in dieser Woche in meinem Blickfeld aufgetaucht sind. Falls jemand anderes was damit anfangen kann – you’re welcome!
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Urheberrecht: Wem nutzt es?
Interview mit dem Wirtschaftsjuristen Eckhard Höffner zu seinem Buch „Geschichte und Wesen des Urheberrechts“, in dem er die Lese- und Publikationskultur in Deutschland un Großbritannien ab dem 18. Jahrhundert vergleicht:

Höffners steile These: Nur dank fehlenden Urheberrechts und eines blühenden Verlagswesens – nicht zuletzt für technisch-wissenschaftliche Fachliteratur – konnte sich das Agrarland Deutschland, das an der Schwelle zum 18. Jahrhundert noch mit einem Fuß im Mittelalter stand, zur führenden Industrie- und Wissenschaftsnation entwickeln. Großbritannien, das Mutterland der Industrialisierung, verlor den Anschluss. Erst die Einführung des deutschen Urheberrechts sollte die Blüte des Buchdrucks beenden: Anzahl und Auflage von Neuerscheinungen sanken ebenso wieder wie die Autorenhonorare.

Artikel auf Telepolis
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Debatte: Die Wissenschaft im Internet-Zeitalter
Lesenswertes Blogpost von Cornelius Puschmann aus Anlass der neuen Serie Scholarly Communication: Past, present and future of knowledge inscription bei Brill. Cornelius‘ Kernfragen:

Do scholars in the Humanities and Social Sciences still need printed publications and (consequently) publishers?
Do we need publishers if we decide to go all-out digital?
Do we need Open Access?

Mein 2 Cent dazu: Ja, wir brauchen weiterhin gedruckte Publikationen, aber nicht notwendigerweise deswegen Verlage – jedenfalls nicht die paar großen Verlage, zu denen wir alle gehen, wenn wir etwas drucken lassen wollen und die die Preisgestaltung daher in ganz anderer Weise vorgeben können. 5000 Euro in den Druck eines Buchs investieren, das man mit eigener ISBN auch um 800 bei einem Print-on-Demand-Service drucken lassen kann? Gegenargument: die Reputation des Verlags. Zumindest in den (deutschsprachigen) Humanities kann man sich diese auch kaufen – und wer hat, dem kann so gegeben werden, und Qualität ist keine notwendige Folge der Reputation eines Verlags. ‚All digital‘ finde ich wenig attraktiv, was natürlich damit zu tun hat, dass ich selbst immer noch lieber auf Papier lese, jedenfalls Dinge, mit denen ich mich intensiver auseinandersetzen will. Und wir brauchen Open Access – aber müssen sich Druck- und Digitalpublikation und Open Access ausschließen?
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Debatte: Wired erklärt das Web für tot – Irrtum, aber alle schreiben drüber
Chris Anderson und Michael Wolff provozieren in Wired eine Debatte, die der Diskussion, ob das das Web tot ist (natürlich nicht) zwar auch nicht weiterhilft, aber zumindest dem Bewusstsein des Unterschieds zwischen Internet und Web förderlich ist und in den Fokus rückt, welche Rolle Usability, Simplicity und letztlich auch funktionierende Geschäftsmodelle für die Annahme und Weiterentwicklung von Angeboten spielen.
Wired Artikel: The Web is Dead. Long live the Internet.
Diskussionen dazu: BoingBoing, Rob Beschizza: Is the Web really dead? (wichtig der Hinweis zur Graph-Manipulation im Wired-Artikel) | Lost and Found, Heinz Wittenbrink Nachrichten vom Tod des Web sind grob übertrieben | Welt.de, US-Magazin erklärt das traditionelle Web für tot (als Beispiel dafür, wie wenig manche Journalisten in der Lage sind, Grafiken zu hinterfragen; die Links zu den Diskussionen am Ende sind brauchbar)
Die Diskussion dazu auf dem Blog der Gesellschaft für Medienwissenschaft ist noch deutlicher erweiterbar.
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Debatte: Nobert Bolz‘ Forderung nach einer neuen Rechtspartei
Rechts von der CDU, aber intellektuell:

„Die erste Aufgabe einer anspruchsvollen politischen Rechten wäre, zu sagen, was die Politische Korrektheit der Medienlinken zu sagen verbietet.“

Siehe Bolz‘ Gastkommentar im Tagesspiegel
Bolz ist Leiter des Fachgebiets Medienwissenschaft an der TU Berlin, darum taucht das hier auf. Mit Verlaub: Ich halte die Gleichsetzung von politischer Korrektheit mit Sprachverbot für ein populäres Märchen der Rechten, einen Kunstgriff, mit dem sie mitunter menschenverachtende Positionen zur ‚unbequemen Wahrheit‘ adeln wollen. Da und mit der Beschwörung einer Medienlinken wären sich Bolz und FPÖ also ganz nah.
Kommentare dazu: Klaus Kocks, Als Linker geboren, soll ich als Rechter sterben? | Christian Edom, Das Politische anders denken | Ulrich Rippert, Medienkampagne für eine neue Rechtspartei
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Veranstaltung: „Über Medien im Bilde sein. Zu den Gegenständen medienwissenschaftlicher Forschung“.

Spätestens seit der Empfehlung des Wissenschaftsrates zur „Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaften in Deutschland“ scheint sich das Fach Medienwissenschaft aufs Neue mit einigen grundlegenden Fragen auseinander zu setzen: Wie sieht das Selbstverständnis als eigenständige wissenschaftliche Disziplin in Deutschland aus? Führt die seit längerem thematisierte Interdisziplinarität in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu einem Erodieren von Disziplin- und Forschungsgrenzen? So wird scheinbar bei den Debatten um einen produktiven inter- oder transdisziplinären Übergriff gerne vergessen, dass dieser nur vor dem Hintergrund stabiler Fächerprofile erfolgen kann. Auch die Medienwissenschaft sieht sich also vor die Herausforderung gestellt, ihre Forschungsgegenstände nicht weiter aus den Augen zu verlieren.

Termin: 16.09.2010 – 18.09.2010
Ort: Philipps-Universität Marburg, Wilhelm-Röpke-Straße 6, 35032 Marburg
Zur Tagungshomepage
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Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaften
Von 2007, aber da gerade zuvor erwähnt: Hier sind die drei relevanten Dokumente zum Download:
Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaften (Drs. 7901-07) , Mai 2007
Volltext [ PDF-Dokument | 673 KB ]
Bessere Bedingungen für die Kommunikations- und Medienwissenschaften in Forschung und Lehre (28. Mai 2007)
Volltext [ PDF-Dokument | 25 KB ]
Hintergrundinformationen zur Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaften (29. Mai 2007)
Volltext [ PDF-Dokument | 39 KB ]
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Strategiepapier: Kernbereiche der Medienwissenschaft
Auch nicht ganz neu (2008), aber im Zusammenhang mit den beiden vorigen Notizen und in der ersten wöchentlichen Ausgabe von „Medien/Wissenschaft im Web“ wert, erwähnt zu werden:

Auf der Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Medienwissenschaft am 4. Oktober 2008 in Bochum wurde mit großer Einigkeit ein Text verabschiedet, der das Selbstverständnis medienwissenschaftlicher Institute und Studiengänge und somit auch der Disziplin Medienwissenschaft verdeutlicht. Der Text – den sie hier als PDF herunterladen können – schreibt nicht normativ vor, was Medienwissenschaft sein muss, sondern erfasst die Dynamik und Vielgestaltigkeit der gegenwärtigen Medienwissenschaft. Zugleich verdeutlicht er, dass sich aus dem spezifischen und untrennbaren Zusammenhang unterschiedlicher Gegenstände und unterschiedlicher Perspektiven ein klar konturiertes Profil ergibt.

Downloadseite
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Interview: Das Elend der Interdisziplinarität
Und weil die Frage der notwendigen Interdisziplinarität einer Wissenschaft von den Medien wohl ein Dauerbrenner bleibt, hier noch ein kurzer Auszug aus einem kurzen Interview mit dem geschäftsführenden Direktor des Bereichs Medienwissenschaften der Uni Paderborn, der aufzeigt, wie schwierig es bleibt, Interdisziplinarität auch wirklich zu leben:

Herr Müller-Lietzkow, wie sieht die akademische Ausbildung im Bereich Computerspiele aus?
Jörg Müller-Lietzkow: Wir haben in Deutschland nur wenige staatliche Standorte, die da aktiv sind. Auch gibt es nur wenige Ausbilder. Der Markt hat aber Bedürfnisse, die mit einem normalen Studium nicht zu decken sind.
Wie muss sich das Studium Ihrer Meinung nach verändern?
Müller-Lietzkow: Man muss interdisziplinär arbeiten. Das heißt vor allem: Informatiker mit Medienökonomen zusammenbringen. Das Thema Games muss viel akademischer aufgegriffen werden. Es muss fokussiert werden, wie Spiele die Gesellschaft durchdringen.

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Blogempfehlung: Trierer Medienblog
Ein Blog, der Lust macht, beim Fach Medienwissenschaft der Uni Trier mal vorbei zu schauen, denn lebendige Blogs an medienwissenschaftlichen Fachbereichen finden sich kaum. Bespielt von verschiedenen AutorInnen, gut geschrieben, an aktuellen (v.a. digitalen) Themen orientiert, wie z.B. Location-Based Services, E-Postbrief, Magazin-Sexismus. Wermutstropfen: Kommentieren können nur am Blog selbst registrierte UserInnen. – evtl. hat man da noch etwas Befürchtungen.
Link: Trierer Medienblog
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Blogparade: Digitales Managen
Am 24. September findet in Wien das Symposium „digitales managen“ statt, dazu gibt es eine Blogparade zum Thema „Wie sich Web 2.0 und die Social Media Kommunikationskultur auf die Zukunft von Unternehmen auswirken? “ Wer teilnimmt, hat die Chance auf eine von drei Eintrittskarten für das Symposium im Wert von je € 290,- .
Ausschreibung
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Bis nächsten Sonntag abend, 18 Uhr! Ich bin im übrigen auf der steten Suche nach Blogs mit medien/wissenschaftlichem Fokus, v.a. geisteswissenschaftliche Perspektiven scheinen eher schwach im Social Web vertreten zu sein (oder ich bin einfach zuviel in sozialwissenschaftlichen Netzwerken unterwegs, um diese zu finden). Die Google Alert-Spürhunde laufen natürlich schon…

3 Kommentare leave one →
  1. Lars Bericksen permalink
    8. Oktober 2010 5:14 pm

    Danke für den interessanten Link zum Post von Cornelius Puschmann und deine Einschätzung zum Thema Print-on-Deman und Reputation.

  2. 8. Oktober 2010 5:25 pm

    gern geschehen.

Trackbacks

  1. Medien/Wissenschaft im Web (Woche 43/2010) « digiom. studienblog über das leben in und mit digitalen onlinemedien

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