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Zu viele grüne Listen – was ist dann grün wählen?

15. August 2010

Die Antwort sei vorweggenommen – ich habe keine Ahnung! Wie etliche andere verfolge ich mit einer Mischung aus Ratlosigkeit und Haareraufen, was sich bei den Wiener Grünen in zwei Bezirken (dem 6. und dem 8.) tut, wobei mich der achte Bezirk als Neu-Josefstädterin unmittelbarer betrifft. Von einem grünen Inferno wie Gerald Bäck wollte ich nicht sprechen, dass es sich aber, wie Helge Fahrnberger meint, beim Grünen Chaos nur um eine Mär handelt, ist mir auch eine zu stark zugerichtete Perspektive – bei Neuwal lesen wir von einem echt grünen Crash, dazu gibt es ein kurzes Telefoninterview mit Heribert Rahdjian, dem noch amtierenden Bezirksvorsteher im achten, der nicht noch einmal zum Kandidaten für die anstehenden Bezirkswahlen aufgestellt wurde und daher nun mit eigener Liste antritt.

Mir fällt aktuell kein passendes Substantiv ein, mit dem man das grüne Geschehen benennen könnte; mit Helge gehe ich zumindest d’accord in der Annahme, dass die grüne Position das entscheidende ist oder sein sollte (gerade bei der Entscheidung der WählerInnen); Geralds Fazit – „Die falsche Partei, mit dem richtigen Programm!“ – schließe ich mich im zweiten Teil an. Was das Programm und die Positionen der Grünen zu den entscheidenden Fragen Umwelt und gesellschaftliches Miteinander angeht, ist für mich das weiter gültige Argument für die Wiener Grünen, dass sie in den entscheidenden Momenten (Integration, Zuwanderung, Transparenz politischer Prozesse und Schutz vor Diskriminierung) das Notwendige aussprechen und fordern.

Es mag auch mit dem Transparenzwillen der Wiener Grünen selbst zu tun haben, dass so viel ihrer Querelen nach außen dringt – evtl. ist das bei anderen Parteien anders. Vielleicht. Gerade von den Grünen wünscht man sich aber nun ein anderes Gebaren, sie müssen sich an anderen Maßstaben messen lassen und messen sich m.E. auch selbst an anderen Maßstäben.

Aber bitte: das, was im zwischenmenschlichen Austausch nerven kann – die vermeintliche Überkorrektheit – ist das, was ich an ihnen als politischen VertreterInnen schätze: dass sie sich eben nicht beim allgemeinen oft voreiligen Kompromisswillen und der politischen Wurschtigkeit anschließen. Das wird sich für mich, wie es ausschaut, auch nicht ändern.

Was aber macht man nun mit dieser Situation, in der auf einmal in ‚meinem‘ Bezirk gleich zwei Listen mit grünem Programm antreten – die regulären Grünen und die sogenannten ‚echten‘ Grünen der Liste Heribert Rahdjian? Obendrein in einer Situation, in der mir der achte mit Heribert Rahdjian als Bezirksvorsteher recht gut (und vor allem in der Bevölkerung konsensfähig) bedient erschien – der kaum noch unterschwellige Ageism, der sich verschiedentlich zeigt (von noch nüchternen Empfehlungen, dass Rahdjian in Pension gehen solle bis zum Vorwurf der „Eitelkeiten einiger älterer Männer“) missfällt mir heute genauso wie die sogenannte „Silberrücken“-Diskussion von 2008.

Wenn ein sogenannter Silberrücken in der Lage ist, einen bürgerlichen Bezirk wie die Josefstadt zu gewinnen, ist es dann besser, ihn abzusägen, auch auf die eventuell höhere Gefahr hin, den Bezirk zu verlieren (Gerhard Ladstätter sieht das anders – „Bezirksvorsteher wird der Grüne Alexander Spritzendorfer“ – aber eventuell kann er in die Zukunft sehen und ich nicht), um damit z.B. bestimmten grünen Prinzipien treu zu bleiben? Und was wären diese Prinzipien? Basisdemokratie? Wir geben den ‚Jungen‘ (Spritzendorfer ist 47, Rahdjian 74) eine Chance? Wo schlägt das um in ‚Die Alten sind alt – weg mit ihnen‘?

Ich kann da nur spekulieren, und will es letztlich gar nicht so genau wissen – viel lieber hätte ich eine geschlossene grüne Fraktion, die in Wahlkampfszeiten sich darauf konzentriert, ein gutes Wahlergebnis zu erzielen, und in Regierungszeiten darauf, die Politik grün zu färben.

So viele Worte… noch immer keine Antwort. Auch als grüne Unterstützerin (bzw. Vorwählerin, wie wir das im letzten Jahr noch nennen durften, bevor es dann anders kam) bin ich ratlos, was ich nun tun soll.

Anfang Juli habe ich kurz auf Twitter die Frage gestellt, ob NICHT grün wählen das neue Grün wählen sei – wobei ich damit nicht zum Ausdruck bringen wollte, dass man jetzt nicht mehr grün wählen könne, sondern reagiert habe auf die verschiedenen österreichischen Blogosphärenäußerungen, dass Grün nun unwählbar geworden sei. Christoph Chorherr fragte zurück, ob bei diesem Spruch die Betonung auf dem zweiten oder dem dritten Wort liegen würde – welchen Unterschied das macht, hatte ich in einem kurzen Video ausprobiert, das allerdings bis eben nicht sichtbar für andere war. Im Sinne der deutschen Grünen Claudia Roth („Wer grün will, muss grün wählen!„) liefere ich meine kleine politische Agitationsspende hiermit nun noch nach:

Was grün wählen im achten Wiener Gemeindebezirk im Herbst 2010 aber heißt, das muss jede und jedeR für sich selbst herausfinden. Die betreffenden PolitikerInnen helfen uns da leider nicht weiter.

2 Kommentare leave one →
  1. 15. August 2010 9:56 pm

    Hallo Jana,

    wären Programm und Positionen entscheidende Argumente, dann könnte man fast alle Parteien wählen, denn die meisten sind in der Theorie ganz super. Aber sollte man nicht eher Parteien an ihren Taten und Personen messen? Bei den Taten sieht es mittlerweile ganz schön traurig aus für die Wiener Grünen. Wie soll eine Partei effizient für Umweltschutz, neue Wirtschaftsordnung und gerechte Vermögensverteilung eintreten, wenn sie schon an so lächerlichen Dingen wie der Wahl von zwei Bezirkskandidaten scheitert?

  2. 15. August 2010 10:53 pm

    @Gerald Ah, sorglose Verwendung des Wortes Programm meinerseits (bzw. sorglos direkt von dir kopiert:-), hätte stattdessen ‚Agenda‘ oder ‚Themen‘ schreiben sollen, denn ernsthaft: Wer liest Parteiprogramme und glaubt denen dann auch noch? Gerade gemessen an den Taten gibt’s im Gesamtwiener Spektrum aber für mich tatsächlich nur die Grünen – Beispiele sind da deren Positionen und Äußerungen z.B. im Fall Bettelverbot, da wünsche ich mir eindeutige Positionen und nicht ein Schielen darauf, wie man unter sozialem Deckmantel auch noch am reaktionären Ufer fischen kann. Das nur als ein Beispiel, wobei das kein Beispiel aus der Bezirksarbeit ist, zugegeben.

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