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Installation in der Arschbar: Wiener oder hochdeutsches Video?

24. März 2010

Wer in den letzten Tagen im Museumsquartier gewesen ist, wird auf die begehbaren Skulpturen des Ateliers van Lieshout schon aufmerksam geworden sein: vor allem die Bar Rectum (a.k.a Arschbar), ein begehbarer Darm, zieht die Blicke auf sich.

Übermorgen, am 26. März, bespiele ich die Arschbar mit der Installation „Anal reactions 2.0: Man Vs. Woman (oder: Schockseiten im Internet, analysiert und erklärt)“, wobei dort nichts Anal-Rectales zu sehen sein wird, sondern nur Reaktionen von Personen auf solches Material (Stichwort „2 Girls 1 Cup„, falls sich jemand erinnert). Dazu gibt es einen analysierenden Audio-Kommentar – und hier muss ich mich nun noch entscheiden, welche Version ich nehme: die hochdeutsche oder die Wiener Version? Schaut selbst – oben die Wiener Variante, zur der ich neige, darunter die andere (und danke für die Geduld derjenigen, die es überhaupt anschauen, um zu entscheiden, welche geeigneter ist; mit 8 und 6 Minuten sind beide über der genehmen YouTube-Video-Dauer, es sind halt Installationsvideos)

Zur Entstehungsgeschichte: Am Anfang stand ein Text, den ich auf Anfrage eines feministischen Magazins geschrieben hatte – denen war der fertige Text dann aber doch zu explizit (queer macht Angst, we know that), ebenso einem anderen feministischen Magazin, das nach der Beschreibung des Themas schon abwinkte (sehr spannend: wie tief die Ängst vor der Berühurng mit dem Analen sitzt, selbst wenn man nur darauf verweist). Der Text lag also herum und wartete auf Auferstehung – und als van Lieshouts Arschbar nach Bespielung suchte, passte er auf einmal ‚wie Arsch auf Eimer‘.

Den ursprünglichen Text habe ich gekürzt – David Krems, mein Kollege am Institut TFM nahm sich die Zeit, ihn mir einzulesen und nahm mal eben auch noch eine Wiener Improvisation zu diesem Text auf. Und eigentlich finde ich, dass der Text erst in der Wiener Variante seine wahre Ausdrucksform findet. Insofern bin ich mir schon fast sicher, dass ich diese Version nehme, letzte Bedenken wären noch, ob sie vielleicht zu schenkelklopferisch daher kommt. Andererseits: Selten nehmen sich Menschen Zeit, eine Videoinstallation in vollem Umfang anzuschauen – sie kommen, prüfen ob sich verweilen lohnt und gehen wieder. Der Wiener Text scheint mir deutlich mehr zum Verweilen einzuladen, weil er bardischer, erzählender, unmittelbarer ist. In jedem Fall: Danke, David, für diese wunderbare Perle! Und danke an Hugo Furtado für die Hilfe bei der Aufnahme!
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Die Installation ist vorüber – hier ein optischer Eindruck:

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Auch noch wichtig: Am 9. April wird in der Arschbar eine Twitterlesung stattfinden, gemeinschaftlich organisiert von Meral Akin-Hecke, Lena Doppel und mir, mit Special Guests Judith Denkmayr, Michael Horak und (t.b.a). Dafür kann man jetzt schon seine Lieblingstweets einreichen – zum darmgerechten Thema „Essen Verdauen Ausscheiden Arschkriechen. Die wahre Wiener Bedürfnispyramide“. Tweeteinreichung bitte auf dem Digitalks-Blog, die Lesungen gehen von 17 bis 20 Uhr. Come anytime – mehr als 15 Leute dürfen zu einem Zeitpunkt nicht in die Arschbar, daher ist Verteilung sinnvoll.

10 Kommentare leave one →
  1. fatmike182 permalink
    24. März 2010 10:01 am

    Schwierig… normalerweise Hochdeutsch, aber das T in der hochdeutschen Version klingt übertrieben betont & daher suboptimal –> Wiener Version. (oder wäre noch Zeit & Ressourcen für eine neutralere hochdeutsche Version?)

    Hihihi „analysierenden Audio-Kommentar“… da ist wohl eh schon alles analysiert im Arsch.

    PS: Blogbeitrag darüber vom Esel http://blog.esel.at/termin/40137

  2. 24. März 2010 10:09 am

    @fatmike182 danke dir – zeit für neuaufnahme ist nicht. also bisöang 2:0 für wiener version! Blogbeitrag vom Esel hab ich gesehen, schad, dass man da nicht kommentieren kann, oder bin ich nur zu blöd, die Option zu finden?

  3. thesandworm permalink
    24. März 2010 11:05 am

    Ich bin für das Wiener Video! Ich finde den Text super und hab auch nicht den Eindruck, dass er schenkelklopferisch daherkommt. Viel eher wirkt das deutsche Video etwas holprig und gezwungen.

  4. 24. März 2010 11:57 am

    Ich mag die Wiener Variante lieber. Die Hochdeutsche Variante ist viel zu distanziert, viel zu aufgesetzt. Die Wiener Version ist irgendwie informaler, eine gute Sache bei Themen, wo es ohnehin schon ziemliche Berührungsängste gibt.

  5. 24. März 2010 1:13 pm

    offtopic: – na ja, „blogeintrag“ wars halt nicht wirklich –
    wir hatten lediglich das bar rectum programm damals asap übernommen

    und mir war bis heute — äh — relativ unklar was da genau passiert
    bzw. bei mir war die twitterlesung präsent

    daher hier (von montag) daher noch so vage wie möglich:
    http://futurezone.orf.at/tipps/stories/1642556/
    dort kann man übrigens kommentieren >;e)

    punkto eselinfo insofern asche aufs haupt – und wird heute im laufenden tages aktualisiert

    current eselcal version werd ich kaum mehr aufbohren weil wir seit gestern (hui) endlich an der beta fürs neue eselportal rumtesten können – na ja, until we hit the first bug >;e)

    damit ist dann terminisieren auch ENDLICH nimma so zentralistisch – werd Euch wissen lassn
    bis dahin bitte um gnade und nachsicht – dann gerne um freude >;e)

    **
    übrigens, den infofolder zum barrektumprogramm gab´s ja als kopierten zettel (immerhin: in farbe) überhaupt erstmals zur pressekonferenz bei aVL – und ich hatte da vorher explizit schon nachgefragt… kurios find ich dass es urspr. einen open call gab – und jetzt sind fast nur q21er drin und der mq-infokiosk im spermium. aber immerhin. >:e)

    freut mich dass das für Euch funktioniert – bin aber weiterhin kritisch gegenüber mq-gatekeeping-policy die q21-nutzerinnen nicht nur miete abverlangt, sondern sich dann mit deren unbezahlter kulturarbeit schmückt. institutionen 2.o?

  6. Dan permalink
    24. März 2010 5:33 pm

    Hmm. Man hört beide Versionen an, dass der Sprecher im Alltag so nicht spricht. Ich fände es gut, wenn ihr z.B. einen Kärntner oder eine Kärntnerin dazu gewinnen könntet, den Text umgangssprachlich einzusprechen. Ansonsten die Wiener Version. Wienerisch ist schon mindestens seit Mundl derb konnotiert.

  7. 24. März 2010 6:40 pm

    Ganz klarer Fall, die Wiener Version:)

  8. 24. März 2010 6:51 pm

    Oh, mit all euren Stimmen hier ist es nun ganz klar: 7:2 für die Wiener Version (auf Facebook gab es auch noch Äußerungen). @Dan leider ist die Zeit nicht mehr für eine Neuaufnahme mit Kärntner – kenne auch keinen Kärnter, dem ich zutrauen würde, einen solchen Text aus dem Stehgreif ins Kärnternische zu übersetzen.

    @Esel Danke für all die Info! Ich hatte mit ein paar Q21ern zusammen eingereicht – dann gab’s auf einmal einen Anruf, bei dem ich erfahren hab, dass ich drin wäre – als einzige auch von meinen MiteinreicherInnen, weil wohl sonst niemand mehr Info (die gewünscht würden war) per Mail nachgeschickt hatte. Dass es dann doch wieder auf Q21 rauslauf lag wohl daran, dass sich da am schnellsten rumgesprochen hat, wie schnell das entschieden war – na, und räumlich/institutionelle Nähe um nochmal nachzuhaken. Nicht sicher, ob das ein besseres Licht wirft, aber ein anderes.

  9. 25. März 2010 10:51 am

    Ich denke die Wiener Version ist ein großer Glücksgriff. Die verleiht dem Text „street credibility“ und umgeht damit Widerspruchs-Reflexe die man bei der intellektuell distanzierten wirkenden Version vielleicht hat. Es wird das akademische versteckt.

  10. 25. März 2010 3:19 pm

    jaa, definitiv die wiener version, klasse

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