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Gender-Miniaturen: Erst anbraten, dann angranteln

27. Februar 2010

Bei diesem zauberhaften Frühlingswetter unterbrach ich kurz meinen Einkaufsweg, um mich auf einer von Sonne beschienen Bank niederzulassen, als sich mir eine Gender-Miniatur zutrug, eine Situation, in der sich Genderverhältnisse in ihrer karikaturiertesten Minimalform ereignen und Gott sei Dank auch gleich wieder an einem vorbeiziehen.

Ich saß auf der Bank und ließ mir die Nase mit Sonne bestrahlen, als ich durch die halbgeschlossenen Augen bemerkte, dass eine stämmige Figur sich breitbeinig auf mich zubewegte – halb auf mich zu, halb an mir vorbei, um dann kurz vor der Tangente ein ‚Grüß Gott‘ zu entbieten, das ich entgegnete, nicht sicher, wie die Bewegung weitergehen würde.

Die Figur, weder ihre Bewegung noch die Rede unterbrechend, fuhr also gurgelnd fort, „Wenn so a scheene Frau allein da sitzt, dann setz I mi glei dazu“, worauf ich reflexartig einen entrückten, abwesenden Meditationsausdruck annahm, worauf die Figur ihre Bewegung um Grade von mir weg bewegte, worauf das Gurgeln erkennbar in Schimpferei überging, wobei der Wortlaut für mich erfreulicherweise unerkennbar blieb, bis die Figur weiter gurgelnd, grantelnd an der Straße, den Rücken zu mir gewandt, wartend, dass die fahrenden Autos eine Lücke ließen, stehen blieb.

So ist das mit den traditionellen Genderverhältnissen: In den meistens Fällen positionieren sie einen so, wie man gar nicht dastehen, geschweige denn reagieren will, und obendrein handelt man sich noch Ärger ein, wenn man das nicht tut.

4 Kommentare leave one →
  1. 12. März 2010 12:24 pm

    …und kommentar drunter schreiben traut sich offensichtlich auch keiner😉

    ich finde solche einträge gut und wichtig.

  2. 12. März 2010 12:39 pm

    How did you know?🙂 Nun, nachdem endlich jemand kommentiert hat, kann ich auch weiterbloggen.

  3. 1. Juni 2010 5:33 pm

    Also mal ehrlich: diese Szene hätte auch ganz anders ausgehen können. Gut, ich bin ein kleiner Schreiberling mit vielen Illusionen im Kopf. Aber davon einmal abgesehen, denke ich, dass wir uns nach Begegnungen mit anderen Menschen wünschen, uns nach ihnen sehnen (klingt das jetzt Eso?). Dummerweise ist die Wahrscheinlichkeit mit einem intelligenten, höflichen, charmanten, netten, hübschen, begehrenswerten fremden Menschen zufällig ins Gespräch zu kommen gleich Null (etwa 0,0003841023). Anders verhält es sich auf frequentierten Einkaufsstraßen. Da ist die Wahrscheinlichkeit von einem fremden Menschen angesprochen zu werden, ziemlich hoch (etwa 93,3849). Blöd, dass es denen nicht um die Person an sich geht, sondern um Geld und eine Unterschrift.

    Das ist das Dilemma heutzutage. Immer wird man von den falschen Leutchen angesprochen.

  4. 1. Juni 2010 5:54 pm

    Sie hätte unangenehm ausgehen können, bei der vorhandenen Besetzung und meinem Desinteresse an Bekanntschaften im grantelgurgelnden Bereich war eine Begegnung eher unwahrscheinlich. Mich amüsierte, wie sie sich die Gesamtszene durch einen Gesichtsausdruck wandelte:) (Und ich geb’s zu: Ich gehöre zu den Menschen, die eher lieber gar nicht angesprochen werden, weil meistens irgendwie irgendwo abwesend, mit anderem beschäftigt – daher wollte ich die These von dem allgemeinen Wunsch nach Begegnung zumindest relativieren. Ausgenommen sind die Begegnungen in Worten, latürnich).

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