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Unsichtbare Hände im Graduiertenkolleg!

27. Januar 2010

Ein wenig klingt die Ankündigung wie der Titel eines Whodunit, ich wünschte, solche Hände würden mich am 4. und 5. Februar nach Paderborn tragen zur Tagung:

Unsichtbare Hände. Automatismen in Medien-, Technik- und Diskursgeschichte.

Die Tagung „Unsichtbare Hände“ beleuchtet, wie in unserer technisch-medialen Gesellschaft Strukturen entstehen, die nicht von einer zentralen Instanz geplant und durchgesetzt werden. Phänomene wie Social Networks, Flashmobs, Ad Hoc Netze – und selbst die Finanzkrise ‒ resultieren aus der verteilten Aktivi- tät Vieler, die unabhängig voneinander handeln. Die Prozesse wirken im Rücken der Beteiligten, unterhalb ihrer Bewusstseinsschwelle.
In seinem vielbeachteten Buch „Payback“ thematisiert auch Frank Schirrmacher solche Automatismen, die er mit Handlungsroutinen, Stereotypen und Algorithmen gleichsetzt. Aus seiner Perspektive bewirken Automatis- men eine Umbildung unserer Hirne und kognitiven Leistungen analog zur Arbeitsweise von Computern. Die Tagung problematisiert demgegenüber das komplexe Wechselspiel von Menschen, Modellen und Techno- logien. Im Mittelpunkt der Tagung steht das Konzept der „Unsichtbaren Hand“ […]

Folgende Vorträge werden geboten:

Harun Maye
Die unsichtbare Hand. Zur Geschichte einer populären Metapher
Dominik Schrage
Was meint „Standardisierung durch Konsum“? Technische und soziale Prozesslogiken am Beispiel der Entstehung des Massenkonsums in den USA
Jens Schröter
Das automatische Subjekt. Ein umstrittener Begriff bei Karl Marx und seine medienwissenschaftlichen Anschlüsse
Jutta Weber
Die kontrollierte Simulation der Unkontrollierbarkeit. Kontroll- und Wissensformen in der Technowissenschaftskultur
Christoph Neubert
Autonome Objekte. Zu Theorie und Geschichte der Selbststeuerung in der modernen Logistik
Robert Dennhardt und Peter Koval
Geschichten von Electronic Design Automation (EDA)
Matthias Wittmann
Orlac’s Hände. Von Wiederholungszwängen, Automatismen und ‚prothetischen Traumata’ in Robert Wienes (un-)heimlichem Heimkehrerfilm
Joy Kristin Kalu
Die Automatisierung des Schauspiels: Wieder-Holungsprozesse in aktuellen Inszenierungen der Wooster Group
Martina Leeker
Daten tanzen. Automatismen in der Begegnung von Kognitionswissenschaften und Tanz (Wayne McGregor)
Andreas Wolfsteiner
„Daß Instrumentum oder Werckzeug/ welches alle andern macht“ (Boillot, 1603). Die historische Hand des Denkens ist nicht die ‚invisible Hand’ der Handelsökonomie
Wolfgang Coy
Tastende Fortschritte hinter dem Rücken der Produzenten

Ich kann leider nicht reisen zu dem Zeitpunkt, und am 4.2. um 20:15 findet ja auch folgende Veranstaltung der Gruppe Internetforschung hier in Wien statt (für anderer Daheimgebliebene)

Vortrag von Carmel Vaisman: Bloggers as Early Adopters of Public Opinion: Ethnography of Influencing Networked Publics

5 Kommentare leave one →
  1. 30. Januar 2010 9:10 pm

    „Unsichtbare Hände. Automatismen in Medien-, Technik- und Diskursgeschichte. “ check den link

  2. digiom permalink*
    30. Januar 2010 11:06 pm

    Marin, was soll uns dein Kommentar sagen:)?
    Check den Link – ist ja drin, der Link.

  3. hero permalink
    1. Februar 2010 2:21 am

    das wird sicher eine interessante veranstaltung (leider werde ich auch nicht dabei sein). offizielle, traditionalisierte und informelle, teilweise unbewußt wahrgenommene kulturen, die sich in den verschiedenen bereichen des zwischenmenschlichen ausbilden, sind immer ein spannendes thema.
    allerdings, zumindest nach dem lesen des einen beitrags hier (auch ohne schirrmachers buch gelesen zu haben), finde ich, daß die parallele zwischen diesen mechanismen, die hier als „unsichtbare hände“ bezeichnet werden, und dem funktionieren von algorithmen bzw. computern, sowie die idee, daß wir uns durch akzeptanz dieser mechanismen „computerähnlicher“ verhalten, nicht ganz nachvollziehbar.
    auch wenn die funktionsweisen von computern und die diesen zugrunde liegenden algorithmen nicht jedem nutzer ersichtlich sind, besteht hier eine vorher geplante funktion, die der nutzer dann zur anwednung bringt. keiner, der im alltag eingesetzten computer (und vermutlich überhaupt kein existenter rechner) ist heute im stande auf grund eigener intelligenz über das vorgesehene hinauszuwachsen. im gegensatz zu den mechanismen „unsichtbarer hände“, die erst im nachhinein dem versuch einer analyse unterzogen werden, im zuge derer dann versucht wird, entstandene kulturen, strukturen und verhaltensweisen rational zugänglich zu machen und untersuchen.
    aber das ist nur ein aspekt, der mir beim lesen gerade aufgefallen ist… vermutlich würde ein veranstaltungsbesuch auch diese unklarheit ausräumen🙂

  4. 1. Februar 2010 6:05 pm

    @hero würde diesem eindruck zustimmen – habe mich auch etwas über den vergleich mit den unsichtbaren händen gewundert – mit so einer analogie kann man sich auch einiges in den weg stellen. de vorträge klingen aber spannend.

  5. axkibe permalink
    2. Februar 2010 9:11 am

    check den link – will sagen, link funkt nicht.

    Ja stimme zu, die unsichtbare Hand ist ein an sich eine komplexe Metapher, mit einer verdrehten Geschichte. Hat ja, und obwohl es die Ökonomen noch so sehr bestreiten, Adam Smith sich dabei eher auf Gott bezogen als auf Marktgesetze (So beschreibt er ja auch den Saturn durch „eine unsichtbare Hand“ bewegt).

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