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Der Wandel ist da – All2gethernow in Berlin

16. September 2009

Es ist nunmehr endlich der Tag gekommen, an dem ich meinen irangrünen Twitter-Avater niederlege (nicht, weil die Situation im Iran mir Anlass dazu gibt – aber das ist ein anderes Thema [1]). Der Anlass: All2gethernow und die Berlin Music Days beginnen in Berlin!

Wir erinnern uns: Dieter Gorny, Popkomm-Gründer und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie, haute in den Sack und schob alles auf das Internet: „Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen.“

all2gethernow

Diesen Stunt hat Gorny eh niemand so recht abgenommen, und unter denjenigen, die mit ihren Plänen von der Absage im Regen stehen gelassen wurden, haben ein paar die Initiative ergriffen und viele haben sich angeschlossen: Luftig (um nicht zu sagen: wolkig, bzw. cloudig) wurde die All2gethernow u.a unterstützt durch Townhall-Meetings organisiert, am 16. und 17. September startet mit dema2n-Camp eine Art BarCamp, bei dem alle Themen eingebracht werden können, am 18. findet die a2n-Conference statt, die alle Fäden aufnimmt und zusammenführt.

Irgendwann im Rahmen der Vorbereitungen haben Personen, die sich mit ähnlichen Gedanken bereits trugen, ein Post auf diesem Blog (mit dem bewusst programmatischen Titel #unkomm – Strategiepapier für eine bottom-up Musikfachmesse und Festival) gelesen – es freut mich, dass man damit offensichtlich etwas anfangen konnte. Eine modifizierte Fassung ist nun im Booklet und auf Tip-Berlin zu lesen (Social Media Something habe ich mir selbst irgendwann mal unterstellt, Electronic Frontier noch nicht, passt aber eh;-).

Digiom goes a2nUnd für das Prinzip #unkomm – in seiner Manifestation als all2gethernow und Berlin Music Days – gebe ich meinen grünen Twitter-Avatar auf. Die Frage, wie man als Slacktivist (siehe unten) im Web in einer solchen politischen wie humanitären Ausnahmesituation (von der man als glücklicher Bewohner westlicher Industrienationen kaum betroffen ist) tätig werden kann, kann mit Twitter-Avataren nicht gelöst werden – Farbe für a2n bekennen, das traue ich mir damit zu.

Danke an Martin Brem a.k.a. @bremski und Andreas Gebhardt a.k.a @suffar aus dem a2n Vorstand (Vereinsbasis!), Regine Heidorn a.k.a @bitboutique als Cloud-enablerin, Karola Riegler a.k.a. @karolariegler (als Wiener Vertreterin vor Ort) und den vielen, vielen Mitveranstalterinnen vor Ort und im Web – ich wünsche gutes Gelingen!

EDIT: Oh, das ist aber nett – dank All2gethernow werde ich im Neuen Deutschland zitiert – heute ist wirklich nicht alle Tage!


[1] Oh ja eine Fußnote – normalerweise schimpfe ich, wenn es sowas sehe. Hier ist sie notwendig – denn das Thema Twitter und Iran ist mehr wert als eine kurze Erwähnung, natürlich auch mehr als eine Fußnote (tatsächlich kann ich gar nicht soviel schreiben, wie dazu geschrieben gehört). Es gab einen Zeitpunkt, indem gut die Häfte der Profilbilder in meinem Twitterstream grün war – man hat nie ernsthaft daran glauben können, dass ein grüner Twitterstream ernsthaft etwas ändert. Zumindest konnten sich Menschen aber so gegenseitig Zeichen geben, dass sie gemeinsam, parallel, von einem Thema (wie temporär auch immer) berührt werden. Hamid Tehrani sprach auf der Ars Elctronica im Rahmen des Cloud Computing Symposiums (der Begriff wurde eigentümlich auch auf Smart Mobs u.ä. ausgeweitet) über die sogenannte ‚Twitter-Revolution‘ im Iran – der Idee, Twitter einen Nobelpreis zu geben, konnte er nur wenig abgewinnen und konstatierte, dass der Westen sich auf eine Technologie einschoss – und den Menschen, die dort ihr Leben riskierten und auch verloren, vergleichsweise wenig Anerkennung zollte. Auf Ethan Zuckermans Blog kann man einen Bericht zu Tehranis Beitrag nachlesen – hier ein Auszug:

The internet channel goes both ways. Information about Neda’s death came out via digital media, then became the face of the protest movement worldwide. Cartoons drawn in Iran spread over the internet, but cartoons from Canadian media showed up, printed out and on signs, at Tehran protests.

Here’s the myth – some Western journalists shifted their focus from the role of Iranian people to the role of technology. Tehrani considers it amazing – and shameful – to suggest that there should be a nobel peace prize for Twitter, rather than for the Iranian protesters.

“Twitter does not organize demonstrations.” The Iranian government can read tweets, so this is a lousy place to organize. Twitter can spread misinformation. One tweet claimed 700,000 people protesting at a mosque in Tehran – this “fact” got spread around Twitter… but it seems that fewer than 5,000 people actually showed up in real life. We can misunderstand who’s actually speaking on Twitter – people represent themselves as being on the ground, while they’re actually in the diaspora… or in some cases, might not actually be Iranian activists. Finally, he warns that citizen media may be becoming “militant media” in an Iranian context.

Ebenfalls lesenswert: Zuckerman über Evgeny Morozovs und Xiao Qiang über Formen von digitalem Aktivismus, sowie Morozovs Thesen zum Slacktivism.

3 Kommentare leave one →
  1. axel77 permalink
    16. September 2009 5:45 pm

    Der [1] Link funktioniert bei mir nicht

  2. 16. September 2009 6:19 pm

    Dann scroll runter:)

Trackbacks

  1. #unkomm, später «                digiom. ein studienblog über           das leben in und mit digitalen online medien.

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