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Kein Liebesverhältnis: Retweeting und Faktencheck

13. August 2009

NEIN, Sony hat KEINE Selbsthilfegruppe für Social Media-Abhängige gegründet! Das wäre eine eigene Studie wert: Inwieweit stimmen geretweetete Kurzdarstellungen mit der tatsächlichen Nachricht überein? Recht häufig klafft dazwischen eine gewaltige Lücke – z.B. auch in dem von Nicole Kolisch analysierten Fall ‚Twittensnobelpreis‘, in dem Mark Pfeifle, „ein (ehemaliger) Sicherheitsberater der (ehemaligen) US-Regierung“ vorgeschlagen hatte, dass Twitter für den Friedensnobelpreis nominiert werden solle. Was wurde re-re-re-tweetet? „Twitter für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.“ Klingt natürlich toll – da ehemalige Sicherheitsberater aber noch immer nicht das Vorschlagsrecht bei der Vergabe des Friedensnobelpreises haben, war’s natürlich Blödsinn.

Und heute war immer wieder zu lesen, dass Sony eine Selbsthilfegruppe für Social Media Abhängige gegründet habe… wiederum ein Blödsinn, denn nicht mehr ist passiert als dass Sony ein vermeintliches Viral-Video veröffentlicht hat, das null Authentizitätswert hat (sprich: sowohl Dramaturgie und Mise-en-scène als auch das schlechte Spiel der Schauspieler verraten sofort, dass hier nicht wirklich in einer Selbsthilfegruppe gefilmt wurde) und als Vehikel für ein Gerät dienen soll, das auf ‚Social Media Addicts‘ abgestimmt sein soll:

Ein Lehrstück ist das ganze auch dahingehend, dass hier gezeigt wird, dass Domainkauf, obwohl schlecht beleumundet, funktioniert: Schließlich kam der erste Tweet ja von @basicthinking, und wer vermutet schon, dass der Inhalt einer Fiktion in einem Tweet von Basic Thinking als Fakt ausgegeben werden würde? Nur hat Robert Basic den Basic Thinking Blog und Twitter Account eben verkauft, und unter der URL bloggen eben jetzt andere . Zum Beispiel ein Michael Friedrichs, der die gleiche Fiction for Fact-Ungereimtheit auch im Titel des Blogposts verkauft: SMAA: Sony gründet Selbsthilfegruppe für Social-Media-Süchtige.

Es wundert einen dann auch nicht, dass Herr Friedrichs sich hinreißen lässt zur Behauptung: „Übrigens das erste Mal, dass Sony auf virales Marketing für ein neues Produkt setzt.“ Da kann man nur sagen: Schnurch. Ich bin sicher nicht die einzige, die sich an die WALKMAN Viralkampagne von 2004 erinnert, bei der man interaktive Flash-Postkarten verschicken konnte, in der z.B. ein Rapper einer Seniorin den Hintern versohlte. Natürlich mit Tell a Friend Feature – retweeten gab’s damals ja noch nicht. Doch damals wie heute gilt: Große Marken und Viral Marketing geht fast immer schief – kann man Blogposts auf BasicThinking.de jetzt eigentlich kaufen? Dann dürfte eben der fragliche von Sony Europe gekauft worden sein.*

Kleine Korrektur: Viral-Video und große Marken bzw. Elektrokram KANN funktionieren, aber nur wenn die Regeln des gefaketen Genres beachtet werden. Tolle Beispiele im folgenden – das erste gehört in die große Kategorie des Verrückten Haudegens : Bruno Kammerl und sein Megawoosh…

[YouTube=“http://www.youtube.com/watch?v=lkwh4ZaxHIA“%5D

Das zweite, Guy catches laptop with his butt, platziert ein neues Elektroprodukt und kopiert dabei ein anderes, älteres (und meines Wissens echtes) Viralvideo: Guy’s backflip into Jeans

[YOUTUBE=“http://www.youtube.com/watch?v=oiNaadVOQEM“%5D

(Oder steckt da doch Levi’s dahinter? Zumindest gibt’s keine verräterische URL am Schluss]
[Youtube=“http://www.youtube.com/watch?v=pShf2VuAu_Q“%5D

(C. J., ich habe dich im Verdacht;-)

3 Kommentare leave one →
  1. Klaus permalink
    28. August 2009 9:55 am

    Ich denke, dass der Hinweis, dass es sich um „Virale-Werbung“ eines Unternehmens handelt, eigentlich ausreichen müsste, um klar zu machen, dass es sich hier um keine authentische, der „guten Sache verpflichtete“ Selbsthilfegruppe handelt. Unternehmenskommunikation ist immer von Unternehmensinteressen geleitet – eh klar. Diese (Medien-)Kompetenz traue ich allen, die meine Tweets lesen, zu. Kurz gesagt, ich halte diese Kritik für etwas überzogen.

    LG Klaus

  2. 31. August 2009 7:32 pm

    Hi Klaus, und ich traue den Lesern dieses Blogs zu, dass sie viermal hinter einander klicken können und so z.B. fest stellen, dass die von dir getwitterte Nachricht in den anderen (!) Stück für Stück zum Faktum verkommen war.
    LG
    Jana

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  1. Blogistan Panoptikum KW33 2009 auf datenschmutz.net

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