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Warum mir das AIDA-Logo sauer aufstößt, oder: Wider die positivistische Definition der Diskriminierung

28. Juli 2009

Eins gleich vorweg: Bei der seit der ‚I-will-Mohr‘-Kampagne aufklaffenden Kluft zwischen denen, die eine solche Produktpositionierung für einen unnötigen, überkommenen Kolonialismus halten, der allenfalls noch in der Speisekarte eines Traditionskaffeehauses (seit 1938) durchgehen sollte und denen, die eben auf den Traditionsgebrauch (seit dem 16. Jahrhundert) pochen, lasse ich mich bereitwillig auf die Seite derjenigen, die es für unnötig halten, polarisieren.

AIDA Bregenzer Feststpiele

Der Grund ist simpel: Solche Diskussionen sind bei der Namens- und Motivwahl antizipierbar (ebenso wie die Folgediskussionen auch schon bei der „24 Stunden Verkehr am Wochenende“-Kampagne der JVP vorhersehbar waren). Wenn sich ein Unternehmen (eine Partei, etc.) dennoch dafür entscheidet, dann hat man sich die bagatellisierenden, ahistorisierenden, apolitisierenden Argumente in der Regel schon zurecht gelegt.

In den aktuellen Debatten auffällig ist die Tendenz, die Frage, ob etwas rassistisch (sexistisch, etc.) ist, an einzelne Individuen zu delegieren. Etwa an diejenigen, die die Mehlspeise ‚Mohr im Hemd‘ bestellen aber damit nicht beabsichtigen, jemanden zu diskriminieren. Oder an diejenigen, die das Wort verwenden und nur die Mehlspeise meinen. Und auch Unilever argumentiert ja so: „Wir haben den Namen natürlich bei unseren Marktforschungen getestet und nicht einem Konsumenten ist der Name negativ aufgefallen. Jeder hat sofort an die klassische österreichische Mehlspeise gedacht. Aus unserer Sicht also ein unbedenklicher Name.“

Die Perspektivendiskrepanz, die da zwischen den beiden Enden der Polarisierung vorherrscht, ist nicht zu überbrücken. Diejenigen, die das alles nicht so wild finden meinen eben, man müsste nur mal nachfragen bei den Konsumenten. Empfinden Sie das als rassistisch? Hatten Sie gar rassistische Absichten beim Verzehren der Mehlspeise? Wenn das ganze dann noch als Marktforschung getarnt erscheint, dann sind wir auf der Talsohle der positivistischen Schlamperei angelangt. Das ist keine Forschung, das ist eine Legitimierungskonstruktion.

Die gänzlich irrtümliche Schlussfolgerung lautet nämlich: Wenn sich keiner diskriminiert fühlt, ist es auch keine Diskriminierung gewesen. Dass so etwas nicht wirklich gut gehen kann, dürfte jedeM klar sein. Eine solche Argumentation ist der Freibrief für jedweden Rassismus, der sich ereignet, ohne dass sich eineR öffentlich auf den Schlips getreten fühlt, und so kann etwa Landeshauptmann Dörfler rassistische Witzchen machen, solange er Robert Blanco als Trumpf im Ärmel hat, denn der habe sich ja auch nicht daran gestoßen.

Sprache drückt Machtverhältnisse aus, und es obliegt keineswegs der Macht von Einzelnen, sich in ihren Intentionen gegen diese zu stellen. Wer Mohrenwitze macht, perpetuiert die Möglichkeit des Mohrenwitzes, ganz unabhängig davon, ob er oder sie das ’so gemeint hat‘ oder nicht.

Ebenso sollte man sich davor hüten, sich in eine Diskussion darüber ziehen zu lassen, ob etwas ‚jetzt schon‘ oder ‚doch noch nicht‘ rassistisch sei – nehmen wir das Beispiel des AIDA-Logos der Bregenzer Festspiele.

Es ist wirklich leicht, darin quasi nur einen logischen Ausdruck von Tradition und Werksgeschichte zu sehen, denn die Figur Aida ist schließlich „Tochter des äthiopischen Königs. Sie lebt als Sklavin am ägyptischen Hof und ist von tiefer Liebe zu Radames erfüllt.“ Sklaven tragen Sklavenketten. Äthiopierinnen haben krauses Haar, lange Hälse und üppige Lippen – oder nicht?

AIDA Bregenzer Feststpiele

Stopp – genau in dem Moment ist man mitten in einer Diskussion sogenannter ‚rassischer Merkmale‘, die wir doch wirklich schon seit Jahrzehnten überwunden haben sollten. Viel eher sollte man sich doch fragen, wieso man Aida in einer Aufführung von 2009 in einer Reduzierung auf stereotyp wiedergegebene ethnische Merkmale (d.h. in klassischer Kolonialästhetik) darstellen möchte? Obendrein in einer Stadt, in der man dazu in den Pausen Mohrenbräu serviert bekommen kann (danke an Karsten Sauer für den Hinweis auf das Aida-Logo):

Mohrenbraeu

Conclusio: Die Polarisierung wird wohl fortbestehen – unter Berufung auf Tradition und Geschichte (und unter Ausblendung der nicht so berufenswerten Kapitel wie koloniale Unterdrückung und ethnische Verfolgung – wobei man man die Ikonographie, die der Geist dieser Zeiten produziert hat, natürlich in keinerlei Zusammenhang sehen möchte mit dem gegenwärtigen Geist und den Ikonographien, die dieser wieder für angemessen hält) wird weiterhin auf die Intention von Einzelnen beim Verwenden rassistischer Sprache und Ikonographie beharrt werden.

Ebenso wird man auf die Verwendung eines reduzierten Diskriminierungsbegriffs beharren, welcher Sprache nicht als Ausdruck von Machtverhältnissen begreift, sondern sich nur daran festmacht ob jemand sagt (sich traut zu sagen): „Das verletzt mich.“ Und selbst dann werden nur selten Konsequenzen gezogen werden, denn die Reaktionen der Black Community werden von Inuit Eskimo ja auch als weniger relevant eingeschätzt als die Ergebnisse Legitimationen ihrer eigenen Marktforschung.

Weiterhin werden leider nur wenige verstehen, dass Rassismus nicht erst dann vorliegt, wenn eine bestimmte Person wegen ethnischer Zugehörigkeit erniedrigt wird, sondern dass eine rassistische Rhetorik eine solche ist, die glaubt, Rassenzugehörigkeit wäre ausschlaggebend, sei es für die Beschreibung einer Person in Worten („Immer gut gelaunt, diese Inselbewohner, diese lustigen Polynesier!“) oder in Bildern („Grafiker, gib Aida dickere Lippen, sonst erkennt doch keiner, dass die Negerin ist!“).

Mein Wunsch an die Werbeindustrie: Fragt euch nicht, ob ihr mit euren ethnischen Anspielungen durchkommt – fragt euch ob ihr anno 2009 wirklich immer noch auf ethnische Stereotype zurückgreifen wollt. Fällt euch wirklich nichts besseres ein als das Aufwärmen der kolonialen Tradition?

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65 Kommentare leave one →
  1. Irene permalink
    28. Juli 2009 10:35 am

    So sehr ich grundsätzlich Ihrer Argumentation Recht gebe, so sehr denke ich, dass Sie sich beim Aida-Beispiel vergalloppieren und damit die Diskussion in genau jenes Eck ziehen, in der sie nun wirklich nicht landen sollte. Bei auch nur oberflächlicher Auseinandersetzung mit dem Stoff der Aida lässt sich doch sehr schnell feststellen, dass es sich dabei tatsächlich um ein sehr politisches Stück handelt, in dem es um (politische) Unterdrückung und dem Kampf um Freiheit geht. Ein Mensch in Ketten ist durchaus geeignet, diesen Inhalt zu transportieren. Natürlich lässt sich (gerade im Hinblick auf die heurige Inszenierung) die Frage stellen, ob dieser Mensch in Ketten unbedingt krause Haare, üppige Lippen und einen langen Hals haben muss. Ich fürchte nur, dass die Diskussion so wie sie derzeit geführt wird viele „Alltagsrassisten“ (bewusst unter Anführungszeichen) massiv abstößt und verschreckt. Eben weil sie sich nicht als solche sehen. Sollte man nicht vielleicht die Diskussion zunächst mal auf einer Ebene führen, die dem Verständnis auch der breiten Masse leichter zugänglich ist? Zum Beispiel, indem man gegen die ständige Verwendung des Wortes „Schwarzafrikaner“ in einem ganz bewusst gesetzten Zusammenhang anschreibt? Warum wird das nicht lauter thematisiert? Warum hängt man sich so bewusst an einzelnen – vermutlich tatsächlich ohne böse Absicht passierten – Beispielen auf? Ich finde die Eskimo-Kampagne wahrlich nicht sehr gelungen – haben Sie übrigens schon Beschwerde beim Werberat eingelegt? – unsere Aufmerksamkeit sollte aber auf wesentlich schlimmeren Entgleisungen liegen

  2. 28. Juli 2009 10:38 am

    Schöner Artikel. Insbesondere den Ratschlag an die Werbeindustrie unterstütze voll.

    Nicht so glücklich finde ich allerdings die Verwendung des Begriffs „Rassismus“ in Deinem Artikel. Die Hervorhebung biologischer oder ethnischer Steoreotype allein kann man wohl noch nicht als Rassismus bezeichnen. Rassismus wird daraus, wenn „eine ethnische Gruppe oder ein historisches Kollektiv auf der Grundlage von Differenzen, die sie für erblich und unveränderlich hält, eine andere Gruppe beherrscht, ausschließt oder zu eliminieren versucht“ (George M. Fredrickson. S. auch die R. Def. von Albert Memmi. Beide hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus).

    Gerade weil die Werbeindustrie einigermaßen glaubwürdig darlegen kann, dass sie selbst niemanden beherrschen, ausschließen oder vernichten will, perlt der Rassismusvorwuf ab.

    Entscheidend aber ist, dass die von ihr verwendete Ikonographie und Semantik historisch in rassistischer Absicht benutzt wurde und daher taugt der Begriff Mohr nicht zum Anpreisen von Lebensmitteln.

  3. 28. Juli 2009 10:40 am

    Wer sind ‚wir‘, so dass man sagen könnte, wo ‚unsere‘ Aufmerksamkeit liegen sollte? Das klingt mir nach Bagatellisierungsrhetorik, ebenso das „Red doch nicht über xxx, red doch lieber über yyy“.

    Und warum sollte man Angst davor haben, die ‚Alltagsrassisten‘ abzustoßen? Die kommen hier eh nicht vorbei – zum Glück!

  4. 28. Juli 2009 10:41 am

    jawohl! danke für deine klaren worte – es gibt eben auch keine „gutgemeinte“ oder „bisserl“ diskriminierung …

  5. One Brick permalink
    28. Juli 2009 10:43 am

    Jana,
    ich frage mich wie eine bildliche Darstellung der Aida aussehen müsste, damit sie Dir nicht als rassistisch auffiele.

    Bei Extrapolation Deines Rassismusbegriffes ist auch bald die Erwähnung dunkler Hautfarbe nicht mehr koscher und „Black community“ wird zum Inbegriff rassistischer Abgrenzung. So wirklich positiv konnotiert ist das Wort „Schwarz“ ohnehin nicht.

  6. fatmike182 permalink
    28. Juli 2009 11:00 am

    Der Artikle greift eine Sachen gut auf geht aber in Summe an jeglicher Thematik vorbei (genauso kann ich den Satz „Sprache drückt Machtverhältnisse aus“ in dem Zusammenhang nichtmehr hören, da Sprache bissal mehr ist als unsemantische Konnotationen)

    Es muss grundlegend unterschieden werden welche Eigenschaften einer Stereotypie offensichtlich tatsächlich sind und von welchen man sich pauschalisierend distanzieren sollte. Dass eine Frau weiblich ist und biologische Fähigkeiten hat die Männer nicht haben, dass ein Schwarzer eher dunkelhäutig ist und die genetische Grundlage für lockiges Haar hat (bitte nicht mit Michael Jackson oder Arabella Kiesbauer-Argumenten kommen), dass Homosexuelle homosexuell sind, usw.
    Tatsachen lassen sich nur dann leugnen, wenn sie in der Allgemeinauffassung anders aufgenommen werden; wie man das bei der Weiblichkeit der Frau und der Hautfarbe der Schwarzen ändern will — bitte (in welchem Zusammenhang man Menschen in phänotypische Merkmale gruppiert ist ein anderes Thema, aber man kann froh sein, dass der Mensch die Gabe hat unterscheiden, sortieren und assozieren zu können)

    Rassentheorie setzt da ein wo es nichtmehr um faktische Pauschalisierungen geht sondern um unkorrekte Willkür ohne Hintergrund und Tests mit manipuliertem Studydesign und verselektierten Gruppen. Man stelle sich vor, das hätte sich alles bewahrheitet, die Situation wäre eine komplett andere wie heute; was ich damit sagen will: nicht die Sprache war das Instrument, welches den Rassismus abgewendet hat, sondern die schwache Argumentation & Sinnlosigkeit des Rassismus selbst.

    Wie sehr man es mit der demographischen Überkorrektheit treiben will bleibt jedem überlassen, grenzt oft aber selbst an Rassismus (zB Castingband-Konstellationen).

  7. 28. Juli 2009 11:46 am

    Ebenso wird man auf die Verwendung eines reduzierten Diskriminierungsbegriffs beharren, welcher Sprache nicht als Ausdruck von Machtverhältnissen begreift, sondern sich nur daran festmacht ob jemand sagt (sich traut zu sagen): “Das verletzt mich.”

    Welche Machtverhältnisse werden durch die Verwendung des Begriffs „Mohr im Hemd“ untermauert oder gar verstärkt? Und inwieweit unterscheiden sie sich im konkreten Fall von den Machtverhältnissen, die ein „Jägerschnitzel“ oder ein „Bauernschmaus“ zum Ausdruck bringen?

    Weiterhin werden leider nur wenige verstehen, dass Rassismus nicht erst dann vorliegt, wenn eine bestimmte Person wegen ethnischer Zugehörigkeit erniedrigt wird, sondern dass eine rassistische Rhetorik eine solche ist, die glaubt, Rassenzugehörigkeit wäre ausschlaggebend […]

    Inwiefern wird die Rassenzugehörigkeit als ausschlaggebender Aspekt im Begriff „Mohr im Hemd“ manifestiert?

  8. 28. Juli 2009 11:47 am

    „Ebenso wird man auf die Verwendung eines reduzierten Diskriminierungsbegriffs beharren, welcher Sprache nicht als Ausdruck von Machtverhältnissen begreift, sondern sich nur daran festmacht ob jemand sagt (sich traut zu sagen): “Das verletzt mich.”“
    Welche Machtverhältnisse werden durch die Verwendung des Begriffs „Mohr im Hemd“ untermauert oder gar verstärkt? Und inwieweit unterscheiden sie sich im konkreten Fall von den Machtverhältnissen, die ein „Jägerschnitzel“ oder ein „Bauernschmaus“ zum Ausdruck bringen?

    „Weiterhin werden leider nur wenige verstehen, dass Rassismus nicht erst dann vorliegt, wenn eine bestimmte Person wegen ethnischer Zugehörigkeit erniedrigt wird, sondern dass eine rassistische Rhetorik eine solche ist, die glaubt, Rassenzugehörigkeit wäre ausschlaggebend […]“
    Inwiefern wird die Rassenzugehörigkeit als ausschlaggebender Aspekt im Begriff „Mohr im Hemd“ manifestiert?

  9. 28. Juli 2009 11:54 am

    meiner Ansicht nach sie Mohr KEIN rassistischer Ausdruck. Der Mehr gilt, im Gegensatz zum „Neger“, als edel und damit positiv (daher auch auf Wappen und als Markenzeichen). Unter Mohr verstand sich ursprünglich ein Mauretanier dunkler Hautfarbe. Im Mittelalter war dies eine Gegend höchster Entwicklung und Vorbildhaft in vielerlei Hinsicht. Aber gut, darüber lässt sich streiten…
    Was Aida angeht, kann man nur sagen: Hier verfehlt die Kritik gänzlich. Die dargestellte Person muss als weiblich erkennbar sein (logisch). Daher der (als schön empfundene) lange und schlanke Hals und die rel. vollen lippen. Schön soll sie ebnen sein, die Aida. Objektiv haben Menschen jener Ethnie krauses Haar. Diese Feststellung impliziert ja noch keine Wertung und damit negative Konnotation. Zudem empfehle ich das Spiel auf dem See zu konsumieren. man stellt schnell fest: Die gegenteilige Botschaft soll transportiert werden. Ein Ruf für die Freiheit aller Menschen soll es sein.

    Ich denke es birngt die Sache in keiner Weise weiter, wenn man versucht mit der Brechstange die Sprache zu verändern (Stichwort Gender) oder auf Einzelheiten (Mohrenbräu,…) herumreitet. Viel wichtiger wäre der Aufbau von Verständigung (und nicht der Aufbau von neuen Konfliktlinien).

  10. 28. Juli 2009 11:55 am

    @OneBrick Die Frage ist jeweils, ob es notwendig ist die Hautfarbe zu thematisieren.

    Schwarz ist ohnehin nicht positiv konnotiert? Da könnte es sich für dich lohnen, sich mal die Wiederaneignungen des Begriffs durch die Black Community anzusehen. „Black is beautiful“ ist ein Slogan, der manchen nochwas sagt.

  11. realität permalink
    28. Juli 2009 11:59 am

    analysen leiden im allgemeinen darunter, wenn man mehrere nicht zusammengehörige dinge miteinander vermengt, dann noch unklaren begriffen hantiert und allen die anderer meinung sind, falsches bewusstsein unterstellt.
    kann mal jemand frau digiom ockhams rasiermesser reichen?

    die leute in äthiopien sind tatsächlich schwarz (bzw. dunkel) und dies zu sagen ist nicht im geringsten rassistisch, sondern die simple wahrheit, in der wirklicher rassismus seine sinnlich wahrnehmbare grundlage findet.

    wenn es für den tatbestand der diskrimierung wirklich nicht relevant ist, ob sich jemand diskriminiert fühlt, wer entscheidet denn dann, ob es diskrimierung ist??? DU? oder ein rat von weisen, greisen professoren?

    es gibt ja zweifellos in österreich und deutschland rassismus, aber mit deiner kritik versuchst du, deine hilflosigkit durch vollkommen abgehobene theoriebildung zu kompensieren.
    komm runter von deinem elfenbeinturm. mach schluss mit dem zerebralen quatsch.

    p.s. welche definition von „diskriminierung“ benutzt du denn?
    und für die nicht-bescheid-wisser unter uns: wie lautet denn die positivistische definition?
    und was ist das für eine diskriminierung von der sich kein individuum gemeint oder diskriminiert fühlt?

  12. Michael permalink
    28. Juli 2009 12:05 pm

    Wie kann man glauben, auf der richtigen Seite zu stehen, wenn man das Wort und also das Konzept „Rassismus“ derart der Lächerlichkeit preisgibt wie digiom und Co.?

    2019 –
    A: „Und du hältst es nicht für richtig, den Rassismus zu bekämpfen?“
    B: „Haha. Vor zehn Jahren schon noch. Damals habe ich das noch sehr ernst genommen und wäre dafür eingetreten. Dann kamen aber die Überkorrekten und sind in ihrem Wahn über das Ziel hinausgeschossen. Sie haben jeden ernsthaften Ansatz zur Antidiskriminierung in ein dankbares Thema für drittklassige Hobbykabarettisten verwandelt.“

  13. 28. Juli 2009 12:08 pm

    @realität Meiner Ansicht setzt verbale Diskriminierung Absicht voraus. Wie bei anderen Taten kann man somit vieleicht nur von „fahrlässigem Wortgebrauch“ sprechen, oder?

  14. 28. Juli 2009 12:08 pm

    @Rolf: Wie gesagt: Ich halte es für eigentlich unmöglich eine Debatte darüber zu führen, ab wann Rassismus beginnt – ich weiß, dass die Wikipedia-Definitionen (auch im Fall von Sexismus) sich vor allem auf die Frage der Aussschließung, Eliminierung, Diskriminierung konzentrieren. Für mich ein Beispiel dafür, dass allgemeine Enyzklopädien in solchen spezifischen Argumentationen versagen. Unilever z.B. streitet ab, dass eine rassistische Absicht (im Sinne der Definitionen, die du heranziehst) vorlag. Insofern ist es m.E. sinnvoller zu prüfen, ob Begriffe, Konzepte und Repräsentationsformen, die vermeintlich ‚rassische‘ Zuschreibungen oder Eigenschaften reiterieren, verwendet werden oder nicht.

  15. 28. Juli 2009 12:11 pm

    @fatmike Ja, da bin ich (wie ich immer nur wiederholen kann) ganz Postfeministin, oder auch Postrassistin, wenn du so willst:

    „Der Postfeminismus radikalisiert mittels des Dekonstruktivismus und des Poststrukturalismus den Feminismus. Im Postfeminismus werden sowohl das biologische Geschlecht (sex) wie das soziale Geschlecht (gender) als gesellschaftliche Konstrukte angesehen und deshalb als Klassifikationseinheiten abgelehnt. Im Mittelpunkt steht nicht mehr das Subjekt „Frau“, sondern dessen Subjektivierung.

    Ins Zentrum dieser Theorie tritt die Differenz unter Menschen, d.h. angenommene Gemeinsamkeiten/Geschlechtsidentitäten werden aufgelöst/dekonstruiert. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass es so viele Identitäten gibt, wie es Menschen gibt. Auch die in den vorherigen Ansätzen angenommene Zweigeschlechtlichkeit wird aus dekonstruktivistischer Sicht bestritten und durch das Anerkennen von Vielgeschlechtlichkeit ersetzt.

    Die wichtigste Vertreterin des Postfeminismus ist Judith Butler. Sie schrieb unter anderem „Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity“ (dt. Das Unbehagen der Geschlechter) im Jahre 1990 und „Bodies That Matter“ (dt. Körper von Gewicht) im Jahre 1994. In beiden Büchern beschäftigt sie sich mit der von ihr entwickelten Queer-Theory. Einer von Butlers bedeutendsten Beiträgen war ein performatives Modell von Gender, in welchem die Kategorien „männlich“ und „weiblich“ als Wiederholung von Handlungen verstanden werden, und nicht als natürliche oder unausweichliche Absolutheiten. Diese Beiträge waren auch bedeutend zur feministischen und kritischen Theoriebildung, weil Butler damit die Kategorie „Frau“ als Subjekt des Feminismus in Frage stellte. Dies führte besonders in Deutschland zu erbitterten Debatten innerhalb der feministischen Theorie.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Postfeminismus

  16. 28. Juli 2009 12:14 pm

    @Mathias Weil der Mohr im Hemd nicht so heißt, weil fiktive Mauretanier ihn gern essen oder zubereiten, sondern weil der Kontrast Kakao/Obers (oder was auch immer das ist) den von Hautfarbe und Hemd darstellen soll.

    Und da kann jetzt jedeR UnternehmerIn selbst überlegen, ob er seine Produkte nach solchen KOntrasten benennen will oder nicht.

  17. 28. Juli 2009 12:29 pm

    @saibot Bitte verschone uns mit den Vorstellungen vom ‚edlen Wilden‘ – da mach ich mir nun wirklich nicht die Mühe dir zu erklären, was daran rassistisch ist.

  18. fatmike182 permalink
    28. Juli 2009 12:50 pm

    Postfeminismus ist ein ideales Konstrukt, keine Frage – die Interpretation ob man durch ihn Unterschiede/Gemeinsamkeiten leugnet oder sie einfach gezielt und faktisch nützt oder eben dort wo es unnötig ist ignoriert bleibt aber offen — ich entscheide mich für zweiteres.
    Postfeminismus ist die Radikalität unsinnigen Assoziationen entgegenzutreten, diese Überzogenheit halte ich nichtmehr für zeitgemäß: der aufgeklärte Mensch sollte wissen, dass dunkle Hautfarbe & gekräuseltes Haar kein Intelligenzkriterium sind. Dass diese „features“ möglicherweise Rückschluss auf genetische Herkunft zulassen stimmt allerdings doch (was man dieser Aussage abgewinnen kann ist halt fraglich, vermutlich: nichts).

    Ist Postfeminismus nicht sogar gezielt überzogen um im Endeffekt auf der Linie zu landen, Fakten nicht altmodisch ungestützt zu assozieren?

  19. 28. Juli 2009 1:10 pm

    Für den intelligenten Menschen ist Hautfarbe überhaupt kein Kriterium, weder für Intelligenz noch Dummheit.

    Und, bitte, Postfeminismus leugnet Differenz nicht, ganz im Gegenteil.

    Den letzten Satz verstehe ich nicht.

  20. 28. Juli 2009 1:11 pm

    Bitte, wo find ich jetzt die Liste mit allen politisch korrekten Vokabeln?

  21. aschima permalink
    28. Juli 2009 1:24 pm

    @linzerschnitte: tja, das ist wohl für viele das unangenehme an der sache, denn diese liste gibt es nicht! wir können unsere Sprache nur immer wieder von neuem hinterfragen, und uns immer wieder von neuem überlegen welche sprachlichen „mittel“ wir vielleicht nicht (mehr) unterstützen wollen. es kann nur darum gehen sich dessen bewusst zu sein und immer wieder zu reflektieren!

  22. 28. Juli 2009 1:28 pm

    @aschima schöne antwort, leider ein #praxisfail. So entstehen berührungsängste.

  23. 28. Juli 2009 1:31 pm

    @linzerschnitte häh? dass es keine liste gibt ist ein #praxisfail und das schafft berührungsängste? das lass ich jetzt mal als dadaistische intervention stehen;-)

  24. 28. Juli 2009 1:51 pm

    @digiom
    (12:08)
    Wenn man nicht mehr bestimmen will, was Rassismus ist und was nicht, kann man den Begriff gleich verabschieden. Begriffe sind Unterscheidungen und ob jemand andere aufgrund ethnischer Merkmale vernichten (ausgrenzen, unterdrücken) will oder nicht, mach einen entscheidenden Unterschied, den man auch irgendwie benennen können muss.

    (12:11)
    Klar kann man Kategorien wie Geschlecht, Ethnie etc. theoretisch auch als eine Wiederholungen von Handlungen beschreiben, oder als Prozess, oder als Erwartungsstrukturen etc. Und daraus dann ableiten, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt, sondern unendlich viele. Das ist nur weit entfernt von der Art wie Menschen ihre natürliche und soziale Umwelt wahrnehmen. Kategoriales Denken, Gruppenidentifikation und die Unterscheidung von „wir“ und „anderen“ sind Universalismen, die kulturunabhängig funktionieren.

    Das spricht nicht gegen die Theorie. Ein Problem wird es allerdings, wenn diese Handlungsorientierung stiften soll. Oder frei nach Marx: Wenn hinter der ganzen Dekonstruktion doch der Anspruch steht, die Welt nicht nur anders zu beschreiben, sondern sie zu verbessern. Dann kommt es darauf an, auch ohne theoretischen Exkurs erklären zu können, warum wir den Negerkuss heute Schokokuss nennen (sollten).

  25. aschima permalink
    28. Juli 2009 1:55 pm

    @linzerschnitte: meinst du, dass das in der praxis nicht funktioniert? ich hab das gefühl es funktioniert bestens! man muss nur bereit sein auch mal unwissen- oder unüberlegtheiten – oder sogar den eigenen „rassismus“ – einzugestehen!
    ich hab als jugendliche noch „bis zur vergasung“ gesagt, später noch „durch den Rost fallen“, und es war auch kein schöner moment wie ich im Gespräch mit einer freundin (sie sitzt im Rollstuhl), weil sie was „oages“ erzählt hat „´bist du gelähmt!“ ausgerufen habe…! (sie fands lustig, ich weniger)
    wo ortest du berührungsängste?

  26. One Brick permalink
    28. Juli 2009 2:00 pm

    „Die Frage ist jeweils, ob es notwendig ist die Hautfarbe zu thematisieren.“

    Ich denke, da verlangst Du das Unmögliche. So funktioniert nun einmal unser Hirn, den ganzen lieben langen Tag tut es nichts anderes als Eindrücke zu kategorisieren und in Schubladen zu ordnen.

    Merkmale wie Spezies, Hautfarbe, Geschlecht sind leicht zu erfassen und daher erste Wahl für Einteilungskriterien.

    Wenn Du vorschlägst Hautfarbe nicht zu thematisieren, verlangst Du etwas, für das unser Kopf nicht gemacht ist.

    Konsequenter Weise müssen wir den Zwang zur Ordnung nach Hautfarbe akzeptieren und uns in Bereichen Gedanken machen wo wir Entscheidungsfreiheit haben wie z.B. dem Umgang mit der Information.

    „Schwarz ist ohnehin nicht positiv konnotiert?“

    Tod&Trauer, schwarzfahren, schwarzarbeiten, schwarzsehen

  27. 28. Juli 2009 2:04 pm

    @Rolf

    ad (12:08) Genau! Begriffe sind Unterscheidungen, ich setze meine Rassismusdefinition schon bei der Unterscheidung an, nicht erst bei dem Wunsch oder der Absicht zu eliminieren oder zu unterdrücken (schon früher mal hier geschrieben: vgl. die Bedeutung des englischen ‚to discriminate‘ – einen Unterschied ausmachen).

    ad (12:11) Ja, auch da bin ich völlig d’accord. Wenn man sich mit diesen Phänomenen auseinandersetzt, befindet man sich in einem dauernden Bezugsebenenwechsel: Man möchte diese Kategorien weder essentialisieren, schon gar nicht als ’naturgegeben‘ und damit unhintergehbar betrachten; gleichzeitig ist das Kategoriale einer der Grundzüge unseres Wahrnehmens, Denkens, der Prozesse des ‚Making sense of‘. Was bleibt ist das andauernde Verhandeln des Verhältnisses dieser beiden Ebenen.

    >Dann kommt es darauf an, auch ohne theoretischen
    >Exkurs erklären zu können, warum wir den Negerkuss heute
    >Schokokuss nennen (sollten).

    Da bin ich gespannt, wie das gehen soll, jedenfalls in einer hitzig geführten Debatte wie dieser gerade in ÖSterreich geführten (und ohne dass es dogmatisch werden soll).

  28. Phuxxx permalink
    28. Juli 2009 2:11 pm

    > ich setze meine Rassismusdefinition schon bei der
    > Unterscheidung an, nicht erst bei dem Wunsch oder der
    > Absicht zu eliminieren

    Mit anderen Worten: Jeder aus- bzw. angesprochene Unterschied ist Rassismus? Geht das nicht doch ein bisschen zu weit? Das würde ja implizieren, dass es keinen Unterschied gibt, der einen Unterschied macht. Und das hindert uns oft auch genauer hinzusehen:

    arm – reich
    unterdrückt – frei
    Frau – Mann
    weiß – farbig

  29. 28. Juli 2009 2:26 pm

    @Phux – nein, andersrum: Eine ethniebezogene Unterscheidung trägt in sich den Keim des Rassismus. Aber, bitte: Das heißt damit noch lang nicht, dass alle Unterscheidungen auf der gleichen Stufe stehen. Zumindest kann man aber so erkennen, wo die Verwandtschaft im Geist liegt zwischen jenem wohlhabenden Tourist, der von der ‚Anspruchslosigkeit der Afrikaner‘ schwärmt und der Freude, die ein geschenkter Kugelschreiber in Sambia auslösen könne und dem weißen Rassisten, der glaubt, Schwarze seien unfähig, sich und ihr Land selbst zu versorgen. Es geht darum zu sehen, welche Unterscheidungen getroffen werden und wie sie naturalisiert werden.

  30. 28. Juli 2009 2:37 pm

    @onebrick ich glaube die antwort an rolf war dann auch schon eine an dich.

    Und, ähm – dir ist eh klar, dass selbst in der Hitze des Äquators die Menschen nicht ’schwarz‘ sind (im Sinne der Symbole, die du anführst, schwarz als Trauerfarbe, etc – übrigens nicht im asiatischen Raum), sondern dass das eine Konstruktion ist, die wir so gut naturalisiert haben, dass es uns gar nicht mehr auffällt?

  31. 28. Juli 2009 4:05 pm

    @digiom ein #praxisfail ist es für mich, wenn ich nicht sagen kann: das ist meine freundin xy, die da drüben steht, ja genau, die, die dunkelhäutige/schwarze/die mit dem dunklen teint und den gelockten haaren. Sondern vorher in mich gehen und meine Sprache reflektieren muss, und am besten auch noch meine Familiengeschichte, weil ich ja von der rassistisch-kolonialistischen Erbsünde belastet bin.

    Achja, und ich weigere mich nämlich auch, meine Freundin XY als Afroamerikanerin oder ähnliches zu bezeichnen, weil sie nämlich Salzburgerin ist. Und lustigerweise sagen dann gerade die Oberprediger der Political Correctness „Menschen mit ANDEREN hautfarben“ ….#Praxisfail. Und für mich unnötig, darüber zu diskutieren.Ich hätte gern von jeder Gruppierung, die sich diskriminiert fühlt oder sonst irgendwie das Gefühl hat, durch eine unerwünschte Fremdbezeichnung gestraft zu werden, eine Eigenbezeichnung dieser Gruppe, die ich verwenden kann, ohne mich jemals wieder mit diesen Wortklauberein rumschlagen zu müssen.

  32. 28. Juli 2009 4:57 pm

    @linzerschnitte kann nicht ganz folgen – wo/was in diesem blogpost oder diesem thread führt dich zur vermutung, hier würde die einführung von tabuwörtern gefordert? auch das, was @aschima vorgeschlagen hat war genau das gegenteil einer dogmatisierung.

  33. 28. Juli 2009 4:58 pm

    @digiom

    Ok, die Unterscheidung selbst trägt schon den Keim des Rassismus in sich – also verwenden wir sie nicht. Hmh- das kann man fordern, aber aus schon beschrieben Gründen ist das praktisch einfach nicht möglich bzw. realistisch. Wird sich nie durchsetzen. „Das andauernde Verhandeln des Verhältnisses dieser beiden Ebenen“ ist höchstens was für wenige Studenten, Doktoranden etc.

    Wer daran trotzdem festhält wird schnell als besserwissender Oberlehrer wahrgenommen, der implizit auch moralische Überlegenheit beansprucht.

    Abgesehen davon stört mich auch der paternalistische Aspekt. Nimmt man nicht denen, zu deren „Schutz“ der ganze Aufwand betrieben wird, die Möglichkeit, selbst zu definieren, zu welcher Gruppe oder Ethnie sie gehören wollen? Man denke nur an die offensive Selbststigmatisierung afroamerikanischer Raper oder von Behinderten („Nigger“, „Krüppel“), die wohl kaum begeistert wären, wenn man Ihnen erklärt, dass bspw. Hautfarbe ein Unterschied ist, den man nicht benennen sollte.

    Schließlich: Die besagten Begriffe sind eine soziale Konstruktion und leiten sich nicht direkt aus der Sache selbst her, der Meinung bin ich auch. Aber: “If men define situations as real, they are real in their consequences” (Thomas). Und genau deshalb macht es imho keinen Sinn, die Unterscheidungen, die für 99% der Menschen eine reale Situation beschreiben, abschaffen zu wollen. Darauf zu bestehen, keine Semantiken zu verwenden, die schon einmal zu Unterdrückung anderer Menschen instrumentalisert worden sind, dagegen schon.

  34. 28. Juli 2009 5:30 pm

    @rolf ad „Ok, die Unterscheidung selbst trägt schon den Keim des Rassismus in sich – also verwenden wir sie nicht.“

    die schlussfolgerung „also verwenden wir sie nicht“ stammt jetzt aber nicht von mir, sondern wurde hineingelesen;-)

    der bedächtige umgang mit sprache, der uns als political correctness bekannt ist, und die wiederaneignung diskriminierender begriffe durch die gruppen, die dadurch diskriminiert wurden (was du als selbststigamatisierung beschreibst, was zugleich nicht von dem damit verbundenen aspekt des empowerment abzutrennen ist) sind zwei verschiedene strategien, die in unterschiedlichen kontexten sinnvoll oder ggfls. auch nicht sinnvoll sind.

    es wäre aber sicher völlig sinnlos, den jeweiligen verwendungskontext zu ignorieren und zu behaupten, es gäbe wörter, die nie wieder von irgend jemandem gesagt werden dürfen.

    das habe ich auch nicht getan und tu ich nicht.

    ich sehe lediglich nicht den wert einer rassismusdefinition, die konkret nachweisbare unterdrückungspraktiken oder -absichten voraussetzt (die man dann erst einmal identifizieren bzw. deren nachweis man sogar erstreiten muss, im falle einer gerichtlichen auseinandersetzung), denn – *rewind* – da landet man schnell wieder in einer situation, in der v.a. zählen soll ‚wie’s gemeint war‘.

    im diskurs, in den das ganze eingebettet ist, sind die übergänge von exotismus bis zu expliziter xenophobie fließend – da gibt es keinen paradigmatischen sprung zwischen rassismen (bzw. eher rassisismen) und manifester, ethnisch motivierter unterdrückungsabsicht.

    insofern geht es mir um einen bewussten umgang und erkundung der frage, wo im spektrum man sich befindet – nicht aber um die leugnung oder das unmöglich machen des benennens von differenz.

    ist mir natürlich klar, dass das nicht jedermanns oder -fraus sache ist – ich falle ja auch in die von dir benannte gruppe ’studenten, doktoranden, etc‘.

    umgekehrt muss dennoch nicht jedeR, nachdem er diese gruppe verlässt und ins berufsleben (z.B. in der werbeindustrie) eintritt, all die theoretischen erwägungen vergessen, die man sich während des studiums mal gemacht hat.

    selbst wenn man zynisch davon ausginge, dass der kunde einem da eh inhaltlich nicht folgen könne.

  35. 28. Juli 2009 8:32 pm

    Das Frauenprofil am Aida-Plakat könnte problemlos als Profil des Supermodels Alek Wek durchgehen. Wek ist eine Dinka, die sich als Nachfolger des alten nubischen Königreichs verstehen. Verdis Königstochter aus Äthiopien war Nubierin.

    Von „Kolonialästhetik“ kann ich nichts erkennen. Umgekehrt stößt mir regelmäßig sauer auf, wenn sich dann Hollywood, Vogue und Co in Afrika massiv europäische Schönheitsideale durchsetzen: Frauen lassen sich häufig bleichen, die Nase schmalschnippseln oder zumindest die Haare glätten. Da finde ich eine stolze Betonung afrikanischer Gesichtsmerkmale viel besser.

    Ergo: Ich finde, du übertreibst.

  36. aschima permalink
    28. Juli 2009 8:58 pm

    @ rolf
    „„Das andauernde Verhandeln des Verhältnisses dieser beiden Ebenen“ ist höchstens was für wenige Studenten, Doktoranden etc.“

    Also seids ma nicht bös, aber ich seh echt das Problem nicht ganz was daran so schwer sein soll. Natürlich wenn wirs in der Metaebene diskutieren klingt das furchtbar, ich mag auch nicht andauernd bevor ich was sag irgendwas mit mir aushandeln, reflektieren, abwägen, noch dazu „Ebenen“ von denen ich garnichtmehr weiß welche das waren. Nur, darum gehts doch garnicht!
    Ich glaub echt dass das relativ wenig mit Bildung oder Zeit zu tun hat sondern mehr mit ein bissl Gspür und dann v.a. einfach Offenheit und Sensibilität gegenüber anderen, gegenüber Kritik. Natürlich, wenn man dafür nicht offen ist oder sich gleich angegriffen fühlt wird man auch nichts an seiner Sprache oder Verhalten verändern wollen, aber das „stimmt eh, ist aber viel zu kompliziert“ -Argument kann ich nicht ganz nachvollziehen.

    „Wer daran trotzdem festhält wird schnell als besserwissender Oberlehrer wahrgenommen, der implizit auch moralische Überlegenheit beansprucht.“

    Das ist zum einen eine Frage des „wie mans macht“, das wird an der Supermarktkasse anders ausfallen als im Freundeskreis oder seinem Chef gegenüber, und andererseits find ich die Angst davor (auch wenn ich sie nur allzugut nachvollziehen kann) auch kein wirklich gutes Gegenargument.
    Und wenn man sich nicht „traut“ andere aufmerksam zu machen, ist ja auch situationsbezogen unterschiedlich, dann beschränkt man sich halt drauf selber ab und zu mal über ein Wort nachzudenken oder irgendwas nicht mehr zu verwenden. Ist auch schon viel.

  37. 28. Juli 2009 9:03 pm

    Hm.. der Kommentar von Helge hat schon etwas. Wenn es hier um das eurozentristische nicht Anerkennen von afrikanischen Schönheitsidealen geht.
    Ich finde die Ketten in dem Bild aber viel gravierender. Gehören die auch zum nubischen Schöhnheitsideal?

  38. 28. Juli 2009 9:09 pm

    @loth – nein, die ketten gehören zum inhalt von verdis oper „aida“.

  39. 28. Juli 2009 9:18 pm

    T-t-t-t-themawechsel!

    Katzen- oder Hundebabys: Was ist niedlicher?

    Ich persönlich bin ja für die Kätzchen, ich will da jetzt aber keinen Hundefreunden zu nahe treten (und bitte die Bezeichnung „Hundefreunde“ zu entschuldigen; ich meinte damit keineswegs, dass _ihr_ die Hunde seid; wobei, wär das denn wirklich eine Beleidigung, wo ihr Hunde doch mögt?).

  40. 28. Juli 2009 9:32 pm

    @Helge

    Das ist, wie schon oben geschrieben, eben genau die Form der Diskussion, in die es sich nicht lohnt hineingezogen zu werden. Willst du wirklich wieder Köpfe vermessen um anhand dessen zu bewerten, ob ein Abbild realistisch ist oder nicht? Könnte es möglicherweise auch sein, dass der internationale Modelzirkus (der ja, wie wir wissen, die Körper formt, die er zulässt) afrikanische Models v.a. dann toleriert bzw. sogar aufbaut, wenn sie den bereits existierenden Vorstellungen der grazilen afrikanischen Schönheit (wie es sich im Aida-Motiv ebenfalls ausdrückt) besonders entsprechen?

    Es lohnt sich wirklich nicht so zu tun, als sei das Erscheinungsbild eines Models ein Zufall, und daher quasi ein ’natürlicher‘ Beleg.

    Zu deiner Feststellung, dass sich „massiv europäische Schönheitsideale durchsetzen“ in Afrika und zu deinem Wunsch nach einer „stolze[n| Betonung afrikanischer Gesichtsmerkmale“:

    Zum einen sind die europäischen Schönheitsideale ja auch keine, die europäische Gesichtsmerkmale betonen, sondern im Gegenteil solche, die die Eliminierung ethnischer Eindeutigkeit (symmetrische Gesichter, kleines Näschen) anstreben, gemischt mit heteronormativen Körperidealen (große Brüste, knackiger Popo, Silikonlippen).

    Zum anderen erscheint der Wunsch, die AfrikanerInnen mögen doch nicht bei diesem Eliminierungsspiel mitmachen, sondern stolz ihre ethnischen Merkmale vorzeigen, demgegenüber als eurozentrische Projektion, als Exotismus und Versuch der Essentialisierung:

    Das Andere soll bitte immer als Anderes erkennbar bleiben, die AfrikanerInnen bitte immer ganz afrikanisch bleiben.

    Hybrid Identities, anyone?

    @aschima Aus gutem Grund hab ich auf den Oberlehrereinwand auch gar nicht reagiert;-)

    Ist das hier ein Blog (und obendrein MEIN Blog) oder ist das ein Public Service Announcement, das möglichst große Verständlichkeit anstrebt?

  41. 28. Juli 2009 9:34 pm

    @Patrick: Katzen natürlich!

  42. fatmike182 permalink
    28. Juli 2009 9:56 pm

    da es vorhin vorgekommen ist:
    bis zur Vergasung hat keinerlei Bezug zur NS-Zeit und hat im Sprachgebrauch schon vor 1900 existiert; würde mMn auch als NS-Wortlaut nicht schlüssig/nachvollziehbar klingen.

    ad digiom (1:10)
    Als Different war eine kollektive Dissferenz zu einem anderen phänotypischen Kollektiv gemeint. Nein kein Rassismus sondern offensichtliche Merkmale. So wie du grad vorhin zwischen Hund & Katze unterscheiden konntest und auch zwischen Affen & Mensch unterscheidest trotz substanzieller Ähnlichkeit.
    Im Endeffekt ist jeder ohnehin ein Individuum, manchmal bedarf es aber dennoch Unterscheidungen (in Gruppen).

    zB Sport (weil mir nichts besseres einfällt).
    Ah doch: Arbeitsplatz (in der Arbeit mit teratogenen Chemikalien wird kaum wer nach einer Quote schreien)
    Medikamente: nicht jede Ethnie spricht gleich auf verschiedene Medikamente an (oft nicht vom Lebensumstand/Ernährung sondern genetisch bedingt; da auch Schnelltests zu teuer wären kann man da gleich pauschalisieren; dummes Bsp Alkoholabbau: Ostasiaten haben statistisch gesehen weniger AlkDehydrogenase)

  43. 29. Juli 2009 1:27 am

    @digiom: „Zum einen sind die europäischen Schönheitsideale ja auch keine, die europäische Gesichtsmerkmale betonen, sondern im Gegenteil solche, die die Eliminierung ethnischer Eindeutigkeit (symmetrische Gesichter, kleines Näschen) anstreben, gemischt mit heteronormativen Körperidealen (große Brüste, knackiger Popo, Silikonlippen).“

    Da würde es mich jetzt aber interessieren, welches „europäische“, also in Europa weit verbreitete, Merkmal deiner Meinung nach diesem vereinheitlichten Schönheitsideal widerspräche.

    Für mich sieht es leider so aus, als ob dieses Schönheitsideal an sich dem Alltagsrassismus Vorschub leistet, besonders im Hinblick auf Jobs in Dienstleistungsunternehmen. Gerade so ein Schönheitsideal gerät doch denen, die ihm (z.B. aufgrund der Hautfarbe) nicht entsprechen, zum Nachteil!

    Was man dagegen tun kann? Eine gewisse Pluralität forcieren. Zum Beispiel spielen in einigen amerikanischen TV-Serien Menschen verschiedener Hautfarben die Haupt- bzw. wichtigeren Nebenrollen. Ich kann mich nicht erinnern, eine einzige österreichische oder deutsche Serie gesehen zu haben, bei der das der Fall ist.

    Dass man mit diesem Argument nicht begründen kann, dass die Bregenzer Festspiele das Profil einer afrikanischen Frau verwenden, ist andererseits auch klar. Die Orientierung an einem künstlichen, europäisch dominierten Schönheitsideal löst dieses Problem auch nicht.

  44. Max permalink
    29. Juli 2009 1:42 am

    @digiom: zu Deinem Satz „Ist das hier ein Blog (und obendrein MEIN Blog) oder ist das ein Public Service Announcement, das möglichst große Verständlichkeit anstrebt?“ sage ich nur: sicher nicht Letzteres.
    Ich halte mich nicht für extrem unterdurchschnittlich gebildet, aber was ich nach dem Durchlesen Deines Beitrags sowie (fast) aller Kommentare darauf feststellen musste, ist, dass mir ganz schwindlig ist von der „Fremdwort“dichte.
    Du und einige andere diskutieren da auf einem – für mich – extrem abgehobenen Niveau. Kein Problem, ist ja Dein Blog. Aber was da geschrieben wurde, ist für fast jeden, der – nach welchen und wessen Kriterien auch immer – als Rassist gelten möge, nahezu bis komplett unverständlich.

    Ich möchte gleich nochmal auf Deinen Eingangs von mir zitierten Satz „[…]ist das ein Public Service Announcement, das möglichst große Verständlichkeit anstrebt?“ zurückkommen. Nein, ist es nicht. Nur wer ist Deiner Meinung nach dafür zuständig, die angesprochene Thematik den „nicht in der Meta-Ebene zu Hause Seienden zu verklickern? Bitte versteh‘ das nicht als potentiellen Angriff sonder als – vielleicht naive – Frage.

    @linzerschnitte: irgendwie kann ich Dich schon verstehen. Geht mir manchmal auch so, dass ich nicht recht weiß, wie ich „richtig“ einen Menschen nenne, der, in welcher Generation auch immer, Gene der ehemals in Afrika beheimateten / aus Afrika stammenden Menschen, in sich trägt. „African American“ – wie sie unsere US Mitmenschen bezeichnen / bezeichnet haben wird’s ja wohl nicht sein. Noch dazu, wenn sie Salzburgerin ist🙂. Ich will das wirklich nicht ins lächerliche ziehen, weil die Situation eh schon so bedenklich gespannt scheint. Nur wär’s echt hilfreich, das dem „gemeinen Volk“ (ist das Diskriminierung) einfach verständlich näherzubringen.

    Ich lebe nach dem Motto: ich versuche, jedem Menschen neutral zu begegnen, den ich zum ersten Mal sehe (auch und speziell dann, wenn ich von Anderen „nur Gutes“ oder „nur Schlechtes“ über ihn oder sie gehört habe) und mache mir dann ein Bild. Wenn sich er oder sie dann als (um ein stark abgeschwächtes Wort zu verwenden) „Armleuchter“ herausstellt, gibt’s erstmal eine 2. Chance. Wenn’s dann für mich nicht passt, lasse ich’s bleiben. Wenn’s gut läuft, bin ich froh und freue mich über einen neuen Menschen, den ich kennenlernen durfte.
    Und bei alledem ist es mir völlig egal, welcher Rasse, Religion, , etc. er oder sie angehört.

  45. 29. Juli 2009 3:46 am

    Interessante Debatte – wie ich finde. Leider wird hier (mitAbsicht?) gerne Missverstanden und gleich mit großen Keulen geschwungen (darf man das sagen?).
    Offenbar gilt: Was Rassistisch ist und was nicht, darf nicht mehr bestimmt sein. Es soll offenbar keine Definition geben. Und Absicht spielt auch keine Rolle mehr. Macht das Sinn frag ich mich? Praktisch ist es sicherlich nicht.
    Unter meinen Freunden (mit Migrationshintergrund) stelle ich immer wieder fest, spielen solche Fragen sowieso kaum eine Rolle. Dort stört nicht der Mohr im Hemd sondern der Türsteher, der erst gar nicht ins Lokal lässt usw.
    Was die Debatte über Unterscheidung betrifft find ich das ebenso praxisuntauglich. Menschen grenzen sich nun mal auch über Äußerlichkeiten ab. Das muss aber sicher nicht immer Rassismus sein, wie hier z.T. unterstellt.

  46. 29. Juli 2009 7:53 am

    @fatmike182 da du von phänotyp sprichst: für dich macht die biologie also den menschen, und das aussehen ist anlass für die unterscheidung von untergruppen. das haben die nazis gemacht, das passierte während der apartheid in südafrika. bei ersterem brauchte man einen ariernachweis um überleben zu dürfen. bei letztem konnte man anträge stellen zur neueinstufung. entschieden wurde anhand von tests wie ‚bleibt der wassertropfen oben auf der haarkrause liegen oder sinkt er ein?‘. sag mir also wo du den wert einer unterscheidung nach biologie siehst? und wenn biologie den mensch macht: warum soll dann hautfarbe entscheidend sein, nicht aber sowas wie schuhgröße? zunge rollen können? wie wäre es mit einer neueinteilung der menschheit nach schuhgröße oder zunge rollen können? ? (-> das ist natürlich nur eine alberne rhetorische frage um zu zeigen: das einbringen des phänotyps mag auf den ersten blick irre ojektiv erscheinen, ist es aber auf den zweiten blick überhaupt nicht; das konstituiert gar nichts) worum es geht ist die grundnotwendge menschliche erkenntnis: nur weil menschen anders aussehen sind, sie nicht anders, es sei denn menschen MACHEN sie anders, durch unterscheidung.

    @daniel das mit den europäischen schönheitsidealen hat helge eingebracht, ich hab mich ohne bei ihm nachzufragen orientiert an dem, was die schönheitschirurie mit menschen macht: schlanker, gerade nase, kleine nase, straffer busen/brustmuskel, etc. was die bregenzer festspiele angeht: die figur aida ist afrikanerin – erfreulich dass es überhaupt opern gibt, die afrikanische rollen haben! mein argument war eher, dass es enttäuschend ist, wenn man dann so eine scherenschnittästhetik verwendet – UND die gegenüberstellung mit dem mohrenbräulogo war mir wichtig.

    @max: es ist in der tat nicht wichtig für mich, die sprache der rassisten zu sprechen, auch nicht für den unwahrscheinlichen fall, dass diese hier mal vorbeikommen;-) ich verstehe auch nur wenig, wenn informatiker diskutieren – differenzen wie die hier diskutierten sind gegenstand der kulturwissenschaften, d.h. mein metier. es gibt jede menge insitutionen, die solches wissen vermitteln, zara zum beispiel http://www.zara.or.at/ zum einstieg könnte man gut ‚orientalismus‘ von edward said lesen.

    @saibiot: irgendwo weiter oben habe ich mein verständnis von rassismus definiert.

  47. 29. Juli 2009 8:55 am

    @digiom: ja, helge hat die schönheitsideale eingebracht. er schrieb aber von europäischen schönheitsidealen, während du da ein schönheitsideal als international propagierst, das nur von weißen annähernd erreicht werden kann.
    das argument mit der scherenschnittästhetik kann ich nicht nachvollziehen: wenn die festspiele stattdessen ein foto von einer afrikanerin mit kette um den hals verwendet hätten, hättest du dich nicht aufgeregt?

    der unterschied zum mohrenbräulogo ist meiner meinung nach, dass es in der oper eben tatsächlich um afrikaner/innen geht. beim mohrenbräu ist ja höchstens das bier dunkel. es kommt eben auf den kontext an: wenn eine werbung für waschmittel genauso viel haut zeigen würde wie palmers-werbung, würde der waschmittelhersteller wohl sofort eine zitrone bekommen.

  48. aschima permalink
    29. Juli 2009 10:56 am

    @fatmike182
    danke dass du mich aufmerksam gemacht hast, dass der begriff „bis zur vergasung“ ursprünglich aus der physik kommt.
    vielleicht nur ein detail am rande, aber es hat mich jetzt an einiges erinnert was digiom in ihrem blogpost geschrieben hat, und deshalb kurz:
    du schreibst bytheway, der begriff hätte „keinerlei Bezug zur NS-Zeit“. korrigier mich wenns falsch ist, aber ich hör da irgendwie auch raus, dass man diesen ursprünglich unschuldigen begriff also theoretisch schon verwenden könnte weil man ja einem fehler unterliegt zu glauben da gäbe es einen zusammenhang.

    ich sehe das nicht so. auch die bedeutung von begriffen verändert sich. ich hab jetzt gelesen dass der begriff schon im ersten weltkrieg im zusammenhang mit giftgasangriffen im schützengraben und dann auch von hitler selbst (natürlich „lange vor den gaskammern“) verwendet wurde. was davon stimmt weiß ich nicht. was ich aber weiß ist, dass der begriff heute sehr wohl in zusammenhang mit gaskammern gebracht wird, und – wie soll ich sagen – mir fällt kein stein aus der krone ihn allein deshalb nicht zu verwenden. um nicht mit sprache dinge sagbar zu machen die lange nicht mehr sagbar sein sollten! danach zu suchen, dass doch eigentlich und urspünglich das wort daher kommt…. und demnach ganz harmlos ist, finde ich ebenfalls eine andere form von „legitimierungskonstruktion“ (ich kannte das wort vorher nicht). digiom jetzt korrigier du mich wenn du das anders siehst.
    ich weiß, fatmike182 ich hab dir jetzt ein bisschen was in den mund gelegt, aber würd mich freuen wenn du kurz nachdenkst was du sonst mit der aussage gemeint hast.

  49. 29. Juli 2009 11:20 am

    @digiom
    Ja, es ist Dein Blog und du kannst hier schreiben, was du willst. Und: nein, kulturwissenschaftliche Diskurse müssen nicht gleichzeitig für alle verständlich sein; Wissenschaften haben ihr gutes Recht auf eigene Begriffe.

    An den in Deinem Text erhobenen Ansprüchen solltest Du Dich allerdings schon messen lassen. Ich verstehe den Text nicht (nur) als kulturwissenschaftliches Essay, sondern (auch) als Plädoyer für einen anderen Umgang mit Sprache im allgemeinen, und speziell ein Statement an die Werber, bestimmte Bilder und Worte eher nicht zu benutzen.

    Wenn das stimmt, ist die hier von einigen Kommentatoren eingeforderte Verständlichkeit nicht abwegig. Wäre auch nicht vergeht, wenn die Gründe, die Du anführst, klar ausgewiesen werden könnten. Das ist aber oft das Problem in Diskussionen mit Post-xx –isten. Da wird gerne ein Hase-und-Igel Spiel draus, der Diskurs, das Argument ist immer schon an einem anderen Ort.

    So schreibst du: „Begriffe sind Unterscheidungen, ich setze meine Rassismusdefinition schon bei der Unterscheidung an, nicht erst bei dem Wunsch oder der Absicht zu eliminieren oder zu unterdrücken“

    Die für mich logische Konsequenz aus dieser Argumentation wäre, bestimmte Unterscheidungen nicht zu verwenden. Das allerdings hättest du nicht gesagt, es sei von mir reingelesen worden. Aber worauf sonst läuft denn das Argument hinaus? (Einen Wackelpudding an die Wand zu nageln, scheint mir einfacher, als Deine Argumentation auf den Punkt zu bringen.)

    Was bleibt, ist der Eindruck einer diffizilen Unterscheidungsakrobatik, deren Fluchtpunkt im dunkeln bleibt. Während du einen „ständigen Bezugsebenenwechsel“ und „andauernde(s) Verhandeln des Verhältnisses“ der Ebenen empfiehlst, möchtest du lieber nicht diskutieren, wo Rassismus anfängt. Der damit verbundenen Unschärfen/ Uneindeutigkeiten halber.

    Wohin das führt, sieht man dann spätestens, wenn Rassismus personalisiert wird. Jetzt geht es um Moral und die rechnet bekanntlich auf Personen zu. Wer oder was sind noch jene Rassisten, die hier eh nicht vorbeikommen? Die Mohr-Werber oder Scherenschnittästheten? Oder doch jene, die irgendwie ein Vernichtungsprogramm im Gepäck haben? Die Wahl Deiner Unterscheidungen verstellt, so erscheint es mir zumindest, den Blick auf diesen wichtigen Unterschied.

  50. One Brick permalink
    29. Juli 2009 12:02 pm

    „nur weil menschen anders aussehen sind, sie nicht anders, es sei denn menschen MACHEN sie anders, durch unterscheidung.“

    Interessant, dass Du diesen konstruktivistischen (?) Ansatz derart ernst nimmst. Allein der absolutistische Anspruch und die Tatsache, dass diese Theorie nicht durch Weiterentwicklung von Bestehendem entstand sondern als radikale Gegenposition konstruiert wurde, macht sie ja schon hochverdächtig für weitüberdaszielhinausgeschossen.

    Kann man den konstruktivistischen Ansatz nicht als einen von vielen Beiträgen verstehen, die unsere Realität erklärt?

  51. fatmike182 permalink
    29. Juli 2009 12:50 pm

    ad digiom (7:53)
    Man ordnet ja Leute auch dort wo es zweckdienlich ist nach der Schuhgröße — Schuhgeschäft ect.
    Die Nazis & co haben das nicht zweckdienlich sondern nach willkürlichen Phänotypen gemacht. Daher bin ich auch dafür biologische Zusammenhänge von Phänotypen nicht zu leugnen sondern darüber aufzuklären was wann Sinn macht — Schädelgröße um Intelligenz zu messen macht es nicht, tausende andere biologische Faktoren tun es. Man muss nicht zwanghaft eine solche Unterscheiungsbasis als negativ bewerten, sondern kann das genauso auf Krankheitstypen ummünzen.
    Die Assotiazionen müssen kausal begründet sein und keinesfalls hirnrissigen Dogmen unterliegen.
    Angenommen Zungerollenkönnen korreliert extrem mit Feinmotorik & Konzentration (angenommen das wurde in einer Population von 10.000 Leuten erfolgreich getestet), 2 Qualifikanten bringen ansonsten die gleichen Voraussetzungen mit. Die Lage ist kritisch, ein Meteor rast auf die Erde zu und es bleibt keine Zeit alles vernünftig durchzuexerzieren, allerdings hat jender Schütze, der aus dem All auf den Meteor feuert nur genau einen Versuch: wen würdest du bei der Faktlage, dass einer das vielversprechende Feature hat, zu der Mission schicken.
    (ich weiß — die Beispieler werden ab jetzt nur noch dümmer; aber daran sieht man auch wie selten Unterscheidungen zw Gruppen notwendig sind. Dennoch sind sies)

    ad aschima
    http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4409&Alias=wzo&cob=401941
    Ein Kurzartikel zur Phrase „bis zur Vergasung“ (falls du den nciht eh schon gelesen hast)
    Im Zusammenhang mit den Grabenkämpfen ergibt es tatsächlich auch einen Sinn (im Bezug zur NS Zeit mMn wie gesagt nicht — würde dennoch in der Umgebung Betroffener diese Phrase aussprechen. Das hat abermals damit zu tun wie wer was assoziert & Pietät) – wieviele Leute wissen, dass die Phrase von a) dem physikalischen Experimenten oder b) Grabenkämpfen kommt weiß ich nicht — vermute aber: wenige.
    Solang Leute den Bedeutungen ihrer Metaphern nicht bewusst sind, wüsste ich nicht, warum es falsch wäre diese zu verwenden.
    Kurz gesagt: ja ich glaub wir sind da jetzt nicht einer Meinung (oder?)
    (bei Begriffen wie „Schulmedizin“ oder so seh ich das anders, da dieser nachweislich Konjunktur zur NS-Zeit am Denunzierungsbarometer hatte)
    Aber warum soll man künstlich den Nazis was in den Mund legen (was kausal auch wenig Sinn ergibt & auch historisch keinen Bezug dazu hat) nur um einem Begriff ausweichen zu können?
    Inwiefern würde „bis zur Vergasung“ im Zusammenhang mit Gaskamemrn gebracht?

  52. 30. Juli 2009 9:37 am

    @Rolf
    ad „Während du einen „ständigen Bezugsebenenwechsel“ und „andauernde(s) Verhandeln des Verhältnisses“ der Ebenen empfiehlst, möchtest du lieber nicht diskutieren, wo Rassismus anfängt.“

    Ich habe sehr wohl genau gesagt, wo Rassismus bzw. präziser: die Konstruktion von Subjekten als ethnische Subjekte für mich anfängt, du bist lediglich nicht einverstanden mit meiner Definition und scheinst sie deswegen nicht als solche wahrnehmen zu wollen. Du hast meine Definition zwei Absätze drüber sogar zitiert:)

    Genauso wie man nicht nicht kommunizieren kann, kann man auch nicht keine Unterscheidungen treffen.

    Spätestens bei dem Beispiel, das @Linzerschnitte gebracht hat ist klar, dass es nicht möglich ist, sich eine Sprache vorzustellen, in der Unterschiede überhaupt nicht abgebildet werden – wobei ihr Beispiel („da drüben steht meine Freundin, es ist die Schwarze“) ein Beispiel von Deixis war, d.h. vom Konkretisieren durch Bezeichnen in einer konkreten Situation, d.h. das ist noch eine relative einfach zu beschreibende Situation.

    (-> „Deiktisch sind jene Ausdrücke, die auf die personellen, temporalen oder lokalen Charakteristika der Sprechsituation verweisen, z. B. ich – du, jetzt – dann, hier – da.“– Dürr/Schlobinski, Deskriptive Linguistik (2006), S. 294; http://de.wikipedia.org/wiki/Deixis).

    In den meisten Fällen ist es schwieriger, und zwar schwierig, weil in vielen Fällen bei der Verwendung von Sprache keine Bewusstsein vorliegt für die Grundannahmen, die zu Grunde liegen und die Konstruktionen, die damit geleistet werden.

    Wenn etwa Helge sagt, er wünscht sich, dass die AfrikanerInnen ihre ethnischen Merkmale stolz herzeigen, dann ist das quasi der ’schöne‘ und in der Regel unsichtbare Rassismus, der uns als Eurozentrismus begegnent: Hier werden Unterscheidungen getroffen, die das ethnische Subjekt als stolz, aber eben vor allem als ethnisch konstruieren. Hier wird nicht diskriminiert im Sinne von ‚erniedrigen‘, sondern diskriminert im Sinne von ‚eine konstituierende Unterscheidung getroffen‘ (siehe englische Definition am Boden dieses Kommentars).

    Dass das eine eurozentristische Konstruktion ist, wird klar, wenn man sich fragt, warum denn keiner fordert, dass die Europäer ihre ethnischen Merkmale stolz herzeigen sollen – weil die wenigstens überhaupt in der Lage sind, sich selbst als ethnisch, gar als ethnische Variante zu begreifen. Das Normale (bzw. die dominante hegemoniale Form, wenn man mir diesen Fachterminus zumindest in der Klammer erlauben mag) ist eben immer das Unsichtbare, das Naturalisierte.

    Wo habe ich deiner Ansicht nach ein moralisches Argument gemacht? Würde mir helfen, wenn du mich konkret zitieren würdest, denn ich vermute, es wird ebenfalls hineingelesen – ich schließe mich keineswegs aus von denen, die Unterscheidungen treffen, denn (siehe oben), man kann nicht keine Unterscheidungen treffen.

    Zu prüfen ist allerdings/lediglich, welche Unterscheidungen man trifft und ob diese notwendig sind bzw. was diese konkret konstituieren. Und, wie du schreibst, manche Unterscheidungen sind dann wohl eher nicht zu verwenden.

    discriminate
    One entry found.

    Main Entry:
    dis·crim·i·nate Listen to the pronunciation of discriminate
    Pronunciation:
    \dis-ˈkri-mə-ˌnāt\
    Function:
    verb
    Inflected Form(s):
    dis·crim·i·nat·ed; dis·crim·i·nat·ing
    Etymology:
    Latin discriminatus, past participle of discriminare, from discrimin-, discrimen distinction, from discernere to distinguish between — more at discern
    Date:
    1628

    transitive verb

    1 a: to mark or perceive the distinguishing or peculiar features of b: distinguish, differentiate

    2: to distinguish by discerning or exposing differences ; especially : to distinguish from another like object

    intransitive verb

    1 a: to make a distinction

    b: to use good judgment

    2: to make a difference in treatment or favor on a basis other than individual merit

  53. 30. Juli 2009 9:42 am

    @fatmike

    jetzt bin ich aber gespannt auf beispiele, in denen es ‚zweckdienlich ist nach hautfarbe zu unterscheiden‘. deixis, siehe mein letzter kommentar, ausgenommen.

  54. 30. Juli 2009 9:57 am

    @onebrick Ich vertrete, was mir sinnvoll erscheint – dass ich es vertrete, heißt nicht, dass es alle vertreten müssen. aber wenn du auf meinen blog kommst und mit mir diskutierst, musst du schon ertragen, dass ich meine position vertrete:)

  55. 30. Juli 2009 10:09 am

    @aschima sehe das wie du, so oder so, @fatmike, gibt es keine festschreibung eines begriffs auf eine einzelne bedeutung.

    es geht auch beileibe nicht darum, leuten, die die bedeutung nicht kennen, vorzuwerfen, sie seien im geheimen nazis. das wäre albern.

    wer die bedeutung kennt, der muss für sich entscheiden. und da fällt mir, wie aschima, kein stein aus der krone, wenn ich es nicht tue.

    wenn andere meinen, sie würden einen akt der rebellion gegen die als fremd auferlegt empfundenen regeln der political correctness konstituieren, wenn sie es doch immer wieder sagen (vgl. etwas den jüngsten comedy trend in UK: http://www.guardian.co.uk/stage/2009/jul/27/comedy-standup-new-offenders – danke @dnlplus für den hinweis), dann, naja, dann runzel ich nur müde mit der arschfalte.

    interessiert mich nicht, da mit zu machen. man kann sich auch lohnenswertere rebellionen vorstellen.

  56. fatmike182 permalink
    31. Juli 2009 12:29 pm

    @ digiom
    (10:09)
    ich vertsehe den 1. Satz nicht ganz…

    ad 9:42
    tja, wenns keinen zweckdienliche Notwendigkeit gibt, dann wird mans wohl auch nicht verwenden. In uk hängen aber zB Plakate herum auf denen Leute mit hohem BMI, sowie Schwarze darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie statistisch gesehen zur Diabetes Risikogruppe gehören (bin zu faul das genauer nachzulesen, vermute aber, dass das tatsächlich stoffwechselkorrelierend ist und keine Implikation auf schwarz = ärmer = schlechtere Ernährung darstellt).
    Rassismus? zu akzeptierender Fakt?
    (btw: betont muss werden, dass es „statistisch signifikant“ ist und nicht in der Bevölkerung dann als „jeder Schwarze“ o.ä. aufgefasst wird)
    In Ö würde wohl dann die Gefahr liegen, dass FPÖ&co gleich mit „die Schwarzen beuten unser Gesundheitssystem aus“ argumentieren — gegen diese Dummheit ist aber noch kein Kraut gewachsen.

    Vom Aida-Plakat auf etwas ähnliches:
    was ist dann mit dem Logo von Wiener Zucker?
    Nur sexistisch (oder nicht? Schließlich eine Frau in alter Klischeerolle) oder auch rassistisch?
    Was sind dann neutrale Gesichtszüge, die man auf einem Logo verwenden darf? Erachtet man herkunftsabhängig andere Kriterien als Neutralitätscharakter? Lippen, Haare, Nase,…
    Ist man mit der Suche nach einem Neutralbild nicht schon dort wo man etwas als „normal“ und anderes als fremd(=abartig — zumindest nach freien Interpretation mancher, mMn nicht) ansieht?

  57. casiomodo permalink
    31. Juli 2009 3:11 pm

    @digiom entschuldigung – ich gehör auch zu der gruppe doktoranden, studenten,… ; und meine metier sind nicht nur die kulturwissenschaften sondern zudem die kunst und die naturwissenschaften. was bin ich doch für ein studierter knochen. doch versuch‘ ich mich an der dekonstruktion deines textes, stellen sich mir fragen ohne ende – in welchem kontext ist dieser zu sehen? selbstgespräch? wo liegt die gratifikation deines medienhandelns für dich? Identitätsarbeit? bitte klär mich auf – denn meine dekonstruktion ergibt: deine argumentationslinie hat mit dekonstruktivismus nix zu tun bzw. fast diesen wenn überhaupt oppositionell auf – denn: „…stammt jetzt aber nicht von mir, sondern wurde hineingelesen;-)…“ – ist hineinlesen nicht fixer bestandteil der rezeption von schreibbaren texten? und was bringt eigentlich die diskriminier… ähhh differenzierung anhand von Bildungsniveaus? den zusammenhang von wissenmacht hast du doch studiert…also hast du jetzt macht oder wissen studiert…oder beides…oder gar nix…was du da dabei aber jedenfalls ausgelassen hast, war es, dich mit der proto-ethischen Inpflichtnahme durch „den Anderen“ auseinanderzusetzen. aber die lässt sich ja auch nicht in moralisch einschlägigen Begriffen theoretisieren.

  58. permalink
    27. August 2012 6:26 pm

    hallo, ich find deinen text gut und wichtig. trotzdem hab ich zwei kritiken: ich finde es nicht gut worte, die durch ihre rassistische, kolonialistische oder anderweitig negativ besetzte geschichte bekannt sind einfach wieder zu verwenden. in deinem text lese ich leider das M. wort und die bilder würde ich auch kleiner machen bzw. die menschen die das sehen wollen können es sich ja per link anklicken – ansonsten: triggerwahrnung an den anfang setzten, damit menschen die rassismuserfahrungen machen die wahl haben deinen text zu lesen oder nicht.
    lg

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