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Gute Idee durch stumpfen Sexismus ruiniert – herzlichen Un-Glückwunsch, Junge ÖVP Wien (Rant)

9. Juli 2009

EDIT (10.12.2010): Nein, das Ubahn-Fickvideo findet man hier nicht, aber Vienna Online hat es veröffentlicht: -> dort anschauen


Sollen die U-Bahnen am Wochenende nicht länger fahren, zumindest einmal die Stunde an Freitag und Samstag Nacht? Ja, das wäre eine super Idee! Allerdings darf man sich ernsthaft fragen, wieso man die wirklich an sämtlichen Bällermännern dieser Welt schon 100.000 Mal durchgenudelte Verkehr = Sex Analogie dafür erneut in Anschlag bringen muss… hier also die Bilder der Kampagne „24 Stunden Verkehr am Wochenende“ der Jungen ÖVP Wien. Verantwortlich ist Sebastian Kurz (sebastian punkt kurz (at) jvpwien.at).

24 Stunden Verkehr

24 Stunden verkehr Frau

(Wer’s übrigens nicht wusste: Sexistisch ist kein Synonym von frauenfeindlich – es heißt lediglich, dass geschlechtsspezifische Vorurteile zum Zentrum der Argumentation gemacht werden bzw. Personen auf ihr Geschlecht bzw. Annahmen über ihr Sexualverhalten reduziert werden.)

24 Stunden Verkehr Mann

Mein Kommentar dazu auf der entsprechenden Gruppe auf Facebook – rechne nicht damit, dass etwas an den Motiven geändert wird, denn ‚Sexism sells‘ und zieht Aufmerksamkeit auf sich. Und dafür riskiert man doch gerne, ein bisschen sexistisch zu sein – noch dazu, wo man im Zweifelsfall dann meint, man könne auch noch die Komikerkarte für sich beanspruchen. Versteht denn hier keiner einen Spaß mehr? Die Schlussfolgerung, dass Sexismen und Rassimen, weil politisch inkorrekt, deswegen auch schon witzig sein müssen, ist so banal wie falsch.

Das Anliegen ist ja unterstützenswert, aber würde es euch was ausmachen, das Motiv auszuwechseln gegen eins das NICHT auch parallel die visuelle Aussage „Popp mich 24 Stunden lang am Wochenende“ bzw. „Ich will 24h am Wochenende poppen“ suggeriert?

Und behauptet nicht, das wäre ja gar nicht mit beabsichtigt gewesen, denn die Dame muss keineswegs so leicht bekleidet sein, um eine Aussage über U-Bahnverkehr zu machen.

Es wird auch nicht besser dadurch, dass man ein männliches Motiv daneben stellt und würde auch nicht besser, wenn das männliche Motiv einen freien Oberkörper hätte. Sexismus wird nicht dadurch erträglicher, dass man ihn auf Männer ausdehnt.

Fad, fad, fad… Sexismus ist halt fad und nie wirklich witzig (die angesoffenen Schenkelklopfer am Eckbeisl sehen das sicher anders… tolles Milieu, in das ihr euch da begebt).

Fällt euch wirklich nichts Kreativeres ein?

Leute, in eurer Comedyshow, da schlafen mir die Füße ein!

P.S. Evtl. mal nachschlagen, was ein Rant ist…

EDIT: Argh! Die Junge ÖVP ist noch dümmer, als dieser Witz vermuten lässt! Siehe Bericht auf wien.orf.at

„Peppige Jugendkampagne“
Auf kein Verständnis stößt die Kritik bei der ÖVP Wien. „Die Kampagne zu ’24 Stunden U-Bahn-Verkehr in Wien‘ trifft genau ins Schwarze und entspricht den Bedürfnissen der Wiener Jugendlichen“, sagte Theresa Philippi, geschäftsführende Landesleiterin der Wiener ÖVP-Frauen.

Die Junge ÖVP Wien sei bekannt für peppige Jugendkampagnen. Von „sexistisch und geschmacklos“ könne hier keine Rede sein, da es das Sujet sowohl mit einer jungen Dame als auch mit einem jungen Herrn gebe.
Junge ÖVP zeigt sich verwundert
Auch der JVP-Obmann Sebastian Kurz versteht die Aufregung nicht: „Den Sexismusvorwurf kann ich persönlich nicht nachvollziehen.“ Man habe schließlich eine männliche und eine weibliche Pappfigur.

Dass der Mann ein Oberteil anhabe, sei auf das Fotoshooting zurückzuführen gewesen. Da man das muskulöse Modell in der Oben-Ohne-Variante mit Öl eingerieben habe, sei der Effekt auf dem Foto dann zu extrem gewesen. So habe man die T-Shirt-Variante genommen.

Auf die zukünftige Politik solcher Pappnasen, die ihre politische Verantwortlichkeit an technische Aspekte (‚da ist das Fotoshooting schuld‘) delegieren, kann man wirklich mit Schrecken gespannt sein.

35 Kommentare leave one →
  1. Michael permalink
    10. Juli 2009 1:02 am

    Mit dieser Argumentation könnte man auch sagen, Binnen-I, Mag.a und Dr.in wären sexistisch, denn dabei würden Personen auf ihr Geschlecht reduziert.

    Natürlich ist Kritik an diesen Flachwitzplakaten höchst angebracht, aber nicht weil sie sexistisch sind, sondern weil sie lächerlich sind.

  2. 10. Juli 2009 1:26 am

    Könnte man so sehen, wenn man aus dem Auge verlieren wollte, dass es im Verwendungskontext von weiblichen grammatikalischen Formen nicht um die Reduktion, sondern um die Gleichbehandlung gehen soll, und um die Sichtbarmachung des Geschlechts, das in der unmarkierten Form verschwindet. Binnen-I drückt übrigens beide Geschlechter in einem aus, nicht allein das weibliche.

    Sexismus-Vorwurf bei der aussschließlichen Verwendung weiblicher Formen ist sicherlich möglich, aber auch wieder nur unter der Bedingung, dass man sämtlichen gesellschaftlichen und historischen Kontext mal eben ausblendet und wiederum nicht sieht, dass es um Sichtbarmachung (im Bezug auf die üblichen Praktiken) statt um Reduktion geht.

    Kritik: Weil es lächerlich ist, und weil es sexistisch ist, doch, ja. Hier wird nichts sichtbar gemacht, sondern das Argument auf den Paarungswunsch / die Verfügbarkeit zur Paarung reduziert.

  3. Markus Otti permalink
    10. Juli 2009 2:01 am

    Das Argument lautet also: Es ist sexistisch, weil es eine sexuelle Anspielung enthält. Ist das nicht eine sehr weites Verständnis des Begriffs? Müßte nicht noch ein diskriminierendes Moment dazukommen, um wirklich sexistisch zu sein? Ansonsten wäre ja jede Art sexuell gefärbten Humors völlig unmöglich.

    Abgesehen davon sind die Plakate natürlich unglaublich dümmlich.

  4. 10. Juli 2009 2:10 am

    empfindest du es nicht als diskriminierend wenn menschen unter 25 als vornehmlich am poppen interessierte stereotype dargestellt werden, die sich, der bildkomposition zufolge, selbst vor der ubahn kaum noch unter kontrolle halten können? wenn einem solches nach mitternacht auf RTL2 geboten wird bin ich nicht überrascht – aber sexuelle anspielungen als politische kampagne?

    und ja: es ist ein weites verständnis des begriffs. so ein weites verständnis ist hilfreich, um sich ab und an daran zu erinnern, dass ein ein sexismus-begriff, der nur noch als diskriminierung gelten lässt, wenn frauen in billiger pornographischer manier repräsentiert werden, extrem verkürzt ist.

    sexismus ist auch, wenn frauen „aus hygienischen gründen“ nicht mit röcken ins erdbeerland dürfen, weil man ihnen unterstellt, die luftigkeit des rocks würde sie dazu verleiten, wild in die gegend zu brunzen (so wirklich geschehen und verkündet letztes jahr auf der seite von http://www.erdbeerland.at/ – also nicht das mit dem brunzen, sondern das mit den ‚hygienischen gründen‘).

    p.s. und dabei gäbe es so viele intelligente dinge zu sagen über nächtlichen ubahnservice.

  5. Markus Otti permalink
    10. Juli 2009 3:22 am

    Na gut, ja, es lässt sich tatsächlich auch aus den Plakaten herauslesen, dass junge Leute auf ihr Sexualverhalten reduziert werden. Das eigentliche Problem der Plakate liegt aber schon darin, dass die Idee (höhö, „Verkehr“, prust) eine enorm blöde ist und nicht geeignet, das Thema in angemessener Weise zu kommunizieren. Es ist ja die unangebrachte Plattheit dieser Idee, die ein an sich interessantes Thema ins Lächerliche zieht. Demgegenüber tritt eine mögliche sexistische Komponente meiner Meinung nach ziemlich in den Hintergrund: Die Kritik an den Plakaten aus dieser Warte zu formulieren finde ich daher überzogen. Denn zwischen „Junge Leute sind sexfixiert“ und „Frauen in Röcken sind wandelnde Hygienerisiken“ liegt schon ein ganz beachtlicher gradueller Unterschied der Diskriminierung. Weiter Sexismus-Begriff, ok, aber hier stößt er dann schon an seine Grenzen, finde ich.

  6. 10. Juli 2009 9:05 am

    Bleiben wir doch oben bei dem Beispiel:

    Kann man in der visuellen Aussage dort oben den Aspekt des ‚Verkehrswitzes‘ vom Aspekt der Reduktion auf Sexfixierung unterscheiden? Im Sinne von: Hier fängt das eine an und da das andere, und dann behaupten man könne diese trennen und somit nur das eine wahrnehmen?

    Tatsächlich lässt sich nicht _auch_ aus den Plakaten herauslesen, dass Personen auf ihr Sexualverhalten reduziert werden, sondern die Dummheit des Verkehrswitzes und die Stereotypisierung stützen einander.

    Der Verkehrswitz wäre ja keiner, wenn es da nicht um Sexualverhalten ginge, und schon gar nicht kann man das trennen, wenn man diesen Witz, wie hier geschehen, einem Pärchen in den Mund legt.

    Wenn man sich erst einmal auf eine Argumentation einlässt, in der man sagt „Hier tritt die sexistische Komponente in den Hintergrund“, dann findet man sich einer Position wieder, in der man letztlich Sexismus rechtfertigt, wenn er in einer vermeintlich abgeschwächten Form auftritt.

    Ich bin sehr verblüfft, dass man diese Plakate überhaupt anschauen und zum Schluss kommen kann ‚Na, die Genderstereotypisierung, die findet hier doch allenfalls am Rande statt‘.

    Was ist so erschreckend daran, einzugestehen, dass dies ein platter Witz ist, der auf Sexismen aufbaut? Angst davor, als politisch korrekt zu gelten? Darf man Sexismuskritik nur noch in andere Kategorien verpackt präsentieren?

  7. 10. Juli 2009 9:58 am

    @digiom Sicherlich sind die Plakate als sexuelle Anspielung gedacht (daran gibt es keinen Zweifel). Hätten sie allerdings einen Slogan gewählt wie z.B. „Nach der Party noch mit der U-Bahn nach Hause“ hätte keiner die Kampagne gekannt.

    Kann man die Sujets nicht aber auch so interpretieren, dass dieses Pärchen einfach gerne Outdoorsex praktiziert? (ok, ist weit hergeholt)

    Ich habe soeben mal nachgelsen wie Sexismus heute definiert wird, und stellte fest, dass ich den Begriff so verstand wie es bei Wikipedia im ersten Satz steht „Unter Sexismus versteht man die Diskriminierung oder Unterdrückung von Menschen allein aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit.“

    Ok, wenn ich nach Wikipedia gehe (und das tue ich, da ich kein Sozialforscher bin) handelt es sich um Sexismus in dieser Kampagne.

    Eine Diskriminierung oder Unterdrückung, von sagen wir Menschen unter 25 Jahren, sehe ich hier trotzdem nicht. Ich finde die meisten Aktionen dieser „Jungparteien“ einfach nur peinlich.

    Interessant finde ich auch dein Argument „auf RTL2 um Mitternacht würde es mich nicht überraschen“ bei einer politischen Kampagne allerdings schon. In meiner Wahrnehmung leisten die Jungparteien doch kaum wirklich politische Arbeit, und wenn man sich die Plakate der dahinter stehenden Parteien ansieht, sieht es auch nicht besser aus in punkto billige, stereotypisierende, diskriminierende Werbung.

    Mich würde es wirklich wundern, wenn sich durch diese Werbung jemand als auf einen nur auf Sex reduzierten/fixierten Menschen betrachten würde.

  8. georgholzer permalink
    10. Juli 2009 10:06 am

    Ich hab’s gestern schon gesagt: Ich hab kein Problem damit. Im Gegenteil, ich kann dem sogar was abgewinnen.

    Was wären andere Ideen für Sujets zu diesem Thema?
    – Ein Jugendlicher steht vor einem geschlossenem U-Bahn-Schacht?
    – Ein Jugendlicher schaut auf die Uhr und ärgert sich, dass keine U-Bahn mehr kommt?
    – Ein Jugendlicher bekommt ärger, weil er nicht rechtzeitig zu Hause ist?

    All diese Sujets wären nie ins Gespräch gekommen. Sie wären nie auf deinem Blog gelandet. Das Thema wäre nie nach Kärnten vorgedrungen.

    Klar gibt es Grenzen. In dem Fall sehe ich sie aber absolut nicht überschritten. Ich bezweifle auch, ob sich viele 16-24 Jährige daran stören.

  9. 10. Juli 2009 10:10 am

    @Markus Wenn es ein Hinweis auf Outdoorsex wäre, wäre es dann besser? Kann grad nicht folgen.

    Sexismus (Rassismus, ageism, etc) beginnt nicht erst,wenn sich jemand angesprochen fühlt im Sinne von ‚Oh, da bin ich gemeint, die diskriminieren _mich_‘ – es geht um die Politik der Repräsentation, die damit reiteriert, wiederholt, bestätigt, als Konsens etabliert wird.

    Brauchbar auch die Begriffsgeschichte von Diskriminierung: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskriminierung – die Unterscheidung und die Unterdrückung gehen ineinander über.

  10. 10. Juli 2009 10:16 am

    @Georg Klar, solche Kampagnen setzen ja darauf, dass man ihnen etwas abgewinnt – das ist die Camaraderie, die diese Politik der Repräsentation stützt.

    Früher hat die Filmwissenschaft mal geglaubt, Frauen würden sich nur mit Frauenfiguren im Film identifizieren – gottlob ist man da schon lang drüber hinweg.

    Jetzt muss man im breiten Diskurs noch darüber aufklären, dass nicht nur die 16 bis 24-Jährigen betroffen sind, wenn ein sexistisches Plakatmotiv 16 bis 24-Jährige Models einsetzt.

    Ich halte eine Kampagne in Ihrem Anliegen für gescheitert, die nicht Diskussion über ihr Anliegen (U-Bahnen am Wochenende), sondern aufgrund einer sexistischen Bildpolitik Sexismus-Debatten in Gang setzt. Dass die Debatten in Gang kommen ist allerdings eine gute Sache – im allgemeinen Werbesegment nimmt man sie ja mittlerweile hin.

    Du meinst aber nicht, dass ich jetzt einen Dankesbrief schreiben sollte, oder?😛

  11. 10. Juli 2009 10:28 am

    die junge övp hat ja schon mal werbetechnisch ordentlich daneben gegriffen http://papierwahl.at/2008/05/19/was-haben-internetwahlen-und-sex-gemeinsam/

  12. 10. Juli 2009 10:39 am

    @digiom Mit Outdoorsex meinte ich einfach, dass man auch hineininterpretieren „könnte“ (ich sage nicht, dass es so von der JVP gedacht ist), dass diese Werbung sich nur um dieses eine Pärchen ab.

    Ich gebe zu, eine sehr fadenscheinige Argumentation.

    ad Diskriminierung: Ich kenne den Wikipedia-Artikel, und hab mich ehrlich gesagt ein bisschen vor den Kopf gestoßen gefühlt wenn du mich darauf hinweist. Da ich aber versuche, möglichst beide Sichtweisen zu verstehen, habe ich mich noch einmal eingelesen. Ich finde in diesem Sujet trotzdem nichts diskriminierendes (weil ich nicht sehe, vielleicht kannst du es mir näher erläutern, wer hier diskriminiert/ungleich behandelt werden soll). Genauso gut könnte ein 40-jähriges Pärchen abgebildet sein.

    Ich bin ehrlich an einer Erklärung interessiert.

    P.S.: Ok, die Ausrede mit dem Fotoshooting (Hemd) ist unglaubwürdig.

  13. 10. Juli 2009 10:41 am

    @georgholzer: Aber irgendwie redet niemand über das eigentliche Thema dieser Werbekampagne. Insofern ist sie ganz schön danebengegangen.

  14. 10. Juli 2009 10:42 am

    @electrobabe: Danke für den Link, daran konnte ich mich nicht mehr erinnern. Das ist für mich wirklich daneben.

  15. georgholzer permalink
    10. Juli 2009 10:48 am

    @digiom: Also bedanken wirst dich sicher nicht müssen🙂

    @Markus: Oh ja. Oder sagen wir’s anders: Selbst wenn nicht drüber geredet wird, so wird die Botschaft ja doch erkannt. Dass die JVP eine U-Bahn rund um die Uhr fordert, wird bestimmt hängen bleiben.
    Und so ist sie auch im Gespräch. Was ist schlimmer? In der Versenkung zu sein und ignoriert zu werden.
    In diesem Sinne: Ein voller Erfolg.

  16. Regine Heidorn permalink
    10. Juli 2009 10:53 am

    Möglicherweise ist die Ansprache zielgruppengerecht, wenn zu der in Frage kommenden Zeit tatsächlich nur Leute unterwegs sind, die diese Art von Humor teilen. Das sollte mich allerdings wundern, denn so aus dem fernen Berlin hatte ich immer die Wahrnehmung, dass Wien doch ein wenig mehr kulturelles Spektrum als „Eckbeisl-Schenkelklopfen“ zu bieten hat. Ich vermute, dass von dieser Forderung z. B. auch Touristen betroffen sind, die durch eine solche Kampagne sicher abgeschreckt werden. Zumindest, wenn man davon ausgeht, dass Wien sich als Tourismusmagnet seine Anziehungskraft weniger durch seinen Ruf als „verkehrsüberfüllte“ Stadt erwirbt.

    Im Hinblick auf Sexismus finde ich die Aussage von S. Kurz betreffs des eingeölten Oberkörpers recht amüsant. Ich frage mich, für _wen_ da etwas zu extrem war und warum. Aber naja, ich will mich ja nicht auf die gleiche Ebene begeben.

  17. 10. Juli 2009 10:54 am

    @georgholzer: Finde ich nicht. Den meisten Leuten wird eher der Sex(ismus) in Erinnerung bleiben, und da war doch noch irgendwas mit den U-Bahnen…

  18. 10. Juli 2009 11:02 am

    @Regine: Ja, S. Kurz ist wirklich amüsant – da war ihm oder wem auch immer bei der ÖVP der männliche Körper dann wohl doch zu stark sexualisiert:)

    @electrobabe: Der Blödsinnn hat also Tradition!

    @markus L.: wollte damit nicht sagen, dass du dich über diskriminierung weiter bilden sollst – sicher nicht! mir ging es um die dualität der bedeutung ‚unterscheiden/unterdrücken‘, die im englischen ‚to discriminate/to discriminate against‘ wohl besser zum ausdruck kommt als im deutschen. hätte ich auf ein wörterbuch gelinkt, wäre es wohl klarer gewesen, sorry für das missverständnis.

    @markus p: gescheitert indeed.

  19. 10. Juli 2009 11:02 am

    Gebe dir in allem recht, jana.

  20. Michael permalink
    10. Juli 2009 11:08 am

    Dann teilst du also die grüne Kritik nicht? Die sagen nämlich genau: „Was hier zum Ausdruck kommt, sei frauenfeindlich und habe auf politischen Plakaten des 21. Jahrhunderts nichts verloren.“ (http://wien.orf.at/stories/373965/)

    Und was mich auch interessierte: Würdest du ein Plakat, das ein gutgelauntes Seniorenpaar in Shirt und kurzen Hosen zeigt, und unter dem steht „Wir haben auch im Alter Spaß“ (als Werbung für Lebensvorsorge oder was weiß ich), ebenfalls deswegen als sexistisch einstufen, weil damit suggeriert wird, dass alle über 60 pauschal und ständig „verfügbereit für Paarung“ sind und „als vornehmlich am poppen interessierte stereotype dargestellt werden, die sich, der bildkomposition zufolge […] kaum noch unter kontrolle halten können“?

    Die künstliche Erregung über – nur – dümmliche Plakate, die du hier mitträgst, hilft im Endeffekt nur der JVP, die damit mehr Aufmerksamkeit generiert, als sie wahrscheinlich zuvor geplant hat.

  21. 10. Juli 2009 11:18 am

    Es lohnt sich m.e. nicht, sich hier auf Frauenfeindlichkeit einzuschießen – die Platitüde, die hier zum Einsatz kommt, ist genderübergreifend.

    Zeig mir das Bild und ich sag dir was ich davon halte – von einer Beschreibung in Prosa ausgehend begibt man sich nur aufs Glatteis.

  22. 10. Juli 2009 11:39 am

    Ich würde gerne wissen, was sich die Agentur dabei gedacht hat. Das Mädel ist sexy dargestellt, oben ohne, in knappen Shorts, die Pose erotisch. Der Typ ist sowas von langweilig. Als ob Frauen nix zu gucken haben wollen. Diese Schlabber-Hawaii-Hosen find ich sowas von unerotisch. Und über Sandalen brauchen wir nicht zu reden. Fehlt nur, dass er noch weiße Socken trägt. Warum ist der männliche Part nicht adequat zu dem weiblichen gestaltet. Ähnlich erotisch – ähnlich sexy??? Das Argument mit dem Öl kann ich ohne das Bild gesehen zu haben nicht nachvollziehen.

    In der Präsentation der beiden Figuren da sehe ich schon einen deutlichen Unterschied!! Ob die Kampagne dadurch besser wird, wenn man den männlichen Part ebenfalls sexy gestaltet sei dahin gestellt. Ich finde solche Kampagnen mit sochen Wortspielen generell ziemlich daneben.
    Aber vielleicht sind wir einfach nicht die Zielgruppe???

  23. 10. Juli 2009 12:03 pm

    Der Unterschied ist eindeutig vorhanden – mir wäre eine gänzlich andere Kampagne noch lieber, schön und vielsagend ist aber doch, dass die Männer bei der ÖVP Männer lieber nicht als Sexualobjekt sehen wollten. Sowas!

    Wer wohl die Zielgruppe sein mag? Wir wohl nicht, aber Werbung, die nur für die Zielgruppe sichtbar ist, gibt es ja immer noch nicht, schon gar nicht im physischen Raum.

  24. Serge permalink
    10. Juli 2009 4:10 pm

    „Platitüde, die hier zum Einsatz kommt, ist genderübergreifend. „(Digiom)

    Ist es eigentlich schlimm, wenn man sich selbst sein ursprüngliches Argument kaputt macht?

    Es ist immer gefährlich, wenn Rechthaberei den ursprünglichen Beißreflex einholt, wie hier der Fall.

    Die Plakate sind inhaltlich dumm, werbetechnisch gut – denn hier, im Kurier, im Standard etc. wird darüber geschrieben. In diesem Sinn hast auch Du an der Werbekampagne der JVP mitgearbeitet.

  25. 10. Juli 2009 5:12 pm

    falls das ziel der werbekampagne war, die dummheit der JVP aufzuzeigen, hab ich in der tat dran mitgearbeitet.

    falls das ziel war, die öffentlich meinung für das anliegen ‚ubahnen am wochenende‘ empänglich zu machen – das ist wohl untergegangen in dem ganzen öl.

    sexismus als willentliche grenzübertretung funktioniert halt als aufmerksamkeitsmagnet, wenn man kampagnenziele außer acht lässt mag man zum oberflächlichen urteil kommen, dass das ganze auch ‚werbetechnisch gut‘ gelaufen wäre.

    tut mir leid, wenn es dich überfordert, ‚genderübergreifend‘ und ’sexismus‘ zusammen zu denken. ist das wirklich so schwer zu begreifen, dass das argument ‚die wollen ficken, und für den verkehr brauchen sie die ubahn‘ sexistisch ist? offenbar ja.

  26. 11. Juli 2009 11:10 am

    Wann fahren die denn rund um die Uhr? Kann mir kaum vorstellen, das die WienerInnen sich gegen die Möglichkeit aussprechen, die Öffis Tag u. Nacht nutzen zu können!

  27. 11. Juli 2009 5:29 pm

    rund um die uhr wäre eh super – bislang hören die ubahnen um halb 1 auf, und dann gibt’s noch nachtbusse, aber die kann man sich nie merken und oft muss man dennoch recht weit laufen

  28. ella permalink
    12. Juli 2009 2:50 am

    ich denke der Sexismus ist hier viel subtiler, auch wenn davon alibihalber mit dem Aufstellen einer männlichen Figur abgelenkt werden soll. denn nicht umsonst kommt Jana der Gedanke: “Popp mich 24 Stunden lang am Wochenende” bzw. “Ich will 24h am Wochenende poppen” – das sind zwei absolut verschiedene Aussagen – welches Plakat weist auf die eine hin und welches auf die andere? 3x dürfen wir raten.
    Dass „junge Leute poppen wollen“ find ich hier nichtmal so problematisch, auch wenn hier die Assoziation „im Alter wird nicht mehr gepoppt“ naheliegt. Hier spielt die Darstellungsweise eine Rolle (Frau aufreizend/verführerisch, Mann fordernd – freier Oberkörper würds abschwächen, aber nicht aufheben), die die „Politik der Repräsentation […] wiederholt, bestätigt, als Konsens etabliert“ (Jana). Und genauso der Text des ersten Plakats: „damit SIE fährt wenn DU fährst“.
    Frauen sind hier nicht angesprochen, sind anscheinend als Unterstützerinnen – und in weiterer Analogie als Bürgerinnen oder Entscheidungsträgerinnen – sowieso nicht wirklich relevant.

    Das Ganze würde umgekehrt allerdings viel besser funktionieren – halbnackter verführerischer Mann, lässig bekleidete fordernde Frau, und der Spruch „damit ER (der Zug) kommt, wenn du kommst“ – da es tradierte Rollenbilder durch Umkehrung sichtbar machen, und somit auch kritisieren würde. Vielleicht sollten hier die Grünen auf den Zug aufspringen?

  29. 12. Juli 2009 9:30 am

    Ella, gebe dir recht, das war auch mein Hintergedanke als ich die beiden Sätze formuliert habe, ebenso dass der freie Oberkörper beim Mann es abschwächen aber nicht aufheben würde.

    Das gefällt mir, es ist nämlich eine Queering Strategie:
    ###
    Das Ganze würde umgekehrt allerdings viel besser funktionieren – halbnackter verführerischer Mann, lässig bekleidete fordernde Frau, und der Spruch “damit ER (der Zug) kommt, wenn du kommst” – da es tradierte Rollenbilder durch Umkehrung sichtbar machen, und somit auch kritisieren würde.
    ###

    Dazu fällt mir auch das in den letzten Tagen u.a. auf dem Standardforum zu lesen Argumention ein ‚Was soll daran nicht in Ordnug sein, gerade wo doch die Nackten am CSD durch die Straßen rennen?“

    Weil die Nackten am CSD nicht die Konvention reiterieren, sonden mit dem Mainstream brechen, weil sie nicht als Wichsvorlagen auftreten, sondern Sexualität für sich beanspruchen, die Deutungshoheit über ihr Geschlecht einfordern, statt – wie hier im Fall – das Tradierte in den Dienst (dämlicher) Parteienwerbung zu stellen.

    Nackt ist nicht immer das gleiche nackt. Im Fall der JVP-Werbung ist es in die koventionelle Verfügbarkeitsästhetik gebürstet und gephotoshopped.

    Eine Subversion wäre drin gewesen, wenn die Dame unrasierte Beine gehabt hätte, etwas Zellulitis, oder sichtbare, ganze normale, unterschiedlich große Brüste:)

  30. 19. Juli 2009 11:04 am

    Danke für diesen Thread, hat wieder mal ein paar sehr schöne Definition und Argumentationen für Sexismus-Diskussionen geliefert.

    Ich wäre aber auch an einer Diskussion zum eigentlich Thema der Plakatkampagne interessiert, ich finde nämlich die Forderung nicht sinnvoll.

    Ich finde, dass BürgerInnen einer Stadt durchaus an Sparsamkeit interessiert sein sollten. Der Betrieb einer U-Bahn kostet immense Mengen Geld (Personal, Strom, Betrieb, …), wer soll das bezahlen? Der Bedarf wird wohl kaum mit dem Tagesverkehr vergleichbar sein (ein Zug kann mehr als 1000 Leute transportieren), und ein grosses Problem sind die Fixkosten.

    Sollten die Nachtbusse inzwischen überfüllt sein, dann wäre es wohl sinnvoller eine Intervallverdichtung durchzuführen, mir ist lieber es fährt ein Verkehrsmittel alle 10 Minuten als jede Stunde (1 Bus = 150 Leute, 6 Busse pro Stunde = 900 Leute; 1 U-Bahn pro Stunde = 1000 Leute).

    Die kürzeren Wege würden mich auch noch interessieren, zur U-Bahn muss ich mehr als 5 Minuten laufen, die Strassenbahn- und Nachtbushaltestelle sind gleich ums Eck (und spätnachts lauf ich nicht besonders gern rum). Ich könnte mir vorstellen, dass viele Leute näher zu einem Nachtbus als zur U-Bahn wohnen.

    Wenn wir vorher schon über Genderthemen diskutiert haben, dann wäre es auch noch interessant über unterschiedliche Raumerfahrung zu reden. Für mich sind U-Bahn-gänge keine Räume wo ich mich wirklich gerne aufhalte, und eine Kameraüberwachung halt ich nicht für beruhigend. Ich halte mich lieber über der Erde auf, z.B. an einer Nachtbushaltestelle (schon dort sind des nächtens oft genug unangehme Gestalten zu sehen).

    Ich könnt jetzt meine Ausführungen noch länger fortsetzen, aber ich glaub ich wart mal auf Reaktionen zu meinem Kommentar. Bin gespannt, was ihr dazu meint!

    Stephan.

  31. 19. Juli 2009 12:47 pm

    Habe mich nicht mit den Details der U-Bahn/Nachtverkehr-Frage auseinandergesetzt, und dass überhaupt so wenige das getan haben, zeigt, wie sehr die Kampagne an ihrem vorgeblichen Ziel vorbei geschossen ist.

    Möglicherweise ging es aber eh nur darum, mal wieder für ein bisserl Wirbel zu sorgen. Schauen wir mal ob die J/ÖVP das Thema auch noch inhaltsbezogen aufbereiten wird, etwa entlang der Punkt die du anreißt. Schreib doch den Initiatoren eine Mail oder suche nach Möglichkeiten auf ihrer Website, diese Fragen mit ihnen zu diskutieren.

  32. Fabi permalink
    11. Mai 2012 10:57 pm

    die werbung is doch end geil ich weiß gar nicht was alle haben ..
    ich liebe zweideutige witze ;D

  33. Andi permalink
    11. Mai 2012 11:00 pm

    Habt ihr keinen Schwanz in der Hose oder seit ihr einfach nur schwul ?
    Anders kann man eure Beschwerden nicht verstehen is ne ganz normale Werbung die den Mann anregen soll was sie bei Heteros auch tut

  34. 18. Mai 2012 9:46 am

    Soso, zwei Posts mit ähnlicher Message, fast drei Jahre nach dem letzten Kommentar und im Abstand von drei Minuten – wenn da mal nicht jemand (doch nicht etwa von der Jungen ÖVP?) zum samefagging hier war… das Niveau ist jedenfalls genauso flach wie die Kampagne von 2009.

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