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Gibt es die digitale Avantgarde? Einladung zum Vortrag von Jay D. Bolter!

9. April 2009

jaydbolterJuhu! Am Dienstag, den 19. Mai kommt Jay D. Bolter (Wikipedia, Homepage), der etlichen u.a. als Co-Autor von Remediation bekannt sein könnte, nach Wien und spricht ab 19:30 Uhr über:

Facebook,YouTube, ARGs und die Avantgarde als Lebenspraxis

Ort: Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft (mein Arbeitgeber) in der Hofburg, Batthyanystiege (Eingang Michaelerkuppel, über dem Sisi-Museum, siehe auch Google Maps).
Waschzettel mit allen Infos

Webstream-URL: http://www.ustream.tv/channel/tfmvienna

Im Schreyvogelsaal wird der Vortrag und die Diskussion stattfinden und für den Fall der Fälle wird es auch einen Stream im Jura-Soyfer-Saal geben. Und einen ins Web. Und ein eigenes Twitter-Tag: #jdb. Und im Anschluss eine kleine Stärkung und Getränke, die der Zusammenarbeit mit dem net culture lab zu verdanken sind. Und offenes WLAN sowieso. Und obendrein wird Jay Bolter den Vortrag auf Deutsch halten.

Das Thema des Abends liegt mir persönlich sehr am Herzen, nicht allein weil ich den Abend organisiere, sondern auch weil ich hoffe, mir wünsche, dass möglichst viele Menschen, welche die digitale Avantgarde als Lebenspraxis pflegen (Twitteranten, Blogger, Flickerer, Leute, die nirgends ohne SmartPhone und oder LapTop hingehen) dort auftauchen – und somit meine Kollegen am Institut einmal sehen, dass es bei weitem keine einsame Exzentrik ist, die ich da mit meinen Gadgets und Netzwerken betreibe;-)

Bolter ist jedoch keiner von denen, die über etwas fantasieren, dass sie selbst kaum nutzen: Im letzten Jahr hätte ich gerne an seinem Vortrag an der Uni Bayreuth zur Kontinuität von Alten und Neuen Medien (eins meiner Steckenpferde) tele-teilgenommen, nur leider gab es keinen Webstream. Ich schrieb ihn also an, beschrieb mein eigenes Forschungsvorhaben – und bekam kurze Zeit später nicht nur eine Email-Antwort, sondern auch ein Facebook Friend Request. Bislang ist mir so etwas leider noch kaum passiert in der europäischen Medienwissenschafter-Landschaft!

Weitere Info zum Thema des Abends – Auszug aus dem Waschzettel:

Unsere gegenwärtige Medienkultur ist von zwei Formen der Mediatisierung geprägt, denen zwei grundverschiedene Ordnungen des Sehens, der Blickregimes (scopic regimes) und damit der ideologisch gefärbten Weisen, die Welt darzustellen, entsprechen:

Die erste Form, Transparenz, finden wir etwa in (Mainstream-)Unterhaltungsfilmen, Fernsehdramen und einer Vielzahl von Nachrichtenmedien, d.h. überall wo eine transparente Darstellung der mediatisierten ‚Wirklichkeit’ angestrebt wird. Die zweite Form, die Hypermediatisierung, erkennt man in avantgardistischer Kunst, aber auch in neuen digitalen Applikationen, etwa klassischen Web 2.0-Anwendungen wie Facebook und YouTube oder in Alternate Reality Games (ARGs), welche mit und über verschiedene Medien hinweg (z.B. Webseiten, Email, Telefonanrufe) gespielt werden.

Nur mitunter ironisch stellt sich der Vortrag der Frage, ob diese neuen populären Medienformen nicht endlich die historische Aufgabe der
Avantgarde erfüllen könnten, nämlich die Kunst in die Lebenspraxis zu verwandeln.

Und abschließend noch etwas Hintergrund: Transparency und Hypermediacy sind Schlüsselbegriffe aus Remediation, dessen Kernargumentation ist, dass Mediengeschichte nicht etwa, wie es populär oft dargestellt wird, eine Abfolge von technischen Revolutionen ist, die uns überrollt, sondern dass Medientechnologien vielmehr aus einem Netzwerk an physikalischen, sozialen, ästhetischen und ökonomischen Beziehungen bestehen, die sich immer wieder neu formieren.

Ein kurzer Auszug aus Remediation (S. 19):

Like other media since the Renaissance – in particular, perspective painting, photography, film, and television – new digital media oscillate between immediacy and hypermediacy, between transparency and opacity. This oscillation is the key to understanding how a medium refashions its predecessors and other contemporary media. Although each medium promises to reform its predecessors by offering a more immediate or authentic experience, the promise of reform inevitably leads us to become aware of the new medium as a medium. Thus, immediacy leads to hypermediacy. The process of remediation makes us aware that all media are at one level a play of signs, which is a lesson that we take from post structuralist literary theory.

Wie gesagt: Ich freue mich auf den Abend – kommt zahlreich!

6 Kommentare leave one →
  1. 9. April 2009 6:05 pm

    Oh ja, Bolter ist ein sehr feiner Zeitgenosse. Super dass du das organisierst. Ist eingetragen und ich werde wohl auch hinkommen. Auch wenn ich kein Smartphone besitze und mein Laptop 8 Jahre alt ist und deswegen nie dabei ist.😉

  2. 9. April 2009 7:47 pm

    freu mich schon! gibts auch einen FBevent zum eintragen?
    lg
    margit

  3. 9. April 2009 9:07 pm

    in wenigen Stunden gibts einen – real life calling!

  4. 9. April 2009 10:43 pm

    Sodala, hier ist der Link:
    http://www.facebook.com/event.php?eid=66091359289

    @peter Du bist Avantgarde im Kopf, das ist eh viel nachhaltiger!

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