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Österreichische Polizei bestätigt, was das Ausland eh schon glaubt

17. Februar 2009

Das regt mich unglaublich auf: die Tatsache, dass österreichische Zivilpolizisten Menschen „auf Verdacht“ verprügeln, im gegebenen Fall einen US-Amerikaner, der aufgrund seiner Hautfarbe für einen Drogendealer (und damit für ein prinzipiell verprügelbares Subjekt???) gehalten wurde, sowie die Tatsache, dass der Landespolizeikommandant eine Entschuldigung erstmal nur als Zukunftsoption ankündigt! Der Standard:

„Ich möchte erst dann mit dem Opfer sprechen und mich entschuldigen, wenn die internen Ermittler ihre Untersuchung abgeschlossen haben. Das wird aber schon in den nächsten Tagen der Fall sein“, sagt Wiens Landespolizeikommandant Karl Mahrer. Zusätzlich wurde der Fall der Staatsanwaltschaft angezeigt. „Aber bei einer Amtshandlung sofort zuzuschlagen ist selbstverständlich nicht Standard der Polizei“, beeilt sich der Polizeichef zu versichern.

WTF? Ebenso unfassbar die Tatsache, dass auch das Krankenhaus offenbar versuchte, Schweigen über diesen Übergriff von staatlicher Seite zu breiten (Der Standard):

Überfordert von dem Fall schien am Sonntag in jedem Fall Brennans behandelnder Arzt. „Er hat Filmaufnahmen meines Freundes im Spital verboten mit der Begründung, der Fall solle in der Öffentlichkeit nicht so breitgetreten werden. Auch ein Dreh vor dem Krankenhaus wurde untersagt“, ärgert sich die Freundin des Verletzten.(Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 16.2.2009)

NATÜRLICH GEHÖRT SO ETWAS BREIT GETRETEN! Und zwar so breit wie möglich – wo würden wir sonst zukünftig landen, wenn sich die Exekutive Übergriffe an Bürger leistet und nicht einmal die, die dem Schutze des menschlichen Lebens beruflich verpflichtet sind, das Ganze gesehen haben wollen!

Ich will gar nicht wissen, wie viele mittellose gebürtige Afrikaner schon ohne Vorwarnung vermöbelt wurden, solche, die sicher kein Verfahren wagen – in diesem Fall haben sie ihre Willkür allerdings an jemandem ausgelassen, der sich das nicht gefallen lässt. Und nicht nur der Standard, auch USA Today berichtet über den Fall:

An American teacher who was attacked by Austrian police who mistook him for a drug dealer said Monday he believes he was singled out because he was black and he is taking legal action against the police for assault.

Mike Brennan, 34, of Jacksonville said two undercover police officers „came out of nowhere“ at a Vienna subway station and attacked him without identifying themselves. […]

Brennan’s lawyer Alexander Hofmann said he had initiated legal action against police for abuse of power and assault and battery, in effect asking prosecutors to investigate the matter and bring charges. Hofmann said he would sue for damages on behalf of his client at a later stage.

Asked in an interview with the Associated Press whether he believed he was attacked because of his race, Brennan said he saw „hatred“ in the eyes of one of his attackers.

„I heard about the situation before here, I heard a lot about it, and I’ve never really seen it“ before, he said.

(allerdings frage ich mich wirklich, was die URL http://www.usatoday.com/news/world/2009-02-16-austria-police-attack_N.htm bedeutet – die haben doch nicht das N-Word in der URL verwendet??? – EDIT: Nein, scheinbar verwenden die das N am Ende um NEWS zu kennzeichnen – etwas unglücklich gewählt ist das aber doch).

Aber auch die Kommentare auf USA Today sind kein Spaß zu lesen – scheinbar hält das gros der Kommenteure es für völlig ok, bei Verdacht zu prügeln. Racism stinks!!!! And it, seemingly, is everywhere!

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4 Kommentare leave one →
  1. Susanne permalink
    18. Februar 2009 9:39 am

    Danke für diesen wunderbaren Blogeintrag! Ich bin auch sowas von sauer und entsetzt. Dieses Thema darf auf keinen Fall unter den Teppich gekehrt werden oder einschlafen!

  2. 18. Februar 2009 3:48 pm

    Habe gerade folgendes Email geschrieben an:

    bpd-wien@polizei.gv.at

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit diesem Schreiben möchte ich meine Empörung und mein Entsetzen
    ausdrücken über den Übergriff auf den US-Amerikaner Mike Brennan durch
    zivile Fahnder der österreichischen Polizei in Wien am 11. Februar
    2009.

    Dass in Österreich Menschen auf bloßen Verdacht von Mitarbeitern der
    Exekutive verprügelt werden, und dass Hautfarbe als Verdachtsmoment
    dem Anschein nach ausreichend ist, macht mich fassungslos, wütend und
    flößt mir zugleich Angst ein.

    Solche Übergriffe und Willkürhandlungen dürfen nicht vorkommen – es
    darf nicht die Gesundheit eines Menschen willentlich aufs Spiel
    gesetzt werden für einen vermeintlich schnellen Fahndungserfolg!

    Wenn Mitarbeiter der Polizei in dieser Form auffällig werden, sind sie
    für die Ausübung dieses Berufs nicht geeignet – ich bitte im Interesse
    der Öffentlichkeit und der Menschen in diesem Land um das Durchführen
    der notwendigen disziplinarischen Maßnahmen.

    Mit freundlichen Grüßen, und im Vertrauen darauf, dass Sie dafür
    sorgen werden, dass solche „eskalierten Amtshandlungen“ (siehe auch
    http://derstandard.at/?url=/?id=1234507110662) in Österreich nie
    wieder vorkommen:

    Mag. Jana Herwig

  3. hero permalink
    19. Februar 2009 3:44 am

    du hast vollkommen recht – das kann man gar nicht zu breit treten!

    zusätzlich zu all dem, was du geschrieben hast, und in dem ich dir völlig zustimme, muß ich sagen, ich finde auch das verhalten der medien hier ziemlich skandalös… ich habe seit dem vorfall einige beiträge im orf gesehen, in den nachrichtensendungen, in den nachrichten auf privatradiosendern gehört usw., und es macht den anschein, daß sich die meisten darüber aufregen, daß sich die polizei geirrt hat! so als ob es ok wäre, zuzuschlagen, wenn es sich tatsächlich um einen drogendealer handelt.

    der irrtum ist aber nicht das dramatische.
    (wenn der „irrtum“ auf grund der hautfarbe passiert sein sollte, dann ist das ein akt von blankem rassismus und in jedem fall zu verurteilen – egal was rundherum noch alles vorgefallen ist. es könnte aber auch sein, daß mike brennan tatsächlich einem verdächtigen ähnlich gesehen hat – dazu habe ich jedenfalls noch nichts lesen können, und die polizisten einfach nicht in der lage waren, den unterschied festzustellen. traurig aber denkbar.)
    das wirklich unerträgliche an der sache ist, daß ein verdächtiger verprügelt wird!!!

    ganz egal, ob sich in einem gerichtsverfahren später einmal herausstellen sollte, daß ein verdächtiger wirklich schuldig ist, oder die justiz zu der meinung kommt, daß der verdächtige unschuldig war, es ist einfach nicht akzeptabel, daß ein verdächtiger von der polizei verprügelt wird!
    ganz egal, was man ihm vorwirft! weder verprügeln, noch ersticken. nicht mal ein kleines bißchen weh tun.

    die polizei hat den auftrag, die bevölkerung zu schützen und auf die einhaltung der gesetze zu achten. über schuld und unschuld, und über strafen entscheidet ein anderer teil des rechtsstaates: die justiz. dazu sind die nämlich da.

    ich kann nur hoffen, daß die beiden beamten in zukunft z.b. im penny markt regale schlichten, oder sonst etwas tun, was die gesellschaft im ganzen, sowie jeden einzelnen bürger, nicht so gefährdet.

  4. 19. Februar 2009 7:44 am

    word! der standard artikel mit den eskalierten amtshandlungen (s.o.) macht leider nicht allzu viel hoffnung. wie sagt man? „eine krähe hakt der anderen kein auge aus.“

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