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Wie Ortho-Bionomy mein Geek-Dasein rettete #Sehnenscheidentzündung

10. Februar 2009

Drei wichtige Körperteile hat der Geek/die Geekette: das Hirn, die Augen und die Hände. Das Hirn ist unersetzbar, für die Augen lassen sich als Kompensationsmittel Screenreader einsetzen und für die Hände gibt es Spracheingabeprogramme. Die meiste Zeit gehen wir allerdings davon aus, dass uns unsere Körperteile uneingeschränkt zur Verfügung stehen – dieses Blogpost ist eine epische Zusammenfassung meines fast zwei Monate dauernden K(r)ampfes mit einer Sehnenscheidentzündung und erzählt, wie ich diese nach einer fruchtlosen Serie von  Arztkonsultationen und Hausmitteln mit Hilfe einer Ortho-Bionomy -Fachfrau endlich wieder loswerden konnte.

In meinem Fall führte eine zweitägige Live-Bloggingsession an den letzten beiden Arbeitstagen im alten Job Ende November zum einstweiligen Erlahmen meiner Hände. Und weil ich natürlich nicht von heute auf morgen aufhören konnte, eine Tastatur zu benutzen (es muss schließlich gegoogelt, gebloggt, getwittert, recherchiert, gemailt und auch an der Arbeit praktisch für jede kleine Tätigkeit das Keyboard angefasst werden), wurde das Ganze auch kaum besser.

Tendon - Wiki Commons

Zur Eröffnung von WienWeb2.0 kam ich mit dem Arm in der Schlinge – was ein bisschen pathetisch aussah, aber der Entspannung und Erholung ausgesprochen dienlich war. Aber noch immer konnte ich nicht von der Tastatur lassen und so wuchs sich eine temporäre Erschöpfung zu einer veritablen Sehnenscheidentzündung aus, beidseitig. Ich versuchte zu kompensieren, indem ich anstelle des Macbooks häufiger das iPhone verwendete – man macht sich gar keine Vorstellung davon, wie schmerzhaft selbst das Drücken des einzigen iPhone-Knopfes sein kann, wenn man schon etwas angeschlagen ist!

Auch die stahlgefütterten Armbandagen (nicht so schick und geekig wie diese, sondern hautfarben), die mir kurz vor Weihnachten verschrieben wurden, machten die Sache nicht wesentlich besser (und ich möchte an dieser Stelle noch einmal herzlich grunzen über jenen Unbekannten, der zu Silvester im Wurstsalon meinte, die selben Bandagen und meine sich darin befindlichen Unterarme als zwei Trommelstöcke missbrauchen zu müssen – aua!).

Um den 9. Jänner herum war ich völlig verzweifelt über den Zustand meiner Hände und damit nun auch endlich bereit allen tastaturverbundenen (realen oder vermeintlichen) Verpflichtungen zu entsagen (im Notfall kann man übrigens hervorragend mit einem mit dem Mund gehaltenen Kochlöffel oder dem großen Zeh tippen, der iPhone-Knopf kann auch mit dem Ellenbogen oder dem Schneidezahn gedrückt werden und zum Entriegeln ist auch die Nase ganz brauchbar).

Ergänzend zur Krankschreibung gab es Entzündungshemmer in hohen Dosen, und nachdem sich das Ganze schon sieben Wochen lang hinzog ohne dass irgend eine Besserung erkennbar war, begann ich mich gezielt nach Empfehlungen und Tipps um zu hören.

Topfenwickel (für Deutsche: Quarkwickel) empfehle ich als hervorragendes Hausmittel zur Kühlung und Linderung; außerdem machte ich einen Termin aus bei einer Sportwissenschaftlerin, die mir als Bewegungstherapeutin empfohlen worden war. Laut Visitenkarte handelte sich genau genommen um eine Ortho-Bionomy-Behandlerin – ein Begriff, der mir nichts sagte und der mich wahrscheinlich abgeschreckt hätte, wäre mir diese Therapeutin nicht wärmstens empfohlen worden.

Was ich in der Praxis erlebte war äußerst angenehm, aber vergleichsweise unspektakulär: Ich durfte mich auf einer beheizten (ah!) Liege ausstrecken, während durch sanfte Handgriffe erst die Länge meiner Beine angeglichen (irre: ich habe häufig ein unangenehmes Knacken im rechten Hüftgelenk, das sich seither zurückgezogen hat – dabei waren es wirklich nur ein paar Handgriffe) und dann meine Unterarme und der Nacken betastet, bewegt, gedreht und durch sachten Druck mit den Fingerspitzen behandelt wurden. Von Esoterik weit und breit keine Spur – ab und zu merkte ich, dass ein neuralgischer Punkt getroffen worden war, aber im Großen und Ganzen macht sich vor allem angenehme Entspannung in mir breit.

Die erste Veränderung bemerkte ich, als ich nach der einstündigen Behandlung in einen Supermarkt neben der Praxis ging und feststellte, dass ich die Etiketten viel besser als gewohnt lesen konnte. An und für sich glaube ich nicht an die Möglichkeit solcher spontanen Verbesserungen – objektiv überprüfen konnte ich diese Veränderung dann zu Hause: Der Abstand zwischen meinem Sofa und dem Fernseher ist schließlich konstant, und die beim Umschalten aufscheinenden Sender-Untertitel hatte ich in letzter Zeit mehr erraten als lesen können, so verschwommen erschienen sie mir mittlerweile. Jetzt konnte ich sie auf Anhieb lesen – ich konnte mir die Verbesserung also nicht einbilden!

In der Nacht nach dem Besuch in der Ortho-Bionomy-Praxis begann es in meinen Armen zu rumoren – sie waren nicht nur deutlich wärmer, sondern erschienen mir auch leicht geschwollen. Obendrein zwickte und zwackte es in allen Ecken der Arme – auch an Stellen, an denen definitiv keine Sehnenscheidentzündung sitzen konnte oder zuvor gesessen war.

Das Ganze ging noch drei Tage so weiter – mittlerweile begann ich, mir deswegen Sorgen zu machen. Was da vorging, konnte ich nicht einschätzen, und so ging ich ein weiteres Mal zu meinem Hausarzt, der mich nun zu einem Radiologen überwies. Meine Unterarme wurden geröntgt und mit Ultraschall untersucht – und das Ergebnis war äußerst verblüffend für mich: Keine Spur mehr von einer Entzündung! Diese Diagnose war zugleich verwirrend, denn ich hatte ja nach wie vor Schmerzen in den Armen.

Allerdings begann ich diese nun anders zu interpretieren. Während ich in den vorangegangenen Tagen des Zwicken und Zwackens jede Schmerzempfindung als Signal gewertet hatte, meine Hände noch behutsamer und mit noch weniger Kraftaufwand einzusetzen, nahm ich diese extreme Achtsamkeit nun zurück – und siehe da, ich hatte sehr wohl (wieder) die Kraft Türklinken zu drücken, Schränke zu öffnen etc. Das Zwicken und Zwacken kam mir – so gesehen – nur mehr vor wie ein kurioser Muskelkater, der sich ungewöhnlich breit verteilt ereignete. Auf die Armbandagen verzichtete ich jetzt, und tatsächlich ging es ab jetzt von Tag zu Tag aufwärts.

Das Ganze (d.h. der Besuch bei der Ortho-Bionomy-Behandlerin) ist nun knapp drei Wochen her und ich bin noch immer völlig fasziniert von dieser rasanten Besserung. Meine Arme sind noch immer nicht so einsetzbar wie in der Zeit vor der Sehnenscheidentzündung – aber vor fünf Wochen dachte ich noch, ich würde komplett auf Spracheingabesoftware in allen Bereichen umsteigen müssen und würde nie wieder tippen können (tatsächlich habe ich – entschlossene Mac-Userin – mir in jenen vier Tagen des Zwickens und Zwackens einen PC gekauft, um auf Dragon NaturallySpeaking umsteigen zu können; hätte ich noch drei Tage gewartet, wäre mir diese Anschaffung wahrscheinlich schon wieder unnötig erschienen:-P Allerdings erleichtert mir das Programm doch einiges, und insofern setze ich es zur Schonung auch weiterhin ein, etwa für dieses Blogpost).

Noch ein paar Informationen zu Ortho-Bionomy: Diese Form der Behandlung ist mit der Ostheopathie verwandt und setzt auf die gezielte Entspannung der Muskeln. Der Verein Ortho-Bionomy Österreich beschreibt das so:

ORTHO-BIONOMY ist eine nichtmanipulative Form der Körperarbeit, die die Fähigkeit des Körpers unterstützt, Spannungen von selbst über neuromuskuläre und energetische Reflexe auszugleichen.

Dazu werden z. B. angespannte Muskel, fehlgestellte Gelenke (Knochen) durch sanften Druck in antalgischen (schmerzlindernden) Positionen gehalten, bis der Mensch seine strukturelle Balance wiedergefunden hat (sich Muskeln gelöst haben).

Bewegungsübungen unterstützen die Integration der jetzt harmonischeren Körperhaltung.

Auf der Website des Vereins findet man Adressen von Behandlern in Österreich: Ich selbst war aufgrund der Empfehlung bei einer Sportwissenschaftlerin namens Mag. Nicole Hornstein-Kinzl, die sich auf Ortho-Bionomie spezialisiert hat, ihre Praxis im neunten Bezirk hat und deren Behandlung aufgrund meiner Erfahrung ebenfalls nur empfehlenswert ist. Die Behandlung für eine volle Stunde hat mich so viel kostet wie ein durchschnittlicher Damenhaarschnitt (Waschen, Schneiden, Legen, evtl. ein Pflegeprodukt) in einem durchschnittlichen Frisiersalon – und war das Geld gemessen an den Erfolg also mehr als wert!

Meine Behandlerin hat keine jetzt auch eine Website, zu finden unter www.hornsteinkinzl.at.

Weitere Behandler findet man wie erwähnt auf der Website des Vereins – und mit Rückblick auf die Affiliate Marketing Session am BarCamp Klagenfurt am letzten Wochenende: Nein, dies ist keine Affiliate Marketing Aktion, ich möchte lediglich ein bisschen berichten über das Gute, das mir widerfahren ist🙂

P.S. Das Bild der Sehnen (engl.: tendons) ist Public Domain, via Wiki Commons.

5 Kommentare leave one →
  1. Herrmann3000 permalink
    10. Februar 2009 1:59 pm

    Schön zu hören, dass es Dir wieder besser geht.

    Hat sie nichts von einer Art Erstverschlimmerung gesagt, die es ja bei Methoden wie der Homöpathie öfter gibt?

  2. 10. Februar 2009 2:09 pm

    sowas in der art hat sie gesagt – aber hab ich eine ahnung, wie sich eine erstverschlimmerung anfühlt wenn ich noch nie eine gehabt habe:-P ? hauptsache, jetzt isses gut.

  3. abitz permalink
    24. September 2009 9:16 am

    Es ist immer wieder bestätigt, dass Einseitigkeit sowie Monokultur uns eher schaden. Auch durch meine ehemalige Sehnenentzündung bin ich dazugezwungen, Dragon NaturallySpeaking intensiv zu nutzen. Heute pflege ich die Vielfalt bei der Arbeit und Sport. Vor allem das Dehnen als Übungen während der Arbeit und nach dem Sport ist zu empfehlen. Meine Entzündung ist weg ohne Hilfe von Ortho-Bionomie. Der Tip von Ortho-Bionomie ist sehr wertvoll für meine Freundin. Sie glaubt nur an Experten.

  4. 24. September 2009 9:29 am

    Schön für dich – es ist zum Glück nicht notwendig, expertengläubig zu sein, um über den Tellerrand der Schulmedizin hinauszusehen

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