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Emails an Angela Merkel (und Gewinnspiel bei Datenschmutz)

1. September 2008

Eine Anekdote, die ich gerne zum Besten gebe, um entweder den Wahlkampfvorteil zu illustrieren, den Frauen als Spitzenkandidaten für die jeweilige Partei haben oder um ein Beispiel dafür zu bringen, dass die politische Meinung, einmal mit der Muttermilch aufgesogen, kaum wieder abgegeben wird, oder um mein eigene politische Unbedarftheit zu demonstrieren, ist diese:

Ich gestehe: Ich habe schon zweimal eine nette Email an Angela Merkel geschrieben.

Dabei bin ich schon immer Rot-grün. Im Kindergartenalter lief ich mit meinem Bruder durch die Straßen von Rotenburg an der Fulda und skandierte „CDU, blöde Kuh, lass die SPD in Ruh“.

Den Bleistift aus dem CDU-Wahlkampfwagen habe ich verachtet. SPD war unsere Partei. Mein Opa war ja im Bergwerk.

Als meine Eltern sich scheiden ließen, wurde mein Vater immer schwärzer, meine Mutter immer grüner, und da ja nun mal er die Ehe gebrochen hatte, schlug ich mich auf die Seite meiner Mutter. Grün bin ich bis heute, der Rest interessiert mich nicht.

Wieso schrieb ich also nette Emails an Angela Merkel?

Das erste Mal geschah dies kurz nach Antritt ihres Kanzlerinnenamtes, d.h. in einer Zeit, in der sie in den Medien von links nach rechts wg. vermeintlich mangelnder Weiblichkeit gedisst wurde – nicht ganz so tumb wie in der absolut dummen und bösartigen Sixt-Werbung von anno 2001, aber umso mich erschütternder gerade in Anbetracht dieser Historie des Dissens, der Frau Merkel quasi traditionell ausgesetzt gewesen war.

(Ich werde übrigens niemals ein Auto von Sixt mieten, denn damit habt’s ihr bei mir verschissen, ihr Deppen von Sixt).

Ich schrieb Angela Merkel also eine Mail und erklärte ihr zunächst einmal, dass ich niemals in meinem Leben CDU wählen würde (damit das schon mal geklärt war).

Weiters ließ ich sie wissen, dass ich von dem politischen Diskurs und den Anfeindungen, denen sie ausgesetzt sei, angewidert wäre und dass ich mich freuen würde, dass Deutschland endlich eine Kanzlerin habe.

Außerdem, dass ich sowieso nicht wählen war, weil im Ausland wohnend und Wahlzettel verzettelnd, aber auch, weil ich sonst vielleicht für sie gestimmt hätte, und das hätte ich mir dann doch nicht verziehen.

(Ich kann mich nicht erinnern, ob ich ihr auch erzählte, dass ich mir gerne ein rosa T-Shirt mit Angie-Konterfei in lila Druck anfertigen lassen würde; das war zumindest ein Gedanke, der mich seinerzeit bewegte.)

Die Rückmeldungsmail war recht freundlich, natürlich nicht persönlich von Angela geschrieben, aber man dankte mir zumindest für die Nachricht und meine Interesse. Bitte gern.

Noch ein weiteres Mal schrieb ich ihr ca 1 1/2 Jahre später eine Mail, in der ich lobte, dass sie irgend einen autoritären Heini aus der CSU sehr dezent ihrerseits gedisst hatte – auf diese bekam ich dann keine Antwort mehr. Scheinbar kommt Angie jetzt ohne meine Tipps aus.

Der Trigger für diese Anekdote ist übrigens ein Gewinnspiel auf Datenschmutz: Drei Exemplare von „Stichwortgeberinnen. 14 Portäts erfolgreicher Frauen in Politik und Wirtschaft werden da verlost, dazu gibt es ein Interview mit einem der Herausgeber zum Thema „konservativer Feminismus“.

Angie finde ich übrigens immer noch super, rein popular-pleasure-mäßig. Und lesenswert finde ich auch diese Geschiche über die US-amerikanische, konservative VP-Kandidatin Sarah Palin, deren angeblich fünftes Kind angeblich ihr Enkel ist. Sometimes truth is stranger than fiction.

6 Kommentare leave one →
  1. pingo2000 permalink
    1. September 2008 12:08 pm

    Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! Wer schaut zu? Die CDU!

  2. 1. September 2008 12:12 pm

    Ha! Den kannte ich noch nicht. Klingt eher nach Grundschule als Kindergarten.

  3. pingo2000 permalink
    3. September 2008 8:04 pm

    Nö. Ursprünglich alter DKP-Slogan. Der 2. Teil (CDU) ist irgendwann hinzugekommen.

  4. 5. September 2008 2:01 am

    Die KPD, nicht DKP, hat diesen Spruch erfunden. In den zwanziger Jahren unter Thälmann, als man die Sozis noch „Sozialfaschisten“ nennen durfte. Nur der zweite Teil stammt von der DKP.

  5. 26. September 2008 7:35 am

    Sehr geehrte Frau Merkel
    Ich weiss das sie diese E-Mails selber nicht lesen,dafür haben sie keine zeit
    Ich wähle auch nicht ihre Partei,da Sie mich nicht überzeugt haben mit ihrer Politik.
    Ich bin Frührentnerin.Habe trotz zwei Kinder mein leben lang gearbeitet.
    Meine kleine Rente ist Steuerfrei.Was für ein witz.Da mein Mann noch arbeitet wird alles versteuert. Ich wähle die Linkspartei .Schlimmer wie sie kann es nicht mehr werden.
    Ich habe mein Konto mit 3000 euro überzogen da wir versuchen unseren Kindern zu helfen die sie mit ihrer Politik (elterngeld anschliesend Steuern Drauf) kaputt machen.

    Ich bin nervlich fertig .Ich weiss nicht weiter.
    Wenn bei Ihnen das Geld nicht reicht (statt sparen) machen sie neue Steuern.
    Jetzt brauche ich Geld (3000 euro) und ich möchte es von ihrer Regierung.

    Für sie ist das doch Portogeld.
    Wie wäre es wenn Sie es von Ihrer Diäeten Erhöhung Überweisen.
    Ich bin bei der
    Stadtsparkasse Rheine
    BLZ.403 500 05
    KO.NR.4742029

    Ich glaube nicht an Wunder,aber Sie spenden so viel ins Ausland ,da müsste n 3000
    euro doch über sein.Sie würden mir das leben retten.Ich kann nicht mehr und denke ans aufhören.

    Bitte helfen sie uns.
    Vielleicht hat Ihre Partei doch ein Herz.
    Hochachtungsvoll
    Frau Christel Adolph

  6. 26. September 2008 7:38 am

    viel Glück!

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