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E-mail mit Handlungsanweisungen für den Tag des Jüngsten Gerichts

15. Juni 2008

Reiter der ApokalypseMan stelle sich vor: Die Welt geht ihrem Ende zu und während die guten Christen schon im Himmel jubilieren, müssen die nicht so guten erst noch das Jüngste Gericht durchmachen und verhandeln, ob der Fahrstuhl für sie rauf oder runter geht. Wäre es da, im Zeitalter der Informationstechnologie, nicht mehr als sinnvoll, wenn man (als guter Christ) den noch auf Erden weilenden eine Email schicken könnte, in der alles drin steht was sie wissen müssen, um im Gerichtsstand zu bestehen? Ein amerikanischer Webservice namens You’ve been left behind ermöglicht genau das!

We all have family and friends who have failed to receive the Good News of the Gospel.
The unsaved will be ‚left behind‘ on earth to go through the „tribulation period“ after the „Rapture“.[…] There will be a small window of time where they might be reached for the Kingdom of God. We have made it possible for you to send them a letter of love and a plea to receive Christ one last time. You can also send information based on scripture as to what will happen next. Each fulfilled prophecy will cause your letter and plea to be remembered and a decision to be made.

Die ganze Idee basiert auf dem wackeligen und erst seit dem 19. Jahrhundert eingeführten theologischen Konstrukt, dass die Guten bei der Wiederkunft Christi quasi sofort ins Töpfchen kommen – „entrückt“ und gen Himmel gesandt werden; auf Englisch heißt dieser Prozess „Rapture“ – während die anderen erst noch mal ins Kröpfchen kommen. Wann diese Verzückung stattfindet, darüber herrscht keine Einigkeit unter den Fundamentalisten; die einen meinen sieben Jahre vor dem Ende der Endzeit, die anderen meinen zur Halbzeit, also dreieinhalb Jahre vor Ultimo.

Es bleibt die Frage, wie die Leute von You’ve been left behind den richtigen Zeitpunkt bestimmen wollen. Scheinbar gehen sie davon aus, dass sie alle gute Christen sind („Programmed and run by Christians, for Christians“) und bald entrückt werden, wenn es denn dann los geht, und entsprechend haben sie ihr System programmiert:

We have set up a system to send documents by the email, to the addresses you provide, 6 days after the „Rapture“ of the Church. This occurs when 3 of our 5 team members scattered around the U.S fail to log in over a 3 day period. Another 3 days are given to fail safe any false triggering of the system.

Soll heißen, sechs Tage nach ihrer Himmelfahrt werden die Emails losgeschickt. Auch Attachments kann man anfügen, bis zu 150 MB werden verschlüsselt, weiter 100MB unverschlüsselt versandt und bis zu 62 Leute kann man retten (Bruce Schneier hat sich die Verschlüsselung übrigens angesehen und ist nicht überzeugt). Für knappe zwei Euro im Monat ist man dabei: „The cost is $40 for the first year. Re-subscription will be reduced as the number of subscribers increases. Tell your friends about You’ve Been left behind.“

Unter Umständen verlässlicher als dieses Sechs-Tage-danach Triggersystem ist die Konkurrenz von Post-Rapture Post. Die sind nämlich alle zertifizierte Atheisten und werden daher sicher nicht vorzeitig gen Himmel fahren! Außerdem stellen sie richtige Papierbotschaften zu – „Our flagship model: Your message of up to 3,000 characters is hand-scribed on medieval style parchment sheets, and then rolled and wrapped with a fine Italian ribbon“ – denn wer weiß, ob das Internet bis dahin nicht auch schon durchgebrannt ist. Wegen den ganzen Pornoservern und so.

Zemanta Pixie
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