Skip to content

Women Talk Business – das nächste Mal lieber wieder nur mit einem Mann im Podium!

1. Mai 2008

Stout Figure Wiki CommonsGestern war ich auf der Woman Talk Business Veranstaltungsreihe – und wenn ich den Veranstaltern glauben darf, weist mich das aus als Mitglied „jener Zielgruppe, die Stories gerne weitererzählt: den einkommensstarken, aufstrebenden, top-ausgebildeten Frauen.“

Wie gut, dass es dort am Eingang keinen Einkommens-Check gibt:-D

Frage mich auch gerade, ob das mit dem ‚Stories gerne weitererzählen‘ als Hinweis auf die angeblich weibliche ‚Klatschsucht‘ zu verstehen ist – je nun, wenn man eine genderspezifische Veranstaltung macht, drängen sich genderspezifische Lektüren ja auf.

Die Podiumsdiskussion „Klug, schön und – gefährlich? Von den Chancen und Risken ein Mann unter Business Women zu sein“ war ähnlich ergebnislos wie andere Veranstaltungen zum Thema – irgendwie bleibt dabei immer so ein Geschmack von ‚Die Lage ist aussichtslos – aber gut, dass wir drüber geredet haben‘ über. Meistens läuft es auf das Statement ‚Kinderbetreuungsplätze und flexible Arbeitsmodelle sind das wichtigste‘ als Maximalerkenntnis hinaus, d.h. die Debatte wird aufs Biologische und die Frage, wer die Kinder kriegt reduziert – und um die Biologie kommt man natürlich nicht herum, aber als ultima ratio macht das die Diskussion immer so unbefriedigend.

Oliver Voigt von NEWS und Christoph Kotanko vom KURIER haben sich mit Vehemenz in die Pose der Equality Advocates geworfen – sehr nervig, zumal man wirklich nur mal einen Blick in deren Chefetagen und Chefredaktionen werfen muss um zu wissen, dass da Wort und Tat nicht zusammen gehen. Meine Empfehlung wäre:

Wer auch immer eine Veranstaltung macht zu den Themen Work Life Balance, Equality, etc – ladet bitte keinen der beiden ein, denn mit einer ernsthaften Diskussion, die über Schönfärberei hinausgeht, ist dann nicht zu rechnen! Thomas Prantner vom ORF ist lobend zu erwähnen dafür, dass er die Teilnahme an sämtlichen frauenlosen Diskussionrunden ablehnt, und Florian Krenkel von Ogilvy wurde dafür gedisst, dass er auch mal gerne mit seinen Kindern „in den Park oder Tennisspielen“ gehen würde (gedisst, weil das ja „nur die schönen Sachen“ seien).

Krenkels Statement hat für mich trotzdem in eine Richtung gezeigt, die man gerne hätte weiter verfolgen können: Dass nämlich Männer mit den Alleinverdiener-Lebensmodellen u.U. auch wenig glücklich sind. Ich finde es immer wieder großartig zu sehen, wieviel Männer mittlerweile mit Kleinkindern vor der Brust oder an der Hand unterwegs sind – in Island funktioniert die 3-monatige Väterkarenz (die verfällt, wenn sie nicht genommen wird) mit 80% Gehalt ja so gut, dass sogar die Scheidungsraten runter gehen.

Die einzige Frau in der Runde (gleich zur Ehrenrettung: diese traditionelle Zusammensetzung des Podiums war eine bewusste Ausnahme von der Regel bei Women Talk Business), Anke Meier, Global Diversity Managerin bei Henkel, hat zwar ausnahmslos gute und intelligente Beiträge geliefert, allerdings waren diese zum Verblassen verurteilt neben Voigt und Kotanko und deren absolutem Desinteresse, etwas anderes als die schöne Paradeantwort zur eignen Unternehmungsvermarktung beizutragen.

Schade, dass diese sich ergebende Konstellation in der Runde (die ja selbst typisch ist für viele Arbeitssituationen – Frau leistet unauffällig erstklassige Arbeit, Mann bekommt dank Prahlerei dennoch mehr Aufmerksamkeit) nicht mit in die Diskussion genommen oder dass von der Moderatorin nicht irgendwie gegengesteuert wurde (aber versuch einen Voigt zu steuern – den lädt man eben besser einfach nicht ein).

Da sich solche typischen Konstellationen scheinbar automatisch einstellen bei Männerdominanz im Podium, kann man echt nur sagen: Das nächste Mal bitte wieder beim klassischen Format der Woman Talk Business Reihe bleiben – ein Mann, vier Frauen. Die Effekte der Umkehrung der klassischen biologischen Verteilung sind nicht zu unterschätzen!

Und einen Wunsch hätte ich auch noch: Bitte lasst das ‚Communications Cabaret‘ ebenfalls einfach weg – am Ende sprang nämlich eine Kommunikationstrainerin auf die Bühne, die erst einen ‚Battle of the Sexes‘ Sketch zelebrierte und dann das Publikum zwang, Interaktionsspielchen miteinander zu spielen – sich jemanden aussuchen und in die Augen schauen, mit der Person reden und dann immer nur ‚Ja, genau!‘ sagen und sich freuen, dass man sich so gut versteht. Schnurch. Hab mich dem ganzen verweigert – ich war ja als Privatperson da und nicht als Businessvertreterin, da konnte ich mir das leisten😀

4 Kommentare leave one →
  1. 1. Mai 2008 8:10 am

    Die Wirtschaftskammer vergibt jedes Jahr einen Preis für das familienfreundlichste Unternehmen Österreichs, das schlimme daran ist: die Trophähe ist ein gläserner Highheel (wie aus einem Porno).
    Da darf man dann raten wer sich diesen Preis hat einfallen lassen, so dumm können nur Männer sein.

  2. 1. Mai 2008 8:12 am

    oweia!

    EDIT: Hab nach den Preisen gesucht, scheinbar haben die das geändert – zum Glück!
    Schau hier
    http://www.bmgfj.gv.at/cms/site/bilderserie.html?channel=CH0615&doc=CMS1197369430937
    bzw.

    Wenn noch mal ein Bild von dem High Heel auftaucht – gerne vorzeigen!

  3. 1. Mai 2008 6:05 pm

    Du bist nicht die einzige mit deinem Wunsch „das nächste Mal wieder nur einen Mann und vier Frauen im Podium“. Dann sind die Diskussionen auch ganz anders.

Trackbacks

  1. Wenn Maenner ueber Frauenkarrieren reden at Digitalks

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: