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Privacy/Security Tradeoff?

28. April 2008

Über die Gläserner Mensch-Debatte habe ich Jaro Sterbik-Lamina vom Institut für Technikfolgenabschätzung der ÖAW kennengelernt – gestern fand die PRISE-Konferenz statt, auf die er mich aufmerksam gemacht hat und die den Abschluss des Projekts PRISE markiert.

PRISE LOGO

Bei dem Projekt PRISE (soweit ich es verstanden habe) geht es darum, Kriterien für die Modellierung von sogenannten PETs = Privacy Enhancing Technologies zu entwickeln – die allererste Zielgruppe sind dabei EU-Projekte selbst, den bei diesen – wie auch erst recht bei allen Industrieentwicklungen – werden Privacy-Fragen mehrheitlich erst nachträglich, quasi als Add-on berücksichtigt. Maren Raguse und Walter Peissl haben die Kriterien und Tools vorgestellt, die u.a in das PRISE-Handbuch und schlussendlich einmal in zwei A4-Formulare münden. Mit diesen Formularen und dessen Fragen soll es für Projektantragschreibende leichter werden, schon in der Projektkonzeptionsphase zu sehen, ob Privacy-Fragen berücksichtigt wurden.

Andere Beitrage, wie z.B. der von Christine Hafskjold, warfen einen Blick in die Zukunft: In den Beispielen der Figuren Peter (junger, dynamischer Businesstyp) und Carla (Lehrerin in den letzten Berufsjahren vor der Pension) zeigte Hafskjold, dass

  • a) die Frage, wo Privacy potentiell beeinträchtigt wird, nicht fix zu definieren, sondern immer vom Empfinden der betroffenen Personen abhängt
  • b) dass a) stark davon abhängig ist, welchen „Mehrwert“ bzw. welche Erleichterungen oder Dienstleistungen einer Person zugängig werden. Beispiel: Wenn man mit Hilfe eines Fingerprintscans auf den Fasttrack in der Flughafenabfertigung kommt, dann werden Nutzergruppen wie z.B. Businessreisende diese Form der Data Collection als angemessen empfinden.

Last not least: Immer wieder tauchte der Gedanke des „Privacy/Security Tradeoff“ auf, der allerdings (erfreulicherweise) vom PRISE-Kernteam immer wieder in Frage gestellt wude. Der Privacy/Security Tradeoff bzw Kompromiss suggeriert, dass mehr Sicherheit nur möglich ist, wenn man etwas Privatsphäre aufgibt – und der noch gefährlichere Schluss dieses Tradeoffs wäre, dass auch umgekehrt ein weniger an Privatsphäre automatisch mehr Security bedeutet.

Letzteres ist genau die Rhetorik, die ja auch in Sachen Fingerabdruck im Reisepass derzeit allerorten bemüht wird: dass es nur der Sicherheit diene, wenn der Reisepasse so ‚geschützt‘ sei. Irgendwie nicht plausibel für das Individuum – da hier kein so einsichtlicher Mehrwert wie etwa der Fast track am Flughafen zu erwarten ist!

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