FPÖ (Anti)-Bildungssprecher spricht sich für die frühzeitige Ausgrenzung von Kindern aus

1. Juli 2009

Diese Wiener Bezirkszeitung lese ich praktisch nie, und der Hauptgrund dafür sind die ganzseitigen Anzeigen, die die bz an die FPÖ verkauft und mit einem lediglich 2×7mm großen Hinweis als Werbung auszeichnet. Bei dem, was mir da heute versehentlich in die Finger gekommen ist, kriege ich ein derartiges Grausen – wie kann eine Partei allen Ernstes jemanden als Bildungssprecher nominieren, der sich dafür ausspricht, Kindern den Zugang zu Bildung zu verweigern?

FPOE-Werbung in der Bezirkszeitung vom 1.7.2009

Überhaupt musste ich diesen Artikel mehrfach lesen um zu verstehen, dass wirklich das Schlimmstmöglich gemeint ist. Ich fasse die Forderungen bzw. Diagnosen zusammen:

  • Kindergärten sollen gratis sein.
  • Nicht-Österreicher sollen aber zahlen.
  • Kindergartenpflicht soll es nicht generell geben.
  • Bei Sprachdefiziten gibt es aber Kindergartenpflicht.
  • Migrantinnenkinder haben besonders häufig Sprachdefizite.
  • In die reguläre Schule dürfen Migrantinnenkinder aber erst, wenn sie Deutsch beherrschen.

Woraus sich de facto ergibt: Kindergartenpflicht soll nicht bestehen, für Migrantinnenkinder mit Sprachdefiziten aber schon, und die sollen dann auch dafür zu zahlen. Wenn die Eltern Wege finden, ihre Kinder nicht in den Kindergarten zu schicken (aus finanziellen Gründen z.B.), in diesem Zusammenhang die Deutschkenntnisse der Kinde sich auch nicht verbessern, werden sie in der Vorbereitungsklasse geparkt.

Müssen sie diese dann auch zahlen oder ist das dann die Chance für diejenigen, die die Kosten bislang meiden wollten? Gratis-Kindergärten für alle sind freilich hervorragend für den Integrationsprozess – aber Integrationsprozesse will man ja vermeiden bei der FPÖ.

Wie kann man denn so etwas veröffentlichen ohne sich nur eine Sekunde für das völlige Fehlen einer konsistenten Argumentation zu schämen – und erst recht eine solche Argumentation zusammen schustern, um damit Kinder vom Zugang zu Bildung auszugrenzen? Da fragt man sich wahrhaftig, welche Bildung der Herr Mag. J. Gudenus genossen hat.

Siehe zur Kindergartenpflicht folgenden Artikel im Kurier: Fehlt das Kind, droht Geldstrafe. Man beachte die letzte Frage – das Schlupfloch für diejenigen, die sich den von der FPÖ anvisierten Bezahlkindergarten-für-Ausgegrenzte nicht leisten können/wollen.

Können Kinder von der Kindergartenpflicht ausgenommen werden?
Ja – etwa wenn die tägliche Anreise zu beschwerlich ist, das Kind krank oder nicht “gruppenfähig” ist.


Ja, ich weiß eh, dass von der FPÖ nichts vernünftiges zu erwarten ist – angesichts der absurden Zustimmungsraten, die dieser Schwachsinn an den Wahlurnen erhält muss man es dennoch immer wieder wiederholen: FPÖ ist menschenverachtend! Wer diese Politik wählt oder auch nur durch Stummheit unterstützt, unterstützt eine Politik, die sich gegen den Menschen und die Gesellschaft richtet (und sich dabei nicht schämt, Worte wie ’soziale Wärme’ auf ihren Plakaten zu verwenden) und die sich JEDERZEIT gegen jeden derjenigen richten könnte, die sie wählen. Wer eine Politik der Ausgrenzung wählt, gibt die Sicherheit des Menschen zum Abschuss frei – rafft’s endlich!

Vielleicht sollte ich (und andere) häufiger bz lesen um nicht den Anschluss daran zu verlieren, wie sehr sich das FPÖ-Lager wirklich schon von der Wahrung der Menschrechte losgekoppelt hat.

EDIT: Schöne Video-Empfehlung: Vater und Sohn Gudenus im Führerzimmer in der Maschek-Persiflage:


“Oachkatzlschwoaf!”

24. April 2009

Oh ja, ich hab das wirklich bestellt. “Oachkatzlschwoaf” aussprechen zu können ist bekanntermaßen Bestandteil des offiziellen Austrifizierungsverfahrens. Da schaust.

oachkatzlschwoaf

Edit: Bezüglich der Ansicht, dies sei Bayrisch – ich habe gegenlautende, verlässliche Informationen aus Oberösterreich. Freilich sind Oberösterreich und Bayern benachbart. Um die Frage, welche Dialekte man in Ö für echt hält, bin ich nicht zuständig:) Mir reicht’s was aus Ö-Mund zu hören.


Blogger bluten – blute auch du!

28. Januar 2009

Nachdem Österreich nun allmählich feiertags bedingt (weniger Menschen kommen in die Spendezentralen, mehr Menschen bauen Unfälle und benötigen Blutkonserven) das Spenderblut ausgeht, hat sich gestern auf Twitter die ad hoc Initiative #bloggerblut gebildet: Blogger oder Twitterer spenden Blut und bloggen oder twittern anschließend (oder auch schon während dessen) darüber, umso weitere Leute dazu zu motivieren, ebenfalls den Aderlass zu wagen.

Quasi als Vorhut trafen sich heute Morgen Luca, Cypher und ich in der Blutspendezentrale auf der Wiedner Hauptstraße 32, um dem Notstand Abhilfe zu verschaffen. Das offene WLAN kam Lucas Plänen eines Blutspende-Livestreams natürlich entgegen – mir ermöglichte dies, mir selbst einmal beim Blut spenden zuzuschauen. Blutspenden vertrage ich nämlich sehr gut, solange ich nicht auf den Gedanken komme, auf die Nadel oder gar den blutgefüllten Schlauch zuschauen (wie mich frühere Erfahrungen lehrten).

Bloggerblut - The MovieVon dem Video, das schließlich bei dieser Aktion herauskam, bin ich daher auch restlos begeistert. Auch die Rauminszenierung ist intuitiv überzeugend gelungen (man beachte das Close-up auf die Waage, während diese von 370 auf 371 Milliliter springt!), ebenso die narrative Auflösung in ein Verkaufsgespräch: Nachdem Cypher, Luca und ich alle mit unseren iPhones herum hantierten, wollten die Rotkreuzmitarbeiter auch wissen, ob das wirklich so super ist und was es kostet.

Die Aktion brachte also bisher:

  • mindestens 1260 ml Blut (465 +465 +330; in einen Beutel passen doch nur 465 ml, nicht ein halber Liter wie zuerst von mir angenommen)
  • Knackwürste, Cola und Mannerschnitten für Luca, Cypher und mich
  • mindestens sechs weitere Blutspender: Nicole Arnitz und Heinz Grünwald (der die Idee zuerst auf Twitter aufbrachte) spenden nächste Woche, Jürgen K. (Koprax?) hat sich zumindest schon einmal vorgemeldet, FinnPorter, Julia1983 und Gwattel haben ebenfalls Absichtserklärungen auf Twitter geäußert.
  • eine unbekannte Zahl an iPhone- Konvertiten

Wo man Blut spenden kann, erfährt man auf den Seiten des Österreichischen Roten Kreuzes:

www.roteskreuz.at/blutspende/

Und hier ist schließlich noch mein persönlicher Money-shot: 465 ml bestes Blut der Gruppe A1 negativ (CC, BY)!

Bloggerblut


Der Wahlsieger in Österreich

28. September 2008

…ist Twitter – nur in kollektiver Themenbearbeitung lässt sich dieses Wahlergebnis verarbeiten. Der größte Verlierer der Wahl: Österreich. Wird jetzt wie 2000 wieder einen EU-weiten Ruf nach der Isolation Österreichs geben? Hoffentlich nicht – das wäre wieder nur Wind auf die Mühlen von Strache und Haider. Auch die Republikaner profitieren ja prächtig von der weltweiten Absage an McCain/Palin.


Gesucht: Jugendliche für Gespräche mit den Spitzenkandidatinnen

13. September 2008

Nicole Pesendorfer, die ich aus dem NEWS-Lehrredaktions-Bootcamp kenne und deren politische Intelligenz ich ausgesprochen schätze, setzt dieselbe jetzt im Dienste der Bundesjugendvertretung ein. Die BJV macht u.a. grauslich.at und werden die Spitzenkandidatinnen in zwei Wochen aufs Korn nehmen. Weitere Jugendliche können sich gerne beteiligen – da ich tatsächlich nicht einen Menschen unter 18 und über 6 in Österreich kenne, leite ich Nicoles Info hiermit weiter:

Ausgequetscht! Du bei den SpitzenkandidatInnen zur Wahl 08

Die Nationalratswahlen stehen ins Haus – und das erstmals auch für Jugendliche ab 16 Jahren. Die Bundesjugendvertretung (www.jugendvertretung.at) ermöglicht dir, direkt mit den Spitzen der wahlwerbenden Parteien in Kontakt zu treten: “ausgequetscht” heißen die Gespräche, bei denen du in die Rolle der JournalistInnen schlüpfst und den PolitikerInnen von Angesicht zu Angesicht jene Fragen stellst, die du schon immer beantwortet haben wolltest. Es wird Interviews mit den KandidatInnen von SPÖ, ÖVP, Grünen, FPÖ und BZÖ geben. Die
Gespräche werden aufgezeichnet und gekürzt auf unserer Website, derstandard.at sowie auf Youtube zu sehen sein.

Wen wir suchen:

Jugendliche von 16 bis 20, die gerne kritische Fragen stellen und direkt mit den Spitzen der Parteien in Kontakt treten möchten.

Was wir wollen:
Sende uns 3 Fragen, die du den Spitzenkandidaten stellen möchtest. Schreib uns auch, welchen Kandidaten du am liebsten treffen möchtest.

Sende deine Fragen an office@jugendvertretung.at. Alle Infos unter www.jugendvertretung.at
Bericht auf http://derstandard.at/?url=/?id=1219938670543

In diesem Sinne: Squeeze it!


Die Grünen, die Wahlplakate und die Lizenzfrage

14. August 2008

Gerade habe ich mit Verblüffung festgestellt, dass es “mein” Walplakat in die letzte Runde geschafft hat der Grünen-Aktion “Wähler gestalten Wahlplakate”, derzeit zu sehen im Standard-Advertorial – “mein” in Anführungszeichen, weil es keinesfalls mein Plakat, meine originäre Idee, sondern ein Mashup ist.

Die Zutaten waren einerseits ein Plakat der deutschen (evtl. sogar spezifischer der hessischen) Grünen aus den Jahren 1990-1992 (irgendwann in dem Zeitraum), das in meiner Jugend über meinem Bett hing. Das Bild zeigte einen grünen Aquarell-Wal, der glücklich Wasserfontänen ausstieß und drüber war zu lesen “WALPLAKAT”. Die zweite Zutat ist der Twitter Failwhale, d.h. die Grafik eines Wals, der von Vögeln aus dem Meer gehoben wird – zu exakt jener Grafik habe ich lediglich die Zeilen “Walplakat – Wählt den Aufschwung” hinzugefügt.

Und weil die Grünen angekündigt haben, dass “die besten drei” (was vermutlich heißt: die mit der höchsten Userwertung) produziert werden, kann ich jetzt nur hoffen, dass sich das Walplakat NICHT durchsetzt, sonst gibt’s wohl ein arges Lizenzproblem – denn weder habe ich die Rechte für den Twitterwal, noch vermute ich, dass Twitter sich für politische Parteien einspannen lassen will (wer weiß? es wäre immerhin die einzig richtige), noch habe ich das Bild je für einen Wettbewerb mit dem Ziel einer zukünftigen Produktion eingereicht.

Im Standard-Grünen-Advertorial steht zu lesen:

Der Aufruf zeigte Wirkung: Über eine Flickr-Gruppe wurden in den letzten Wochen über 150 Einreichungen gesammelt.

Hochgeladen wurde das Walplakat nicht von mir, sondern von jemandem bei den Grünen – ich hatte seinerzeit lediglich einen Kommentar gepostet in Reaktion auf Christoph Chorherrs Blogpost. Die Twitteria weiß natürlich, woher das Bild stammt – wissen es auch die Grünen bzw. die Leute, die es in die Endrunde gevotet haben? Produzieren lassen kann man das in dieser Form jedenfalls nicht, allenfalls könnte man es “nachempfinden”. Dann sollte man sich aber zur Sicherheit auch nochmal bei den Grünen in DE melden – und beim nächsten Mal die Leute selbst hochladen und einer CC-Lizenzierung zustimmen lassen.

Wählt den Aufschwung!

Siehe auch: dies.


Walplakat – Vote Failwhale!

10. Juli 2008

Die Grünen nutzen das Netz um ein Wahlplakat zu finden – die (eigenen) Vorschläge sind eher grausig (vor allem das entweder Grüne oder Chaos-Plakat, irgendwie mag ich es nicht, wenn die Farben der Anarchie verunglimpft werden). Ein Walplakat hatten die deutschen Grünen tatsächlich schon mal um 1990 – hier eine zeitgemäße Reinterpretation, aber dann doch parteienunspezifisch:

Wählt den Aufschwung!

Wählt den Aufschwung!

Siehe dazu auch Karlis Post Wahl08: Brauchen die Grünen ein Wahlplakat? Karli meint übrigens, der Witz ist ein Insider – darum hier Erklärungen zum Failwhale vom Failwhale Club und Wikipedia.


Alles, was es zum Spiel Deutschland:Österreich zu sagen gibt

17. Juni 2008

Deutschland hat schlecht gespielt, Österreich noch ein bisschen schlechter.


Super-Stimmung auf der Kaiserwiese

9. Juni 2008

Entgegen meiner Ankündigung habe ich mich gestern noch tiefer in den Fuballtrubel reinziehen lassen – und bin dafür heute mit schwersten Folgewirkungen gestraft. Aber gelohnt hat sich’s doch – beim Spiel Deutschland – Polen war der Platz recht leer, so leer, dass ich mich sogar mal niederlegen konnte, zauberhaft war dagegen die Fußball-Stimmung bei Spiel Kroatien – Österreich. Von Feindseligkeiten zwischen den Fans keine Spur, lediglich ein Wetteifern im Jubel und Fußballseligkeit überall. Immer schön anzusehen war auch der überlebensgroße Petr Čech am Riesenrad. Ich würde wohl nochmal hingehen! Schade nur, dass für Österreich bald alles vorbei ist


Petr Čech