28. Juni 2008
Soeben entdeckt: Ein Artikel aus meiner überschaubaren wissenschaftlichen Bibliographie ist jetzt auf Google Books zu finden – naja, zumindest vier Seiten davon. Im HTML-Inhaltsverzeichnis des Bands scheint der Beitrag (über die Herausbildung eines Diskurses über Computer und Vernetzung in den 1960er Jahren, zwischen Automation, Kybernetik und erstem Aufblitzen von Datenschutzanliegen) nicht auf, drum hat es eine Weile gedauert, bis ich den Direktlink auf die vier Seiten zusammenbasteln konnte – hoffentlich läuft er nicht ab.
Der erste Schritt in die richtige Richtung. Weil Technik kann, muss Technik auch einlösen was sie verspricht – ich kann gar nicht warten auf das glückliche, goldne Zeitalter, in dem wir unbegrenzten Zugang zu allen Publikation, digital, online und im Volltext haben. Die Zeit wird kommen, daran kann es gar keinen Zweifel geben – der Buchhandel muss nur noch erst lernen, mit anderen Maßstäben als denen von verkauften Büchern auf Papier zu denken. Und das vorliegende Buch ist sowieso schon vergriffen – vergriffene Bücher sind die ersten, die gratis veröffentlicht gehören!
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Verfasst von digiom
25. April 2008
Ich bin ja die erste, die die innere Stirn runzelt, wenn mir jemand was von der fragmentarisierten Online-Identität erzählt. Solche Vorstellungen, die sich im Abstand von der nicht tot zu kriegenden Ideologie einer runden, gerundeteten einförmigen Identität definieren, interessieren mich nicht. Da halt ich es lieber mit Merleau-Ponty: Alle Erlebniszustände, all die verschiedenen ‘cogitos’ (bzw. cogiti) werden durch die Identität (im Sinne von: Selbes) des Leibes zusammengehalten. Wenn ich einschlafe, wenn ich aufwache, mein Körper ist immer derselbe; und wenn ich im Traum fliegen kann, so kann ich es die meiste Zeit im Alltag nicht – quasi ein majority rule der Bewusstseinszustände. Abseits dieser Scharniere darf’s aber flattern und auseinanderdriften wie es will.
Insofern: Solange wir uns nicht selbst verwirren durch die verschiedenen ‘Masken’ (im Sinne von persona), die wir online/offline/im on/off Zwischenraum annehmen, bleibt sich eh alles gleich.
Identity online ist aus technischer Sicht wiederum nichts anderes als eine Bündelung von Rechten und Rollen: Auf welche Informationen habe ich Zugriff? Wie kann ich mit diesen Informationen interagieren (lesen, schreiben, bearbeiten, für andere freigeben…) oder mit anderen Rollenträgern interagieren? Welche Informationen werden mir von anderen zugewiesen?
Identity Switch ist hier nur ein Switch von solchen Rollen und Rechten – und Pflichten: Selbst schuld, wer seine Job-Emails am Wochenende liest. Ich habe einen ganzen Stall voll Email-Adressen – aus gutem Grund, denn ab und an will ich mit bestimmten Informationen, die auf bestimmten Accounts eintreffen, nichts zu tun haben. Manchmal gibt’s ja so Phasen, da stöhnt man innerlich schon, wenn man gleich das Email-Postfach öffnet – weil man sich wieder mit diesen Rollen, Rechten und Pflichten und den Personen, die einen über diese ansprechen, auseinandersetzen muss (grad im Moment krieg ich von jemandem immer wieder Emails, der/die mich gewaltig ‘anzipft/anzipfen’ –> Anlass für dieses Post).
Was mich dran erinnert, dass ich mein mit solchen externen Pflichten verknüpftes Gmail-Account-Widget auf ein separates Netvibes-Tab legen muss – damit ich wenn Rest & Relaxation angesagt ist, gar nicht erst sehe, ob es da grad nervige Neuigkeiten gibt oder nicht:-)
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Verfasst von digiom
19. April 2008
Wie in einem Tweet vom 6. April 2008 beschlossen: Ich habe meine Identitätspositionierungsstrategie (bzw. schicker: meine Social Media Strategie) jüngst geändert. Auf meinem englischen Blog war mein real name nirgends zu finden, für diverse Webservices verwendete ich nicht memorisierbare Kürzel wie anajemstaht und wenn jemand auf meinen Blog im Kontext der Erwähnung meines Namens linkte, bat ich um Entfernung des Links.

Nachdem ich mich nun mehrfach im Austausch mit anderen mit dem Thema Social Media befassen durfte (z.B. auf dem Barcamp in Wien, Jänner 2008; bei einer Podiumsveranstaltung, die ich mit dem net culture lab organisiert habe; jüngst im Radio auf FM4) bin ich für mich zum Ergebnis gekommen, dass mein sich Widerstreben, in den Online-Sog gezogen zu werden, mit dem grundsätzlichen Widerstreben gegenüber den Möglichkeiten der Technik, das einen (aber nicht alle) sporadisch erfasst, zu tun hat. Ich bin mir also fast sicher, dass hier ein Fall von ‘prometheischer Scham’ vorliegt, wie sie der von mir hochverehrte Günther Anders (1902-1992) beschrieben hat: ein Unbehagen gegenüber der Perfektion der von uns erschaffenen Geräte, welche unsere eigenen Fähigkeiten bei weitem übersteigt.
Im Fall Onlinemedien möchte ich mein Bedürfnis, mich online bedeckt zu halten (gleichzeitig aber vom Nutzen und den Vorteilen der Online-Medien profitieren zu wollen) als einen solchen prometheischen Reflex bezeichen: die Illusion, man könnte die Kontrolle behalten, und so die prometheische (bzw. auch anthropologische) Kränkung ignorieren.
Je nun. Da ich aber den digital erweiterten Lebenshorizont studieren will, sollte ich auch nicht versuchen, ihn zu kontrollieren (schon im Sinne eines relative objektiven Forschungsszenarios). Ich mag ein Dutzend verwirrender Profile erstellen können – sobald der Connex zwischen einem und mir als realer Person einmal hergestellt ist, bleibt er bestehen.
Die Regel #1, Online & Offline Synchronisieren, erklärt sich also so: Nutze für dich, was du mit Gewalt nicht besiegen kannst. So steht hier auch demonstrativ mein Name oben im Titel. Nebenbei erlaubt einem diese Regel auch eine Form der Selbstdarstellung, für die ich mir sonst zu ete petete wäre; und ein überzogener Wunsch nach Selbstdarstellung wird im Internet agierenden ja gerne vorgeworfen, selbst von ebenso Agierenden – siehe folgenden Auszug aus der FM4-Online-Debatte zur Show:
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Verfasst von digiom