Wer mag FPÖ-Stimmen auszählen? Grüne WahlzeugInnen für die EU-Wahl gesucht

18. Mai 2009

(Das ist heute quasi ein Gast-Beitrag von Andreas Trawöger – ich habe ihn um Info gebeten zum Prinzip der Wahlzeuginnen und ein perfektes Blogpost zurück bekommen; im Fall geht es um Wahlzeuginnen für die Grünen, jede Partei kann welche entsenden)

Es sorgt im gut durch organisierten Ablauf der Wahlen in Österreich immer für ein paar Sekunden der Verwirrung. Habe ich nicht gerade dem/der WahlordnerIn erklärt, dass ich nicht zum Wählen hier bin und trotzdem das Wahllokal betreten möchte? Um kurz danach einen schön bestempeltes und unterschriebenes Papier vorzuzeigen, welches mich angeblich auch noch dazu berechtigt im Wahllokal so lange zu verbleiben wie ich möchte?

Aber keine Sorge, wir bewegen uns brav und gesittet im Rahmen des österreichischen Wahlrechts und haben uns gerade als Grüne WahlzeugInnen nach §47 der Europawahlverordnung geoutet. Welcher von den gleichlautenden Regelungen der österreichischen Gemeinde und Nationalratswahlen übernommen worden ist:

§ 47. (1) In jedes Wahllokal können von jeder Partei, deren Wahlvorschlag veröffentlicht wurde, zu jeder Wahlbehörde zwei wahlberechtigte Wahlzeugen entsendet werden. Die Wahlzeugen sind der Bezirkswahlbehörde spätestens am zehnten Tag vor dem Wahltag durch den zustellungsbevollmächtigten Vertreter der Partei oder einer von diesem bevollmächtigten Person schriftlich namhaft zu machen; jeder Wahlzeuge erhält vom Gemeindewahlleiter, in Wien vom Leiter der Bezirkswahlbehörde, einen Eintrittschein, der ihn zum Eintritt in das Wahllokal ermächtigt und beim Betreten des Wahllokals der Wahlbehörde vorzuweisen ist.

(2) Die Wahlzeugen haben lediglich als Vertrauensleute der wahlwerbenden Parteien zu fungieren; ein weiterer Einfluss auf den Gang der Wahlhandlung steht ihnen nicht zu. Den Wahlzeugen ist keine Verpflichtung zur Verschwiegenheit über ihnen aus ihrer Tätigkeit bekannt gewordenen Tatsachen auferlegt.

Für die wenigen Sekunden der Anarchie sorgt jedoch der ungeklärte Umstand, zu welchen Zeitpunkt sich ein(e) WahlzeugIn eigentlich im Wahllokal einzufinden hat. Gefolgt von der verwirrenden Tatsache das nicht geklärt ist, ob ein(e) WahlzeugIn nun eigentlich nur berechtigt ist eine Wahl passiv zu beobachten, oder ob diese Funktion auch das Recht zur aktiven Stimmauszählung beinhaltet.

Ein umfangreicher und komplexer Themenkomplex, der einer weiteren österreichischen Tradition folgend, nach einem kurzen Plaudern mit dem/der WahlleiterIn und dem Nachfragen nach dem bisherigen Wahlverlauf hinreichend abgehandelt ist und einem mehr oder weniger selbstverständlich das Recht zugesprochen wird die Hauptaufgabe eines/einer Grünen WahlzeugIn zu übernehmen: Das Auszählen der FPÖ Stimmen.

Gefolgt von weiteren Aufgaben, wie der Mithilfe beim Klären, wer eigentlich die BZÖ und die MARTIN Stimmen auszählen soll, der kurzen Überprüfung ob sich die Vertreter der SPÖ und ÖVP ähnlich “gut” verstehen wie man selbst mit dem FPÖ-Vertreter und der abschließenden Unterstützung beim Suchen nach den mitunter sehr weit hinten angesiedelte Listenplätze, an welche vor allem die GrünwählerInnen gerne in voller Ausnutzung ihrer demokratischen Rechte, ihre Vorzugstimme vergeben.

Um dieses Stück gelebter österreichischer Demokratie auch weiterhin aufrecht erhalten zu können, werden interessierte Personen gebeten, sich entweder telefonisch oder per Email mit der Grünen Bezirksgruppe Neubau oder Brigittenau in Verbindung zu setzen, oder einfach am 20. Mai 19 Uhr bei der BG 7 in der Hermanngasse 25, 1070 Wien vorbei zuschauen. Um sie rechtzeitig mit Eintrittscheinen zu versorgen und ihnen noch eine Kurzeinführung in die Vielfalt an Möglichkeiten zu bieten, mit dem der/die WählerIn ihren Wählerwillen eindeutig kund tun kann.

Soweit das Gast-Post – WahlzeugInnen erscheinen 2-3 Stunden oder bis zu 15 Minuten vor Wahlende im Wahllokal. Man kann aber auch Beisitzerin werden, dann hilft man den ganzen Tag mit, bekommt eine Jause vom Bezirksvorsteher und 40 € von der Stadt. Die Meldefrist für Vertrauenspersonen, die der Wahl den ganzen Tag besitzen ist diese Woche. Zutrittskarten für Wahlzeuge können jedoch bis 10 Tage vor der Wahl bei der Wahlkommission im Bezirk beantragt werden.


Die Grünen, die Wahlplakate und die Lizenzfrage

14. August 2008

Gerade habe ich mit Verblüffung festgestellt, dass es “mein” Walplakat in die letzte Runde geschafft hat der Grünen-Aktion “Wähler gestalten Wahlplakate”, derzeit zu sehen im Standard-Advertorial – “mein” in Anführungszeichen, weil es keinesfalls mein Plakat, meine originäre Idee, sondern ein Mashup ist.

Die Zutaten waren einerseits ein Plakat der deutschen (evtl. sogar spezifischer der hessischen) Grünen aus den Jahren 1990-1992 (irgendwann in dem Zeitraum), das in meiner Jugend über meinem Bett hing. Das Bild zeigte einen grünen Aquarell-Wal, der glücklich Wasserfontänen ausstieß und drüber war zu lesen “WALPLAKAT”. Die zweite Zutat ist der Twitter Failwhale, d.h. die Grafik eines Wals, der von Vögeln aus dem Meer gehoben wird – zu exakt jener Grafik habe ich lediglich die Zeilen “Walplakat – Wählt den Aufschwung” hinzugefügt.

Und weil die Grünen angekündigt haben, dass “die besten drei” (was vermutlich heißt: die mit der höchsten Userwertung) produziert werden, kann ich jetzt nur hoffen, dass sich das Walplakat NICHT durchsetzt, sonst gibt’s wohl ein arges Lizenzproblem – denn weder habe ich die Rechte für den Twitterwal, noch vermute ich, dass Twitter sich für politische Parteien einspannen lassen will (wer weiß? es wäre immerhin die einzig richtige), noch habe ich das Bild je für einen Wettbewerb mit dem Ziel einer zukünftigen Produktion eingereicht.

Im Standard-Grünen-Advertorial steht zu lesen:

Der Aufruf zeigte Wirkung: Über eine Flickr-Gruppe wurden in den letzten Wochen über 150 Einreichungen gesammelt.

Hochgeladen wurde das Walplakat nicht von mir, sondern von jemandem bei den Grünen – ich hatte seinerzeit lediglich einen Kommentar gepostet in Reaktion auf Christoph Chorherrs Blogpost. Die Twitteria weiß natürlich, woher das Bild stammt – wissen es auch die Grünen bzw. die Leute, die es in die Endrunde gevotet haben? Produzieren lassen kann man das in dieser Form jedenfalls nicht, allenfalls könnte man es “nachempfinden”. Dann sollte man sich aber zur Sicherheit auch nochmal bei den Grünen in DE melden – und beim nächsten Mal die Leute selbst hochladen und einer CC-Lizenzierung zustimmen lassen.

Wählt den Aufschwung!

Siehe auch: dies.


Grünes Crowdsourcing auf Flickr

24. Juli 2008

Soeben den Link erhalten: Das Flickr-Portfolio des grünen Crowdscourcing-Experiments nimmt sich schon ganz prächtig aus – mein Walplakat ist auch dabei, wobei das ja nicht ganz ernst zu nehmen ist.

Noch bis 10. August kann man Bilder hochladen!

Wie eh schon vielfach in der Blogosphäre und in den Kommentaren auf derstandard.at diagnostiziert: Die Ergebnisse können sich sehen lassen und sind um einiges frischer als das, was von den Agenturen üblicherweise so kommt.

Mein persönlicher Favourite ist gerade dies hier (leider kann man bei den auf Flickr hochgeladenen Bildern nur noch raten, woher sie kamen, diese Datei hieß smime – Michael Schuster?)


Walplakat – Vote Failwhale!

10. Juli 2008

Die Grünen nutzen das Netz um ein Wahlplakat zu finden – die (eigenen) Vorschläge sind eher grausig (vor allem das entweder Grüne oder Chaos-Plakat, irgendwie mag ich es nicht, wenn die Farben der Anarchie verunglimpft werden). Ein Walplakat hatten die deutschen Grünen tatsächlich schon mal um 1990 – hier eine zeitgemäße Reinterpretation, aber dann doch parteienunspezifisch:

Wählt den Aufschwung!

Wählt den Aufschwung!

Siehe dazu auch Karlis Post Wahl08: Brauchen die Grünen ein Wahlplakat? Karli meint übrigens, der Witz ist ein Insider – darum hier Erklärungen zum Failwhale vom Failwhale Club und Wikipedia.