Video: Facebook, YouTube, ARGs und die Avantgarde als Lebenspraxis

20. Mai 2009

Ein ausführlicheres Blogpost gibt es später, jetzt zunächst einmal den Link zur Aufzeichnung – ich fürchte, wir haben die Übertragung der Diskussion ins Web versehentlich abgebrochen. Dabei hatte ich ja extra alle Fragen nochmal wiederholt B-) Nun ja, so eine Wiederholung kann einer Diskussion ja auch ein zusätzlich sinnstiftendes Moment geben. Ich muss Michael Thurm fragen, ob seine Aufnahme der Diskussion geglückt ist.

Hinweis: Einbetten in diesen Blog ging im Fall nur über Vodpod (finde nicht heraus, was der ustream.tv embed code ist, wenn es denn einen gibt) – leider fängt dann das Video ganz vorne an, und da hatten wir noch Tonprobleme. Bei 3:48 geht es ohne Probleme weiter – auf Ustream selbst habe ich die Startzeit entsprechend eingestellt. Kostet einen Klick, das Video direkt dort zu anzusehen.


Upgrade der Wirklichkeit – Zur Zukunft des Webs

23. Dezember 2008
Esther's been a member of our board for some t...
Image via Wikipedia

Kleine Leseempfehlung, u.a. weil neben Esther Dyson (im Bild rechts) auch meine Wenigkeit, zusammen mit Dominik Rudolph, beigetragen hat: Die jüngst Ausgabe von Neue Gegenwart ist da, Nr. 57 zum Thema Upgrade der Wirklichkeit – Zur Zukunft des Webs.

14 feine Artikel u.a. zu Open Street Map, Semantic Web (nicht von mir;-) und Filmgenres 2.0 (u.a. von mir).

Ansonsten wünsche ich euch allen eine ruhige Weihnachtszeit und gutes Jahr 2009 – ich kämpfe immer noch mit einer Sehnenscheidentzündung (diese Zeilen sind schon anstrengend und eigentlich verboten) und trete bis 2009 nur noch via iPhone in Verbindung (da muss ich maximal eine Taste drücken – den Finger auf den Screen legen, ohne Druck, geht immer noch ganz gut).

Alles Liebe!

Jana

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Maschinendenken bei Gilles Deleuze

18. Juni 2008

Gilles Deleuze Kino 1 und 2Heute noch ein Nachtrag zum Deleuze-Workshop mit Mirjam Schaub, der am 10. und 11. Juni stattfand. Mit Deleuze ist das so eine Sache: Als ich ihn zum ersten Mal in die Hände bekam – in Form des wohl von allen Deleuze-Texten am breitesten rezipierten, dem Rhizom-Text – war ich begeistert (schon allein aufgrund des Untertitels von 1000 Plateaus, in dem das Rhizom enthalten ist: Kapitalismus und Schizophrenie, Band 1). Mit der Zeit ließ die Begeisterung nach: Kaum hatte ich mal einen Aspekt verstanden, kam im nächsten Kapitel gleich ein ganz neuer daher und wie das als Ganzes zusammenhängen sollte, war auch meist eher unklar. Die beiden Kino-Bücher habe ich mir dann noch gekauft, aber jeweils nur noch die ersten dreißig Seiten oder so gelesen.

Seit Mirjam Schaubs Ausführungen – eben zu den Kinobüchern – weiß ich, dass ich mir zumindest ob meines gelegentlichen Befremdens keine Sorgen machen muss; Deleuze ist für sie ein Denker, der keine Schüler haben wollte, nämlich weil sich aus seinen Werken nur schwierig eine einheitliche Lehre destillieren lässt, der man dann nachfolgen kann. Die Kinobücher hätten irritiert bei ihrem Erscheinen: Ging es um eine Film-, eine Autoren-, eine Einstellungsgeschichte? Was war die Zielsetzung dieser Bücher? Ebenso verwirrte die “Esoterik der Begriffe”: Deleuze verwende in jedem Buch neue Begriffe und verwende diese heterogen; an Stelle einer einheitlichen Terminologie entstehe so eine Art “bricolage subjectif generalisé”, welche laut Schaub Deleuzes Vorstellung von Maschinendenken entspräche: Heterogenes werde in eine Konvention gezwungen und für kurze Zeit dazu gebracht, miteinander zu agieren.

Schaub verwies dabei auf ein Beispiel aus einem Buster Keaton-Film, in dem Buster umzieht und anstelle eines Umzugsfahrzeugs all die Dinge, mit denen er umziehen will, so miteinander verbaut, dass er sie für kurze Zeit eben zum Zweck des Umzugs miteinander agieren lassen kann. Ich habe mich mal ein wenig auf Youtube umgeschaut – es könnte sich um “One Week” handeln, ganz sicher bin ich mir aber nicht, da nicht das ganze Mobiliar eigesetzt, sondern das (eh kaum zusammengehaltene) Haus als Ganzes mit Fässern in Bewegung gebracht wird.

Hier mal die letzten 1:11 Minuten, bis sich die temporäre Konvention auflöst:

Den ganzen Film kann man als Screener hier sehen: Teil 1 und Teil 2.

Da ich mich in letzter Zeit recht intensiv mit Ontologien, Taxonomien, Folksoniomien etc. beschäftigt habe, war ich recht (angenehm) überrascht, verwandte Formulierungen aus Mirjam Schaubs Mund zu hören: Deleuze taxiere das Kinobild, meinte sie, und charakterisierte eine Taxonomie als eine “flache Ontologie”, als ein Entwurf von Ordnungskriterien, der eine Erweiterung zulasse, in Bewegung bliebe, nie abgeschlossen sei.

Scheinbar gibt es außerhalb von Deleuze doch sowas wie eine verlässliche Konvention der Begriffe, zum Glück!

Ihre abschließende Empfehlung war, Deleuze lokal zu verwenden: “Wenn Sie keine Philosophen sind, müssen Sie sich nicht um das ganze System scheren!”.

Und das ist doch mal eine ermutigende Ansage:-P

Der Workshop hatte den Titel “Deleuzes Zeitbegriff und die Künste” und war ausgerichtet vom Initiativkolleg “Sinne – Technik – Inszenierung: Medien und Wahrnehmung” des Instituts für Theater, Film- und Medienwissenschaft der Uni Wien sowie vom Karlsruher Graduiertenkolleg “Bild-Körper-Medium. Eine anthropologische Perspektive” und fand statt im Wiener Da Ponte Institut.

Zemanta Pixie

Funny Games: Mit dem Grausamen kann man nicht verhandeln

11. Juni 2008

Funny GamesDas kam gerade richtig zu Hanekes eigenem Remake, Funny Games U.S. (2008), von Hanekes Funny Games (1997) – wie man hört, sollen sämtliche Einstellungen ident übernommen worden sein, nur die Schauspieler sind halt diesmal ganz große Stars, nämlich Naomi Watts und Tim Roth statt Susanne Lothar und Ulrich Mühe († 22. Juli 2007).

Mirjam Schaub hielt heute einen Vortrag im Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft zur Logik der Überschreitung als Logik der Grausamkeit.*) Kurz zur Handlung des Films (SPOILER WARNING):

Das Ehepaar Anna und Georg bezieht mit seinem Sohn „Schorschi“ in einem großzügigen, abgeschiedenen Ferienhaus am See Quartier. Nichts kann die Idylle trüben, so scheint es zumindest, auch nicht die beiden unterwürfig-höflichen Jünglinge Peter und Paul, die bald an die Tür klopfen und sich nur einige Eier ausleihen wollen. Doch von einer Sekunde auf die andere wechselt die Stimmung. Nach einer Ohrfeige von Georg werden die Besucher plötzlich äußerst gewalttätig. Peter und Paul nehmen die Familie gefangen und quälen sie, anscheinend ohne irgendein Motiv – bis zum Tode jedes Familienmitglieds.

Ich bilde mir nach Schaubs Vortrag ein, jetzt besser zu verstehen, warum mich Filme wie Collateral (2004) so nerven; Collateral lief neulich im Fernsehen; innerhalb kürzester Zeit gerät darin Taxifahrer Max (Jamie Foxx) in die Hände des Profikillers Vicent (Tom Cruise) und ist also gezwungen, alles zu tun, was dieser ihm sagt, denn der Killer hat die Knarre und die Bereitschaft, alles damit durchzusetzen. Während Max also in der Hand von Vincent ist, ist man als Zuschauer in der Hand der Gewaltandrohung im Film – mir sind solche Momente unerträglich, gerade weil ich weiß, dass hinterher wieder alles gut ausgehen wird und der Gewaltexzess davor ein gewollter, fiktiver (unnötiger) ist, und einer, dem ich mich nicht gerne aussetze, weil es mich trotzdem affiziert, obwohl ich weiß, dass es Fiktion ist. Ich habe also lieber abgewaschen als den Film im Fernsehen zu sehen:-P

Mirjam Schaub hat mich heute jedenfalls mit einer Erklärung dieser für mich unerträglichen Bilderhaft überrascht – ich habe Funny Games noch nicht gesehen, aber ich bin mir sicher, dass er äußerst unerträglich würde; schon die Ausschnitte, die sie zeigte, machten mich so nervös, wie mich alle unmotivierten (bzw. der Gewalt halber stattfindenden) Gewaltexkurse in Filmen nervös machen. Anbei ein paar Bits & Pieces, die mich mir notiert habe: Den Rest des Beitrags lesen »


Filmwettbewerb online, kein Internetfilm-Bewerb: Ich bin im Bilde

27. Mai 2008

Ich bin im BildeEine schöne Idee: Die Geisteswissenschaftler im interdisziplinären Promotionsnetzwerk Thesis nahmen sich des Online-Mediums an und richteten einen Filmwettbewerb namens “Ich bin im Bilde” im Netz aus. Die Fragen, die die Ausrichter bewegten, waren diese:

Geisteswissenschaftliche Fragestellungen sind einfach zu komplex, umfassend und abstrakt, um sie auf eine einfache Formel zu bringen. Beschäftigen sich die Geisteswissenschaften viel mit Sprache, so fehlt uns doch eine Sprache, mit der wir über Geisteswissenschaften reden können. Da kam uns die Idee: Die Geisteswissenschaften brauchen neue Bilder. Sie können helfen, die Geisteswissenschaften darzustellen, sie zu inszenieren, sie erfahrbar zu machen. Keiner allein wird diese Arbeit leisten können. Diese Plattform soll allen Nutzer helfen, ihre Ideen, Erfahrungen und Bilder mit und um die Geisteswissenschaften zu zeigen, zu teilen. “Ich bin im Bilde!” will den Geisteswissenschaften eine Bühne geben.

In neun Kategorien konnten bis 1. März Filme hochgeladen werden, die sich einem von neuen identifizierten Hauptthemen widmeten (die Zahl dahinter gibt die Zahl der Einreichungen an): Frau schreibt Geschichte (5), Demokratie im Wandel (9), Das Modell Mensch (16), Ohne Aufklärung keine Bildung (4), Globalisierung (6), Kriminalfall Geisteswissenschaften (5), Kultur vs. Natur (11), Vielfalt statt Reduktion (7), Das Andere – Perspektivenwechsel (12).

Zu gewinnen gab’s 1000 Euro von der Jury sowie einen Publikumspreis, der per User-Voting ermittelt wurde – ein Verfahren, welches sich als wenig manipulationsresistent erwies: Auf einmal gab es ganz viele Stimmen, die offensichtlich von Human Bots abgegeben waren…
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“Ich mach Hackfleisch aus dir!”

4. Mai 2008

Pardon. Der dritte Tag pausenlos über den Film “300″ nachdenken und drüber schreiben setzt mir ein bisschen zu – schön daran ist, dass ich den Film mit jedem erneut Anschauen einer Szene immer besser finde. Sogar der fade Witz “Then we’ll fight in the shade!” liegt mir schon dauerhaft auf den Lippen. Passend zur Headline dieses Bild, für die, die noch nicht wussten, dass es neben dem Käseigel auch das Hackepeterschwein gibt. Ich hab aber den Verdacht, dass das nur auf Spartanerparties so richtig populär ist.
Hackschwein
Quelle


Sixpacks in Motion: 300

2. Mai 2008

Werde vermutlich noch das ganze Wochenende mit dem Finalisieren eines Artikels für einen Band zu Körpern im Film beschäftigt sein – da praktisch keine Erinnerungen an die Abgabe eingetroffen sind, befürchte ich ein wenig, dass es der Artikel gar nicht in die Endfassung schaffen wird#-)

Nichtsdestotrotz – nachdem ich so intensiv nachgedacht habe über das zu Schreibende wird es nun auch zu Ende geschrieben. Das Schöne an dem Band ist, dass nur über Filme der letzten 10 Jahre geschrieben werden darf – Filmwissenschaftler haben eine gewisse Neigung zur Mottenkiste und ich behaupte ja auch selbst immer wieder, dass man die Filmproduktion getrost für zwei Jahre einstellen und erst einmal die ganzen alten Perlen wieder anschauen könnte:-)

Aber immer wieder nur über Paris is Burning, Videodrome und The Exorcist zu lesen ist auch fad. Darum: Ich hab’ mir 300 als Thema ausgesucht – yay!

NARRATOR/DILIOS
When the boy was born, like all Spartans, he was inspected. If he had been small or puny or sickly or misshapen, he would have been discarded. From the time he could stand, he was baptized in the fire of combat. Taught never to retreat. Never to surrender. Taught that death on the battlefield in service to Sparta was the greatest glory he could achieve in his life.


Film macht Wünsche wahr (in pastell)

24. April 2008

Ceremuski PosterGod bless. Das Österreichische Filmmuseum hat mir heute das schönste Filmerlebnis seit JAHRZEHNTEN beschert: Gerbert Rappaports Čeremuški bzw. Черемушки, eine Filmoperette, produziert 1962 während einer kurzen Tauwetterphase in der Sowjetunion. Ein pastellfarbener Traum, dessen Schönheit und Anmut die ganzen Retrohipster NIE erreichen werden – und ich wünschte ich könnte ein, zwei gute Screnshots auftreiben, doch das einzige was ich finden konnte, ist ein Serie aus einer scheinbar schon ziemlich runterkomprimierten digitalen Raubkopie.

Man stelle sich die Schlussszene vor: ein rothaariger Held im Sprengmeisteranzug ist im Begriff eine marode Hütte der Baustellenverwaltug in die Luft zu sprengen, die nun nicht mehr benötigt wird, weil es jetzt einen Zauberwald identer Neubauten (in denen eine 2-köpfige Familie auch eine 2-Zimmerwohnung haben darf!) gibt. Doch sein Herz ist gebrochen, weil seine Angebetete ihn verschmäht, nachdem er ihr mit einer krummen Aktion einen geraden Weg zu einer Wohnung für sie und ihren Vater verschaffen wollte (Soundtrack und Operettenvorlage: Schostakowitsch, alle sieben Minuten beginnt die nächste Operettennummer). Während die Lunte funzelt, pflückt er eine letzte Margarite neben der Hütte und beginnt zu zählen: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, … Freunde und auch die Geliebte sind in Aufruhr, aber – BAFF BAFF BAFF! – die Hütte fliegt in die Luft, und mit ihr der Rothaarige, und zwar direkt auf den Balkon der Angebeteten. Happy End. Die Margarite verwandelt sich in eine Animation und nimmt einen Platz im Wort ENDE ein, während ein Flugbild die glückliche Siedlung (=Черемушки) zeigt.

Ungeklärt, ob die Pastellfarben dem Stil oder dem Zahn der Zeit zu schulden sind – die Einführung ließ auf den Willen des in Wien geboren und in der Sowjetunion (gewaltsam) gestorbenen Regisseurs Rappaport schließen, das Blutgerinnselrot im Abspann sah aus wie ein arg verblichenes Schwarz.

Ich schöre, noch nie hatte ich so gerne in einer Filmwelt leben wollen wie in dieser! Strahlendblauer Himmel, unschuldig verliebte, junge Ehepaare, die sich im Theater treffen müssen, weil sie keine Wohnung zugewiesen bekamen (aber deswegen nicht gram sind, sondern lieber ein Liedchen singen), Vogelhäuschen, die sich per Animation in Wohnhäuser verwandeln, und alle können so gut tanzen…

Hier eine Auswahl aus den Screenshots – nach dem Jump gibt es Links zu weiteren Dateien (640×480 Pixel), die nur direkt in einem privaten Verzeichnis auf Photobucket aufgerufen werden können. Danke, Herr Rappaport für diese Köstlichkeit – wenn Film ein Seelenheitmittel ist (und davon bin ich fest überzeugt; übrigens auch davon, dass Film erwunden kann), dann ist Черемушки das Penecillin unter den Filmen!

Cheremusk

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