Warum mein Bruder großartig ist

28. Juni 2009

Rein demographisch / volkszählungsstatistisch ähneln mein Bruder und ich uns nicht besonders: Er wohnt auf dem Dorf, ich habe mittlerweile in sechs Städten >100.000 gewohnt, seine Auslandsreisen beschränken sich auf Österreich, ich habe mich dort niedergelassen, ich habe bislang mehr als ein halbes Dutzend verschiedene Jobs durch gemacht, er ist seit Anfang der 90er Reinigungsfachkraft bei der gleichen Firma.

Das sind alles nur die äußeren Anzeichen – und das deutsche Bildungssystem mit seiner über die Jahrzehnte immer stärker werdenden Tendenz zum frühzeitig ‘Aussortieren’ und zur Elitenbildung sowie die angespannte Arbeitsmarktlage in strukturschwachen Regionen sind wohl hauptverantwortlich für die Unterschiede, die auf dieser Ebene zu diagnostizieren sind. Drinnen aber schaut es ganz ähnlich aus, auch wenn wir uns nur etwa ein Mal im Jahr sehen.

Ab und an schreibt mir meine Bruder Emails, und nachdem ich ihn letzte Woche endlich dazu überreden konnte, Facebook statt dieses dämliche Wer-kennt-wen zu benutzen, schreibt er mir heute:

hi ho mir gefällt facebook…
mir gefällt es soviel alben zu erstellen und auch meine normalen bilder mal an den mann oder die frau zu bringen…. ansonsten habe ich festgestellt, dass dort fast alles gepostet wird was im leben ums leben und um wichtige und unwichtige sachen geht…..

Perfekt beschrieben. Und darum ist mein Bruder großartig. Ganz nebenbei gendert er auch ganz automatisch – er ist nämlich eine echte Perle. Und den Rest der Menschheit werden wir auch noch aus WKW befreien.

Irgendwann suche ich mir noch einmal das Mail hervor, indem mein Bruder mir erklärt hat, warum Open Source-Software die Zukunft ist – das ist ein Text, der die Stärken von Open Source und Free Software in einer Klarheit darstellt, ohne dabei Phrasen zu dreschen, wie man ihn selten findet.

Oh, und sein liebstes Hobby ist derzeit, mit Gimp und Blender diverse Wallpaper mit Ubuntu-Themen zu erstellen.

Z.B. diese hier:

native graphic design by Stefan Herwig

native lava by stefan herwig

ubuntu design studie by stefan herwig

Link zu Stefans Flickr-Stream
Link zu Stefans Facebook-Profil

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Video: Facebook, YouTube, ARGs und die Avantgarde als Lebenspraxis

20. Mai 2009

Ein ausführlicheres Blogpost gibt es später, jetzt zunächst einmal den Link zur Aufzeichnung – ich fürchte, wir haben die Übertragung der Diskussion ins Web versehentlich abgebrochen. Dabei hatte ich ja extra alle Fragen nochmal wiederholt B-) Nun ja, so eine Wiederholung kann einer Diskussion ja auch ein zusätzlich sinnstiftendes Moment geben. Ich muss Michael Thurm fragen, ob seine Aufnahme der Diskussion geglückt ist.

Hinweis: Einbetten in diesen Blog ging im Fall nur über Vodpod (finde nicht heraus, was der ustream.tv embed code ist, wenn es denn einen gibt) – leider fängt dann das Video ganz vorne an, und da hatten wir noch Tonprobleme. Bei 3:48 geht es ohne Probleme weiter – auf Ustream selbst habe ich die Startzeit entsprechend eingestellt. Kostet einen Klick, das Video direkt dort zu anzusehen.


Gibt es die digitale Avantgarde? Einladung zum Vortrag von Jay D. Bolter!

9. April 2009

jaydbolterJuhu! Am Dienstag, den 19. Mai kommt Jay D. Bolter (Wikipedia, Homepage), der etlichen u.a. als Co-Autor von Remediation bekannt sein könnte, nach Wien und spricht ab 19:30 Uhr über:

Facebook,YouTube, ARGs und die Avantgarde als Lebenspraxis

Ort: Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft (mein Arbeitgeber) in der Hofburg, Batthyanystiege (Eingang Michaelerkuppel, über dem Sisi-Museum, siehe auch Google Maps).
Waschzettel mit allen Infos

Webstream-URL: http://www.ustream.tv/channel/tfmvienna

Im Schreyvogelsaal wird der Vortrag und die Diskussion stattfinden und für den Fall der Fälle wird es auch einen Stream im Jura-Soyfer-Saal geben. Und einen ins Web. Und ein eigenes Twitter-Tag: #jdb. Und im Anschluss eine kleine Stärkung und Getränke, die der Zusammenarbeit mit dem net culture lab zu verdanken sind. Und offenes WLAN sowieso. Und obendrein wird Jay Bolter den Vortrag auf Deutsch halten.

Das Thema des Abends liegt mir persönlich sehr am Herzen, nicht allein weil ich den Abend organisiere, sondern auch weil ich hoffe, mir wünsche, dass möglichst viele Menschen, welche die digitale Avantgarde als Lebenspraxis pflegen (Twitteranten, Blogger, Flickerer, Leute, die nirgends ohne SmartPhone und oder LapTop hingehen) dort auftauchen – und somit meine Kollegen am Institut einmal sehen, dass es bei weitem keine einsame Exzentrik ist, die ich da mit meinen Gadgets und Netzwerken betreibe;-)

Bolter ist jedoch keiner von denen, die über etwas fantasieren, dass sie selbst kaum nutzen: Im letzten Jahr hätte ich gerne an seinem Vortrag an der Uni Bayreuth zur Kontinuität von Alten und Neuen Medien (eins meiner Steckenpferde) tele-teilgenommen, nur leider gab es keinen Webstream. Ich schrieb ihn also an, beschrieb mein eigenes Forschungsvorhaben – und bekam kurze Zeit später nicht nur eine Email-Antwort, sondern auch ein Facebook Friend Request. Bislang ist mir so etwas leider noch kaum passiert in der europäischen Medienwissenschafter-Landschaft!

Weitere Info zum Thema des Abends – Auszug aus dem Waschzettel:

Unsere gegenwärtige Medienkultur ist von zwei Formen der Mediatisierung geprägt, denen zwei grundverschiedene Ordnungen des Sehens, der Blickregimes (scopic regimes) und damit der ideologisch gefärbten Weisen, die Welt darzustellen, entsprechen:

Die erste Form, Transparenz, finden wir etwa in (Mainstream-)Unterhaltungsfilmen, Fernsehdramen und einer Vielzahl von Nachrichtenmedien, d.h. überall wo eine transparente Darstellung der mediatisierten ‚Wirklichkeit’ angestrebt wird. Die zweite Form, die Hypermediatisierung, erkennt man in avantgardistischer Kunst, aber auch in neuen digitalen Applikationen, etwa klassischen Web 2.0-Anwendungen wie Facebook und YouTube oder in Alternate Reality Games (ARGs), welche mit und über verschiedene Medien hinweg (z.B. Webseiten, Email, Telefonanrufe) gespielt werden.

Nur mitunter ironisch stellt sich der Vortrag der Frage, ob diese neuen populären Medienformen nicht endlich die historische Aufgabe der
Avantgarde erfüllen könnten, nämlich die Kunst in die Lebenspraxis zu verwandeln.

Und abschließend noch etwas Hintergrund: Transparency und Hypermediacy sind Schlüsselbegriffe aus Remediation, dessen Kernargumentation ist, dass Mediengeschichte nicht etwa, wie es populär oft dargestellt wird, eine Abfolge von technischen Revolutionen ist, die uns überrollt, sondern dass Medientechnologien vielmehr aus einem Netzwerk an physikalischen, sozialen, ästhetischen und ökonomischen Beziehungen bestehen, die sich immer wieder neu formieren.

Ein kurzer Auszug aus Remediation (S. 19):

Like other media since the Renaissance – in particular, perspective painting, photography, film, and television – new digital media oscillate between immediacy and hypermediacy, between transparency and opacity. This oscillation is the key to understanding how a medium refashions its predecessors and other contemporary media. Although each medium promises to reform its predecessors by offering a more immediate or authentic experience, the promise of reform inevitably leads us to become aware of the new medium as a medium. Thus, immediacy leads to hypermediacy. The process of remediation makes us aware that all media are at one level a play of signs, which is a lesson that we take from post structuralist literary theory.

Wie gesagt: Ich freue mich auf den Abend – kommt zahlreich!


Facebook returns to old ToS – for the time being

18. Februar 2009

I really wouldn’t call this a “victory of the customer” – but at least they’re keeping their eyes and ears open towards user. Found this in my Facebook this morning (copied and pasted it here, as I cannot link into my Facebook if you’re not a member):

Terms of Use Update

A couple of weeks ago, we posted an update to our Terms of Use that we hoped would clarify some parts of it for our users. Over the past couple of days, we have received a lot of questions and comments about these updated terms and what they mean for people and their information. Because of the feedback we received, we have decided to return to our previous Terms of Use while we resolve the issues that people have raised.

Moments later, they added: “For more information , visit the Facebook Blog” – but the blog seems to be done now:-P

EDIT: Funny to see how the text changes every other moment:) Now the link is gone again and it reads:

Over the past few days, we have received a lot of good feedback about the new terms we posted two weeks ago. Because of this response, we have decided to return to our previous Terms of Use while we resolve the issues that people have raised.

EDIT: They’ve changed them again! And added a link to a group named Facebook Bill of Rights and Responsibilities – pwease! Don’t push it!

Over the past few days, we have received a lot of feedback about the new terms we posted two weeks ago. Because of this response, we have decided to return to our previous Terms of Use while we resolve the issues that people have raised.

If you want to share your thoughts on what should be in the new terms, check out our group Facebook Bill of Rights and Responsibilities.

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Ich erfülle dir einen Social Mediawunsch (was: Meine Wortspende zum AfrikaCamp)

4. Februar 2009

Martin Konzett von ICT4D.at hat soeben meine fünfminütige Wortspende aus Anlass des AfrikaCamps bei YouTube hochgeladen. (English version below)

5 Minuten sind eine lange Zeit im Web – wer es schafft sich das Video bis zum Schluss anzusehen und als Beweis in einem Kommentar die Antwort auf die Frage “What is most important?” hinterlässt, dem erfülle ich einen Social Media Wunsch (blogge oder twittere über etwas, das dir wichtig ist, werde dein Freund auf Facebook, folge dir für mindestens einen Monat auf Twitter – you name it).

Kommentare werden zur Zeit moderiert, spicken also nicht möglich. Aktion läuft bis Montag, 9.2.2009.

5 Minutes are a long time on the social web – who ever manages to watch the video through until the end and leaves a comment with an answer to the question “What is most important?”, that person may make a free social media wish (I’ll blog or twitter about something that matters to you, will become your friend on Facebook, will follow you for at least a month on Twitter – you name it).

Comments are moderated at the moment, cheating is not possible. The raffle will run until Monday, 9.2.2009.

Was es ansonsten noch zu dem Video zu sagen gibt:

  • Das Fish Eye ist immer noch evil.
  • Der Beitrag war nicht geskripted – pardon für die vielen “ums”. Immerhin hab ich fast exakt 5 Minuten gesprochen, wow.
  • I’ve got helmet hair.
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Neulinge im Social Web: It’s YOUR Remix!

27. Dezember 2008

Aber das dauert am Anfang eine Weile, bis man das nach den Jahren in der TV-Gefangenschaft versteht. Folgende Nachricht erreichte mich heute auf Facebook von einem ehemaligen Klassenkameraden, der Facebook gerade zu nutzen beginnt;-)

Vermutlich bekommt er bei jeder neuen Aktivität im Activitystream eine neue Benachrichtigungsmail – oder er hatte den Eindruck, dass ich seinen Activitystream dominiere:)

P.S.: “als” in diesem Kontext (auch als “alst” oder “alste” zu hören) ist Nordhessisch für “andauernd”.

Facebook Newbie


Vom Wert der Mikronischenrevolte (ad causam Lorenzis)

11. November 2008

Seit gestern läuft unter www.scheissinternet.at eine Mikrorevolte gegen ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz’ Äußerungen über (O-Ton) “dieses Scheiß-Internet” am Freitag, 7.11., bei einer Panel-Diskussion am Elevate-Festival. In einem allerersten Blogpost am nächsten Tag berichtete Sebastian Bauer:

Hat er das gerade wirklich gesagt, “scheiß Internet”? Er hat! Und wird nicht müde es zu wiederholen, er redet sich geradezu in Ekstase. Die Jugend von heute sei nicht in der Lage sich richtig zu artikulieren. Außer in Postings im Internet. Und ihm sei es “scheißegal”, was wir in diesem Internet machen würden.

Auf heftigen Widerspruch aus dem Publikum und die Feststellung, dass man im Internet interessantere Angebote finden würde als sie der ORF biete, folgte der Sager des Abends. “Es ist mir scheißegal, ob Sie zuschauen oder nicht.” Wortwörtlich hat er es so gesagt, der Programmdirektor des ORF.

(Siehe auch Bericht und Fotos auf Chilli.cc)

Wird es dem Herrn Lorenz also weniger scheißegal sein, dass unter www.scheissinternet.at offene Briefe an Lorenz gesammelt werden?

Die offenen Briefe bestehen aus Tweets, d.h. einzelnen, maximal 140 Zeichen langen Botschaften auf der Mikroblogging-Plattform Twitter, den die Autoren das Hashtag #anlorenz zugefügt haben – so sieht Widerspruch im zeitgenössischen Format aus, denn für 140 Zeichen findet sich in der postmodernen Arbeits- und Identitätsmanagementsgemengelage und im Angesicht des allgemeinen Aufmerksamkeitsdefizits immer noch die Zeit.

Ich bezweifle allerdings, dass Wolfgang Lorenz et al. in der Lage sind, eine Mikrorevolte zu verstehen, bzw. überhaupt einen Protest als solchen wahrzunehmen, der nicht so ausschaut wie er in seiner eigenen Jugend praktiziert wurde:

„Es fehlt eine aufgekratz[t]e Jugend, die ihre Chance einfordert und Lust hat, die Gesellschaft in die Luft zu sprengen“, bedauert Lorenz.

Vergessen wir auch nicht: Viele heutige 1968er imaginieren sich selbst retrograd als ehemalige Aufmüpfige – in Wahrheit haben viele (wie z.B. meine Mutter) lediglich ein oder zweimal in einer ausgefallen Unterrichtsstunde auf der Schulmauer gesessen und “Ho-Ho-Ho Chi Min” gerufen, aber im Rückblick und im Angesicht der heutigen ‘Jugend’ und der eigenen Unfähigkeit, die Welt aus deren Augen zu sehen, schneidet ihre eigene Generation im Vergleich natürlich um einiges revolutionärer ab.

Mikrorevolten im Netz gestalten sich wesentlich pragmatischer – vom Bürostuhl oder Sofa aus lassen sich Facebook-Pages wie diese – I ♥ Wolfgang Lorenz – Scheiss Internet – ins Leben rufen, denen man sich mühelos mit einem Mausklick anschließen kann. Ease of Use, Ease to Revolutionize, Herr Lorenz. Das müssen Sie nicht verstehen, Herr Lorenz, aber es liegt nicht an Ihrem Alter – Alter mag zwar häufig mit geringer Internetaffinität korrelieren, aber die Rechnung ‘Die Jugend vs Lorenz’ geht hier ebenso wenig auf wie ‘Lorenz vs die Jugend’.

Fragen Sie doch mal Ihren Fast-Jahrgänger Howard Rheingold – der Einfachheit halber, fragen Sie ihn auf Twitter! Und warum sehe ich jetzt schon vor meinem geistigen Auge, wie Sie die Nase rümpfen angesichts des Gedankens einer Revolte vom Sofa aus?

Aber wer hier die Nase rümpft hat was nicht verstanden, und der möge sich bitte den US-Präsidenschaftswahlkampf vom Team Barack Obama noch einmal anschauen – Menschen interessieren sich für Menschen, und die (textbasierten) ad hoc Gespräche, die auf Plattformen wie Facebook und Twitter stattfinden, haben in den heutigen Zeiten den durchschlagenden Effekt.

Mit einer Horde plakatbewehrter Schreihälse allein kann man heute nur noch Fernsehkameras beeindrucken, aber keinen Wandel der Gesellschaft herbei zwingen. An dieser Stelle sei dann auch noch mal auf die fantastische Twitter-Berichterstattung von den Castor-Demonstrationen und Blockaden hingewiesen – so arbeiten Straßenprotest und Netz zusammen, anno 2008! Und nicht durch Zufall haben sich diese Leute mit den letzten Tweets auch noch mal Obamas inoffizielles Wahlkampfmotto (das erst durch das Video von Will.i.am popularisiert wurde) auf die Fahnen geschrieben:

dies war der absolut großartigste #castor widerstand ever. because we can. auf wiedersehen.

Summa summarum: Ich glaube nicht, dass Wolfgang Lorenz und die, welche die Sache ähnlich sehen wie er, überhaupt auch nur in der Lage sind, das was im Netz grad abgeht, als Revolte zu sehen (andere sind da optimistischer). Ich bin mir selbst nicht einmal sicher, ob ich es als Revolte sehen möchte – Mikro- oder eher noch Mikronischenrevolte, das erscheint mir passender. Im Camp der in Österreich bloggenden, twitternutzenden Internetbevölkerer ist man ziemlich echauffiert – aber Mikronischen jucken den ORF eben nicht.

Und eben darum wird er so schnell auch keine weiteren ‘Jugendlichen’ (bzw. wer auch immer auf der anderen Seite der Polarisierung vermutet wird – ich sehe mich mit meinen 34 Jahren nun wirklich nicht mehr als Jugendliche) vor den Fernseher locken.

Finale Worte: Wenn ein Programmdirektor so etwas sagt, ist das eigentlich eine hervorragende Gelegenheit, um eine Inhalts- und Qualitätsdebatte zu starten – und zwar eine, die die Inhalte und Qualität des programmdirigierten Fernsehens zur Debatte stellt. Hat der ORF überhaupt schon reagiert (bzw. in einer Form reagiert, die im Netz ankommen möchte)?

Auf seinen Österreich-Seiten konnte ich bislang nichts finden (was auch am Mangel einer brauchbaren Suchfunktion auf orf.at liegt – und das sagt schon eines über das Verhältnis des ORF zu einem Medium, dessen wichtigste Kulturtechnik die textgesteuerte Suche ist), und der Pressebereich des ORF ist eben auch nur der registrierten Presse zugänglich – auch das ist eine charakteristische Aussage darüber, wie sich der ORF im Zeitalter der Bloggens und Citizen Journalis sieht, wo jede mit einem Laptop und Internetzugang selbst zum Beobachter und Reporter werden kann. Schade.

Edit: Es gibt einen gezähmten APA-Bericht, den der Standard gebracht hat – den habe ich via Heinz’ Tweet auf seinem Blog gefunden.

Siehe auch: Post vom Tag darauf.

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BarCamp Vienna bei HP – SUPER! Und: Keiner soll hungern!

5. Oktober 2008

Gerade zurück vom zweiten Tag des BarCamp Vienna 2008, der etwas leerer (soll heißen: nicht proppenvoll) war und bei dem die Diskussionen darum teilweise noch intensiver waren. Die Vielzahl der Räume war wirklich ein Bonus, dadurch waren auch vier und fünf parallele Sessions möglich (nur im großen Raum fühlte man sich manchmal ein bisschen einsam – für plenumartige Zusammenkünfte zu Beginn und Ende ist so ein Raum aber klasse). Werde meine Session vermutlich heute abend noch dokumentieren, danke an Luca für den Livestream und an Heinz für das Twitterfeedback dazu – fantastisch, dass so etwas klappt in der schönen bunten Web 2.0-Welt: Feedback bekommen von Personen, die per Webvideo an einer Veranstaltung teilgenommen haben. Und besonderen Dank nochmals an Michaela Amort, Dieter Zirnig und Max Kossatz a.k.a Orgateam from Heaven für das zauberhafte Ereignis!

Unglaublich gut ist auch das BarCamp-Panorama von Stefan Kuzmanov a.k.a. Vollwertmedia geworden – das sollte HP für die vielfache Abbildung des Logos (auf den Bändern) und des Firmengebäudes in so exquisiter Form direkt noch einen finanziellen Dank wert sein! Und ich bin doppelt froh, dass ich die roten Stiefel angezogen habe – das ist ja fast schon aufdringlich, die Präsenz, die das entwickelt:-) (und ich hab mal wieder einen Link, den ich der Mama schicken kann und dank dem der Kram, den ich mache, nicht mehr ganz so obskur wirkt für sie – hoffentlich).

Jede Menge Fotos gibt es auch auf Flickr sowie auf Facebook – jenseits des Logins, aber dort wird es eh jeden erreichen, den/die es angeht, daher kein Link.

Am Ende des Posts noch eine Frage, die mich persönlich beschäftigt: Hat dieser Mann Hunger? Wer ist er, so dass man ihm helfen könnte? Er ist in Wien häufig anzutreffen gegen Ende von Veranstaltungen, d.h. wenn die inhaltlichen Themen bereits abgefrühstückt sind und das Buffet aufgetischt wird. Letzteres wird der Grund sein, warum ihm im MQ schon der ad hoc Name “young buffet vulture” gegeben wurde. Spricht man ihn darauf an, warum er das macht (vielleicht schreibt er ja ein Buch darüber, wie man billig durch Wien kommt?) gerät das Gespräch schnell ins Stoclen – obwohl er ansonsten gerne in Gespräche hinein horcht und sich bei passender Gelegenheit einklinkt (mich etwa fragte, ob ich meine Stiefel wirklich nur angezogen hätte für die Schuhfotoserie auf Datenschmutz.net, was Gegenstand einer früheren Unterhaltung von mir mit Ritchie P. gewesen war). BarCamps sind ein Geben und Nehmen – er nahm nur die Brötchen, vom Wissen der andern wollt’ er ganz bescheiden gar nix haben. Muss jeder selbst wissen, war er besser verdauen kann.

EDIT: Mr Anonymous hat jetzt schwarze Balken – so kann man ihn nur erkennen, wenn man ihn kennt, oder er sich selbst, falls er vorbeikommt. Michaela meinte, ich stelle ihn an den Pranger, daher etwas mehr Privacy – ich sehe das etwas anders, zumal mich Buffet Vulturing als Phänomen (der digitalen Bohème? am Rande der Corporate World?) in der Tat interessiert. Lohnt sich, das mal aufzugreifen.

Hat wohl mit meiner Herkunft vom Lande/aus bildungsfernen Schichten zu tun – wo die Mittel knapper sind, gibt es nichts gratis, und auch bei BarCamps ist das Essen ja nicht gratis, sondern quasi angenehmer Nebeneffekt für das Engagement und Teilnehmen. Wann immer ich in solche Buffetrunden gerate (auf Konferenzen/bei Unternehmenspräsentationen) habe ich selbst nochmal meine Momente der Entfremdung – dann denke ich daran, wie meine Mutter mit großen Augen vor solchen Buffets stehen würde, oder ganz daran, wie sie mir einmal berichtete, dass es irgendwo Brötchen gratis gab und wie ungewöhnlich und lecker die gewesen waren und was das alles wohl gekostet haben muss/was sie sich dadurch erspart haben, wieviel sie (mit leicht schlechtem Gewissen) gegessen haben…

Wer erst einmal qua Bildung und Arbeit die soziale Leiter aufgestiegen ist, dem werden immer mehr Annehmlichkeiten dieser Art zuteil – der kann sich auch mal das Geld fürs Abendessen so ersparen. Insofern sind Buffet Vultures natürlich eigentlich begrüßenswerte Keile / Stolpersteine im Getriebe des kapitalistischen Begünstigungssystems – von außen betrachtet. Von innen betrachtet sieht das anders aus – da find ich (ich als eingemeindet ins System) es doof, dass da einer sich nicht für die Inhalte interessiert (hätte ja teilnehmen können am BarCamp) und wenn man nachfragt auch noch patzig wird. Das System ist halt opaque und widersprüchlich…

EDIT EDIT: Buffet Vultures verfügen über das kulturelle Kapital, das es ihnen erlaubt, sich so unters Volk zu mischen. Putzfrauen nicht. Die müssen ihr Abendessen darum selber kaufen.

EDIT EDIT EDIT: Je länger das Bild zu sehen war, um so mehr musste ich Michaela zustimmen – zwar war es eher als glossenartiger Abschluss gemeint gewesen, aber dieser selbst imaginierte Kontext verschwindet ja im Laufe der Zeit. Drum isses jetzt ganz weg – immer noch besser fänd ich es aber, wenn betreffende Person sich einklinken würde ihn die Diskussionen, im eigenen Interesse, und nicht erst zum Buffet käme. Dann dürfte man ihn auch fotografieren, ohne dass das Anstoß erregt (was auch wieder eine für sich zu bedenke Sache ist: dass jedeR, der auf BarCamps geht, quasi mit dem Erscheinen zustimmt, fotografiert und ins Netz gestellt zu werden).

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Ich bin mit Lily Allen befreundet

8. Juli 2008

Lily Allen ist meine FreundinAuf Facebook. Und angeblich ist das kein Fake – immerhin gibt es das BBC Widget “Lily Allen & Friends” auf ihrer Seite. Lily hat derzeit 4012 Freunde – vermutlich muss man extra einen Assistenten anstellen um sich dann noch um alle Freunde kümmern zu können. Ob sie bereits einen Zombie hat? Let’s find out…


Wer heutzutage alles Freund mit einem sein möchte

1. Juli 2008

Gestern hat mich ein Friend Requst auf Facebook erreicht von einem ehemaligen Vorgesetzten, der mir meine damalige Kündigung ein bisschen übel genommen hatte. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mir dachte – nachdem ich mir die eher echauffierten Abschiedsworte angehört, mir eskalierende Antworten aber verkniffen hatte: “Na, das hätte man aber etwas freundschaftlicher gestalten können. Man läuft sich doch immer zweimal über den Weg! Tsssk.”

Und gestern trudelt mir da also eine Freundschaftsanfrage ins Haus. “Wie unverfroren”, war meine erste Reaktion, “sich so benehmen und dann Freund mit mir sein wollen.” Eigentlich wollte ich auf “Ignore” klicken – statt dessen nahm ich den Freundschaftsantrag an und tat, was ich für noch unverfrorener hielt: ließ den Menschen von meinem Zombie beißen. Natürlich nahm er an: “###has joined your army and given you an additional 25 points. Muhahahaha!”

Ein komischer Wettbewerb der Unverfrorenheit: Heute morgen ist er gleich wieder vom Zombietum abgefallen – und ich hab’ den Freundschaftsantrag dann mal wieder zurück genommen:-)

Das sind die Geschichten, die das digitale Onlineleben spielt!