#unkomm – Strategiepapier für eine bottom-up Musikfachmesse und Festival

19. Juni 2009

Als ich die Nachricht eines Freundes - “popkomm abgesagt. Grund: Pirate Bay” - auf Facebook las, dachte ich erst, das wäre ein pfiffiger Witz von einem pfiffigen Freund. Eine Viertelstunde später gab’s einen ähnlich lautenden Tweet von Daddy D und dazu einen Link auf diepresse.com. Dort war zu lesen:

Die Musikmesse Popkomm fällt in diesem Jahr überraschend aus. “Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen”, sagte der Messegründer und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny, am Freitag.

“Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch.” Deshalb sei die Absage auch als Aufforderung an die Politik zu werten, mehr gegen Internetpiraterie zu tun. Die Messe – einer der wichtigsten Treffs der Branche – war vom 16. bis 18. September in Berlin geplant.

‘Ja, leck mich’, war meine erste gefühlte Reaktion und die zweite, als Tweet formuliert:

Popkomm absagen und es der Internet-Piraterie anhängen is wohl der schäbigste PR-Stunt seit langem

Denn was kann das ganze anderes sein als ein PR-Stunt? Wenn Musikpiraterie wirklich das Kernproblem der Branche wäre (und nicht z.B. die schlechte, an Quickwins ausgelegte A&R-Arbeit), dann sollte man aber schon gar nicht auf die jährliche Fachmesse verzichten, sondern diese Problematik vielmehr dort in den Mittelpunkt stellen. So man sich ernsthaft, d.h. nicht nur mit blinden Kriminalisierungskampagnen damit auseinandersetzen will.

Wahrscheinlicher ist es wohl, dass man sich im Dunstkreis von VIVA-Mitgründer Dieter Gorny völlig verschätzt hat, wie eine solche Ankündigung in der Öffentlichkeit ankommt. Spekuliert hat man wohl auf eine Reaktion wie die folgende:

“Oh nein, wir müssen dringend was gegen die Internetpiraten machen, damit Dieter Gorny uns die Popkomm wieder gibt!”

Eine klassische Erziehungsmaßnahme: Wenn die Musikkonsumentin sich nicht so benimmt, wie die Musikindustrie sich das vorstellt, versucht man ihr das Zuckerl wegzunehmen – nämlich die Straßenfest- und Kommerzkarnival-Atmosphäre, die manche mit Nähe zu den Popstars verwechseln.

Denn was ist die Popkomm wirklich? Ich kenne sie noch aus Kölner Zeiten, wie sie nach dem Umzug in Berlin ablief kann ich schwer sagen, aber der folgende Tweet von Regine Heidorn (als Antwort auf meine Frage “Liebe Leute in Berlin! Könnt ihr es schaffen, eine bottom-up Popkomm zu organisieren? #unkomm”) zeigt doch, wie wichtig die Popkomm wirklich ist:

Berlin IST eine einzige große #unkomm, daher findet die #popkomm hier nicht mehr statt. :-) #BerlinerArroganz

Meiner Kölner Erinnerungen eingedenk würde der Verlust der Popkomm folgendes bedeuten:

  • keine Massenveranstaltungen mehr an öffentlichen Plätzen, die die Dixi-Klos zum überlaufen bringen
  • keine Heerscharen von Promotoren, die Zigaretten oder Alk bewerben, Daten für sinnlose Gewinnspiele sammeln und Berge von ungelesenen Flyern hinterlassen
  • keine Gelegenheit für die Handvoll gehypter Allstars der großen Label, jede Stunde auf einer anderen Bühne ihren Hit und den geflopten Folgetitel nochmal zum besten zu geben
  • keine überbewerteten, von Majors organisierten angeblichen Exklusiv-Veranstaltungen a.k.a. Meet & Greet mit Bijongseh und Yvön Catterfeld oder wie die alle heißen
  • keine gratis Cokelines für die A bis Z-Prominenz der Journaille, Musik- und Medienbranche im Backstagebereich des Messe-Venues
  • keine Gelegenheit für kleine, junge wie alte Bands, sich einem Publikum vorzustellen

Eh klar: Der letzte Punkt ist der einzige, um den es schade ist.

Und gerade für den braucht man die Musikindustrie und Dieter Gorny und die Popkomm nun wirklich überhaupt nicht.

Eine bottom-up organisierte Musikmesse könnte also wie folgt aussehen:

  1. Messe als dezentrale Konzertreihe: Warum alle nach Berlin reisen? Das treibt die Preise für die Unterkunft in die Höhe bzw. zwingt die Spätbucher mehr auszugeben als nötig. Für die Umwelt ist es sowieso nicht gut. Venues für gute Musik und Konzerte gibt es dagegen überall. Unter dem Dachbegrifff #unkomm veranstalten viele mittlere, kleine und kleinere Musikschuppen ein dezentrales Musikfest – alles ist erlaubt, wo die Preise moderat sind und die Musik im Vordergrund steht.
  2. Messe mit minimalstem Marketingbudget: Ganz im Ernst – die gebrandeten T-shirts, Tassen und Taschen, die Tonnen Flyermaterial, die messebetreute, schwerfällige Website, das braucht es alles nicht. Irgendjemand müsste einen Wiki bereit stellen/sponsern und mit verschiedenen Seiten für die verschiedenen Städte ausstatten, das wäre schon hilfreich. Man braucht ein simples Logo, das auf einem billigen Drucker, d.h. am besten in schwarz-weiß ausgedruckt werden kann, so dass man es außen an Lokal/Bar/Club anbringen kann. Eventuell braucht es umgekehrt auch Bestimmungen dafür, welcher Eintrittspreis nicht überschritten werden darf – je günstiger die Tickets je besser. Teure Orga und Marketingausgaben rechtfertigen so jedenfalls keine überhöhten Preise.
  3. Messe mit Themen, die von den Menschen kommen: Ähnlich wie BarCamps den Wissensaustausch auf offenen Konferenzen revolutioniert haben, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass sich Musikjournalisten, Künstler und Branchenvertreter nur näher kommen können, wenn das ganze in klimatisierten Räumen mit Zugangsbeschränkung stattfindet. Gerade für die Themen, die den Künstlern am Herzen liegen (etwa “Was mache ich, wenn man mir einen Knebelvertrag anbietet?” “Ist DSDS meine letzte Chance?” “Wie ist das mit den Samples und was ist Creative Commons?”) sollte ein BarCamp-artiges Format viel besser geeignet sein, die Künstler wirklich zu unterstützen.

Ein Barcamp ist eine Unkonferenz – eine #unkomm wäre dann das Gegenteil der Popkomm. Nur das Beste, der Musik förderlichste vom Popkomm-Konzept soll übrig bleiben!

Soweit die Gedanken. Wenn ich Zugang zu einem Musikvenue hätte, würde ich mich sofort mit ein paar Leuten zusammen setzen um zu schauen, wie man sowas organisieren kann. Und auf den zweiten Blick: Mit den Leuten im Quartier für Digitale Kultur im Wiener Museumsquartier ließe sich bestimmt ein Programm zu den Themen Netz, Musik und Elektronik zusammenstellen (auch wenn ich irgendwann vor kurzem behauptet habe, ich würde jetzt ENDLICH mit dem freizeitlichen Organisieren freier Events aufhören;-).

So oder so: Nachhall braucht das ganze, denn nur in Wien ist’s witzlos. Aber eine #unkomm, die den deutschsprachigen Raum übergreift (evtl. in Zusammenarbeit mit dem Future Music Camp?) das wäre doch eine feine Sache – und sei’s nur um dem Herrn Gorny und der Musikindustrie zu zeigen, wie wichtig, nämlich unwichtig sie im Vergleich zur internet- und webgestützten Kreativität wirklich sind.

Zum Abschluss noch ein Vorschlag für ein simples, wirklich auf jedem Rechner ausdruckbares oder schnell nachzubauendes Logo (Schrift: Courier, auf jedem Rechner vorhanden):
Logo unkomm schwarz weiß

Und wenn es doch was mit Farbe sein soll, dann einfach so – mit den roten ‘Das ist falsch!’-Kringerln von MS Word darunter:-D

Logo unkommcolor

Bitte bedienen Sie sich, alles Textmaterial in diesem Blogpost steht unter einer Creative Commons Lizenz (BY), das Logo übergebe ich hiermit in die Public Domain!*

Die Facebook-Page zur #unkomm gibt es hier: http://www.facebook.com/pages/Everywhere/unkomm/90225583130

Vielen Dank für Weiterleitung an MusikerInnen, musikaffine Menschen, Menschen, die in Clubs, Bars, Konzertvenues arbeiten oder solche betreiben, in der Musikindustrie tätig sind, etc. Man kann sich diesen Artikel hier auch als PDF runterladen, zum ausdrucken:)

unkomm-Strategiepapier (PDF, 316 KB)

*Vorausgesetzt, dass Microsoft kein Copyright für die Kringerl beansprucht:-P

Edit (1): Für stärkere Zentralisierung plädiert dagegen der Konzertveranstalter Marek Lieberberg und will alles nach Frankfurt um die Musikmesse vereinen. Für ihn war das Aus der Popkomm “vorprogrammiert”.

Edit (2): Offensichtlich wird Gornys Behauptung generell wenig Glauben geschenkt, wie folgende Umfrage zum Artikel auf tagesschau.de zeigt (gefunden via Fefes Blog, danke Martin Leyrer für den Hinweis.

Umfrage tagesschau


Twitterhike zum BarCamp Vienna

5. Juni 2009

TwitterhikeZum letzten BarCamp Klagenfurt fuhr der Twittertrain, zum BarCamp Vienna soll nun der Twitterhike führen: Am 13./14. Juni 2009 findet das nächste BarCamp in Wien statt, über den Wipfeln des Kahlenbergs und in den Hallen der Modul University. Ab 10 Uhr soll es dort beginnen, insofern ist der Vorschlag der folgende:

Termin:
Samstag, 13. Juni

Treffpunkt Twitterhike:
Endstation der Linie D: Beethovengang
(Der D-Wagen fährt am Südbahnnhof los in Richtung Nußdorf, Stationen auf der Route sind u.a. Schwarzenbergplatz, Dr. Karl-Renner-Ring, Schottentor, Franz-Josefs-Bahnhof (Julius-Tandle-Platz), Augasse, Heiligenstadt)

Uhrzeit:
Treffpunkt 8:15
Um spätestens 8:30 wanden wir hinauf zum Kahlenberg, eine Stunde sollte nach Einschätzung von Kahlenbergwanderern und bewohnern ausreichen. Um 10 Uhr beginnt das BarCamp am Kahlenberg.

Wer ist dabei? Bescheid sagen kann man über das Facebook-Event, oder ohne Facebook hier auf dem Blog, oder jederzeit via Twitter. Hashtag ist #twitterhike

Ich freue mich!


Nicht vergessen: BarCamp Vienna im Juni

23. April 2009

Wo der Mai schon fast da ist und bald die Sommerpläne geschmiedet werden – vergesst nicht auf das BarCamp Vienna am 13./14. Juni und plant es jetzt schon in eure Kalender ein bzw. meldet euch auf dem Wiki an! Eine offene Konferenz, jeder darf kommen, jeder darf vortragen – wer schon einmal da war, kennt diese Regeln, aber sie sind wichtig:

* 1st Rule: You do talk about Bar Camp.
* 2nd Rule: You do blog about Bar Camp.
* 3rd Rule: If you want to present, you must write your topic and name in a presentation slot.
* 4th Rule: Only three word intros.
* 5th Rule: As many presentations at a time as facilities allow for.
* 6th Rule: No pre-scheduled presentations, no tourists.
* 7th Rule: Presentations will go on as long as they have to or until they run into another presentation slot.
* 8th Rule: If this is your first time at BarCamp, you HAVE to present. (Ok, you don’t really HAVE to, but try to find someone to present with, or at least ask questions and be an interactive participant.)

Und vergesst auch nicht auf alle die anderen BarCamps, die anstehen – z.B. das erste BarCamp Dornbirn Anfang Juni!


Kurzes Ping nach dem BarCamp Klagenfurt

9. Februar 2009

Kurz: sehr, sehr schön war’s! Zu den einzelnen Tagen am BarCamp Klagenfurt etwas später mehr – und ich habe schon lange nicht mehr so viel über teilweise so Banales gelacht wie auf dem Twittertrain nach Klagenfurt und zurück. Ich empfehle auch dringend, sich das Video anzusehen, das Heinz Grünwald im Zug gemacht hat: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Twittertrain und dem Zug nach Graz (?).

Hier sind auch schon einmal die Slides zu meiner Session zum Thema “Twitterforschung: Der Initiationsritus des Microblogger/in-Werdens” – ich habe mein Audio aufgenommen und plane, dass auch noch bei Slideshare einzubetten (dauert aber noch etwa, ich twittere es dann). Vieeelen Dank auch für die Rückmeldungen einzelner Twitterer und potenzieller Interviewees, die ich bereits erhalten habe – ich melde mich im Lauf dieser Woche.


Mit Twitterforschung im Gepäck geht’s auf zum BarCamp Klagenfurt!

6. Februar 2009

Irgendwie freue ich mich diesmal ganz besonders auf’s nächste BarCamp, diesmal in Klagenfurt. Durch die Notwendigkeit der Anreise, die Tatsache, dass es damit drei Tage in Anspruch nimmt und natürlich weil es den Twittertrain gibt, fühle ich mich ein bisschen wie vor einer Klassenfahrt: nervös und vorfreudig!

barcamp klagenfurt 2009

Ich habe mir selbst ein wenig Twitterforschung eingepackt – was ich vorstellen möchte ist die Grundlage und Voraussetzung für einen sich auf dem übernächsten Abstraktionslevel befindlichen (Actor-Network Theory und Diskursforschung, um nicht gleich Diskursanalyse zu sagen) Vortrag für eine KOnferenz im Sommer. Das Proposal ist eingereicht, Ende Februar soll die Benachrichtigung erfolgen.

Hoffentlich ist Platz dafür beim #bcklu – die Liste der Vorschläge für Sesssions ist jetzt schon gut gefüllt!


Rückblick aufs AfrikaCamp – Transfer gelungen!

2. Februar 2009

Am Samstag fand das international erst zweite AfrikaCamp hier in Wien in der Walz statt. Ich gebe zu, dass ich ein wenig nervös war: In den Stunden, bevor ein BarCamp losgeht, liest man meist schon zahllose Twitter-Nachrichten, in denen Leute berichten, dass sie sich nun auf den Weg machen.

Am Samstagmorgen war solches Gezwitscher jedoch noch ziemlich verhalten – es sollte sich jedoch herausstellen, dass das nicht an einem Mangel an Teilnehmern lag, sondern nur ein Zeichen dafür war, dass es in der Tat mit dem AfrikaCamp gelungen war ganz neue Teilnehmergruppen anzusprechen. So viel Erstlinge wie hier hat es selten auf einem BarCamp gegeben, und erfreulicherweise zeigte sich, dass das Gelingen einer offenen Konferenzstruktur nicht von einem möglichst hohen Anteil alter Hasen abhängig ist!

afrika camp walz 1

Der Transfer der BarCamp Idee in die Welt der Entwicklungsstimulation und der nicht kommerziellen/profitorientierten Organisationen gelang aus meiner Sicht aufs beste (ich hoffe, dass der Transfer in die Welt der Wissenschaft ebenso gelingen wird; aber dazu ein andermal).

Eine Übersicht der Sessions findet sich auf dem AfrikaCamp-Wiki; zu einigen Sessions möchte ich hier gleich ein paar persönliche Notizen festhalten.

Bislang völlig an meinem Bewusstsein vorbeigegangen war etwa die Debatte um Peak Oil, das heißt, um den Augenblick, an dem das globale Ölfördermaximum erreicht sein wird. Sobald Peak Oil erreicht ist, werden sich sämtliche Wirtschaftsprozesse an einer neuen Rationalität der Energieaufwandsminimierung orientieren müssen – interessant war die Frage, wie Michael Cerveny aufzeigte, ob dies möglicherweise auch eine Chance für die afrikanischen Länder bedeuten könnte (weil etwa der energieintensive Transport von Handelsware wie niederländischen Zwiebeln oder spanischen Hühnerschenkeln sich für die europäischen Spediteure nicht mehr lohnen und die afrikanischen Märkte sich durch Lokalisierung regenerieren können würden) oder ob im Gegenteil die Abhängigkeit von Energiequellen sich dort am dramatischsten auswirken würde.

afrikacamp walz 3

Ebenfalls sehr spannend war die Session von Valerie Hackl zum Thema Soziales Franchising, das sie am Beispiel einer in Kenia operierenden Apothekenkette illustrierte. Die Franchisenehmer sind in der Regel Krankenschwestern, die nach einem finanziellen Einsatz und dem Absolvieren eines Trainingsprogramms sich mit einer Apotheke – beziehungsweise präziser einem Child and Family Wellness Shops – selbstständig machen können. Die Produkte, die sie in ihrem Laden verkaufen, beziehen sie direkt vom Franchisegeber, was nicht nur die Beschaffung der Medikamente erleichtert, sondern auch durch den Franchisegeber vordefinierte Qualitätsstandards etabliert. Mit diesen Läden wird vor allem in ländlichen Gebieten eine grundlegende Verfügbarkeit von Medikamenten erzielt, die sonst nicht beziehungsweise erst durch eine Tagereise in ein städtisches Krankenhaus möglich ist. Für die Franchisenehmer bedeutete das Programm die Möglichkeit zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit – die Schaffung von Arbeitsplätzen ist in afrikanischen Ländern ebenso wie in europäischen das Um und Auf. Social Franchising ist auch das Thema von Valeries Diss.

ICT4D.at (bzw. Austrian Network for Information and Communication Technologies for Development) – selbst ein Sponsor des AfrikaCamp – stellten ein gegenwärtiges Filmprojekt – UZI Africa – vor:

UZI Africa is the working title of an upcoming documentary that sets out to illustrate the ongoing mobile phone craze in Africa, particularly in Zanzibar. Its intention is to present moving images of contemporary Africa with focus on people’s lifestyles, popular culture, habits, activities and opinions in the context of mobile technology usage. The movie portraits individuals from all segments of society: students, rappers, teachers, athletes, vendors, watchmen and many more. What they all have in common is that they are connected and have unique stories to tell. Contrasts, strong visuals and a cool soundtrack will present these issues and, in a broader sense, raise the awareness of the ICT4D movement.

Außerdem interviewten sie (Martin Konzett, Florian Sturm und Anders Bolin) die Teilnehmer des AfrikaCamp – jede und jeder war eingeladen, eine fünfminütige Wortspende abzugeben. Die Ergebnisse werden unter anderem auf dem YouTube-Channel von ICT4D.at verfügbar sein (Username bei Youtube ohne Punkt: www.youtube.com/ict4dat). Die Beiträge von Helge Fahrnberger, Valerie Hackl und Christoph Chorherr sind bereits online. (Das Fish Eye, das sie verwendet haben, ist allerdings fierce – siehe Christophs Vorstellung des Projekts Ithuba Skills College unten)

Auch der Ort an dem die Veranstaltung stattfand hatte seinen eigenen Reiz: das Wiener Lernzentrum Walz stellte dem AfrikaCamp Seminarräume, Infrastruktur, Aufenthaltsräume und Küche samt Personal zur Verfügung.

Die Walz ist eine projektorientierte Privatschule, deren Schwerpunkte in den Bereichen höhere Bildung, Persönlichkeitsentwicklung und Praxiserfahrung (wobei man sich am Lehrplan des Oberstufenrealgymnasiums mit Bildnerischem Gestalten und Werkerziehung orientiert). Die Räume hatten ihre ganz eigene Atmosphäre und ich bin sicherlich nicht die einzige gewesen, die sich wünschte die Gelegenheit gehabt zu haben in eine solche Schule zu gehen. Diesem Plakat, das in einem der Schul-/Seminarräume an der Wand hing, kann ich jedenfalls nur rundum zu stimmen:

afrikacamp walz 2 kappa

Schön wäre es, wenn solche alternativen, fähigkeitsorientierten Initiativen auch im regulären Schulsystem möglich wären – schade, dass der Staat, ob in Deutschland oder Österreich, so etwas nur in Privatschulen zulässt, die natürlich nur für wenige erschwinglich sind.


Das nächste BarCamp ist ein AfrikaCamp

29. Januar 2009

Und so schnell geht der Januar vorbei: am Samstag, 31. Jänner, findet in der Walz nächste BarCamp mit dem Focus Afrika statt. Die Themen: “Entwicklungszusammenarbeit 2.0, Informationtechnologie in der Entwicklungszusammenarbeit, innovative Internetprojekte mit Afrikabezug, etc.

Ziel ist der Austausch auf Augenhöhe zwischen Menschen mit beruflichem oder projektmäßigen Afrikabezug. Vorträge, Projektvorstellung, Erfahrungsaustausch, Diskussionen.”

Ich bin gespannt auf die Vorträge, freue mich insbesondere, dass auch Philipp Budka aus der Internetforschungsgruppe teilnehmen wird, um seinen Forschungsstand zur indigenen Nutzung von Kommunikationstechnologien vorzustellen.

AfrikaCamp

Weitere Informationen findet man auf dem BarCamp Wiki. Schon jetzt vielen Dank an die Sponsoren: Telekom Austria die NGO ICT4D.at, Fairtrade, Freewave und das Wiener Lernzentrum Walz (danke an Renate und Christoph Chorherr), das die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.


Der schlimmste Tag in meinem Leben

23. November 2008

…war sicher nicht heute! Schön war’s auf dem BarCamp Graz, super war’s organisiert, sehr nette Leute, die interessante Dinge zu erzählen hatten waren da und weil die Sonntage ja immer etwas ruhiger sind, war viel Zeit zum Diskutieren, und viel gibt’s noch zu notieren. Notiz folgt! Den schlimmsten Tag ihres noch jungen Lebens hatten jedoch diese Mädels, die David Archuleta super fanden.

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BarCamp Vienna bei HP – SUPER! Und: Keiner soll hungern!

5. Oktober 2008

Gerade zurück vom zweiten Tag des BarCamp Vienna 2008, der etwas leerer (soll heißen: nicht proppenvoll) war und bei dem die Diskussionen darum teilweise noch intensiver waren. Die Vielzahl der Räume war wirklich ein Bonus, dadurch waren auch vier und fünf parallele Sessions möglich (nur im großen Raum fühlte man sich manchmal ein bisschen einsam – für plenumartige Zusammenkünfte zu Beginn und Ende ist so ein Raum aber klasse). Werde meine Session vermutlich heute abend noch dokumentieren, danke an Luca für den Livestream und an Heinz für das Twitterfeedback dazu – fantastisch, dass so etwas klappt in der schönen bunten Web 2.0-Welt: Feedback bekommen von Personen, die per Webvideo an einer Veranstaltung teilgenommen haben. Und besonderen Dank nochmals an Michaela Amort, Dieter Zirnig und Max Kossatz a.k.a Orgateam from Heaven für das zauberhafte Ereignis!

Unglaublich gut ist auch das BarCamp-Panorama von Stefan Kuzmanov a.k.a. Vollwertmedia geworden – das sollte HP für die vielfache Abbildung des Logos (auf den Bändern) und des Firmengebäudes in so exquisiter Form direkt noch einen finanziellen Dank wert sein! Und ich bin doppelt froh, dass ich die roten Stiefel angezogen habe – das ist ja fast schon aufdringlich, die Präsenz, die das entwickelt:-) (und ich hab mal wieder einen Link, den ich der Mama schicken kann und dank dem der Kram, den ich mache, nicht mehr ganz so obskur wirkt für sie – hoffentlich).

Jede Menge Fotos gibt es auch auf Flickr sowie auf Facebook – jenseits des Logins, aber dort wird es eh jeden erreichen, den/die es angeht, daher kein Link.

Am Ende des Posts noch eine Frage, die mich persönlich beschäftigt: Hat dieser Mann Hunger? Wer ist er, so dass man ihm helfen könnte? Er ist in Wien häufig anzutreffen gegen Ende von Veranstaltungen, d.h. wenn die inhaltlichen Themen bereits abgefrühstückt sind und das Buffet aufgetischt wird. Letzteres wird der Grund sein, warum ihm im MQ schon der ad hoc Name “young buffet vulture” gegeben wurde. Spricht man ihn darauf an, warum er das macht (vielleicht schreibt er ja ein Buch darüber, wie man billig durch Wien kommt?) gerät das Gespräch schnell ins Stoclen – obwohl er ansonsten gerne in Gespräche hinein horcht und sich bei passender Gelegenheit einklinkt (mich etwa fragte, ob ich meine Stiefel wirklich nur angezogen hätte für die Schuhfotoserie auf Datenschmutz.net, was Gegenstand einer früheren Unterhaltung von mir mit Ritchie P. gewesen war). BarCamps sind ein Geben und Nehmen – er nahm nur die Brötchen, vom Wissen der andern wollt’ er ganz bescheiden gar nix haben. Muss jeder selbst wissen, war er besser verdauen kann.

EDIT: Mr Anonymous hat jetzt schwarze Balken – so kann man ihn nur erkennen, wenn man ihn kennt, oder er sich selbst, falls er vorbeikommt. Michaela meinte, ich stelle ihn an den Pranger, daher etwas mehr Privacy – ich sehe das etwas anders, zumal mich Buffet Vulturing als Phänomen (der digitalen Bohème? am Rande der Corporate World?) in der Tat interessiert. Lohnt sich, das mal aufzugreifen.

Hat wohl mit meiner Herkunft vom Lande/aus bildungsfernen Schichten zu tun – wo die Mittel knapper sind, gibt es nichts gratis, und auch bei BarCamps ist das Essen ja nicht gratis, sondern quasi angenehmer Nebeneffekt für das Engagement und Teilnehmen. Wann immer ich in solche Buffetrunden gerate (auf Konferenzen/bei Unternehmenspräsentationen) habe ich selbst nochmal meine Momente der Entfremdung – dann denke ich daran, wie meine Mutter mit großen Augen vor solchen Buffets stehen würde, oder ganz daran, wie sie mir einmal berichtete, dass es irgendwo Brötchen gratis gab und wie ungewöhnlich und lecker die gewesen waren und was das alles wohl gekostet haben muss/was sie sich dadurch erspart haben, wieviel sie (mit leicht schlechtem Gewissen) gegessen haben…

Wer erst einmal qua Bildung und Arbeit die soziale Leiter aufgestiegen ist, dem werden immer mehr Annehmlichkeiten dieser Art zuteil – der kann sich auch mal das Geld fürs Abendessen so ersparen. Insofern sind Buffet Vultures natürlich eigentlich begrüßenswerte Keile / Stolpersteine im Getriebe des kapitalistischen Begünstigungssystems – von außen betrachtet. Von innen betrachtet sieht das anders aus – da find ich (ich als eingemeindet ins System) es doof, dass da einer sich nicht für die Inhalte interessiert (hätte ja teilnehmen können am BarCamp) und wenn man nachfragt auch noch patzig wird. Das System ist halt opaque und widersprüchlich…

EDIT EDIT: Buffet Vultures verfügen über das kulturelle Kapital, das es ihnen erlaubt, sich so unters Volk zu mischen. Putzfrauen nicht. Die müssen ihr Abendessen darum selber kaufen.

EDIT EDIT EDIT: Je länger das Bild zu sehen war, um so mehr musste ich Michaela zustimmen – zwar war es eher als glossenartiger Abschluss gemeint gewesen, aber dieser selbst imaginierte Kontext verschwindet ja im Laufe der Zeit. Drum isses jetzt ganz weg – immer noch besser fänd ich es aber, wenn betreffende Person sich einklinken würde ihn die Diskussionen, im eigenen Interesse, und nicht erst zum Buffet käme. Dann dürfte man ihn auch fotografieren, ohne dass das Anstoß erregt (was auch wieder eine für sich zu bedenke Sache ist: dass jedeR, der auf BarCamps geht, quasi mit dem Erscheinen zustimmt, fotografiert und ins Netz gestellt zu werden).

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Yay, BarCamp Vienna bei Hewlett-Packard am Wochenende!

30. September 2008

Die meisten der Handvoll Leute, die hier vorbeikommen, wissen es eh schon, aber für den einen oder die andere, die noch ahnungslos sind, sei es nochmal erwähnt: Das nächste BarCamp Vienna steht vor der Tür!

BarCamp Vienna

Termin
* Samstag, 4. Oktober 2008 ab 09:00 Uhr/
* Sonntag, 5. Oktober 2008

Ort

* Hewlett Packard Austria
* Wienerbergstrasse 41, 1120 Wien
* Parkplätze vorhanden

Mehr Info und die Anmeldungsmöglichkeit findet man auf dem BarCamp Wiki. Es sind nur noch allerletzte Restplätze vorhanden!

Ich werde wohl einen Querschnitt aus Youtube-Videos des letzten Jahres präsentieren, garniert mit ein kleines bisschen Theorie dazu, wie man solchen Videoerfolg auf Rezept bewerkstelligen kann.

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