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Medien/Wissenschaft im Web: Öffentliche Wissenschaft, Gender, Tragen, Sport

28. November 2010

Besonders herzlich einladen möchte ich diese Woche zur Teilnahme am Themenabend “Öffentliche Wissenschaft, demokratische Wissenschaft?”, ausgerichtet von der Gruppe Internetforschung an der Uni Wien, bei der ich (zur Zeit ein wenig aktives) Mitglied bin. Eintritt ist frei, es ist keine Anmeldung erforderlich!



Themenabend: Öffentliche Wissenschaft, demokratische Wissenschaft?

Wie geht es der Wissenschaft im Web? Ist eine Wissenschaft coram publico eine bessere Wissenschaft? was sind die besonderen Herausforderungen für WissenschafterInnen, die sich ins Netz begeben – als Privatpersonen und/oder WissenschafterInnen? Ab 18 Uhr beginnt am 7. Dezember im Raum D im Museumsquartier besagter Themenabend mit insgesamt drei Sprechern:
Michael Nentwich ist Direktor des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2003 veröffentlichte er seine Habilitationsschrift Cyberscience. Research in the Age of the Internet, die einen umfassenden Überblick über die durch das Internet eingeleiteten Umbrüche im Wissenschaftssystem gibt. Die aktuellen Entwicklungen hin zu einer Cyberscience 2.0 beschreibt er zusammenfassend in einem Aufsatz. Im Projekt Interactive Science untersucht er derzeit zusammen mit ITA-Mitarbeiter René König aufstrebende Online-Plattformen hinsichtlich ihrer Potenziale für die Wissenschaftskommunikation. Neben diesem Projekt kam König dem Themenfeld „Wissenschaft und Öffentlichkeit“ auch in Arbeiten zu politischer Partizipation und Wikipedia näher.
Cornelius Puschmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er beschäftigt sich mit Internetkommunikation aus sprach- und medienwissenschaftlicher Sicht und erforscht zur Zeit im Rahmen der interdisziplinären Nachwuchsforschergruppe “Wissenschaft und Internet” die Nutzung sozialer Medien in Forschung und Lehre.

Mehr Informationen finden sich auf dem Blog der Gruppe Internetforschung



Social Software: Why Gender is a Text Field on Diaspora

Höchstspannend finde ich folgenden Software- und Gedankenbeitrag von Sarah Mei: Die Ruby-Developerin u.a. für das dezentrale Social Network-Konzept Diaspora erklärt, wieso Geschlecht auf Diaspora über ein Textfeld – statt der üblichen Drop Down Menus oder Radio Buttons – abgefragt wird: Disalienation: Why Gender is a Text Field on Diaspora . Auszug:

But now that Diaspora is in private alpha, more people have started noticing – on twitter, in the bug tracker, and in GetSatisfaction, among other places. Some folks have asked why it’s not a dropdown with two options like everywhere else. So here’s why. […]
So in the last few years I’ve tried really hard to understand what being transgender means. I’ve done a lot of reading and talking and thinking about how we construct a gender identity, and how we perceive others’ gender. I’m certainly no expert, having not lived it myself. But I have discovered that my own gender identity is a bit more fluid than I thought. And perhaps most importantly, I’ve gotten comfortable with the idea of gender as an n-dimensional space, with two big clusters and a hell of a lot of outliers.

Das greift gerade wunderbar in einen Artikel, den ich vor kurzem für die Conference Proceedings der Tagung Medialität der Nähe eingereicht habe – daher auch daraus ein kurzer Auszug:

Sowohl Internet als auch Web werden von verschiedenen Standardisierungsgremien wie der Internet Engineering Task Force (IETF) und dem World Wide Web Consortium (W3C) betreut, die z.B. die Spezifikation von Protokollen, Adressenordnungen oder Auszeichnungssprachen wie HTML zertifizieren bzw. weiterentwickeln. Diese definieren mit unterschiedlich bindendem Charakter den Rahmen für die Gestaltung von Webseiten als jenen Plattformen und Oberflächen, über die bzw. auf denen die Interaktion der UserInnen in und mit dem Web letztlich stattfindet: mit durchaus epistemischen Konsequenzen. So gibt z.B. die HTML-Spezifikation die Typen von Interaktionselementen (controls) vor, die in ein HTML-Dokument eingebettet werden können. Wird z.B. statt einer checkbox ein radio button eingebaut, so kann die Userin nur noch eine der gebotenen Alternativen auswählen (vgl. W3C 1999); ›Geschlecht‹ wird in Webformularen fast ausschließlich über radio buttons abgefragt.

Und an und für sich müsste ich diesen Absatz nach Sarah Meis Entschluss jetzt neu schreiben :-)



Forschungsprojekt: Der tragende Mensch – der Mensch als TrägerIn

Ein ungewöhnliches, m.E. sehr spannend klingendes Forschungsprojekt ist an der Uni Mannheim am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte angesiedelt: Homo Portans. Tragen. Die Faszination des Selbstverständlichen.

Homo Portans widmet sich der Kulturgeschichte des Tragens – will heißen, wir beschäftigen uns mit der menschlichen Fähigkeit, Dinge zu tragen, und mit den vielfältigen Konsequenzen, die aus dieser uns so selbstverständlich und einfach scheinenden Tätigkeit resultieren: Konsequenzen für den menschlichen Körper, für die Entwicklung menschlicher Zivilisationen und Gesellschaften, für die Kultur, für Natur und Umwelt etc.

Spannend klingt dies für mich nicht nur, weil ich mich in letzter Zeit mit dem Sinn und Zweck von Tragetüchern beschäftigt habe (und der Mensch aus entwicklungsbiologischer Sicht ein Tragling ist), sondern auch, weil Mediengeräte im letzten Jahrhundert immer ‘tragbarer’ geworden sind – und immer dauerhafter von ihren NutzerInnen mit sich herumgetragen werden. Das ist im übrigen, scheint mir, noch ein Aspekt, der im breiten Forschungsrahmen von Homo Portans noch etwas expliziter untergebracht sein könnte – ggfls. mag man sich in Mannheim in Verbindung setzen mit Matthias Thiele von der Uni Dortmund, der eben zu diesem Bereich intensiv geforscht hat (auch wenn das aus seiner Homepage nicht klar hervorgeht).



Veranstaltungsrückblick: Wolfgang-Lorenz-Gedenkpreis

Bereits mehrfach auf diesem Blog gefeatured, daher hier nur noch einmal kurz: Gestern wurde der Wolfgang-Lorenz-Gedenkpreis für internetfreie Minuten an Josef Ostermayer aus Anlass des neuen ORF-Gesetzes vergeben. Mehr – inkl. meiner Nominierungsrede für Frank Schirrmacher in der Kategorie Diskurstroll – findet sich hier.



Snippet der Woche

Dem oder der geneigten Medienwissenschaftsstudierenden dürfte Hans Ulrich Gumbrecht vor allem durch Materialität der Kommunikation (1988, zus. mit Karl Ludwig Pfeiffer und Monika Elsner) bekannt sein – über die neue
Google Books Startseite (hohes Serendipity-Potenzial!) bin ich auf dieses interessante, auch verwirrende Bändchen gestoßen. Warum sollten wir den Athleten lobreisen? Etwas für Sportfans, Munition in der Auseinandersetzung mit denjenigen, die meinen, emphatisch über Sport zu reden sei immer schon ein Armutszeugnis – also quasi eine Weihnachtsgeschenksempfehlung, heute, am 1. Advent: In praise of athletic beauty, von Hans Ulrich Gumbrecht, Harvard University Press, 2006 .

Is there a need to praise athletes, or is it not enough that we enjoy watching what they can do? I will come back to this problem later. Now, supposing we could find a strong reason to praise athletes, why does it seem so difficult to use the right words and, above all, to hit the right tone? Certainly, some good and often enthusiastic writing can be found in the sports sections of newspapers every day. The real problem starts when we look for praise of athletic beauty in the world of “high culture.” Here, the United States seems to be an oasis in what is otherwise a wasteland. Renowned American fiction writers like Norman Mailer, Joyce Carol Gates, John Updike, and Tom Wolfe have dedicated famous essays to athletic stars, events, and environments. Others, such as Red Smith and George Plimpton, began their careers covering boxing matches and hockey games and then went on to achieve literary recognition (including, in Smiths case, being the first sportswriter to win a Pulitzer Prize). Perhaps sports commentary has become such an American specialty because of the unparalleled importance of sports in the US educational system, particularly at college level.



Bild der Woche:

Das Bild der Woche ist diesmal ein Bewegtbild der Woche: Das offizielle Video zu “Alloa bam Fraunz” (für die Piefkes: Allein beim Franz) von den Trackshittaz. Die Trackshittaz sind heißester Scheiß in Österreich, seit einer von ihnen – Lukas Plöchl a.k.a. G-Neila – bei Helden von Morgen teilnahm. Ihr Hit: Oida taunz – aber ein Sahnestückchen in Sachen Cultural Mashup ist das noch vor Helden von Morgen veröffentlichte “Alloa bam Franz”, eine Cover-Version von “Alors on danse” des belgisch-ruandischen Rappers Stromae. Der Hip Hop Gestus gefriert bei den Trackshittaz immer nur fast zum Klamauk und behält sich vor österreichischem Landidyll den notwendigen Rest Selbstreflexion bei, wenn etwa G-Neila und Manix (Manuel Hoffelner) am Hochsitz ihre Styles vorführen.
Faszinierend.

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