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Rückblick aufs AfrikaCamp – Transfer gelungen!

2. Februar 2009

Am Samstag fand das international erst zweite AfrikaCamp hier in Wien in der Walz statt. Ich gebe zu, dass ich ein wenig nervös war: In den Stunden, bevor ein BarCamp losgeht, liest man meist schon zahllose Twitter-Nachrichten, in denen Leute berichten, dass sie sich nun auf den Weg machen.

Am Samstagmorgen war solches Gezwitscher jedoch noch ziemlich verhalten – es sollte sich jedoch herausstellen, dass das nicht an einem Mangel an Teilnehmern lag, sondern nur ein Zeichen dafür war, dass es in der Tat mit dem AfrikaCamp gelungen war ganz neue Teilnehmergruppen anzusprechen. So viel Erstlinge wie hier hat es selten auf einem BarCamp gegeben, und erfreulicherweise zeigte sich, dass das Gelingen einer offenen Konferenzstruktur nicht von einem möglichst hohen Anteil alter Hasen abhängig ist!

afrika camp walz 1

Der Transfer der BarCamp Idee in die Welt der Entwicklungsstimulation und der nicht kommerziellen/profitorientierten Organisationen gelang aus meiner Sicht aufs beste (ich hoffe, dass der Transfer in die Welt der Wissenschaft ebenso gelingen wird; aber dazu ein andermal).

Eine Übersicht der Sessions findet sich auf dem AfrikaCamp-Wiki; zu einigen Sessions möchte ich hier gleich ein paar persönliche Notizen festhalten.

Bislang völlig an meinem Bewusstsein vorbeigegangen war etwa die Debatte um Peak Oil, das heißt, um den Augenblick, an dem das globale Ölfördermaximum erreicht sein wird. Sobald Peak Oil erreicht ist, werden sich sämtliche Wirtschaftsprozesse an einer neuen Rationalität der Energieaufwandsminimierung orientieren müssen – interessant war die Frage, wie Michael Cerveny aufzeigte, ob dies möglicherweise auch eine Chance für die afrikanischen Länder bedeuten könnte (weil etwa der energieintensive Transport von Handelsware wie niederländischen Zwiebeln oder spanischen Hühnerschenkeln sich für die europäischen Spediteure nicht mehr lohnen und die afrikanischen Märkte sich durch Lokalisierung regenerieren können würden) oder ob im Gegenteil die Abhängigkeit von Energiequellen sich dort am dramatischsten auswirken würde.

afrikacamp walz 3

Ebenfalls sehr spannend war die Session von Valerie Hackl zum Thema Soziales Franchising, das sie am Beispiel einer in Kenia operierenden Apothekenkette illustrierte. Die Franchisenehmer sind in der Regel Krankenschwestern, die nach einem finanziellen Einsatz und dem Absolvieren eines Trainingsprogramms sich mit einer Apotheke – beziehungsweise präziser einem Child and Family Wellness Shops – selbstständig machen können. Die Produkte, die sie in ihrem Laden verkaufen, beziehen sie direkt vom Franchisegeber, was nicht nur die Beschaffung der Medikamente erleichtert, sondern auch durch den Franchisegeber vordefinierte Qualitätsstandards etabliert. Mit diesen Läden wird vor allem in ländlichen Gebieten eine grundlegende Verfügbarkeit von Medikamenten erzielt, die sonst nicht beziehungsweise erst durch eine Tagereise in ein städtisches Krankenhaus möglich ist. Für die Franchisenehmer bedeutete das Programm die Möglichkeit zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit – die Schaffung von Arbeitsplätzen ist in afrikanischen Ländern ebenso wie in europäischen das Um und Auf. Social Franchising ist auch das Thema von Valeries Diss.

ICT4D.at (bzw. Austrian Network for Information and Communication Technologies for Development) – selbst ein Sponsor des AfrikaCamp – stellten ein gegenwärtiges Filmprojekt – UZI Africa – vor:

UZI Africa is the working title of an upcoming documentary that sets out to illustrate the ongoing mobile phone craze in Africa, particularly in Zanzibar. Its intention is to present moving images of contemporary Africa with focus on people’s lifestyles, popular culture, habits, activities and opinions in the context of mobile technology usage. The movie portraits individuals from all segments of society: students, rappers, teachers, athletes, vendors, watchmen and many more. What they all have in common is that they are connected and have unique stories to tell. Contrasts, strong visuals and a cool soundtrack will present these issues and, in a broader sense, raise the awareness of the ICT4D movement.

Außerdem interviewten sie (Martin Konzett, Florian Sturm und Anders Bolin) die Teilnehmer des AfrikaCamp – jede und jeder war eingeladen, eine fünfminütige Wortspende abzugeben. Die Ergebnisse werden unter anderem auf dem YouTube-Channel von ICT4D.at verfügbar sein (Username bei Youtube ohne Punkt: www.youtube.com/ict4dat). Die Beiträge von Helge Fahrnberger, Valerie Hackl und Christoph Chorherr sind bereits online. (Das Fish Eye, das sie verwendet haben, ist allerdings fierce – siehe Christophs Vorstellung des Projekts Ithuba Skills College unten)

Auch der Ort an dem die Veranstaltung stattfand hatte seinen eigenen Reiz: das Wiener Lernzentrum Walz stellte dem AfrikaCamp Seminarräume, Infrastruktur, Aufenthaltsräume und Küche samt Personal zur Verfügung.

Die Walz ist eine projektorientierte Privatschule, deren Schwerpunkte in den Bereichen höhere Bildung, Persönlichkeitsentwicklung und Praxiserfahrung (wobei man sich am Lehrplan des Oberstufenrealgymnasiums mit Bildnerischem Gestalten und Werkerziehung orientiert). Die Räume hatten ihre ganz eigene Atmosphäre und ich bin sicherlich nicht die einzige gewesen, die sich wünschte die Gelegenheit gehabt zu haben in eine solche Schule zu gehen. Diesem Plakat, das in einem der Schul-/Seminarräume an der Wand hing, kann ich jedenfalls nur rundum zu stimmen:

afrikacamp walz 2 kappa

Schön wäre es, wenn solche alternativen, fähigkeitsorientierten Initiativen auch im regulären Schulsystem möglich wären – schade, dass der Staat, ob in Deutschland oder Österreich, so etwas nur in Privatschulen zulässt, die natürlich nur für wenige erschwinglich sind.

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