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Die Zukunft des User Generated Content

8. Januar 2009

So gerne würde ich ein längeres Elaborat zu diesem Thema schreiben! Allerdings muss ich meine Hände noch immer schonen (bzw. meine Ressourcen sorgfältig einteilen), deswegen gibt es hier nur eine Executive Summary, mit Übergang in ein Minimanifest:

Zu der Debatte über User Generated Content ist seit dem Web 1.0 wenig Spannendes hinzu gekommen. Die Kernfragen scheinen noch immer zu sein: Ist User Generated Content die ultimative Bedrohung für die Massenmedien, oder vor allem ein probates Mittel für Medienunternehmen, die Produktionskosten bis an die Schmerzgrenze zu drücken?

Auf diesen Ebenen wird vermutlich das Erwartbare passieren: Wie auch in anderen Medienkonkurrenzszenarien wird es zu einer mehr oder weniger wechselseitig fruchtbaren Koexistenz zwischen User und Industry Generated Content (UGC vs IGC) kommen – und Dumpingpreise hat es immer gegeben, gerade in der Medienwirtschaft. Auch hier wird die Kompetenz der User steigen, sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen – zugleich ist ‘Aufmerksamkeit’ eine mittlerweile gut eingeführte Währung (‘write an article – get featured’) und wird es auch bleiben. Weitere Tauschgeschäftsformen werden sich daneben entwickeln, gerade in Zeiten einer Finanzkrise.

Having said that… das eigentlich Spannende und kulturell und gesellschaftlich Relevante am UGC ist nicht allein die Gleichgewichtsverschiebung im Verhältnis Produzent/Konsument, und auch die Ausbeutung hoch entwickelter Medienkompetenz (quasi “the dark side of the force”) ist nur halb so skandalös. Wirklich spannend ist die Ausweitung des Spektrums menschlicher Ausdrucksfähigkeit, und die zunehmende Unabhängigkeit dieser Ausdrucksfähigkeit vom Zugang zu klassischen Bildungeinrichtungen und legitimem kulturellen Kapital.

Dies Video ist für mich ein herausragendes Beispiel:

Ein aus Fotografien, Grafiken und simplen Animationen zusammen gestelltes Video zum Song Muhammed Ali (Black Superman) von Johnny Wakeland & The Kinshasa Band; Ausdruck nicht nur einer Produktionskompetenz (Hardware, Software, etc.), sondern vor allem Ausdruck einer hohen kreativen Kompetenz, die Materialien der Pop(ulär)kultur sich anzueignen und neu zu kontextualisieren.

Wer solche Expressivität mit elitistischen Maßstäben misst, etwa ‘ernsthafte’ künstlerische oder gestaltende Qualitäten vermisst, ist auf dem völlig falschen Dampfer: Die Expressivität und Schaffenskraft zählt, die Verarbeitungs- und Artikulationskompetenz in einer kommerzialisierten Welt, die uns zwar alles kaufen, aber nichts besitzen lässt.

Wem gehört die Populärkultur? Sicher nicht der Medienindustrie, auch wenn die Rechtslage (wenig verwunderlich) auf deren Seite ist. Copyrightgesetze werden erweitert werden, vor allem die Definitionen von Fair use werden großzügiger werden (müssen).

Literaturempfehlung in diesem Zusammenhang: Jenkins, Henry. Convergence Culture. New York University Press. 2006.

Wir sind das Volk!

P.S.: Slightly out of context, aber dringend sehenswert/hörenswert: Muhammad Ali singt Stand by me:

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6 Kommentare leave one →
  1. 8. Januar 2009 10:29 vormittags

    Wenn es “geistiges Eigentum” per se nicht gibt, was spricht dann gegen Musik-Abonnements und deren Bezahlung fürs Nichtbesitzen?
    PS: http://mitpress.mit.edu/catalog/item/default.asp?ttype=2&tid=11401

  2. 8. Januar 2009 10:39 vormittags

    ob es geistiges eigentum de facto gibt oder nicht lässt sich de facto nicht feststellen – per rechtslage hat man sich drauf geeignet, dass es es gibt, auch wenn über die frage wo es beginnt und endet wenig einigkeit herrscht; gerade der bereich “fair use” gehört dann wenn schon denn schon auch definiert – und so ein blödsinn wie “three strikes model” (arbiträrer geht es wohl nicht) abgeschafft.

    besitzt du dieses buch und cd (nicht)? darf ich mir mal deine privatkopie borgen?

  3. 8. Januar 2009 12:48 nachmittags

    Klar hab ichs, inkl. Autogramm ;) Hm, könnts dir nur noch bis Ende Jänner borgen #auslandslektüre

  4. 8. Januar 2009 1:03 nachmittags

    ich schau mal ob es in der Uni bib ist (unwahrscheinlich…)

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