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Twitter als Ad-hoc Bildungseinrichtung, Crowdsourcing-Plattform, gelenkte Epiphanie

16. November 2008

Zwei Blogposts zum Thema “Von Twitter profitieren” sind mir gerade (via Twitter:-) vor die Füße gelaufen, das eine, von Howard Rheingold, ganz frisch, das andere, von Mashable, zwei Wochen alt.

University of random twittering (Rheingold):

Several times a day, with increasing frequency and accuracy, one of the people who follows my personal account on Twitter — someone I’ve never heard from before — sends me a specific URL to check out. I check it out. Yes, indeed: this is something I need to know. Within the last couple hours I got one about blogging and the public sphere, and another one about teaching and learning. I try to reciprocate, but not necessarily as a direct quid pro quo — if I see something that someone I follow probably ought to know about, I send a link. A diffuse kind of ad-hoc educational institution emerges from the twittersphere in this way. There is no teacher and no student. We’re all teaching and learning from each other. This article on great twitter moments put it well, I think:

I believe what makes Twitter so valuable are these moments of connectivity that simply aren’t possible through any other communications tool. I’ve had these “Twitter moments” and I set out to discover “Twitter moments” from others as well. What all the following stories have in common is a Twitter user had a question or a concern, and someone (or many people) responded. Twitter was the connective tissue that made that moment happen in a time of need.

Bei dem von Rheingold referenzierten Mashable-Artikel “Great Twitter Moments” geht es eher um praktische Dinge, wie z.B. den günstigsten Rabattcode für einen Computerkauf bekommen, oder um Beweis für die Geschwindigkeit der Twitter-Nachrichten: Wtwa war die Heimat der Eltern einer Twitterati in einen Tornado geraten, was sie am Telefon von Bekannten erfuhr. Sie konnte ihre Eltern selbst aber nicht mehr telefonisch erreichen, und auf Nachrichtenwebseiten war noch nichts zu finden. Mit einem Twitter Geolocator fand sie andere Twitterati, die in der Nähe ihrer Familie wohnten, und blieb so über die Geschehnisse informiert.

In beiden Szenarien ist die Grundkonstellation selbst nichts Neues – Menschen lernen von dem, das andere Menschen gelernt haben, Menschen geben Menschen Informationen weiter, die ihnen weiter helfen. Lediglich die Frage, wie welche Menschen zueinander finden ist besser gelöst, und zwar nach dem Crowdsourcing-Prinzip, dass es effektiver ist, die Person(en) zu finden, die bereits die Antwort auf meine Frage wissen (bzw. über den notwendigen Hintergrund, Wissensressourcen, Erfahrungshorizont verfügen, die Frage schneller als ich selbst zu beantworten), als mir selbst Schritt für Schritt diese Wissenskompetenz (d.h. den notwendigen Hintergrund, Wissensressourcen, Erfahrungshorizont) anzueignen. Im Fall von Twitter folgt man also am besten Personen, die sich mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen wie man selbst, und profitiert von deren täglichen, kleineren und kleinsten Epiphanien (d.h. Eingebungen, Momenten des Erleuchtetseins).

Note to self – hiermit muss ich mich nocheinmal beschäftigen: Crowdsourcing hat diese beiden Aspekte – zum einen die kumulative Meinung der Masse nutzen (das ist der alte “Das Publikum rät das Gewicht der Kuh im Durchschnitt besser als der einzelne Experte“-Witz), zum anderern das Phänomen, das sich Plattformen wie Innocentive zu nutze machen, dass eine Frage, die an viele Personen gestellt wird, meist recht schnell beantwortet werden kann – nicht weil man eine Person findet, die so übersmart ist, dass sie das Rätsel schneller oder besser als andere löst, sondern weil die Person die Antwort schon weiß. Häufig haben sich die Problemlöser bislang aus einem ganz anderen Kontext der Frage angenähert hat; etwa der Betonmischexperte, der via Innocentive einer Firma in Alaska helfen konnte, die ausgelaufenes Erdöl im Eismeer einsammelt und keine gute Methode hatte, um das kalte, klebrige Öl anschließend wieder aus den Transportschiffen herauszubekommen.

Letzteres ist unter anderem hier diskutiert:

Travis, John: „Science by the Masses.“ In: Science. Vol. 319. no. 5871, S. 1750-1752.

Leider ist der Artikel jetzt nicht mehr frei verfügbar:o( – man muss wirklich immer sofort eine PDF-Kopie machen, wenn man einen interessanten Artikel auf einem wissenschaftlichen Journal im Netz findet..

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