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Evolutionssprünge von Narrativen in Social Media Kontexten: Single, Social, On/Offline Mode

29. August 2008

Von den jüngsten, neuen Web 2.0 Spielereien am meisten Spaß macht mir derzeit 12seconds.tv: Gerade mal am letzten Freitag hat Robert Lender 12seconds am BarCamp Traunsee vorgestellt, gestern habe ich schon meinen 2. Award auf 12seconds bekommen, diesmal für das 12. hochgeladene Video. Hip Hip und Hurra.

12seconds ist nur auf den ersten Blick ein verkürztes Youtube: Statt Videos hochzuladen kann man ausschließlich 12 Sekunden-Videos aufnehmen – aus Anbietersicht schon mal eine smarte Entscheidung, weil man sich den ganzen Copyrightärger erspart (oder zumindest die Möglichkeiten dazu begrenzt). Die Verknüpfung mit dem Twitter-Account ist ebenfalls möglich, so dass neu gepostete Videos gleich am Microblog bekannt gegeben werden können.

Das sind aber nur Details für Twitter-Junkies: Viel interessanter ist das User- und Tag-Channel-Feature: Videos in einem Kanal können hintereinander weg angesehen werden, bei einer maximalen Länge von 12 Sekunden nimmt das eh relativ wenig Zeit in Anspruch. Probleme auf User-Seite: Eingesprochene Videos sind meistens viel zu leise, wobei man das natürlich produktiv umkehren und sich auf die Bildebene konzentrieren kann.

Unter den Genres dominiert moment das Public Service Announcement (bzw. der PSA-Style: Menschen sprechen Statements in die Kamera), mit einigem Abstand gefolgt von Microkunst-Essays. Um die Produktivität anzuregen, veranstalten die 12seconds-Macher derzeit tägliche eine Challenge: Gestern war das Thema etwa “The Muppet I most identify with is…” Da man Videos derzeit noch nicht bewerten kann, ist der Sieger wohl das Ergebnis einer Jury-Entscheidung.

In einer eigenen kleinen Retrospektive meiner Arbeit nach 4 Tagen Mitgliedschaft fand ich aufschlussreich zu beobachten, wie sich mein eigener 12seconds-Style in diesem kurzen Zeitraum und unter verschiedenen sozialen Bedingungen änderte:

Das erste Video war ein geschwiegenes: Mikrofon war zwar vorhanden, bei meinem ersten Kontakt mit 12seconds war mir bild- und textbasierte Kommunikation aber noch lieber.

Das zweite: eine Dokumentation über Sinn und Zweck der SPÖ-Mannerschnitten. Quasi ein dezenter Versuch, politisches Kino in 12 Sekunden zu machen.

Das dritte war mein erster Beitrag in einer Challenge, absolut PSA-konform: Ich spreche in die Kamera und erkläre, warum Rowlf mein Lieblingsmuppet ist.

Vor der Aufnahmen von Video #4 bin ich ins MQ geradelt und habe TT in der Videothek fs21 getroffen, H, A und noch jemand gesellten sich bald dazu – ein wichtiges Detail, denn ohne diese Gruppen- bzw. Real Life Social Media Dynamik wäre der folgende Quantensprung in der Narrationsevolution nicht gelungen.

Mit der Blöden Apfelpantomime wollte ich den Anwesenden noch erklären, wie 12seconds funktioniert – als nächstes versuchte sich TT selbst an der Muppet Challenge, und damit nahm es seinen Lauf, das kreative Unheil:

Die Mana Mana Nummer war etwa das Resultat einer Panne: Der Sound wurde perfekt aufgenommen, das Bild stand aber für 11 Sekunden still, um dann die ganze Handlung in eine Sekunde zu pressen. Das Resultat ist Slapstick vom feinsten: Unintentionales nicht Beherrschen von Technik ist nämlich genauso witzig wie das nicht Beherrschen von Körperfunktionen (siehe Charlie Chaplin). Ich lache nicht so wahnsinnig oft, aber über das Video habe ich gelacht, bis mir schlecht war (ist natürlich für Unbeteiligte nie so witzig wie für Beteiligte).

Der Bann war nun gebrochen: Es folgte noch eine Animal-Nummer, eine Gonzo-Impersonation, das Cookie-Monster die Liebe der Gummitelefone (sponsored by Telekom Austria) und drei geswedete Filme: Titanic, 101 Dalmatians, und eine generische 50er-Jahre-Katastrophenfilmnummer mit Postkarten-FX.

Moral von der Geschicht’, gerade im Anblick der vielen einsamen Sprecher vor der 12seconds-Kamera: Social Media wird erst dann richtig lustig, gemütlich, unterhaltsam, sozial, wenn man Social Media mit realer Soziabilität verknüpfen kann. Und das ist die Herausforderung für die nächste Generation der Social Media Anwendungen.

Den Award für die beste Muppets-Challenge haben wir unverständlicherweise doch nicht gewonnen.

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